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Antideutsche Kommunisten durch die Brille der FAZ

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Aus der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ Nr 8 R vom 25. Februar 2007,

bei nada gemopst.

LINKER SPALTPILZ
Für Marx – aber auch für Amerika, den Irak-Krieg, Israel – „Die Antideutschen“ passen in keine Schublade. Und ihr Einfluss wächst

(Markus Wehner)

Sie nennen sich Kommunisten. Sie hassen Deutschland. George Bush ist ihnen ein Mann des Friedens. Der Feind ist der „Islam-Faschismus“. Über alles andere aber geht: die uneingeschränkte Solidarität mit Israel. Seit Jahren mischen die „Anti-Deutschen“ die linksradikale Szene auf. Denn sie sprengen alle Klischees, die es über Linke gibt. In kleinen Zirkeln diskutieren sie über schwierige Texte. Sie mischen sich aber auch in antifaschistische Demos, ziehen plötzlich die israelische Fahne hervor und die „Stars and Stripes“ der Vereinigten Staaten. Da gibt es schon mal Prügel von der Traditionslinken.
Doch die „Anti-Deutschen“ haben Zulauf. Mehrere tausend junge Leute, in der Mehrzahl zwischen 16 und 30 Jahre alt, zählen sich zu der lose vernetzten Bewegung. Es sind Kinder des Bildungsbürgertums, Schüler und Studenten, die im Netz kommunizieren.
Tobias ist einer von ihnen. Der 23 Jahre alte Schüler, der gerade sein Abitur nachmacht, stammt aus Leipzig, wo es eine große linksradikale Szene gibt. Mit 17 schloss er sich einer Antifagruppe gegen Rechtsradikale an, damals verteidigte man ein alternatives Kulturzentrum mit Steinen gegen „die Rechten“. Dann wurde er Mitglied in einer „Antinationalen Gruppe“, die sich später „Antideutsche kommunistische Gruppe“ nannte.
In Leipzig dominieren die Anti- Deutschen schon seit Jahren die linksradikale Szenerie – Hunderte Anhänger zählen sie. Im Kulturzentrum Conne Island in Leipzig-Connewitz ist das Tragen eines Palästinensertuches verboten. Denn der schwarz-weiße PLO-Schal ist das Zeichen einer Kampforganisation, die Israel vernichten will – und damit ein Symbol der Feinde.
Der Kampf gegen den angeblich allgegenwärtigen Antisemitismus ist das ideologische Herzstück der „Anti-Deutschen“. „Wir müssen alles tun, damit Auschwitz nie wieder passiert“, sagt Tobias, der eigentlich anders heißt. Ist denn Auschwitz wieder möglich? „Klar“, sagt der junge Mann, „das sehen wir doch an den ständigen Angriffen auf Israel.“ Im Nationalsozialismus seien die Juden für alles Böse verantwortlich gemacht worden, heute seien es Israel und Amerika. Der Irak-Krieg sei der einzige Weg gewesen, das menschenverachtende Regime von Saddam Hussein zu stürzen.
Einer, der seit Jahren die theoretische Kost für Tobias und seine Gesinnungsgenossen liefert, ist Justus Wertmüller. Der 43 Jahre alte Mann aus dem Berliner Bezirk Kreuzberg ist ein Veteran der antideutschen Denkschule, einer von acht Redakteuren der Zeitschrift „Bahamas“, dem wichtigsten Impulsgeber der Szene. Einst war Wertmüller Mitglied im Kommunistischen Bund. Eine Minderheit der Organisation legte sich 1990 auf eine antideutsche Linie fest. Die Mehrheit bescheinigte den Abtrünnigen, sie sollten ihr Programm doch auf den Bahamas verwirklichen – das sei der „hinreichend entfernte und klimatisch bekömmliche Ort“. So entstand der Name der Zeitschrift, heute Leitorgan der härtesten Anti-Deutschen-Fraktion.
Entstanden sind die Anti-Deutschen aus der Wiedervereinigung, dem Schockerlebnis der Linksradikalen. Als der ostdeutsche „Pöbel“ geschrieen habe: „Wir sind das Volk!“, sei es ihm kalt den Rücken heruntergelaufen, erinnert sich Wertmüller. Hier habe sich gezeigt, wie bedingungslos sich die Deutschen dem Staatszweck unterwürfen. Als rechtsradikale Jugendliche in Ostdeutschland Ausländer angriffen, sahen viele „Anti-Deutsche“ ein Viertes Reich heraufziehen. „Deutschland von der Karte streichen, Polen muss bis Frankreich reichen“ oder „Stalingrad war wunderbar, Nazi-Opa blieb gleich da“ – solche Slogans bestimmten damals ihre Auftritte.
