Raumzeit

et Philolog

Archive for December 2008

“Ich halte mich da heraus”

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Wie Zuppi dem Weihnachtsgedöns entkam – und dann doch wieder nicht

Mir war und ist dieses Jahr überhaupt nicht weihnachtlich zu Mute. Das hat nichts depressives oder misanthropisches, sondern ich verspüre nichts Aussergewöhnliches in dieser Saison: Kein Beschenkungswahn, habe auch nichts gut zu machen und alte Kontakte mag ich auch nicht reaktivieren. Dienstlich habe ich mit allerlei individualpsychologischen Referenzen zum Weihnachtsfest zu tun – ich arbeite seit 1992 immer in dieser Zeit. Wenn saisonale Probleme auftauchen, werden Lösungsstrategien erarbeitet, wer keine Probleme damit hat, mag sich an dieser Zeit uneingeschränkt erfreuen. (Ich knobel übrigens noch an einer Retro auf die Weihnachtlichkeiten in meinen erlebten siebziger Jahren, mal sehen,ob das etwas wird)

Heute habe ich mich nach meinem Dienst und den Lindgren-Filmchen ( ein Pippi Langstrumpf- oder Michel-Film kommt ja immer in dieser Zeit)  erst einmal hingelegt und geschlafen. Es sollte ein chilliger Abend werden, ohne viel Mache und Tue.  Nach dem Abendbrot klingelt ein Nachbar aus dem Nebenaufgang und schildert sein krisenhaftes Geschehen: Der georderte Weihnachtsmann  habe ihn hängen lassen, die  Lütten warten schon seit Stunden auf den Gesichtspelzträger in Rot-Weiss. Die aus Aachen angereisten Grosseltern beklagten die Dienstleistungswüste Ostdeutschland, die Gattin bezweifelt keifig das Organisationstalent ihres Angetrauten. Kurzum, der Mann wirkte geradezu panisch, weil der Haussegen mächtig zu wackeln begann. In früheren Zeiten hätte ich dem Mann ein “selbst Schuld,wenn Du auf diesen ganzen wir-haben-uns-ja-alle-so-lieb-Scheiss abfährst” entgegen gerotzt und die Korridortüre zuknallen lassen. Wieder ein Mitmensch, der mir niemals mehr mit absurden Anliegen auf die Nerven gehen wird.

Mir gingen dieses Mal ganz andere Gedanken durch den Kopf: Der ältere Bub bringt regelmässig den Müll ‘runter – er missachtet aber genau wie ich immer die Regeln der Mülltrennung. Die Kleine Tochter rennt immer mit einem völlig zerfetzten Teddybären durch die Gegend, den sie nie aus der Hand gibt. Die Gattin ist eine toughe Berliner Grossstadtblondine mit Durchsetzungsvermögen und der Mann betreibt mit dem Charme eines Rheinländers eine Imbissstube in der City, ich esse etwa einmal im Monat eine Currywurst oder einen Schaschlickspiess bei ihm und ich lebe immer noch.

Mmmhhh, ach ja, ich habe eine Ausrüstung in Rot-Weiss, meine schwarzen Botten liegen im Keller. Einen Sack für die Geschenke kann der Vater beisteuern, auf eine Rute wird nach kurzer aber heftiger ideologischer Debatte auch verzichtet – ich hassse dieses Unterdrückungsmittel seit frühester Kindheit –  und ich trage neben einem weissen Bart, Zipfelmütze und Anti-SARS-Mundschutz natürlich meine Sonnenbrille. Im Kopfhörer wird ein Album der Backyard Babies etwas lauter abgespielt.

