Raumzeit

et Philolog

Köln stellt sich quer,versteht aber nur die Hälfte des Problems

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Dieses Wochenende ist breite Staatsantifa am Rhein gefragt, vom Roncalliplatz am Dom bis zum Gürzenich können sich Antifaschisten über die am Heumarkt anberaumte Antiislamisierungs-Konferenz der Rechtsextremisten von pro Köln informieren – wer proKöln noch nicht kannte,kennt sie spätestens heute –  Update: Die proKöln Demo ist von der Polizei abgesagt worden. Das nicht einmal 100 Aktivisten zählende Häufchen der Bürgerbewegung proKöln hat zum grossen Stelldichein der europäischen Rechtsextremen an den Rhein geladen, vorgeblich 1500 Konferenzteilnehmer werden erwartet: FPÖ/BPÖ, Vlaams Belang, Lega Nord, BNP bis hin zu Le Pen (der kommt aber nicht)  sind zu einer Konferenz gegen die Islamisierung Europas eingeladen worden, das rechtsextreme Lager bis zu den Stiefelnazis ist nach Köln aufgebrochen- den Konferenzort werden sie aber nur schwer erreichen, ein breites Bündnis heisst die Rechten eben nicht gerade willkommen in der Domstadt. Ob der kleine rechtspopulistische Kölner Haufen in der Lage ist, die europäischen Rechtsextremisten mit dem Moscheethema in seiner Masse nach Köln zu mobiliseren,ist allerdings fraglich – dafür erscheint proKöln als zu unbedeutende Kraft und in anderen europäischen Ländern ist die xenophobe Moscheekarte politisch auch schon ausgespielt. Die “Köln bleibt bunt” Szene scheuchen sie aber schon auf und die Kölner Innenstadt befindet sich dieses Wochenende im Ausnahmezustand, proKöln (mit 4,3 % im Stadtparlament) kann sich wieder als Opfer des Systems bei seinen Anhängern verkaufen.

Aufhänger für pro Köln war der längst beschlossene Moscheebau in Köln Ehrenfeld – ein Grossbauprojekt der DITIB, die dem türkische Staat seinen Zugriff auf die in Deutschland lebenden Türken auf religiöser Basis sichert. In Deutschland sind ca 150 Moscheebauten abgeschlossen, getragen werden diese über diverse Moscheebauvereine, die zum Teil äusserst bedenkliche politische Hintergründe haben. Z.B. die MHP, die mit den Grauen Wölfen einen rechtsextremen Schlägerhaufen auch in Deutschland betreibt, der dissidente Türken bedroht und auch mit der NPD beste Kontakte pflegt. Gleichzeitig ruft die MHP ihre Mitglieder und Sympathisanten auf,sich mit ihren islamistischen und nationalistischen Positionen in der hiesigen politischen Zivilgesellschaft  einzubringen. Eine ähnliche Strategie verfolgt Tariq Ramadan,der auch gerne in den linken Zusammenhängen als Platzhalter islamischer Integration in Europa abgefeiert wird. Protagonisten dieser schleichenden Islamisierungsstrategie gilt es zu erkennen und zu bekämpfen. Keine relevante gesellschaftliche Gruppe sollte solche Schariah-U-Boote auch noch mit aufbauen.

Den Aspekt der politischen Einflussnahme von zur Zeit Regep Erdogans Islampartei über die DITIB blenden Antirassisten oder Multikultiprotagonisten gerne aus. Sie tun so, als ginge es bei den Protesten gegen die Moscheebauprojekte nur um Ausländerhass und Antiislamismus. Hier verpennt auch die ausländerfreundliche Mitte bewusst einen Konflikt, der den Rechtsextremen immer mehr Köpfe in die Hände spielen wird. Die Kölner CDU-Fraktion hat sich auch vor diesem Hintergrund gegen das Ehrenfelder Moscheebauprojekt ausgesprochen – die Statdverwaltung war aber in ihrem Genehmigungsverfahren schneller als die regionalen Parteigrössen.

Es ist aber auch unverkennbar, dass die nicht vorhandene Integrationspolitk der Parteien und gesellschaftlichen Gruppen seit den 60er Jahren erst den Boden für die heute vordergründig religiös aufgeladenen Debatten bereitet haben – ich bezweifel stark,dass die Religionsausübung das Hauptproblem der Migranten ist. Sie trifft die hohe Arbeitslosigkeit mindestens genauso stark wie die Eingeborenen und strukturelle Benachteiligungen im Zugang zu Bildungseinrichtungen und Jobs lassen sich nicht mit Koranlesungen oder Gebeten lösen. Schäubles Islamkonferenz ist nur die Spitze der Peinlichkeit deutscher Integrationspolitk.

