Raumzeit

et Philolog

100. Geburtstag Hedwig Bollhagen

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Sie bezeichnete ihre Keramik schlicht als Töppe. Zwei deutsche Diktaturen konnten ihre Arbeit nicht unterbrechen, der real existierende Sozialismus sicherte sozusagen ihr manufakturielles Arbeiten, das im Westen nach dem 2. WK einging. Ich bin mit dem Geschirr von HB aufgewachsen, am liebsten war mir die gelb-grüne Teetasse mit dem Hühnermotiv ans Herz gewachsen.

Hedwig Bollhagen; Quelle: dpa

Hedwig Bollhagen war eine der bedeutendsten Keramik-Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Stets blieb sie ihrem Konzept treu: das Fertigen ästhetischen Gebrauchsgeschirrs, schlicht in der Form, modern – aber nicht modisch. Nun jährt sich Hedwig Bollhagens Geburtstag zum 100. Mal.

In der Galerie Theis, Neufertstrasse 6 in Berlin-Charlottenburg – unweit vom Schloss Charlottenburg – können Steingut,Keramiken und Fayencen besichtigt und erworben werden oder noch besser: Ein Besuch in ihren Werkstätten in Oberkrämer/Marwitz und wenn Geld übrig sein sollte, kann eine Summe als Zustiftung zur Hedwig Bollhagen Stiftung eingesetzt werden. So können auch zukünftige Generationen die hübschen Sachen vor Ort anschauen.

update juli 2007

Zur Geschichte der Keramikwerkstätten in Marwitz hat mir Juebe (Achtung,Text ist ganz rechts abgelegt) noch massig Hintergrundinfos vorgelegt: Die Werkstätten waren eigentlich im Besitz der Bauhaus-Keramikerin Grete Loebenstein (1899 – 1990), die ihren Betrieb auf Druck der Nazis weit unter Preis verkaufen musste, sie floh 1934 als Jüdin aus Deutschland nach Bornholm. So ganz koscher ist der Betrieb von Frau Bollhagen doch nicht erworben worden und sowohl die DDR als auch die wieder vereinte BRD übt sich in den üblichen historischen Auslassungen. Hier wurde vor der formalen Arisierung eine jüdische Künstlerin und Gewerbefrau aus Brandenburg vertrieben und das mit allen Methoden der noch frisch gewählten Nazidiktatur.

Ausgangspunkt meiner Betrachtung war eine Kindheitserinnerung an eine Teetasse mit Hühnermotiv, herausgekommen ist wieder einmal: Der Tätergeneration, resp. deren Selbstinszenierungen, ist einfach nicht über den Weg zu trauen. Nie!

Written by admin

June 21, 2007 at 9:38 pm

Posted in culture, Egoshice, Personen

2 Responses

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  1. Unter “about” heißt es:
    “Neben der Analyse von Ideologien sollen hier die Erkenntnisse der Kultur-, Lebens- und Technikwissenschaften bereitsgestellt werden. Ausserdem spielt der gesellschaftliche, mediale Dislurs eine massgebliche Rolle.”

    Die Ästhetik der Keramik von Hedwig Bollhagen ist eine Seite – die politische Dimension ist eine andere. Leider wird nach wie vor unterschlagen, in welcher Art und Weise HB von der Arisierungspolitik der Nationalsozialisten profitierte. Mehr dazu hier:

    http://juedisches-berlin.myblog.de/juedisches-berlin/art/183725900/Wer_kennt_Grete_Loebenstein_1899_1990_oder_die_Gegenwartigkeit_des_Vergangenen

    Juebe

    July 15, 2007 at 2:19 pm

  2. Danke für die aufschlussreichen Hinweise,diese Aspekte werde ich noch einbauen😉
    Leider ist bei der Verlinkung zu deinem Beitrag der Selbige nicht sichtbar,der Leser muss auf die Startseite gehen und den Beitrag über Grete Loebenstein manuell suchen.Ist dieser Mißstand zu beheben?
    mist.irrtum.der text ist rechtbündig bei dir abgelegt,das ist nicht sehr übersichtlich,zumindest nicht in meinem browser.

    philolog

    July 16, 2007 at 8:28 pm


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