Ich brülle einen in etwa vereinbarten Text zu den ungeduldigen Kids, übergebe die Präsente. Der Grossvater ist schon besoffen, stört sich aber sichtlich an meinem unkonventionellen Auftritt, Oma schaut nur verdutzt mit grossen Augen auf die Erscheinung, die als Weihnachtsmann in das zerklüftete Familienidyll eingebrochen ist. Die wasserstoffblondierte Gattin ist weiterhin nicht vom Organisationstalent ihres Ehemannes überzeugt. Die Kinder freuen sich über die nun endlich ausgepackten Präsente. Die Weihnachtsbaumspitze hängt irgendwie schief.

Frohes Fest.

references:
Eine Frage der “Zeit”. Ein paar Happen Philosophie
Merry Christmas your arse, I pray God it’s our last
Weihnachten in Franken….
Die Weihnachtsfeiertage…

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December 24, 2008 at 11:12 pm

Rechtsextremismus im Advent

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Oder: Wie man mit einem neonazistischen (Ehren-) Mordversuch umgeht

Politischer Antifaschismus war das letzte Überbleibsel, das mich bis vor einiger Zeit  noch lose mit der Linken verband. In der liberal-libertären Strömung empfand ich die neutrale Äquidistanz zu den extremen Rändern oft sonderbar und die teilweise kumpelhaften Toleranzen zu rechtsextremer bis neonazistischer Ideologie (+ Praxis)  teilweise ekelerregend.

Es ist sicherlich eine richtige Einschätzung, Meinungsäusserungen in der politischen Diskussion freien Lauf zu lassen. In der aktuellen Debatte über den Mordanschlag auf den Passauer Polizeichef scheinen mir aber Reflexe aufzutreten, die den Gefahren, die von rechtextremen Strukturen und Subkulturen auf eine offene Gesellschaft ausgehen, nicht gerecht werden können und die das vielleicht auch nicht wollen – je nachdem, wie stark das Feindbild auf den Staat als ursächlicher Grund für ausbleibende und beschränkte Liberalität  ausgeprägt ist. Dann werden die Staatsbüttel folgerichtig kaum oder gar nicht in Schutz genommen.

Ich halte es auch für äusserst Zweifelhaft, ob ein NPD-Verbot den Spuk der Neonazis beenden kann – es könnte allerdings der Ausbreitung und Verankerung des kaum diskutablen Ungeistes eine pekuniäre und parlamentarische Grenze aufzeigen. Für mich bleibt es weiterhin unerträglich, dass die  ideologischen Nachfolger des 3. Reiches mit Staatsknete ihr politisches Unwesen aufbauen können – für die SED-Nachfolgeorganisationen gilt das übrigens  ebenfalls. Die SED ist allerdings nicht substanziell auf die Staatsknete angewiesen, in der Wendezeit wurde ein Milliardenbetrag vor den “imperialistischen Kräften des Westens” in Sicherheit gebracht. Die Herren Bisky, Gysi, et al hüllen sich aber über ihre Sonderform “sozialistischer Kapitalflucht”  beharrlich in Schweigen.

weihnachten9 Wenn sich aber heute liberal dünkende Blogger über das Opfer des mutmasslich neonazistischen Mordanschlages in Passau lustig machen, komme auch ich in eine tiefe Überschattung. Der Lindwurm hat seine Konsequenzen aus der Passaudebatte z.B. über seine Blogrolle ausgedrückt. Ich übe mich noch etwas in Geduld. Spontane Hitzigkeit kann hilfreich sein, muss sie aber nicht.
Einen schönen vierten Advent 😉

PS: Ich halte mich aus dieser “spooky-debate” in klein Bloggersdorf  lieber heraus, meine Zeiten als Sektenbeauftragter sind nämlich unwiederbringlich vorbei.

