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Kulturkämpfchen

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Kulturkriege

Neues und Bekanntes plagt sich mit der Frage herum,was in liberaler Denke gesellschaftlich lebbare Toleranz bedeuten könnte. Dazu arbeitet er sich ausgerechnet an den letzten Texten von GayWest ab.Das erinnert mich nur im Ansatz an die Kampagne der unsäglichen PI gegen die “Krawallschwestern” von GayWest vor ein paar Monaten – sie meldeten berechtigte Zweifel an der Homosoli von Herre & Co an (in diesem Zusammenhang habe ich GayWest erstmalig virtuell wahrgenommen). NuB will aber hoffentlich wohl auf etwas ganz anderes hinaus und Damien hat auch eine Antwort auf NuB’s Fragen und Hypothesen.Noch wird mit harten Bandagen gekämpft und ich bin etwas ratlos,worüber hier eigentlich genau so erbittert gehadert wird.

Hostienentführung

Die katholische Kirche in den USA erholt sich noch von den Kinderschändungsskandalen ihrer Angestellten,ihre Lobbyarmee ist aber noch vollständig handlungsfähig. Der Biologe und Uni-Prof Paul Zachary “PZ” Myers hat während einer Messe die ihm gereichte Hostie nicht gemäss der Lithurgie zu sich genommen,sondern mitgehen lassen – quasi eine Entführung des Leib Christi. Aber nicht genug damit,er hat seine Blogleser dazu aufgefordert,es ihm gleich zu tun und die eroberten,geweihten Oblaten an ihn zu senden,damit er damit kirchenverächtliche Sachen machen kann.Im Blog von Der Misanthrop sind die heftigen Reaktionen von z.B. Bill Donohue der Chef der Catholic League,genauer niedergelegt.

Prof Myers gehen die Einmischungen der christlichen Rackets in den Wissenschaftsapparat schon lange auf die Nerven. Die creationistischen Ansätze haben für einen Naturwissenschaftler etwa den Stellenwert eines Furunkels am Gesäss. Ob die öffentliche Malträtierung einer Hostie ein geeignetes Mittel zur Abwehr der gottesgläubigen,aufklärungsresistenten Papstbanden ist,bleibt noch offen. Der Hostienmisbrauch war nur eine Marginalie.

Ich kann diese spektakuläre Aktion des Biologen aus Minnesota verstehen,klappern gehört zum Geschäft, um eine kirchenkritische Meinung öffentlich wirksam machen zu können.Und die Reaktionen der getroffenen Katholiken reichen von der berechtigten Empörung bis zum handwerklichen Spektrum der chronisch beleidigten Muslime,die gerne über ihre Tötungswünsche und Fatwas den inhaltichen Frieden ihrer Religion in die Weltöffentlichkeit transportieren.Ich bleibe Atheist und die religiösen Ideologien gehören zu den Privatsachen freier Bürger und in die Tempel, bestimmt für diejjenigen, die an ein verehrungswürdiges, höheres Wesen glauben mögen. Erkenntnis ist immer begrenzt – gerade Naturwissenschaftler wissen das. Daraus einen Auftrag für Kirchenagenten abzuleiten,ist mir seit Jahren schon viel zu übergriffig.

Written by admin

July 13, 2008 at 9:27 pm

4 Responses

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  1. Die Kollegen sehen das halt etwas verbissener. Kann man aber auch verstehen.

    NUB

    July 13, 2008 at 9:31 pm

  2. Hi,NUB,
    ich bin an einer liberalen Entwicklung des Toleranzbegriffes interessiert.
    Die stellvertretenden politischen Auseinandersetzungen über Kampagnen und Lobbygruppen beginnen langsam aber stetig,den Atavismus dieser Politikform immer mehr zu spüren. Mir fällt aber auch nichts ein,was diesen Status überwinden helfen könnte – Sophistereien auf den Wellenbergen dieser Kampagnen führen ja auch nicht unbedingt weiter.
    Ich hoffe auf einigende Grundthesen mit GayWest,damit es weitergehen kann😉

    zuppi

    July 13, 2008 at 9:47 pm

  3. Hi zuppi,

    mit GayWest habe ich eigentlich sogar einen breiten Konsens. Es ist aber auch so, dass man mit Fundi-Christen leben muss, von denen es in den USA mehr gibt als hier. Die Entwicklung eines Toleranzkonzepts hat in diesem Zusammenhang durchaus eine Bedeutung. Mit “ach die religiösen Spinner” ist es nicht getan, ich finde auch nicht, dass man dem Gläubigen zur Last legen kann, dass sein Glauben einen bestimmten Inhalt hat, der z.B. mit Homosexualität nicht vereinbar ist. Das Argument, Sexualität sei keine öffentliche Angelegenheit ist dagegen aber gut und wird von mir auch geteilt. Wie gesagt.

    NUB

    July 14, 2008 at 7:06 pm

  4. hi nub,
    zumal der disput fundi-christ versus homo nicht nur in völlig abgetrennten zonen funktionieren muss,auch innerhalb der (amts-) kirchen leben viele homos,die sich dem auschliesslichkeitsverdikt der fundis widersetzen,die also sehr wohl eine vereinbarkeit zwischen den angeblich höllischen gegensätze von christtentum und homosexueller lebensweise herstellen wollen,die dafür mit ihrer eigenen biographie auch einstehen wollen..
    insofern wird ja der liberalisierungsdiskurs in die kirchen – mit teilweise beachtlicher positiver resonanz aus den reihen der gläubigen – in alle gliederungen der kirchen hinein getragen.
    die fundis befinden sich da quasi in der märtyrer- löwengrube,von innen und aussen angefeindet,mit dem höllenabgrund als motivator für ihr verbissenes tun.
    die fundis könnten einem in ihrer verbissenheit schon fast wieder leid tun.aber als atheist darf ich da natürlich kein mitleid verteilen,vielmehr solidarisiere ich mich mit den leuten der (auch christlichen) gay-liberation-front,die irgendwie den weg aus dem finsteren mittelalterlichen wertekanon zu erreichen versuchen.
    für mich als schmettelringssammler von ideologischen streitlinien an den gesellschaftlichen aussengrenzen ist das ein interessanter streitraum.

    zuppi

    July 15, 2008 at 5:53 pm


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