In einem säkularen,aufgeklärten Staat die Integration von Migranten über die Religion anzupacken, zementiert religiöse Rackets, die nicht in die Zukunft sondern rückwärts gewendet sind, die Opium für’s Volk in einer sonst kalten Welt bereit halten. Anstatt die Migranten an den Segnungen einer modernen Gesellschaft teilhaben zu lassen,werden sie religiösen Ideologen überantwortet. Das ist reaktionär und leider nicht nur die Domäne der Konservativen.

Wer die Migranten erst einmal auf Gottes befohlene Ränge verwiesen hat,wird längerfristig den Eingeborenen dieses Projekt auch nicht verwehren wollen. Ob sich das in Form von Betschwester Glorias Katholizismusphantasien oder im Zwangsdienst zum Sobotnik der Sozialisten ausformt, scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. Freiheit oder Emanzipation haben beide ethische Wellen jedenfalls nicht im Angebot, zu allerletzt natürlich die Kartoffelnasen von proKöln.

PS:

Political Streetlife:In Köln waren heute um die 40 000 Leute unterwegs, in Berlin ist die Friedensbewegung mit 2500 (Link) angetreten (Link) und in Hamburg kamen 100 zur Kundgebung zum Hungerstreik im Iran .

references:

  1. Islamkritik und »antimuslimischer Rassismus«
  2. Köln in Bewegung – Grüne in Bewegung
  3. Islam und deutscher Antifaschismus
  4. Debatte bei Spin.de
  5. Gut, daß wir verglichen haben
  6. Broder, Alter.
  7. „Köln war überschattet von zügelloser Gewalt“
  8. Volksfrontspektakel am Rhein
  9. Nicht die Moschee, der Islam ist das Problem!
  10. … ein Verbrechen?
  11. Von gelb zu braun
  12. Anti-Antis
  13. Daniel Leon Schickora
  14. Liegt Köln in Weimar?
  15. Kölner Verhältnisse
  16. Religion pervetiert den Verstand
  17. Der Rechtsstaat begibt sich in Geiselhaft
  18. “Freiheit die ich meine!”/Anmerkungen zu den Ereignissen in Köln
  19. YouTube-Eindrücke von Islamgegnern und deren Gegnern
  20. Tollerantes Kölle
  21. GEGEN DEN BAU EINES 2. TELL-STÜBCHENS IN KÖLN!
  22. Nach Köln: Was ist der Unterschied zwischen Rechts- und Linksextremen?
  23. Soldatenglück auf linker Friedensdemo in Berlin
  24. Bye bye Demonstrationsfreiheit?
  25. Pro Trottel + “Ein Sieg der Stadt Köln” + Forumsdisko
  26. Antiislamisierungskongress — Demolog- und beurteilung
  27. [Köln] Mehrere Tausend auf Antifa Demo
  28. Rassistischer Kongress in Köln – wer ist alles dabei?
  29. Antinazi-Blog
  30. PHÖNIX: Der Streit um die Kölner Moschee

Written by admin

September 20, 2008 at 1:42 pm

5 Responses

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  1. […] Raumzeit: Köln stellt sich quer, versteht aber nur die Hälfte des Problems […]

  2. “Zivilcourage” ist anscheinend, wenn Verwaltung und Bevölkerungsmehrheit einer winzigen, gewaltlosen Minderheit jegliche Partizipation verweigern und dabei auch vor Gewalt nicht zureckschrecken. Ich bin kein Freund von “Pro Köln”, aber dieser “Aufstand der Anstätigen” kotzt mich noch viel mehr an.

    Tünnes

    September 20, 2008 at 10:10 pm

  3. Für mich hat sich Deutschland heute von der Demokratie verabschiedet und der Rechtsstaatlichkeit einen Dämpfer versetzt. Der Mob hat die Herrschaft übernommen.

    anaximander

    September 20, 2008 at 10:46 pm

  4. Die politische Mitte fürchtet die Nazis ab dem Zeitpunkt,an dem die Braunen ihnen das Mandat oder die Deutungshoheit streitig machen. Am thematischen Aufhänger Moscheebau oder Integration macht sich auch noch die sozialistische, ideologische Aufladung und Diskussionsverweigerung derMitte deutlich. Der kampf gegen Rechtsextreme wird mit Tonnenideologie auf der Strasse und dem Festhalten an Multikultideologien der Achtziger geführt, die Realitäten und Probleme in der Gesellschaft werden geleugnet,. Was Gesetze nicht unterdrücken können,wird mit Gewaltakten auf der Strasse gelöst. Das ist eine perfide,spiegelverkehrte Umkehrung der Verhältnisse der direkten Nachwendeverhältnisse anfang der Neunziger im Osten der Republik,damals waren die Nazis die nützlichen Idioten,heute ist es die Antifa..

    zuppi

    September 21, 2008 at 1:03 am

  5. LINK Reperatur Werkstatt:
    Habe zwei defekte Links repariert: Die Verweise zu Tariq Ramadan und Erdogans Rede in Köln funktionieren nun wieder😉

    zuppi

    October 9, 2008 at 5:58 pm


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