Raumzeit

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Archive for September 2008

RAF-Film: Zuschauerreaktionen

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Die RAF lässt die Nation einfach nicht zur Ruhe kommen – Täterfilm, Opferdemütigung, im besten Fall naive Terroristenempathie oder doch eher Täterverherrlichung? Wie der Eichinger-Streifen so beim Zuschauer ankommt,wird hier in loser Folge dokumentiert:

  1. Buch- und Filmrezension: Der Baader-Meinhof-Komplex
  2. Der Baader-Meinhof-Komplex
  3. Anaximander: RAF-Film floppt
  4. Scrutograph: Wenn das Mass voll ist – Ignes von Hülsen/Ponto, die Witwe von Jürgen Ponto , gibt ihr Bundesverdienstkreuz zurück.
  5. Nichtidentisches: Der Baader-Meinhof-Komplex – Dokutainment und Halbbildung
  6. Power of Will war zur Matinee: Mit Frau Ensslin in der Wanne
  7. Gideon geht erst garnicht in den Film:Der Tropic Thunder Komplex (ein Kinoabend ohne die RAF)
  8. Michael Buback: Buback-Sohn sieht im RAF-Drama einen Täter-Film
  9. Hanns-Georg Rodek mit Moritz Bleibtreu, Johanna Wokalek und Regisseur Uli Edel im Interview.
  10. Moritz Bleibtreu über die RAF nach der Premiere in Berlin.

references:
Ab heute wird zurückgefilmt
RAF Debatte 2008: Carolin Emcke
Causa Buback 2007

OFFtopic:Musikterror aus dem Ruhrgebiet
23.10.2008 Die Kassierer Bahnhof Langendreer,Bochum

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September 20, 2008 at 4:06 pm

Köln stellt sich quer,versteht aber nur die Hälfte des Problems

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Dieses Wochenende ist breite Staatsantifa am Rhein gefragt, vom Roncalliplatz am Dom bis zum Gürzenich können sich Antifaschisten über die am Heumarkt anberaumte Antiislamisierungs-Konferenz der Rechtsextremisten von pro Köln informieren – wer proKöln noch nicht kannte,kennt sie spätestens heute –  Update: Die proKöln Demo ist von der Polizei abgesagt worden. Das nicht einmal 100 Aktivisten zählende Häufchen der Bürgerbewegung proKöln hat zum grossen Stelldichein der europäischen Rechtsextremen an den Rhein geladen, vorgeblich 1500 Konferenzteilnehmer werden erwartet: FPÖ/BPÖ, Vlaams Belang, Lega Nord, BNP bis hin zu Le Pen (der kommt aber nicht)  sind zu einer Konferenz gegen die Islamisierung Europas eingeladen worden, das rechtsextreme Lager bis zu den Stiefelnazis ist nach Köln aufgebrochen- den Konferenzort werden sie aber nur schwer erreichen, ein breites Bündnis heisst die Rechten eben nicht gerade willkommen in der Domstadt. Ob der kleine rechtspopulistische Kölner Haufen in der Lage ist, die europäischen Rechtsextremisten mit dem Moscheethema in seiner Masse nach Köln zu mobiliseren,ist allerdings fraglich – dafür erscheint proKöln als zu unbedeutende Kraft und in anderen europäischen Ländern ist die xenophobe Moscheekarte politisch auch schon ausgespielt. Die “Köln bleibt bunt” Szene scheuchen sie aber schon auf und die Kölner Innenstadt befindet sich dieses Wochenende im Ausnahmezustand, proKöln (mit 4,3 % im Stadtparlament) kann sich wieder als Opfer des Systems bei seinen Anhängern verkaufen.

