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et Philolog

Verschleierter Kulturalismus: Kritik der Gender Studies

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Vortrag und Diskussion mit Fathiyeh Naghibzadeh (Filmemacherin “Kopftuch als System- Machen Haare verrückt?” via afbl) und Andreas Ben . Via subwave
Donnerstag 7. Juni 2007, 18.00
Uni Hamburg, Phil-Turm (Von-Melle-Park 8), Hörsaal E
Eine Veranstaltung der HSB in Zusammenarbeit mit der Antifaschistischen Hochschulgruppe. 

Dass der Islam ein Lieblingskind der deutschen Kulturwissenschaft ist, mag diesem akademischen Genre und seiner ideologischen Geschichte eingeschrieben sein. Schwieriger zu verstehen ist jedoch, warum die Gender Studies, die sich hauptberuflich mit der Dekonstruktion von Geschlechteridentitäten beschäftigen, sich dem anschließen. Unter vermeintlich antirassistischen Vorzeichen bringen sie ähnlich viel Verständnis für religiös fundierte heterosexistische Gemeinschaftsideologien auf, wenn diese nur keine westlichen sind. Diese paradoxe Faszination der Akademie für ‘den Anderen’ entspringt jedoch als allerletztes der Sorge um das Schicksal von Einwanderern in Deutschland und Europa. Wenn diese sich religiösen Zuschreibungen entziehen und für Schleier und Scharia kein Verständnis zeigen, kann der akademische Paternalismus nämlich durchaus aggressiv gegenüber dem unwissenschaftlichen Treiben ‘verwestlichter’ Migranten werden.
„Das Kopftuch erscheint heute als der einzige ‘leere Signifikant’, der sich mit dem Geld messen kann“, schreiben Christina von Braun und Bettina Mathes in ihrem Buch „Verschleierte Wirklichkeit. Die Frau, der Islam und der Westen“, welches die zur Zeit ausführlichste ‘geschlechtergerechte’ Formulierung des Ressentiments gegen Aufklärung und Emanzipation darstellt. Dem Islam wird eine feministische Mission zugeschrieben. In immer neuen Varianten kehrt dasselbe Muster wieder: Der Westen steht für die Entschleierung und Entblößung und damit für die Pornographisierung des weiblichen Körpers. Das Kopftuch dagegen symbolisiert den Schutz vor männlichem Voyeurismus und männlicher Gewalt – so als hätte es nie eine feministische Kritik an der gesellschaftlichen Suggestion gegeben, nonkonform gekleidete Frauen trügen bei sexuellen Übergriffen eine Mitschuld, da sie es versäumt hätten, sich durch ‘anständige’ Kleidung zu schützen.
Trotz aller Rede über die vermeintliche Vielfalt der Bedeutung des Kopftuchs kommen letztendlich alle Islamismus-Apologien an der Islamischen Republik Iran als Modell eines Gottesstaates nicht vorbei, der bereits Foucault faszinierte und den Braun und Mathes als alternativen Weg in die Moderne gegen die „pauschale Beschuldigung des Islam“ in Schutz nehmen. Das iranische Regime ist schließlich nicht nur Finanzier und Stichwortgeber des globalen antisemitischen Terrors, sondern auch der Modellstaat, an dem das Frauen zugedachte Schicksal im islamistischen System von Geschlechtersegregation und Zwangsheterosexualität studiert werden kann. via subwave

references:

Einleitungsreferat des AFBLs”Kopftuch als System” 2006 (pdf)

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