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Opis Wehrmacht. Heute: Fahnenflucht

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Nach dem ganzen Erinnerungsgequatsche über den Marinerichter Filbinger und seinen postmortalen, schwäbischen Bauchredner MP Herr O. hier ein paar Fakten zum Thema Desertion (Fahnenflucht) in Adolf Hitlers Wehrmacht, entnommen aus der sehenswerten Dokumentation von Hauke Wendler:

Deserteure unterm Hakenkreuz

Leben mit der Fahnenflucht

Knapp 18 Millionen Männer haben in der deutschen Wehrmacht gedient. 100.000, so schätzen Wissenschaftler, wurden fahnenflüchtig. Die meisten hat man gefangen, gefoltert und verurteilt.

Der Film zeichnet das Leben und Leiden von drei jungen Soldaten nach, die nicht mehr mitmachen wollten – die ihren Eid auf Führer, Volk und Vaterland gebrochen haben. Drei Beispiele, die verdeutlichen, was ein Leben mit der Fahnenflucht bedeutete.Mehr als 60 Jahre ist es her, dass Ludwig Baumann das größte Unrecht seines Lebens widerfahren ist. Doch vergessen kann der 84Jährige nicht. Während des Zweiten Weltkriegs hat Baumann zehn Monate in der Todeszelle gesessen, verurteilt wegen Fahnenflucht. Dass ein Militärgericht ihn längst begnadigt hatte, das verschwieg man Baumann. “Jeden Morgen denkt man, jetzt holen sie Dich raus”, erzählt er, “und jeden Morgen bricht man zusammen, wenn die Wachen an der Zelle vorüber gehen.” Der kleine, drahtige Mann macht eine lange Pause. “Das vergisst man nicht. Niemals.”

In den USA haben Militärgerichte im Zweiten Weltkrieg 146 Soldaten hinrichten lassen, in Großbritannien 40. In Deutschland hat die NS-Militärjustiz 30.000 Todesurteile gefällt. 20.000 wurden vollstreckt, so schätzt man, denn genaue Zahlen gibt es nicht.

Auch nach Kriegsende galten Männer wie Ludwig Baumann in Deutschland als vorbestraft. “57 Jahre hat man uns als Vaterlandsverräter beschimpft”, so Baumann, “als Dreckschweine und Feiglinge”. Dass die Urteile gegen Deserteure vor wenigen Jahren aufgehoben wurden, war für ihn und die anderen Überlebenden eine späte Genugtuung. Ein Triumph, den die meisten der ehemaligen Deserteure nicht mehr erleben durften.

Dokumentation von Hauke Wendler (2006)

Phönix Sendetermine: Sa, 21.04.07, 20.15 Uhr, Fr, 27.04.07, 18.30 Uhr, Sa, 28.04.07, 14.00 Uhr

Die Doku hat inhaltliche Schwachpunkte. Der bis heute oft von der Mehrheit der Nazimitläufer erhobene Vorwurf “Deserteur= Feigling=Veräter” mag als ehrenrührig eingeschätzt sein und den Deserteuren einiges Ungemach in der Nachkriegszeit von der Seite der nazitreuen Landser samt ihrer Mischpoke eingebracht haben. Aber warum besteht nach der Selbstdiagnose der hier vorgestellten Deserteure “ich mache bei diesem Vernichtungskrieg nicht mehr mit!” noch das Bedürfnis nach Relativierungen und nachgeholten Tapferkeitsbekundungen?

references:
Hauke Wendler , lebt in Hamburg, ist Journalist und Politologe, hat für das Satiremagazin extra 3 gearbeitet und für ARD und NDR zahlreiche Reportagen und Dokumentationen erstellt.

“Kriegsverräter” ist,wer sich vom Nazi-Regime abwendet,… von Eichis Weblog via planet.schokokeks

Horst Schluckner:

Written by admin

April 27, 2007 at 6:46 pm

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