Aufhänger für pro Köln war der längst beschlossene Moscheebau in Köln Ehrenfeld – ein Grossbauprojekt der DITIB, die dem türkische Staat seinen Zugriff auf die in Deutschland lebenden Türken auf religiöser Basis sichert. In Deutschland sind ca 150 Moscheebauten abgeschlossen, getragen werden diese über diverse Moscheebauvereine, die zum Teil äusserst bedenkliche politische Hintergründe haben. Z.B. die MHP, die mit den Grauen Wölfen einen rechtsextremen Schlägerhaufen auch in Deutschland betreibt, der dissidente Türken bedroht und auch mit der NPD beste Kontakte pflegt. Gleichzeitig ruft die MHP ihre Mitglieder und Sympathisanten auf,sich mit ihren islamistischen und nationalistischen Positionen in der hiesigen politischen Zivilgesellschaft  einzubringen. Eine ähnliche Strategie verfolgt Tariq Ramadan,der auch gerne in den linken Zusammenhängen als Platzhalter islamischer Integration in Europa abgefeiert wird. Protagonisten dieser schleichenden Islamisierungsstrategie gilt es zu erkennen und zu bekämpfen. Keine relevante gesellschaftliche Gruppe sollte solche Schariah-U-Boote auch noch mit aufbauen.

Den Aspekt der politischen Einflussnahme von zur Zeit Regep Erdogans Islampartei über die DITIB blenden Antirassisten oder Multikultiprotagonisten gerne aus. Sie tun so, als ginge es bei den Protesten gegen die Moscheebauprojekte nur um Ausländerhass und Antiislamismus. Hier verpennt auch die ausländerfreundliche Mitte bewusst einen Konflikt, der den Rechtsextremen immer mehr Köpfe in die Hände spielen wird. Die Kölner CDU-Fraktion hat sich auch vor diesem Hintergrund gegen das Ehrenfelder Moscheebauprojekt ausgesprochen – die Statdverwaltung war aber in ihrem Genehmigungsverfahren schneller als die regionalen Parteigrössen.

Es ist aber auch unverkennbar, dass die nicht vorhandene Integrationspolitk der Parteien und gesellschaftlichen Gruppen seit den 60er Jahren erst den Boden für die heute vordergründig religiös aufgeladenen Debatten bereitet haben – ich bezweifel stark,dass die Religionsausübung das Hauptproblem der Migranten ist. Sie trifft die hohe Arbeitslosigkeit mindestens genauso stark wie die Eingeborenen und strukturelle Benachteiligungen im Zugang zu Bildungseinrichtungen und Jobs lassen sich nicht mit Koranlesungen oder Gebeten lösen. Schäubles Islamkonferenz ist nur die Spitze der Peinlichkeit deutscher Integrationspolitk.

In einem säkularen,aufgeklärten Staat die Integration von Migranten über die Religion anzupacken, zementiert religiöse Rackets, die nicht in die Zukunft sondern rückwärts gewendet sind, die Opium für’s Volk in einer sonst kalten Welt bereit halten. Anstatt die Migranten an den Segnungen einer modernen Gesellschaft teilhaben zu lassen,werden sie religiösen Ideologen überantwortet. Das ist reaktionär und leider nicht nur die Domäne der Konservativen.

Wer die Migranten erst einmal auf Gottes befohlene Ränge verwiesen hat,wird längerfristig den Eingeborenen dieses Projekt auch nicht verwehren wollen. Ob sich das in Form von Betschwester Glorias Katholizismusphantasien oder im Zwangsdienst zum Sobotnik der Sozialisten ausformt, scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. Freiheit oder Emanzipation haben beide ethische Wellen jedenfalls nicht im Angebot, zu allerletzt natürlich die Kartoffelnasen von proKöln.

