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68iger Popkultur – Z.B. Uschi Obermaier

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Der Film zur Autobiographie einer Frau aus Bayern, die versuchte/auszog, um das Fürchten zu verlernen. Die politischen Implikationen (Stadtguerrillia und Antisemitismus) zu Teilen der K1 hat Wolfgang Kraushaar in seinem Buch “Die Bombe im Gemeindehaus” ausführlich beschrieben.

In dem Film geht es mehr um die mediale (Selbst-) Inszenierung eines Frauenbildes. Kontrastiert man die Figur der Frau Obermaier beispielsweise mit den Figuren von Conny Froboes und Beate Klarsfeld, dann ist Raum für Überlegungen zu Differenz, Kritik und Selbstbestimmungskultur von Frauen in den 60igern. Akzeptanz und Brüche in der Wahrnehmungskultur der Frauen geben weitere Aufschlüsse über eine Epoche, die mit dem herkömmlich universitären 68er-Diskurs unzulänglich beschrieben sind.

Sex-Symbol der 70er
Uschi Obermaier erzählt ihr “wildes Leben”

Filmfoto
Uschi Obermeier (Natalie Avelon) bei Rainer Langhans (Matthias Schweighöfer) in der Kommune 1 © 2006 Warner Bros. Ent
Sie gilt als die erotische Galionsfigur der Gegenkultur: Uschi Obermaier war eine Pop-Ikone der späten 60er und 70er, Fotomodell, Sex-Symbol, Groupie und Geliebte. “Für diese Frau würde ich jede Revolution verraten”, behauptete Rainer Langhans einmal, an dessen Seite sie für die Kommune 1 posierte. Den Revoluzzern kehrte Uschi Obermaier bald den Rücken und wandte sich Männern wie Jimi Hendrix, Mick Jagger und Keith Richards zu. In ihrer Autobiographie, die auch verfilmt wurde, erzählt sie ihr “wildes Leben”.

Schauspieler Alexander Scheer besucht Uschi Obermaier in Kalifornien. Im Film spielt er Keith Richards und will wissen, wie “Das wilde Leben” so war mit Keith und Mick und all den anderen. “Das hat sehr viel Spaß gemacht”, erzählt Uschi Obermaier. “Leider kann ich mich nicht mehr an allzu viel erinnern. Ich weiß nur, ich habe mich unheimlich gut gefühlt. Aber wirklich erinnern kann ich mich nicht. Na ja, an die wichtigsten Dinge natürlich schon.” Dazu gehören für Uschi Obermaier immer noch die Rolling Stones – Mick Jagger, Keith Richards, beide wollten sie haben.

Ein Spielfilm, die Autobiographie und viele Journalisten
U . O.
Uschi Obermaier ist heute 60 Jahre alt. Ihr wirklich wildes Leben liegt ein paar Jahre zurück. Doch das Interesse an ihr war lange nicht mehr so groß wie jetzt: der Spielfilm, die Autobiographie, Journalisten, die fragen und fragen nach den alten mythischen Zeiten. Uschi Obermeier erinnert sich: “Das fand ich so toll. Da wollte der – wie hieß der ? – Alice Cooper mich kennen lernen, aber das war nicht mein Fall. Aber das finde ich so toll: Ich damals im Nachtclub mit Laufmasche. Ich war schon immer so.”

Das gefiel dem Bürgerschreck Rainer Langhans, und auch dass Uschi Obermaier perfekte Joints drehen konnte. Ende der 60er Jahre waren die Mitglieder der Kommune 1 in Berlin, Fritz Teufel, Dieter Kunzelmann und Rainer Langhans, die Popstars der APO. Sie trieben Politik mit dem Privaten, provozierten das Establishment sogar noch im Gerichtssaal.

K1,an der Wand
Uschi Obermaier war nur ein paar Monate dabei. Der Film “Das wilde Leben” versucht, die Stimmung dieser Zeit einzufangen, ohne sich allzu genau an die Fakten zu halten. “Es wurden Begebnisse zusammengezogen”, sagt Uschi Obermeier, “zum Beispiel in der Kommune 1 – als die alle nackt vor der Wand stehen – das war noch vor meiner Zeit, aber so lange das stimmt von der Essenz her, habe ich überhaupt keine Probleme damit.”

