Raumzeit

et Philolog

Archive for March 2009

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morgen soll ja conficker über die microsoft-welt kommen und der eine oder andere wird virtuell oder in real-life gebührlich in den ersten april geschickt.

in berlin gibt es mittwoch nachmittag noch die gelegenheit,dem iranischen mullahregime in aller öffentlichkeit zu zeigen,was man so von ihm hält. und morgen in einer woche gibt es aktuelle aufklärung über die machenschaften der “graue- wölfe-faschobande”.  —> mehr dazu bei dissi, dessen israel-diaries somit als lesestoff empfohlen werden.

references:
Eine Meldung, die hierzulande keine Meldung wert ist

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March 31, 2009 at 6:45 pm

Spendierhosen

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Olle Robert Zimmermann aka Bob Dylan kommt ja zum 1. April auch in Berlin vorbei – Pommes in the wind, ihr wisst schon. Er stellt heute ein mp3 seiner aktuellen Scheibe zum download bereit: beyond here lies nothing die spendierhosen sind leider schon wieder leer.

PS: As a fan of Theme Time Radio Hour, I sometimes forget that not everyone is familiar with the show. Many Bob Dylan fans have never heard an episode of TTRH, even if they know of it: For the New Theme Time Radio Hour Listener

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March 30, 2009 at 10:27 pm

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La Musique

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Im Februar und März habe ich am liebsten der Musik von Olivia Ruiz zugehört.

Olivia Ruiz – J’traîne des pieds (Eloïze)

Hier wird der Titel mit interessanter Instrumentierung von ihr interpretiert.

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March 28, 2009 at 12:28 pm

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kurz notiert

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March 25, 2009 at 11:57 pm

Wer ist diese krächzende Frau?

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aretha-franklinIch schaute gerade in einem Café der Inauguration von Obama im TV zu, ein absolut einmaliges Massen-Politschauspiel – so etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt. Gemessen an den über die letzten Jahrhunderte verarschten Ethnien in Nordamerika müssten noch ein Indianer, ein Chinese und ein Latino demnächst mit ähnlicher Verve auf den Präsidentenstuhl gehyped werden.
“Wer ist die alte, schwarze Frau, die da so krächzend versucht zu singen?”, fragte mich ein junger Mann vom Nachbartisch. Das ist Aretha Franklin , manche Fans nennen sie “The Queen Of Soul” oder auch die “Lady Soul”. Es stimmt, sie ist heute nicht in bester Form, ich glaube auch, sie ist von der Situation sehr ergriffen. “Wie,was heisst manche?”. Naja, die Leute, die den Soul- und Blues-Kram aus den sechziger- und siebziger Jahren gerne hören, für die ist Aretha Franklin so etwas wie eine musikalische Institution. “Kenne ich nicht”. Kannst ja mal in den Film “Blues-Brothers” hineinschauen, da hat sie neben einer Sing- auch eine kleine Schauspielrolle übernommen. Bei Last-FM wurden ihre Titel bis heute fast 6 Millionen mal abgespielt. Sie wurde am 25. März 1942 in Memphis/Tennessee geboren, aufgewachsen ist sie in Detroit/Michigan. Ihr Musikrepertoire reicht von Soul, R&B, Jazz, Rock, Blues, Pop bis Gospel. —– schnipp —-
Aretha Franklin, herzlichen Glückwunsch zum 67. Jahrestag  😉
(Den Text hab ich schon im Januar angelegt,weil ich sonst immer diese Jubiläen verpenne)

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March 25, 2009 at 3:56 pm

Beispiele für Krisenmanagement

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Die Regierungskoalition probiert es z.B. mit Bestechung der Autofahrer. Die Empfehlung vom Bundespräsident: Gürtel enger schnallen und mehr Kaufmannsmoral. The Atlas Economic Research Foundation: SIGN THE FREEDOM TO TRADE PETITION. ATTAC-Deutschland lädt ein zur vierten Runde beim globalisierungskritischen Bewegungskongress mit Umweltschutz und vielen weiteren Aktiven. Vom 24. bis 26. April geht es dafür nach Berlin zu McPlanet.com 2009. Die Parodie dazu liefert Marco Kanne: Mach mit … oder Du kommst auch ins Lager!

references:
Die “Totengräber des Kapitalismus” …

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March 24, 2009 at 10:35 pm

Neues aus der “Recherche”