PS:

Political Streetlife:In Köln waren heute um die 40 000 Leute unterwegs, in Berlin ist die Friedensbewegung mit 2500 (Link) angetreten (Link) und in Hamburg kamen 100 zur Kundgebung zum Hungerstreik im Iran .

references:

  1. Islamkritik und »antimuslimischer Rassismus«
  2. Köln in Bewegung – Grüne in Bewegung
  3. Islam und deutscher Antifaschismus
  4. Debatte bei Spin.de
  5. Gut, daß wir verglichen haben
  6. Broder, Alter.
  7. „Köln war überschattet von zügelloser Gewalt“
  8. Volksfrontspektakel am Rhein
  9. Nicht die Moschee, der Islam ist das Problem!
  10. … ein Verbrechen?
  11. Von gelb zu braun
  12. Anti-Antis
  13. Daniel Leon Schickora
  14. Liegt Köln in Weimar?
  15. Kölner Verhältnisse
  16. Religion pervetiert den Verstand
  17. Der Rechtsstaat begibt sich in Geiselhaft
  18. “Freiheit die ich meine!”/Anmerkungen zu den Ereignissen in Köln
  19. YouTube-Eindrücke von Islamgegnern und deren Gegnern
  20. Tollerantes Kölle
  21. GEGEN DEN BAU EINES 2. TELL-STÜBCHENS IN KÖLN!
  22. Nach Köln: Was ist der Unterschied zwischen Rechts- und Linksextremen?
  23. Soldatenglück auf linker Friedensdemo in Berlin
  24. Bye bye Demonstrationsfreiheit?
  25. Pro Trottel + “Ein Sieg der Stadt Köln” + Forumsdisko
  26. Antiislamisierungskongress — Demolog- und beurteilung
  27. [Köln] Mehrere Tausend auf Antifa Demo
  28. Rassistischer Kongress in Köln – wer ist alles dabei?
  29. Antinazi-Blog
  30. PHÖNIX: Der Streit um die Kölner Moschee

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September 20, 2008 at 1:42 pm

Günther

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Rohrmoser ist tot. Zum Glück ist das Leben endlich, sonst würden solch homophobe Mumien ja ewig leben und ihrer geistigen Nachgeburt nie Platz machen. Das Verschwinden des Herr R. vom Erdball ist bis heute nicht einmal P.I. eine Note wert und Adrian zieht sich auch nicht gerade einen Trauerflor an. Möglicherweise weinen aber die Weikersheimer, das Mullahregime im Iran, Putins Russland, Peter Glotz im Himmel oder die NPD dem konservativen Intellektuellen eine Träne nach – bin da jetzt zu eilig, um das zu recherchieren.
Apropos Homophobie:
In Berlin wird am Sonnabend in aller Herrgottsfrühe speziell die psychiatrische- resp. die psychoanalytische  Variante in der Charité (PDF-Flyer) durchgekaut  (INFO) .

references:
Mitscherlich zum 100.Alexander Mitscherlich und die Moral … “Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft” Radiostream 1969

Personalkarussell in Israel + Historiker Moritz

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In der Kadima-Partei tut sich etwas. Nachdem Ehud Olmert endlich seinen Hut nehmen wird,ist der Kampf um den Spitzenjob in der Partei ausgebrochen.  Zippi Livni, die gegenwärtige Aussenminsterin Israels, hat knapp den Parteivorsitz errungen – die Kadima-Parteibasis hat so abgestimmt. Ihr Parteikonkurrent Schaul Mofas möchte das Abstimmungsergebnis so noch nicht stehen lassen – ihn trennen etwas über 400 Stimmen vom Parteivorsitz. Wenn das formale Geplänkel bei der Kadima beendet sein wird, kommt die eigentlich schwierige Aufgabe auf die Partei zu, das ist die Regierungsbildung mit den anderen Knessetparteien. Nach Golda Meir könnte wieder eine Frau an der Spitze Israels stehen, die Zeiten für Israel waren in Goldas Ära schwieirg und sie bleiben es auch heute.

