Raumzeit

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Archive for February 2008

Iran 1978

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chomeiniTrotzkysten,Jihadisten und Revolutionsromantiker verkaufen die Revolte in Iran 1978/79 allzu gerne als Revolution.

Das einigende Ziel der sehr heterogen zusammengewürfelten Aufständigen war die Beendigung des Schahregimes. Michel Foucault hat 1978 während seiner Reise in den Iran einen erhellenden Text zum Mythos “Iran 1979″verfasst:

The Mythical Leader of the Iranian Revolt

by Michel Foucault

Published in Corriere della Sera, November 26, 1978

Tehran – Iran’s year-long period of unrest is coming to a head. On the watchface of politics, the hand has hardly moved. The semi-liberal September government was replaced in November by a half-military one. In fact, the whole country is engulfed by revolt: the cities, the countryside, the religious centres, the oil regions, the bazaars, the universities, the civil servants, and the intellectuals. The privileged rats are jumping ship. An entire century in Iran – one of economic development, foreign domination, modernization, and the dynasty, as well as its daily life and its moral system– is being put into question.
I cannot write the history of the future, and I am also rather clumsy at forecasting the past. However, I would like to try to grasp what is happening right now, because these days nothing is finished, and the dice is still being rolled. It is perhaps this that is the work of a journalist, but it is true that I am nothing but a neophyte.

Iran was never colonized. In the nineteenth century, the British and the Russians divided it into zones of influence, according to a pre-colonial model. The came oil, the two World Wars,and the Middle East conflict,and the great confrontation in Asia. At one stroke, Iran moved to a pre-colonial position within the orbit of the United States. In a long period of dependency without direct colonization, the country’s social structures were not radically destroyed. These social structures were not completely overturned, even by the surge of oil revenue, which certainly enriched the privileged, favoured speculation, and permitted an over-provisioning of the army. The changes did not create social forces, however. The bourgeois of the Bazaar was weakened, and the village communities were shaken by the agrarian reform. However, both of the survived enough to suffer from the dependency and the changes that it brought, but also enough to resist the regime that was responsible for these changes as well. Read more ……

Eine feministisch durchgenderte Antwort auf Foucaults Einlassungen aus 1978 wurde in 2004 von Janet Afary und Kevin B. Anderson veröffentlicht, ein viertel Jahrhundert war ins Land gegangen und der Poststrukturalismus ist an den Unis als ein meist nerviges analytisches Instrumentarium unter vielen anderen in den Proseminaren der nun kulturwissenschaftlich gelabelten Fachbereiche etabliert worden. In schlimmeren Fällen sind Leerstühle für Gender-Studien eingerichtet worden. Hier nun die einleitende Textpassage zu einer Rückkehr an Foucaults ursprüngliche Thesen zur Revolte im Iran der späten 70iger : The Seductions of Islamism – Revisiting Foucault and the Iranian Revolution .

FEBRUARY 2004 MARKED THE TWENTY-FIFTH ANNIVERSARY of the Iranian Revolution. From September 1978 to February 1979, in the course of a massive urban revolution with millions of participants, the Iranian people toppled the regime of Muhammad Reza Shah Pahlavi (1941-1979), which had pursued a highly authoritarian program of economic and cultural modernization. By late 1978, the Islamist faction led by Ayatollah Ruhollah Khomeini had come to dominate the antiregime uprising, in which secular nationalists, democrats, and leftists also participated. The Islamists controlled the slogans and the organization of the protests, which meant that many secular women protesters were pressured into donning the veil (chador) as an expression of solidarity with the more traditional Iranian Muslims. By February 1979, the shah had left the country and Khomeini returned from exile to take power. The next month, he sponsored a national referendum that declared Iran an Islamic republic by an overwhelming majority. Soon after, as Khomeini began to assume nearly absolute power, a reign of terror ensued.

Progressive and leftist intellectuals around the world were initially very divided in their assessments of the Iranian Revolution. While they supported the overthrow of the shah, they were usually less enthusiastic about the notion of an Islamic republic. Foucault visited and wrote on Iran during this period, a period when he was at the height of his intellectual powers. He had recently published Discipline and Punish (1975) and Vol. I of History of Sexuality (1976) and was working on material for Vol. II and III of the latter. Since their publication, the reputation of these writings has grown rather than diminished and they have helped us to conceptualize gender, sexuality, knowledge, power, and culture in new and important ways. Paradoxically, however, his extensive writings and interviews on the Iranian Revolution have experienced a different fate, ignored or dismissed even by thinkers closely identified with Foucault’s perspectives.(…)

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February 26, 2008 at 6:15 pm

George Harrison zum 65.

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Ob mit den Beatles,Solo,als Komponist der Filmmusik zu “Das Leben des Brian” oder mit den Travelling Willburys,die Musik von George Harrison hat mir immer gefallen und ich möchte heute an seinen Geburtstag vom 25.02.1943 erinnern. Am gleichen Tag hat auch der Kopfrocker aus Leer seinen Jahrestag.

Zur Feier des Tages gibt es DingDongDingDong aus den 70igern:

In diesem Video erklärt Georges Sohn Dhani Harrison die Produktion seines letzten Albums “Brainwashed”,dessen Fertigstellung er nicht mehr erleben konnte.

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February 24, 2008 at 5:00 pm

LeserInnen von Raumzeit

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Zettel hat ja vor ein paar Tagen gefragt,warum ihn so wenig Ossis auf seinem Blog besuchen? Ich wurde dann doch neugierig, hatte etwas Zeit und habe stichprobenartig die Zugriffszahlen auf diesen Blog im Februar 2008 hier zuerst nach Bundesländern überschaut:

calculusAus Berlin und Brandenburg kommen rund 29%, NRW 13%, BaWü 12%, Bayern 9%, Niedersachsen 6% und aus Sachsen kommen 3% der Zugriffe.Der Rest liegt unter 3%.

Nach Staaten oder Kontinenten aufgeschlüsselt ergibt sich folgendes Bild: Aus Deutschland kommen rund 73%, 10% aus der Schweiz, 6% aus Amerika und 3% der Zugriffe aus Asien, der Rest liegt unter 3%.

Da Berlin nicht nach Ost und West differenzierbar ist, und ich ohnehin davon ausgehe, dass Berlin völlig verostet ist,kommen rund ein Drittel der Leser aus Ossiland.
Mhhh. Nun ja. Statistik eben.

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February 23, 2008 at 4:14 pm

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Diskurs über 1968 Anno 2008

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Sie kommt langsam in Gang,die 68iger-Retrospektive. Einen Vorgeschmack bot letztes Jahr schon der heisse Herbst 1977 – ein Tummelplatz ekelhaftester, krimineller Personen wurde im Mediendjungel aufgetan. Nun hat sich „der Streit-Historiker“ Götz Aly mit seinem neuen Buch “Unser Kampf. 1968 – ein irritierter Blick zurück” in die Öffentlichkeit begeben, die Sache kommt langsam auf ihren Punkt. Ingo Way hat sich das Buch genauer vorgenommen:

Aly 1968“Will da etwa einer den Nationalsozialismus relativieren? Der Buchtitel Unser Kampf, bezogen auf die Studentenbewegung um das Jahr 1968, läßt darauf schließen. Denn immerhin waren es doch die 68er, die mit der bundesdeutschen Verdrängung der NS-Zeit Schluß gemacht und sich die Aufarbeitung der deutschen Verbrechen auf ihre Fahnen geschrieben haben – und nebenbei der Bundesrepublik zur längst fälligen Liberalisierung und Demokratisierung verhalfen. So jedenfalls die gängige Meinung, die durch die in den vergangenen Jahren verschiedentlich geäußerte Kritik an Auswüchsen der 68er-Bewegung kaum ins Wanken gebracht worden ist.
Götz Aly, Historiker und ausgewiesener NS-Experte – 1968 selbst ein radikaler Linker –, bestreitet diese Deutung vehement. Seine These: Die Studentenbewegung war ein „Spätausläufer des Totalitarismus“, die linken Studenten verachteten Pluralismus und Demokratie und waren darin ihren Nazi-Eltern ähnlicher, als es ihnen lieb war; sie waren der Gewalt zugetan, fröhnten einer deutsch-romantischen Gemeinschaftsideologie und interessierten sich kein bißchen für die Aufarbeitung der NS-Zeit. „Faschismus“ war ihnen eine bloße Chiffre für gegenwärtige Zustände, die ihnen nicht behagten, und hatte nichts mit dem spezifisch deutschen Menschheitsverbrechen der Schoa zu tun. Folgerichtig glitten die Protagonisten in Antiamerikanismus und Antizionismus ab. Die Abwendung von Israel und den Juden war laut Aly Ausdruck der Schuldabwehr – der bundesdeutsche Staat hatte nämlich mit den Auschwitz- und weiteren NS-Prozessen seit Anfang der 60er-Jahre der deutschen Gesellschaft ihre Verbrechen vor Augen geführt. Die Scham über das Verhalten ihrer Eltern hätten die linken Studenten nicht ertragen und die deutsche Schuld in abstrakten marxistischen Kategorien aufgelöst und nebenbei – im Falle Israels – die Opfer zu Tätern umgedeutet.”[…]

Die vollständige Rezension von Ingo ist in der Jüdischen Allgemeinen vom 21. Februar erschienen. Eine geharnischte wie ausführliche Gegenrede zur Ehrenrettung des Linksradikalismus gibt es von Clemens Heni (mir bekannt über seine interessante Henning Eichberg Diss): 1968 war nicht 1933 – Eine Antwort auf Götz Aly.

68 hat vielerlei Facetten,neben der hegemonial gedeuteten Chiffre für die Modernisierung der BRD-Nachkriegsgesellschaft (auch wahrgenommen als Bürgerschreckniss mit Verve für Steinzeitkommunismus) steht 1968 für weite Teile der DDR-Dissidenz als der synonyme Inbegriff für den Prager-Frühling 1968 und dessen Niederschlagung durch die SU und das SED-Regime. Dieser Punkt wirkt heute noch in der Debatte über das Buch von Florian Havemann. Dies allerdings ganz anders, als es zu wünschen wäre: Auf den ehemals oppositionellen Code wird heute ein Anstands-Knigge aufgelegt,der jegliche Debatte über die DDR und ihr 1968 von der Wurzel her abwürgt. Ein später Sieg der SED und StaSi im demokratischen Blätter- und Meinungswald anno 2008. Flori Haves Ansatz, mit seiner assoziativen Brechstange an das Thema heranzugehen, ist dafür selbstverständlich auch mitverantwortlich: Familienpsychologische Introspektiven sind eben nicht immer direkt für den gesellschaftspolitischen Umgang benutzbar.

references:
Unser Kämpfchen
  von Damien 
“Unsere Ehre heißt Treue!”

Antonio Negri über 1968 in Italien
1968-Buch von Götz Aly scheint…
Der Krawallschwabe Götz Aly
Götz Aly rechnet weiter mit den 68er ab
Wir 68iger – Zettels Rückblick

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February 22, 2008 at 11:59 pm

Doktortitel

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Die von Linken oft als totalitarismustheoretische und latent faschismusverharmlosende verrufene “Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur” vergibt 6 Doktorandenstipendien:

Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur leistet umfassende Beiträge zur Aufarbeitung der Ursachen, Geschichte und Folgen der Diktatur in der SBZ und in der DDR, zur Erinnerung an deren Opfer und an das geschehene Unrecht.

Sie fördert mit ihrer Arbeit den antitotalitären Konsens in der Gesellschaft, die Demokratie und die innere Einheit. Im Rahmen ihrer Wissenschaftsförderung vergibt die Bundesstiftung Aufarbeitung 6 Doktorandenstipendien für wissenschaftliche Qualifizierungsvorhaben, die sich mit den Ursachen, der Geschichte und/oder den Folgen der deutschen und europäischen Teilung, sowie den Diktaturen in der SBZ/DDR sowie in Ostmitteleuropa beschäftigen. Bewerben können sich Hochschulabsolvent(inn)en aller in Frage kommenden Fachgebiete bis zum 31. Juli 2008. Die Förderung soll zum 1. Januar 2009 aufgenommen werden.
Ein Merkblatt zu den Antragsbedingungen kann unter www.stiftung-aufarbeitung.de abgerufen werden.

Ihre Bewerbung senden Sie bitte an:
Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Kronenstraße 5
10117 Berlin

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February 21, 2008 at 4:05 am

Vera Lengsfeld regt sich auf

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Und zwar über die CDU: Linksradikale bekämpfen Rechtsextremismus mit Bundesmitteln. Und Dissi regt sich auch auf,nämlich über Vera Lengsfeld und ihre Anti-Antifa: achnö.de.

references:
Demagogie statt Debatte mit Bodo Ramelow

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February 18, 2008 at 10:11 pm

Wahlschlappe der NPD

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February 18, 2008 at 10:03 pm

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