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Totgesagte leben doch länger. Ich mache Werbung für ein Holzmedium. Die “Zeitschrift Recherche” tritt mit ihrer vierten Ausgabe auf den Markt – das Konzept ist an die Rezeptionsgewohnheiten der virtuellen Welt angepasst worden. Käufer und Abonnenten der Papierausgabe haben einen Informationsvorsprung von etwa 8 Wochen, dann werden ausgewählte Texte der Öffentlichkeit ohne Geldumwege auch virtuell zugänglich gemacht.  Da die Themen aus dem Fundus der wissenschaftsgeschichtlichen Befindlichkeiten  relativ zeitlos sind, halte ich das für eine vertretbare Lösung, um auch breitere Leserschichten an den Debatten teilhaben zu lassen, die nicht nur den Elfenbeinturm Kopfrocken lassen. Wissenschaftliche Expertise gehört ja zur Entscheidungsfindung wie der Donut zum Kaffee in der Mittagspause. In der aktuellen Ausgabe sind mir folgende Themen als lohnenswert aufgefallen.

Oliver Geden stellt in seinem Essay “Strategischer Konsum statt nachhaltiger Politik” (auch in Transit, Heft 36) die Ohnmacht und Selbstüberschätzung des klimabwussten Verbrauchers zur Diskussion: ” Die Ökologiebewegung hat den kritischen Konsumenten mit Weltveränderungspotenzial stilisiert: “Kauf Dir eine bessere Welt” lautet der Slogan einer privilegierten Kundenschicht, deren politische Haltung zusehends zur Lifestyle-Attitüde verkommt. Zudem bleibt das ökologisch korrekte Konsumverhalten aufgrund der komplexen klimapolitischen Zusammenhänge weitgehend wirkungslos. Reale Durchschlagskraft haben nur die politisch verordneten Rahmenbedingungen.”
Der Brüller ist die Mindmap für kritische Konsumenten, Weltverbesserung als Wohlfühlprogramm:  Klick the pic to zoom!

mindmap-snip

Sigrid Weigel versucht in die Fussstapfen Walter Benjamins einzutreten. Ihre Kritik der Gewalt zwischen religiösem Fundamentalismus und Sakularisierung in der Monographie “Walter Benjamin. Das Heilige, die Kreatur und die Bilder” wird von Sandra Lehmann in der Buchrezension “Zeit der Hölle” nachgezeichnet.

Interessant ist auch der Zeitungsaufmacher. Dem Gerede über die Finanzkrise begegnet Margrit Kennedy mit ihrem Essay “Wer regiert das Geld? Nicht die Gier der Spekulanten,sondern ein Konstruktionsfehler des Geldsystems ist schuld an der Finanzkrise.” ( Text engl.)  Komplementärwährungen unterstützten Zentralbanken und Regierungen, die sich antizyklisch verhalten.Herkömmliche Banken verhalten sich prozyklisch. Man merkt, der Liberalismus ist auch bei Frau Kennedy nicht gerade beheimatet, aber sie macht die verbreitete Neid- und Gierkampagne nicht mit.

Die Themen des studentischen Frontstadt-Plaudertisches aus den Zeiten der Jahrtausendwende kommen nun auch in der “Zeitschrift Recherche” an. Gayatri Chakraworti Spivaks Grundlagentext ist mittlerweile in deutscher Sprache verlegt, “Can the subaltern speak – Postkolonialität und subalterne Artikulation”. Er wird von Elisabeth von Samsonow in “Differenz als Falle” unter die Lupe genommen.: “Innerhalb einer Logik, die Repräsentation für archaisch hält, treibt der theoretische Kult des Minoritären urbane Blüten – man kann für ethnisch Andere,  Frauen, Farbige, Primitive, Analphabeten, und Bauern sprechen, nein, man muss einfach.” Der deutsche Denk- und Publikationsraum ist eben immer noch etwas träge bei der Aufnahme internationaler Diskussionen. Ich habe Frau Spivaks Thesen erstmalig im Rahmen globalisierungskritischer Diskussionen der 90er vernommen, da waren ihre Haare noch dunkel und sie lehrte an US-amerikanischen Unis “postcolonial studies” und förderte in ihrer freien Zeit Frauenprojekte in Bengalen. Mittlerweile ist die Wissenschaftlerin und Praktikerin aus Indien auch etwas ergraut aber nicht minder tätig.