Der Kampf gegen die „Rechten“ ist heute in den Hintergrund getreten. Gerade die Ökologie- und die Friedensbewegung geißeln die Anti-Deutschen als deutschtümelnd und undemokratisch. Wie 1991 hunderttausend Leute „mit primitiven Mitteln“ in Berlin dazu gebracht worden seien, gegen den ersten Golfkrieg zu demonstrieren, sei erschreckend gewesen, sagt Wertmüller. Wieder einmal hätten die Deutschen nicht begriffen, wie viele Menschen sei einem leidvollen Schicksal auslieferten. Damals fanden Linke es zum ersten Mal richtig, Bomben auf den Irak zu werfen – zur Verteidigung Israels. Die Solidarität der Anti-Deutschen mit Amerika ergibt sich fast zwangsläufig – als dem angeblich einzig wahren Freund Israels. Der 11. September 2001 ist den Anti-Deutschen der bisher größte antisemitische Anschlag nach dem Holocaust, ein faschistisches Massaker. „Es gibt kein deutsches Menschenrecht, Israel zu kritisieren“, sagt Wertmüller, der nicht ohne Stolz berichtet, dass seine Redaktion im vergangenen Jahr eine große Solidaritätsdemo für Israel in Berlin angeschoben habe.
Zum Hauptgegner der Anti-Deutschen ist in den vergangenen Jahren der Islam geworden. „Fanta statt Fatwa, Sherry statt Scharia“ lautet die Pop-Formel. Doch auch Theoretiker Wertmüller sieht hier „noch eine echte Front“. Bisher fehle der Beweis für die Behauptung, dass es einen friedlichen Islam gebe. Vielmehr sei die „Welteroberungsreligion“ auf Unterdrückung, Knechtung und einen hanebüchenen Antiintellektualismus gegründet. Gleichsam als Kronzeuge für die eigene Sicht ist auf der Titelseite der jüngsten Nummer von „Bahamas“ Papst Benedikt XVI. zu sehen. In seinen Händen hält er Bücher von Kant und Adorno.
Ist das alles nur versponnen?
Der Einfluss der antideutschen Denkschule wächst jedenfalls, an Unis, bei linken Gruppen. Auch bei der PDS/Linkspartei gibt es eine große proisraelische Minderheit. Der Verfassungsschutz hält die antideutsche Szene für ideologisch verfestigt und beobachtet wachsenden Einfluss. So sind die „Anti-Deutschen“ gerade als Spaltpilz der linksradikalen Bewegung erfolgreich. Ihr Erfolgsrezept ist dabei so einfach wie zuverlässig: Brandmarkte die Linke früher ihre Gegner als „Faschisten“, so nutzen die Anti-Deutschen den Totschlagbegriff des „Antisemiten“. Das zieht in Deutschland fast immer.

references: Was heißt antideutsch?  &  Sehenswert

Written by admin

February 24, 2007 at 6:04 pm

4 Responses

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  1. Der Tobias tut mir Leid, total verblendet und wahrscheinlich genau so schlecht in Rethorik wie der klägliche Rest dieser manipulierten Faschistenbande.

    Gruß aus Leipzig Connewitz

    Zwischen Idioten

    January 20, 2010 at 2:36 pm

  2. achherrjeh, Rhetorik🙂

    Zwischen Idioten

    January 20, 2010 at 3:18 pm

  3. “Brandmarkte die Linke früher ihre Gegner als „Faschisten“, so nutzen die Anti-Deutschen den Totschlagbegriff des „Antisemiten“. Das zieht in Deutschland fast immer.”

    Wow! Zwei Sätzlein die auch wunderbar Platz in der Nationalzeitung oder der Jungen Freiheit finden könnten.
    “Totschlagbegriff Antisemit” … sehr beeindruckendes Vokabular.

    AntiKrautsalat

    August 25, 2010 at 3:54 pm

  4. Fastidious response in return of this difficulty with solid
    arguments and describing all concerning that.

    vision for action

    April 19, 2014 at 3:02 pm


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