In der Kommune 1 zum Star
Die Kommune 1 machte Uschi Obermaier zum Star. Langhans wurde ihr Manager und schlug Rekordgagen für Aktbilder heraus. “Da musste man mir nicht den Arm erst umdrehen”, meint Uschi Obermeier. “Ich war gleich immer total bereit, weil ich halt eben fand, das schaut gut aus, und so lange es gut ausschaut, ist es OK. Das, was ich nicht wollte, das habe ich nicht gemacht. Wenn da ein schöner Tag war, und die sagten, wir gehen an die Isar, da wollte ich lieber an die Isar gehen, als den Job und dadurch, dass ich nicht so geldgierig war und Jobs abgelehnt habe, haben die gedacht, was ist denn mit der, die muss etwas Besonderes sein.”

Eine Kiezgröße legt ihr die Welt zu Füßen
die 80iger
Seit Jahren lebt Uschi Obermaier bereits in den USA. Irgendwann hatte sie genug von Langhans und dem Gruppenzwang in den Wohngemeinschaften. Sie wollte raus und traf jemanden, der ihr dabei half. Ausgerechnet ein Rocker, eine Hamburger Kiezgröße legte ihr die Welt zu Füßen: Dieter Bockhorn. “Ich bin überhaupt nicht angstfrei”, meint Uschi Obermeier. “Ich hab’ Schiss. Es ist nur die Frage, was macht man damit? Es gibt das Märchen ‘Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen’. Ich bin eher ausgezogen, das Fürchten zu verlernen und das war auch gut mit Bockhorn, der hat mir gezeigt, dass man alle Sachen, vor denen man Angst hat, genau anschaut und seziert. Dann verliert man seine Angst und das stimmt. Das war eine ganz große Hilfe.” Zehn Jahre fuhren Uschi Obermaier und Bockhorn im Bus durch die Welt. Die Welt hatte mehr zu bieten als Rainer Langhans Harem. Uschi ließ sich fotografieren als Beduinin, in afghanischer oder pakistanischer Tracht. Den Bus hat sie für den Film über ihr Leben zur Verfügung gestellt.
Bei den Dreharbeiten in Indien lebt am Set der Spirit der 70er wieder auf. David Scheller spielt Bockhorn, der Silvester 1983 bei einem Motorradunfall starb. Damals endete Uschi Obermaiers wildes Leben, das jetzt Stoff für einen Film ist. Das Casting für ihre Rolle zog sich über zwei Jahre. Natalia Avelon wurde aus 500 Schauspielerinnen ausgewählt. Im Duett mit dem finnischen Rocker Ville Valo singt sie den 60er-Jahre-Hit “Summer Wine”. “Im ersten Moment, als ich sie gesehen habe, dachte ich ‘I can see it!'”, meint Uschi Obermaier. “Da haben natürlich meine Freundinnen gelästert und gesagt‚ die hat aber nicht das oder das. Aber dafür ist sie Schauspielerin und sie hat mich anscheinend auch studiert.” Bei dem kleinen Teil des Films, den sie bisher gesehen habe, findet Uschi Obermaier: “Das macht sie sehr gut, auch die body language”.

Eine Rolle mit Körpereinsatz

Natalia Avelon meint: “Das war keine politische Rolle oder kein tragischer Charakter in dem Sinne. Die Rolle ist wirklich eine leichte Rolle, die sehr, sehr körperlich ist, sehr viel mit körperlicher Ausstrahlung, mit Sexualität zu tun hat.” Ist das wilde Leben am Ende bloß das Leichte, das Mühelose? Uschi Obermaier scheint sich nie verändert zu haben. Sie ist eine Ikone, weil sie dazu gemacht wurde, Objekt sexueller Träume. Sie ist immer bloß natürlich gewesen, sie selbst. Spaß wollte sie haben, frei von allen Zwängen sein, damals wie heute. Ob das als Spannungsbogen für einen Spielfilm reicht, muss sich zeigen.
12.01.2007 / Ralf Rättig (Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr) / hs

references:

Olaf Kraemer, Uschi Obermaier:
High Times. Mein wildes Leben
Heyne 2007, 14 €
ISBN-13: 978-3453130104

Das wilde Leben
Deutschland 2007
Regie: Achim Bornhak
Darsteller: Natalia Avelon, Matthias Schweighöfer, David Scheller, Alexander Scheer, u.a.
Kinostarts:D: 01.02.2007

Rote Sonne
Deutschland 1970
Regie: Rudolf Thomé
Darsteller: Uschi Obermeier, Marquard Bohm, u.a.
Als DVD erschienen bei Galileo Medien AG 2005

Am Tag als Bobby Ewing starb“: Ein melancholisch-schmunzelnder Blick auf das Deutschland der 80er Jahre
Container-Kommune: Rainer Langhans zwischen Mao und Zlatko

12.01.2007 / Ralf Rättig (Kulturzeit) / hs

Written by admin

January 13, 2007 at 9:55 am

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