Raumzeit

et Philolog

Nazis im Netz

with 2 comments

Propaganda 2.0

Mit Clips von Wölfen und Adlern verbreiten Neonazis auf Videoportalen ihre Propaganda – Kriminalisten auf Spurensuche.

VON ARNE LÖFFEL

 

 

NPD-Video auf YouTube

+ NPD-Video auf YouTube (Screenshot)

 

Die Auflösung ist grob, das Bild holpert ein bisschen. Die Tonqualität ist eher bescheiden. Außerdem dauert es eine ganze Zeit, bis der Server des Video-Portals “YouTube” den Film mit dem Titel “NPD (denn DEUTSCH soll DEUTSCHLAND sein) ” übertragen hat. Die böse Vorahnung, dass jetzt gleich eine beispiellose Darstellung geistiger Armut folgt, bewahrheitet sich: Los geht’s mit einer Zeitlupenaufnahme, die einen Adler im Flug zeigt, im Hintergrund ertönt eine schwülstige Version des Wagnerschen Walkürenritts, das Logo der Partei erscheint im Bild. Die Szene wechselt. Zu sehen ist eine üppige Landschaft, im Vordergrund eine nicht minder üppige, dafür etwas beschränkt dreinblickende Blondine. Sie wiegt sich im Takt der Nationalhymne, die im Hintergrund läuft. Plötzlich ziehen dunkle Wolken über die kitschige Heimatfilm-Szene, dissonante orientalische Klänge überlagern die Nationalhymne und das Bild verdunkelt sich. Ein Sturm treibt schwarze Wolken vor die Sonne, Kornähren biegen sich im Wind. Erneuter Szenenwechsel: Es ist Nacht, zu sehen ist die Silhouette eines Wolfs, der einen Halbmond mit Stern anheult. “Deutscher! Deutschland ist Dein”, mahnt eine Männerstimme aus dem Off. “Lass es Dir nicht nehmen! NPD! NPD! Denn deutsch soll Deutschland sein.” Der etwa einminütige Film kehrt zu dem drallen Mädel und den blühenden Landschaften zurück, im Hintergrund ertönt wieder die Nationalhymne, diesmal mit dem gesungenem Text der ersten Strophe: “Deutschland, Deutschland über alles”. In schnellen Schnitten wechseln sich Slogans der NPD wie “Arbeit für Deutsche” und abstruse Ideen zur Rettung des Abendlandes ab, ehe das Video wieder mit dem schwebenden Adler und einem fetten Tritt in ein nicht näher zugeordnetes Hinterteil endet. Damit aber nicht genug. Weil das Video-Portal YouTube seine Besucher bestmöglich unterhalten will, werden die eingestellten Videos verschlagwortet. Mit diesen Schlagworten, die der Nutzer in eine interne Suchmaschine eingeben kann, findet er Videos, die seinem Geschmack entsprechen. Beim beschriebenen NPD-Video lauten die Schlagworte: rechts, Hitler, Adolf, Sieg, Heil, NPD Deutschland, national, rein und arisch. Wer auf diesem Schlagwort-Pfad weitersurft, gerät schnell recht tief in den braunen Mediensumpf. Hier finden sich selbstgebastelte Musikvideos, eingestellt von Nutzern mit dem Pseudonym “Stolzer Skinhead” oder “Landser”. Sie bestehen oft aus alten Farb-Filmen der Nazi-Propaganda-Abteilung, die Aufnahmen der deutschen Wehrmacht aus dem Krieg zeigen. Oder aus Filmen von Demonstrationen und Nazi-Aufmärschen aus der Gegenwart. Bedenklich ist die dazu komponierte oder geklaute Hintergrundmusik, nicht selten von Bands wie “Störkraft”, deren eine oder andere Platte schon mal wegen Volksverhetzung verboten wurde. Hier grunzt also irgendein Neonazi-Band-Frontmann zu dröhnenden Gitarren ins Mikro, dass die Juden Schuld am Elend der Welt trügen und man sie ausrotten sollte. Wie die Kommunisten, Antifaschisten und andere Gegner der Neonazis. Auch immer wieder gern gezeigt: Prügelszenen, in denen Punks und Antifaschisten von Skins oder Polizei richtig derb auf den Irokesenschnitt bekommen. Diese Entwicklung im Internet ist auch schon dem Verfassungsschutz aufgefallen. Die Informationspolitik dazu ist allerdings eher zurückhaltend. Aber ja, man sei an dem Thema dran, sagt eine Sprecherin des Bundesamts für Verfassungsschutz. Ein Problem ist jedoch, dass der Verfassungsschutz nur dann konkrete Anzeigen an das Bundeskriminalamt weiterleiten kann, wenn sich der Verfasser – oder in diesem Fall der Veröffentlicher – des Videos tatsächlich strafbar gemacht hat und sich zudem noch im Einflussgebiet der deutschen Justiz befindet. Wenn sich der Veröffentlicher des Videos etwa in den USA oder in Skandinavien aufhält, steht auch die Verbreitung der Holocaust-Lüge oder die Darstellung des Hakenkreuzes nicht unter Strafe. Den deutschen Ermittlern sind dann die Hände gebunden. Denn das Internet hat kein Zuhause.Trotzdem scheint es in Deutschland immer wieder besonders dämliche Neofaschisten und Altnazis zu geben, die von ihrem Heim-PC aus die verfassungsfeindlichen Videos ins Netz stellen. Ob sich der Verfassungsschutz tatsächlich auf die Suche nach den entsprechenden Rechner-Standorten begibt, wird öffentlich nicht kommentiert, mit der strafrechtlichen Verfolgung sei das Bundeskriminalamt (BKA) betraut. Dort machen die entsprechenden Stellen ebenfalls dicht, wenn es um Details der Ermittlungen geht: Ein stellvertretender Sprecher, Dietmar Müller, teilt lediglich mit, dass strafrechtlich relevante Fälle an die jeweiligen Landeskriminalämter (LKA) übertragen würden, nachdem der Verfassungsschutz dem BKA einen Hinweis auf solche Videos gegeben hat. Das BKA habe hier nur die Funktion der zentralen Datenverwaltung. Das wiederum bedeutet im Umkehrschluss, dass sich der Verfassungsschutz durchaus selbst auf die Suche nach den Video-Propagandisten macht. Denn wenn die Fälle vom BKA an die zuständigen Länderkripos übergeben werden, muss zumindest bekannt sein, in welchem Bundesland der Rechner steht. Aber weder Bundeskriminalisten noch Verfassungsschützer wollen sich zum genauen Vorgehen äußern.