Während in Israel grosse Politik gemacht wird, kommt die BRD wieder historisch ganz zu sich selbst. Eichingers RAF-Film hatte gestern in Berlin Premiere. Der Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu (Andreas Baader)  hat nichts besseres zu tun, als der RAF die richtigen Ideale zu attestieren, aber die Mittel (Gewalt) seien halt falsch gewählt worden. Bei so unreflektierter RAF-Reprise für die wieder vereinigten Massen bleibt doch noch viel Feld für Politologen, Historiker und Psychiater zu bestellen. Wie Eichingers Verarbeitung der Mordbrenner-Phase von links so gelingen soll, ist mehr als fraglich – oder war es etwa genau diese knappe Zusammenfassung von Moritz?

references:
„Ein Arschloch, dieser Baader!“…
WELT via Constantin

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September 18, 2008 at 6:29 am

Posted in Berlin, Cinema, Geschichte, Ideologie, Israel

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Kapitalismusschelte

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Während Marxisten, Kommunisten, Sozialisten und andere Idealisten immer noch verzweifelt versuchen, den Kapitalismus als Ausbeuterstaat der Entrechteten hinzubiegen, wirft die staatliche  KfW mal eben 300 600 Mio Euro aus dem Fenster – sie hat der insolventen Lehman-Bank diese staatliche Spende noch eben zur Inso hinzugeschossen. UPDATE der dümmsten Bank der Welt: KfW-Update by Cyrus @ 2008-09-18

Diese unkaufmännische Entscheidung kostet jeden Bürger 3,75€,nicht einmal eine Schachtel Marlboro – Ja mei,iss des mei Göld?. Ein Geraune geht durch den Blätterwald und Lafo samt SED-Pack wird weitere Verstaatlichungen und Enteignungen fordern; gegen jede Rationalität wird er dafür mehr Wählerstimmen bekommen. Es ist förmlich zum verzweifeln.
News aus der Beckstein-Homezone: Hausdurchsuchung bei Piratenpartei + Einspruch von Björn + Linksammlung bei Ralphs Piratenblog .

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September 17, 2008 at 5:57 pm

kurz notiert

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  1. Fast vergessen: Meine Reisen durch Nordafrika sind ohne diese Künstlerin nicht denkbar. Die Musik von Sapho, damals noch durch den Walkman. Mehr Infos auf ihrer Homepage.
  2. Aufklärung: Was geschah wirklich in Georgien?  Teil  I, II ,
  3. Letztes konservatives Aufgebot: Krawallschachtel Gloria “früher machte ich in Haarspray” und Kardinal “ich war nicht immer Mönch”  Meissner

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September 15, 2008 at 8:52 pm

Marokko entsendet Vorbeterinnen

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Neuigkeiten gibt es aus Rabat zu berichten. Al Arabia meldet:

The Moroccan Ministry of Islamic Affairs said it had dispatched nine female preachers to five European countries and Canada as part of a Ramadan campaign to reach out to Moroccan expatriate communities, especially women, in the West. Weiter lesen …

Bevor feministischer oder kulturrelativistischer Enthusiasmus den Vorgang vereinnahmt,möche ich eine kritische Anmerkung dazu machen. Schon in der Headline des Artikels wird der antiwestliche Character der Kampagne aus Rabat unmissverständlich zusammengefasst::

Government hopes to protect them from ‘delinquent’ West

Könnte es sein,dass die marokkanischen Ministeriailen bei Recep Erdogan gelernt haben,wie islamischer Kulturimperialismus in Europa 2008 funktioniert? Der türkische Präsident hat das kürzlich in Köln am Beispiel eines mutmasslich von Xenophoben brandgestifteten Wohnhauses vorgemacht,
Rabat ist vorsichtiger und schickt nicht den König sondern die Botschafterinnen der Religion des Friedens seinen Staatsbürgerinnen auf den Hals. Westlich orientierte Frauen und Familien marokkanischer Herkunft müssen nun mit einigem Gegenwind ihrer Religionsvertreter auf dem Boden der EU und in Canada rechnen.
Ich bin gespannt,wie diese antiemanzipatorische Kampagne von den Politikern im Westen verkauft wird.

Written by admin

September 14, 2008 at 10:29 am