Raumzeit

et Philolog

Archive for July 14th, 2008

Taschenstöckchen

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Martin von MMSenf hat es völlig unverbindlich losgetreten,ich mach mal weiter,die Handycam gibt eine Ahnung von den Objekten des heutigen Nachmittags.

1. Take a picture of your bag.

Die grüne Tasche nehme ich meistens,wenn keinerlei Einkaufspflichten im Supermarkt meinen Alltag versauen.

bag

2. Now dump everything out and neatly adjust them, and take a picture (no matter how embarrassing).

Inhalt 1

i

i

Inhalt 2

3. Talk about the items inside. Detail.

Inhalt 1 von links oben nach rechts unten:

Meine Minitaschenlampe am Minikarabiner – damit kann ich z.B. auch im düsteren mein Zahlenschloss am Rad öffnen und schliessen,Bus- und Tramfahrpläne lesen oder heruntergefallenes Kleingeld aufsammeln.Meistens ist aber die Batterie leer und das Gerät liegt völlig nutzlos in der Tiasche herum – vor allem,wenn es wirklich benötigt wird.

Das rote Brillenetui beherbergt meine Sonnenbrille,die ich n Berlin ganzjährig und nicht nur wegen des Klimawandels in Gebrauch habe.

Mein palm ist mein Gehirn,es wird seit der besseren Leistungsfähigkeit der USB-Sticks aber nicht mehr so intensiv genutzt,praktisch ist aber die drahtlose Tastatur,wenn ich in freier Wildbahn mein eigener Sekretär
sein muss.Für Laptopschleppen fehlt mir meist die Bereitschaft.

Meine Notizblöcke – ich bin seit Zypern auf ein grösseres Format umgestiegen – sind mit Skizzen,Modellen und Buchstabensalat vollgestopft,einen Tag nach Aufzeichnung kann ich das Geschreibsel schon selbst nicht mehr entziffern,aber wer weiss,wofür das noch einmal gut sein könnte.Zuppi kritzelt am liebsten mit Lamy-Kugelschreibern.

Das untere Buch ist ein frisch erworbenes Geschenk für nächstes Wochenende,es handelt von der Vereinigung jiddischer Polizisten.Oben auf liegt ein von meiner Kollegin ausgeliehener Titel von Jens Clausen: Das Selbst und die Fremde – über psychische Grenzerfahrungen auf Reisen.Ich reise bekanntlich höchst ungern,seit dieser Buchlektüre wird mir zunemend klarer,was ich mir durch diese Miesepeterei bis heute so auch an verzichtbaren Erlebnissen erspart habe.Eigentlich habe ich auch von der Welt das gesehen,was mir wichtig war – ein Besuch in Pakistan fehlt mir aber noch.

Inhalt 2 von links oben nach rechts unten

Der Text ist von GRENZENLOS über die Redaktion BAHAMAS,ein ganz frischer Lese-Tipp von Laura.Es scheint sich um die direkten geistigen Nachfahren der Leute von Cafe Morgenland,Fluchschriften – den legendären Fluttext aus 2002 empfehle ich hiermit ausdrücklich zur Lektüre – oder 6000 zu handeln,die dem deutschen Michel von links nach rechts bis in die Mitte kräftig die Migrantenbefindlichkeiten in dieser Republik um die Ohren hauen. Im besagten GRENZENLOS-Text wird Justus Werthmüller des deutschtümelnden Orientalismus bezichtigt,natürlich habe ich die zitierte Zeitschriftenausgabe #54 derzeitig in meinem Bestand,aber online kann der Text auch eingesehen werden – ich bemühe mich um raschen Zitatabgleich des 5. Kapitels: Iwan Kirejewski: Die Aggression gegen den Universalismus,der von antiwestlicher Slawophilie im Russland des 19. Jahrhunderts handelt und den Werthmüller kurz mit dem antiwestlichen Orientalismusverständnis von E. Said in Beziehung setzt.Ansonsten nur historischer Disput,garniert mit fortlaufender Kritik am deutschem Idealismus,um den es den Antideutschen der BAHAMAS besonders zu tun ist.

Aufliegend auf dem Text befinden sich mein leerer Kameraakku, Klebezettel für Kurznotizen und meine Mintpastillen,die über Monate kaum weniger werden wollen,die aber ein rasselndes Laufgeräusch erzeugen,an dem mich Bekannte auch von hinten herannahend rechtzeitig identifizieren können.

Das blaue Buch ist mein Gremienbuch,dort werden alle Notizen und Schriftsätze aus direkten,dienstlichen Besprechungen mit den Ämtern eingelegt,Alan Turing hätte auch hier beim entziffern seine Herausforderung finden können,im Zweifelsfall lese ich meine Einlassungen aber fehlerfrei heraus.Was Andere gemeint haben könnten,ist mir sowieso wurscht. Und wozu gibt es überhaupt Protokolle?

Auf dem blauen Buch liegen ein paar Tintenballschreiber für Käsekästchen, Schiffe Versenken oder TicTacToe,je nach Langweiligkeitsgrad der besuchten Veranstaltungen. Die obligaten Taschentücher und die neu erworbene Dollar Brand CD “Echoes from Africa” – meine 20 Jahre alte Musiccassette hat vor ein paar Tagen endgültig ihren Musikgeist aufgegeben und die Langspielplatte befindet sich im wohlfeilen Besitz von Henriette in Frankfurt.

That’s it,wer Lust hat, auch seine Tasche auszukippen,macht halt weiter mit dem Krams …..

Written by admin

July 14, 2008 at 11:10 pm

Posted in Blogwelt, Egoshice

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