 

Noch schweigsamer geben sich die Betreiber der YouTube-Plattform mit Sitz in den USA. Auf eine Interview-Anfrage kam eine prompte Reaktion der Presse-Agentur. Als aber der genaue Inhalt der Recherche bekannt wurde, brach die Agentur den Kontakt zur FR ab. Denn die Videos mit verfassungsfeindlichem und volksverhetzendem Inhalt widersprechen nicht nur dem gesunden Menschenverstand und dem guten Geschmack, sie verstoßen auch gegen die Nutzungsbedingungen von YouTube. Die Betreiber sind rechtlich auf der sicheren Seite. Mit dem entsprechenden Häkchen erklären die Einsteller, dass sie vor dem Hochladen der Videos mit den Nutzungsbedingungen von YouTube einverstanden sind. Alles Weitere liegt in der Verantwortung der Nutzer.Bei der Aufdeckung bedenklicher Videos hilft vor allem die Nutzer-Gemeinschaft: Mit einer kurzen Mitteilung können die Zuschauer die Betreiber darauf hinweisen, dass Videos nicht den Nutzungsbedingungen entsprechen. Dann nehmen die Betreiber das Video aus dem Netz und sperren gegebenenfalls sogar den Nutzer (der sich aber unter neuem Namen wieder anmelden kann). YouTube wird nicht selbst aktiv, um die aus aller Welt bestückten und in verschiedensten Sprachen gefütterten Datenbanken nach illegalen Inhalten zu durchforsten.

Das wäre – zugegeben – auch sehr schwierig. Schließlich sind die Grunz-Gesänge auch für einen Muttersprachler nur schwer zu verstehen und die braun verschlagworteten Propaganda- und Hetz-Filmchen verstecken sich gut zwischen historischen oder gar aufklärenden Dokumenten. Zudem geht die Rechtsprechung in den USA sehr großzügig mit verfassungs- und demokratiefeindlichen Inhalten um. Das Recht auf freie Meinungsäußerung wird groß geschrieben und das Internet als nahezu rechtsfreier Raum betrachtet. Deshalb ist die Internet-Gemeinde gerade im Fall von YouTube und ähnlichen Web 2.0-Plattformen wie MyVideo in der Pflicht, selbst auf die Suche nach Nazi-Propaganda zu gehen und die Betreiber der Portale auf die braunen Fundstücke hinzuweisen.

Das Web 2.0
Web 2.0 ist das Mitmach-Web, in dem die Nutzer ihre privaten Daten (wie Videos) mit anderen Surfern teilen.

Der technische Fortschritt im Internet ermöglicht es den Surfern, viele Funktionen zu nutzen, für die früher noch eigene Programme notwendig waren. Heute laufen die Programme direkt im Web-Browser.

Beispiele sind Videoportale wie “YouTube”, die Foto-Community “Flickr”, die Online-Enzyklopädie “Wikipedia”, aber auch der Browser-basierte Word-Ersatz “Writely” oder der Startseiten-Dienst “Netvibes”.

Die Daten aus dem Internet können auch über Handys, PDAs und andere Geräte abgerufen werden. alö

[ document info ]
Copyright © FR online 2007
Dokument erstellt am 28.02.2007 um 17:40:03 Uhr
Letzte Änderung am 01.03.2007 um 13:31:24 Uhr
Erscheinungsdatum 01.03.2007

Written by admin

March 1, 2007 at 6:05 pm

Posted in Ideologie, Internet, NS

2 Responses

Subscribe to comments with RSS.

  1. Il primo primo sarebbe quello di giocare in un Casin dei avanti nel
    Settore incentive, e nel Mese di Marzo in Bonus offerti ai giocatori
    saranno Ancora PI pesanti. http://onlinecasino-deutschland.
    blog.de/ Fr diejenigen, Kontakt von verstrichene Zeit, zeigen und next?

  2. unergrndlichen i hobo camp fgt eine Cash jeder Masse, unabhngig von Beruf,
    Finanzen Status, race oder race. online casino Alle
    Angebote kommen die bescheidenen Durchspielen und Der Standort sind viele,
    warum Spieler alle Slots Spieler 888 Blackjack Online handy Rezitation mit a paar von 888 Blackjack Online Strategien kam.

    online casino

    June 28, 2013 at 6:15 pm


Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: