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Christival in Bremen oder wenn Piet-Kongs zu sehr lieben

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Was sind denn Piet-Kongs?
So nannten wir in den goldenen Achtzigern die Theologiestudenten,die sich aus dem Dunstkreis der pietistischen, freikirchlichen, evangelikalen Gemeinden an den Uni-Fachbereich verirrten. In den Seminaren fielen die Piet-Kongs öfters über solche geistreichen Statements auf: “Die wissenschaftliche Erkenntnis XY bedroht meinen Glauben an Gott oder Jesus Christus …”,ein Bibelzitat wurde gechantet und die mehrheitliche Reaktion bei den Kommilitonen waren mitleidige Blicke. In den Pausen waren die Piet-Kongs mit Propagandamaterial und Gitarre bewaffnet,sie verteilten Zettel mit so erbauenden Botschaften wie “GOTT liebt auch Dich!”, “Diskussionen” wurden oft mit christlichen Liedgut aus Eigenkomposition vorbereitet und es ging bibelfest zur Sache. Ein sehr minderheitliches aber nicht zu vergessendes Erinnerungsteil über einen wissenschaftsresistenten Haufen während meiner Unizeit.

Da geistige Armut und fehlgeleitete Identitätssuche leider nie ausstirbt,hat diese Strömung im Protestantismus immer wieder Zulauf. Damien von GayWest hat sich das diesjährige Jugendtreffen der Piet-Kongs in Bremen unter dem Gesichtspunkt der Homosexualtität vorgenommen. Für die Evangelikalen ist die gleichgeschlechtliche Liebe nämlich eine gotteslästerliche Sünde – da ist man mit den Päpsten einig. Da man aber ganz modern dazugelernt hat,wird der Umweg über die quasi pschologische Pathologisierung beschritten: Homosexualität ist demnach nämlich heilbar,wenn Mann nur will.So treiben einige Winkelpsychologen die evangelikal bekehrten Homos in ihre Praxen zur Gehirnwäsche.Diesen “Therapieansätzen” versuchen die Evangelikalen immer wieder einen wissenschaftlichen und gesellschaftlich akzeptierten Anstrich zu verpassen. Das hat Volker Beck und Damien auf die Palme gebracht.Sie kritisieren dezidiert die Veranstaltung,die den Homos Krankheitswert qua ihrer sexuellen Ausrichtung attestieren wollen. Bundespolitisch wird die ganze Sache erst durch Albrechts Tochter interessant.

Die Christival-Veranstalter haben sich so sehr über die Schirmherrschaft der Bundesministerin Frau von der Leyen gefreut,aber selbst der Ordensträgerin der Goldenen Plazenta war die Homophobie der Piet-Kongs in Bremen zuviel,sie liess über ihr Ministerium die Abänderung des Programms in diesem Punkt verlangen,was wiederum Zettel aus der liberalkonservativen Ecke aufschreckte,da er die Meinungsfreiheit und die Neutralität des Staates gefährdet sieht,Damien entgegnet ihm:Ein weiteres Lamento über die bedrohliche Macht der Schwulenlobby?

Den Organisatoren des Christivals schwirrt mittlerweile der Kopf und der Rechtsstaat wird bei ausbleibenden Argumenten notorisch bemüht,soviel kritische Öffentlichkeit sind die Piet-Kongs nämlich garnicht gewöhnt. Angefangen hat das Ganze mit dem Anliegen der Bibeltreuen,dem Bremer Strassenbahnfahrgast das christliche Liedgut mit Gitarre und Chor über die Christivaltage von morgens bis abends in die Köpfe zu hämmern. Dem wurde von den Bremer Transportunternehmen ein begrenzender Riegel vorgeschoben – in Berlin hat vor ein paar Jahren eine ähnliche christliche Musizierpraxis immerhin einen Nazimarsch durch Kreuzberg mit vereitelt. Die homophobe Veranstaltung wurde im Laufe des öffentlichen Disputs tatsächlich aus dem offiziellen Programmteil des Christivals zurückgezogen. So haben die Piet-Kongs ihr Scherflein zur Religionsfreiheit doch noch beigetragen und die Heilige Ursula ist nicht brüskiert geblieben: Die Übernahme von Schirmherrschaften ist eben kein lapidares Unterfangen. Was bleibt? Es wird weiterhin mit dem Legendendbuch des Abendlandes Schindluder betrieben, in diesem Fall auf dem Rücken der Homos.

Written by admin

May 2, 2008 at 8:54 am

2 Responses

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  1. Ihr habt doch keine Ahnung wer Jesus wirklich ist, oder?

    Adrian

    May 2, 2008 at 4:31 pm

  2. […] | kam bekanntlich der Heilige Geist auf die Jünger Jesu herab. Nachdem vergangenes Wochenende die Piet-Kong-Fraktion des Protestantismus ihre mühselige PR-Arbeit in Bremen abgeleistet hat,sind nunmehr die […]


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