Im Anhang habe ich einige interessante und aktuelle Artikel zum Thema zusammengestellt, Quelle ist der Newsletter von  respectabel vom 19.12.08:

Feilschen um die Zahl der Opfer
Rechtsextreme Gewalt. Frankfurter Rundschau 12.12.2008

«Viele Grüße vom nationalen Widerstand»
Der Polizeichef der bayrischen Stadt ist offenbar Opfer eines Racheakt eines Skinheads geworden: Der Angreifer erwähnte vor der Tat einen Zwischenfall bei der Beerdigung eines Rechtsextremen. Netzeitung 14.12.2008

Neues NPD-Verbotsverfahren im Gespräch
Politiker fordern hartes Durchgreifen. tagesschau.de 15.12.2008

“Noch nie eine so brutale Attacke”
Gespräch mit Richard Stöss, Rechtsextremismus-Experte der Freien Universität Berlin
Berliner Zeitung 16.12.2008

Schlummernder Feind
Das Passauer Attentat zeigt, dass der Rechtsextremismus nicht nur Minderheiten bedroht, sondern den Staat. Ein NPD-Verbot würde die rechte Szene deutlich schwächen. Süddeutsche Zeitung 16.12.2008

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December 21, 2008 at 12:32 am

Grosse Sopranistin

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Renata Ersilia Clotilde Tebaldi (* 1. Februar 1922 in Pesaro. Die Diva verstarb am 19. Dezember 2004 in San Marino. Sie war auch bekannt als die “Engelsstimme”. Ihr Gegenstück war Die Callas, die ich noch nie so recht mochte. Von 1955 bis 1973 gehörte Die Tebaldi zum Ensemble der Metropolitan Opera in New York und unternahm weltweite Konzertreisen.

Zu den Förderern Der Tibaldi gehörte auch der bemerkenswerte Musiker und Komponist Arturo Toscanini, nach dem sich in heutiger Zeit auch eine Antifa-Gruppe in Norditalien – Suedtirol benannt hat.

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December 19, 2008 at 4:16 pm

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Wörter des Jahres 2008

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Die Kür viel benutzter Worte ist vollbracht.Finanzkrise hat den Ehrenplatz erhalten (ich bevorzuge ja den Begriff etatistische Schuldenkrise) und die Jugendsphäre enttäuscht ebenfalls nicht mit der Synonnomie “Ü-30 Party = Gammelfleischparty” – in diesem Zusammenhang habe ich noch beiläufig “Ü-50-Parties = Rock N’ Roll der Plastinate” aufgeschnappt. So haben Wörter ihre Plätze und 2009 geht der Spass für die Leute der Dudenredaktion von vorne los. Detlef  Guertler- Wortwart und Betreiber vom taz-Blog Wortistik – hat aber ein noch viel interessentares Wort entdeckt, es geht nämlich auch um eines meiner Lieblingswörter in 2008, den Bildungsfrühling.

Materiell ist auch die Wahl für das Start-Up des Jahres 2008 interessant gewesen.

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December 12, 2008 at 2:40 am

Der Zettelkasten

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Wissenserschliessung in einer digitalen Welt.

Kompagnon A5

Kompagnon A5

In der analogen Zeit habe ich mir Sachverhalte aus Bibliotheken und Archiven mit Hilfe von DIN-A-5  Notizbüchern (ähnlich diesem Kompangon), meiner Praktica-Kamera und Karteikästen aus Holz erschlossen – heute übernimmt das ein Subnotebook oder der Palm. Texte wurden handschriftlich vorbereitet, mit der Kugelkopf- oder später einer Typenrad-Schreibmaschine in die letzte Form gegossen, dafür gab es kompetente Schreibdienste – ich frage mich bis heute, wie die Leute  dort mein Gekrakel so fehlerfrei entziffern konnten. Kopierdienste oder -studios haben dann den Verfielfältigungrest erledigt. So war sie, die gute alte Zeit.

