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Kategorien der Globalisierungskritik – Leggewie

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Was versteht man unter Globalisierung, und welche Auswirkungen hat sie? Wie lässt sich Globalisierung politisch gestalten?
Das vermeintliche Schreckenswort ist seit geraumer Zeit in aller Munde und taucht fast unvermeidlich in jeder öffentlichen Äußerung auf. Wo immer man über Globalisierung debattiert, wird sie im Spannungsfeld von Hoffnung und Angst, Euphorie und Verteufelung, Utopie und Ideologie thematisiert. Die Häufigkeit der Auseinandersetzung mit ihr steht aber in keinem Verhältnis zum Niveau dieser Verständigungsversuche: Viel Lärm um nichts?
Der Sammelband ‘Globalisierungswelten‘, der von Marcus S. Kleiner und Hermann Strasser 2003 herausgegeben wurde, will Positionen klären, durch einige Unwegsamkeiten der Debatte um die kulturelle Globalisierung führen sowie ihre Mehrdimensionalität und Mehrdeutigkeit herausarbeiten. ‘Globalisierungswelten’ unternimmt den Versuch, Antworten auf die zentralen Fragen zu geben, was Globalisierung ist, welche Chancen und Risiken sie birgt, welche Deutungen und Kritik das Phänomen der Globalisierung bisher erfahren hat, und vor allem die kulturellen Folgen der Globalisierung aufzuzeigen. Führt die Vision vom ‘global village’ zu einer Nivellierung kultureller und ethnischer Unterschiede oder zu einem Diktat der Toleranz der Unterschiede in der multikulturellen Weltgesellschaft? ‘Globalisierungswelten’ kann und will dem Leser keinen Ariadnefaden an die Hand geben, der sie aus dem Labyrinth der Debatte um die Globalisierung und ihrer Folgen herausführt. Sie beabsichtigt vielmehr, möglichst vielfältige Einblicke in dieses aktuelle Thema zu eröffnen.
Autoren des Bandes sind: Anthony Giddens, Pierre Bourdieu, George Ritzer, Claus Leggewie, Nico Stehr, Franz Nuscheler, Winfried Fluck, Bernd Wagner, Joana Breidenbach, Ulf Poschardt, Loic Waequant, Gerd Nollmann, Hermann Strasser, Marcus S. Kleiner und Marvin Chlada.

Der Politikwissenschaftler Claus Leggewie unterscheidet fünf Kategorien der Globalisierungskritik bzw. Globalisierungsgegnerschaft. via bpb

Erstens die meist linke Kritik der Straße, die unter dem Motto “Eine neue Welt ist möglich” ein anderes Gesellschaftssystem entwickeln möchte. Hier finden sich neben Umweltschützern, Frauenrechtlern und Pazifisten am Rand auch gewaltbereite Gruppierungen wieder.

Zweitens machen Insider-Kritiker wie der ehemalige Vizepräsident der Weltbank Joseph Stiglitz auf die “Defekte” der Globalisierung aufmerksam und versuchen soziale Reformen in den Globalisierungsprozess einzubinden.

Drittens gibt es die akademische Linke, die vor allem gegen die “kulturelle Hegemonie des Neoliberalismus” kämpft.

Viertens knüpft eine religiöse Bewegung an die sozialreformerische Tradition der Kirchen an.

Und fünftens gibt es eine rechtsextreme und nationalistische Strömung, die vor allem für einen starken Nationalstaat sowie die Wiedereinführung von Grenzen und Zöllen eintritt.

Prof. Dr. Claus Leggewie

Leggewie_SW.jpg

geb. 1950, ist Professor für Politikwissenschaft an der Universität Gießen. Er lehrte auch an der New York University, der Universität Paris- Nanterre und der Universität Wien. Zuletzt erschien von ihm zusammen mit Erik Meyer „Ein Ort, an den man gerne geht“. Das Holocaust-Mahnmal und die deutsche Geschichtspolitik nach 1945. Claus Leggewie bei suhrkamp

Lesetips:
Rieger/Leibfried:
Grundlagen der Globalisierung. Perspektiven des Wohlfahrtsstaates. (suhrkamp 2001)
Zu Pierre Bourdieu eine Polemik in BAHAMAS #50, “Alptraum von einer Sache” von Justus Wertmüller

Written by admin

June 5, 2007 at 8:04 pm

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