Raumzeit

et Philolog

9. November in Berlin

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Gedenktage sind in den hiesigen Breiten willkommene Anlässe,auf geschichtliche Ereignisse aufmerksam zu machen. Der heutige Tag  war gleich doppelt mit Erinnerungskultur behaftet.

Im Rahmen der nazistischen Kristallnacht vom 9. November 1938 wird beispielsweise seit Anfang der 90er Jahre in Moabit im Rahmen einer Kundgebung am Deportationsmahnmal Levetzowstrasse und der sich anschliessenden  Demonstration zum Mahnmal an der Putzlitzbrücke an die Reichspogromnacht der Nazis erinnert. Die Veranstalter von der AIM setzen dabei auf lebende Zeitzeugen,die aus den dreissiger und vierziger Jahren persönlich Bericht erstatten können – gerade für jüngere Leute ist das immer wieder ein sehr berührender Einstieg in die Befassung mit der Shoah und dem 3. Reich.Um die 350 Leute haben sich auch 2008 an diesem Ort eingefunden. Wie dieses Konzept nach dem Ableben der Zeitzeugen weiter entwickelt werden kann,ist auch den Veranstalterinnen rätselhaft,sie blicken mit einer gehörigen Portion Fatalismus auf die Zeit nach den Zeitzeugen – eine Unvermeidlichkeit solte inhaltlich pragmatisch gelöst werden. Kritisch anzumerken ist,dass die Erinnerung an die toten Juden und die zum Glück davongekommenen Zeitzeugen nur die halbe Wahrheit über den aktuellen Antisemitismus aussagt. Vor aller Welt bedroht das Mullahregime im Iran heute lebende Juden in Israel,auf der Kundgebung in Moabit wurde das Existenzrecht Israels zwar verteidigt – Hans Coppi hat das in seinem Redebeitrag explizit ausgedrückt – zur allgemeinen Verteidigung israels hat es auf der heutigen Kundgebung aber doch in der Linken wieder nicht hingereicht. Man erträumt sich immer noch in ein friedensbewegtes Bündnis aus Israelis und Palästinensern,das politisch und gesellschaftlich im mittleren Osten keine praktischen Entsprechungen hat.Es handelt sich bestenfalls um ein idealistisches Hirngespinst,das täglich von Quassamraketen aus Gaza ad absurdum geführt wird.

Um die 2000 christlich motivierte Erinnerungsgänger sind heute durch Mitte gelaufen,um an die Reichspogromnacht zu erinnern. Auch die Amtskirchen tragen schwer an ihrer Last aus Erinnerung und Verantwortung für die Shoah. Möglich gemacht hat sie aber das gesamte deutsche Volk,indem es Hitler in 1933 mit der Macht beauftragte. Die heute aus der Zivilgesellschaft sich noch verantwortlich fühlenden Rackets sind eher schamhafte Feigenblätter,wenn man die skandalöse Doppelbödigjeit deutscher Aussenpolitik gegenüber Israel in Anschlag bringt. Eine Diskussion,die hier leider noch nicht geführt wird. Wenn Iran sein Auslöschungsprogramm durchgeführt hat,ist es übrigens zu spät,genauso, wie es nach 1933 hier zu spät war.

Von den Gedenkritualen der Parteien möchte ich lieber schweigen,sie langweilen mich schon seit Jahren.

Kein Gedenktag ohne Konkurrenzveranstaltung. Am 09. November 1989 hat ein führender SED-Politiker die Mauer für durchlöchert erklärt – es war der Schabowski – viele Ossis kamen nach 1961 erstmalig wieder ohne Schiessbefehl und Selbstschussanlagen lebendig nach Westberlin herein. Gemeinhin wird dieser Tag in Berlin als Wiedervereinigungstag betrachtet – und nicht dieser 03. Oktober ein Jahr später,an dem ein Papierfetzen unterschrieben wurde,der die Überleitung des SED-Volkseigentums incl. Bevölk in die Bundesrepublik regelte.

references
Der 9. November :Ein Schicksalstag der Deutschen im 20 Jahrhundert
Der letzte Mauertote 1989
Revolutionäre Gymnastik
kurz notiert

Written by admin

November 9, 2008 at 9:59 pm

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