Mit Helga vom Tellstübchen (dort wird eben nicht nur hochprozentig konsumiert sondern auch gelegentlich vielversprechend nachgedacht oder zuletzt auch dem  Kabarettsternchen Wolfgang Neuss aus Charlottenburg  zum 85. gedacht)  hatte ich in den letzten Monaten öfters die Systemtheorie und Olle Niklas Luhmann – “die Welt ist über die Analyse von Kommunikation erschliessbar” –  in der Mache. Wir nahmen uns dazu  die eine oder andere Hermeneutik z.B. von Siggi Freud vor. Etwa zu gleicher Zeit hat Marco vom nerone-Blog eine schmale Anwendung – den  Zettelkasten (800kb) von Daniel Lüdecke aufgetan. Daniel hat Luhmanns Zettelkasten zur Anwendung  programmiert und freundlicherweise kostenlos  im Netz abgelegt.

Ich habe nun beschlossen, den Versuch systemtheoretischer, digitaler  Felderschliessung  mit Hilfe des Zettelkastens aufzunehmen. Premiere wird aller Voraussicht nach das Buffy-Thema werden. Ob aus mir – hermeneutisch verdorben bis zum jüngsten Tag – wohl auch noch ein Systemtheoretiker werden kann? Im Zweifelsfall wird es  eine Selbstbedienung im methodisch-technischen Steinbruch des Hildesheimers.

Luhmanns Zettelkasten

PS: (offtopic)  Nun meuchelt der Klima- und CO2-Wahn der EU auch noch das Andenken an Edison einfach dahin, das Siechtum der Glühbirne ist beschlossene Sache – sachliches zu Staatsraub und EU-Warentotalitarismus gibt’s bei Zettel. Ich aber sage: Der Krug geht solange zum Brunen, bis er bricht. Nimmst Du mir Glühbirne weg, mach’  ich Athen-Exarchia!

references:
Herr Paule zum Arbeitstechnikfetisch:Wissen unter Kontrolle

Happy Birthday

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Tom Waits (* 1949) – You’re Innocent When You Dream

Christmas Tale by Paul Auster in the movie Smoke
“Innocent when you dream” of Tom Waits in the movie

Cem hatte das Datum schon gestern auf’m Schirm.

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December 7, 2008 at 11:48 am

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Zuppi,CockSparrer,Punk,Oi!

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Naaa,haben der Nicolaus und Knecht Ruprecht für anständig gefüllte Stiefel gesorgt???? Ich kann mich diesbezüglich jedenfalls nicht beklagen 😉    Meinen musikalischen Asselwurzeln werde ich demnächst auch wieder huldigen. Wenn ich im Februar 2009 in Berlin sein sollte, werde ich mir CockSparrer,Discharge und die Band mit dem Kanzlerkandidaten am Frontmikrofon nicht entgehen lassen. Mehr Infos? Klickt halt auf’s Bild!
Punk & Disorder 2009 Berlin

Berlin bietet aber auch schon zwischen den Jahren 2008 und 2009 punkige Freizeitbeschäftigung. Nicht ganz freiwillig – denn das Ruhrpottfestival “PunkImPott” (mySpace) gehörte zum runden Jubiläum ja eigentlich nach Oberhausen. Aber dort scheint das Kulturverständnis von Kim-Yong-Il oder Ayatollah Rüttgers den Ton anzugeben, wenn man diese Verbotsverfügung genauer studiert. So wird noch dieses Jahr Berlin-Weissensee eher unfreiwillig zum Gastgeber des zweitägigen Asselstelldicheins: Das 10. “PunkImPott” in “Die Halle” – hier habe ich letztmalig vor rund 12 Jahren verkehrt,es spielten dort Pantera,Downset u.v.a.m.: Dort habe ich den grössten “in door circle-pit” in den 90ern  erleben dürfen,der reichte von der Bühne bis zum Ausgang,herrlich. 48 Stunden Berlin mit Saufen und Krach im Winterchaos der Frontstadt für 38 lumpige € im Vorverkauf. Und ich freue mich ganz besonders old school auf ein Wiedersehen mit “Müllstation” aus Eisleben.

10 Jahre Punk im Pott

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December 6, 2008 at 1:23 pm

Posted in culture, Egoshice

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