Wenn die jeweiligen Artikel online gestellt werden,kann ich die auch hier verlinken, die Texte von Geden und Kennedy sind bereits an anderer Stelle veröffentlicht worden. Studis aus dem deutschsprachigen Raum haben mir berichtet, die Zeitschrift wurde an Unis kostenlos ausgelegt gesichtet. Ich hoffe, etwas Interesse für diese Zeitschrift geweckt zu haben und wünsche viel Spass beim Kopfrocken!

references:
MMSenf zu O. Geden
Leben im Mittelalter

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March 18, 2009 at 11:12 pm

Ich höre dauernd nur Amok

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Durchgeknallte Pickelfressen aus Schwaben sorgen für nationales Gruseln und den Ruf nach dem umfassenden, sekuritären Staat.
Zur Abwechslung eine wirklich traurige Nachricht aus Hamburg:

NEWSLETTER Hamburger Edition und Zeitschrift »Mittelweg 36«
Hamburg, im März 2009
Liebe Abonnentinnen, liebe Abonnenten,
wir, die Mitarbeiter der Hamburger Edition, trauern um Alison Des Forges. Die Ruanda-Expertin und Autorin der Hamburger Edition kam am 12. Februar bei einem Flugzeugabsturz in Buffalo ums Leben.

Jetzt werde ich wieder monatelang kein Flugzeug betreten.

Alison, R.I.P.

references:
Sachdienliches zur Causa Tim K. wie immer bei Zettel

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March 13, 2009 at 6:45 pm

Unbehagen in der Massenkultur

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knef-gaulullstein4Jedes Buch hat seine Zeit. Einige erleben sogar mehrmalige Erweckungen,  “Der geschenkte Gaul” von Hildegard Knef aus 1970 ist so ein Werk, es wurde in 2008 verfilmt. Nun gibt Heike Makatsch in einem neuen Spielfilm die Knef und ich weiss nicht, was ich davon halten soll. Natürlich ist es eine posthume Auszeichnung für die im Nachkriegsdeutschland immer auch umstrittene Knef, in einem neuen Film dem Publikum näher gebracht zu werden. Ihr Begräbnis 2002 in Berlin war nicht so grossartig wie das der Marlene zwei Jahre nach der Wiedervereinigung der beiden Frontstadtteile.

marlene-2006-07-24_friedhof_schoeneberg_iii_grab_dietrichMarlene hatte aus ihrer Ablehnug  gegen die Annäherungsversuche des NS-Kullturapparates nie einen Hehl gemacht, das haben ihr viele Deutsche vom Mitläufer bis zum strammen Volksgenossen auch zum Schluss noch übel genommen. Der Trauermarsch in 1992 (über Strecken auch als Dauerlauf einstufbar) bis zur Stubenrauchstrasse war eines meiner ergreifendsten Erlebnisse in den Neunzigern, die Grablegung der Diva erzeugte schier unendliche Referenzen in dieser Stadt. Es sollte nicht die letzte Begegnung bleiben, etwas später wühlte ich in ihren Pantinen, Schlüppern und Büchern in Spandau herum. Die SDK hatte ihren Nachlass erworben und zur Erschliessung in der Streitstrasse deponiert und dort habe ich mich ein wenig nützlich gemacht.

Die Knef war anders als Marlene: Als Jugendliche gefällig bei der UFA, sie provozierte die Nachkriegsgeneration auch mit freizügiger Weiblichkeit und später mit individuellen Lebensentwürfen und einer Karriere in den USA. Finanzielle Schwierigkeiten und ihre Krebserkrkankung wurden nicht von Allen mit der gebotenen Empathie – oder zumindest Gleichgültigkeit –  belegt. Seit den Siebzigern fehlen Parodien auf ihr Werk in kaum einer Travestieshow, sie wurde gerne als qualmender, alternder Vamp inszeniert.

hildegardknef

Ich schätze die Knef als Sängerin, mein Lieblingsstück ist ihre Interpretation “Lieber Leierkastenmann” (Vorlage).  Mit der Knef, Evelyn Künnecke,der “Callas der Subkultur” – die mich in den frühen Neunzigern während einer Theater Premierengala bei Tisch mit ihren bärbeissigen wehrmachtskritischen Ausführungen auf Hitlers Polenfeldzug zu Vicki Leandros’ Interpretation “Theo,wir fahr’n nach Lodz” auf das Beste von den Scheintoten erweckte – und der in den sechziger Jahren zugezogenen Helen Vita starben anfang des Millenniums die letzten “Diven” Berliner Provenienz.

Nach den ganzen letzten produzierten Nachkriegsfilmen ist eine fragwürdige Inszenierung der Knef wahrscheinlich. Ich möchte Heike Makatsch nicht zu nahe treten, ich schätze ihre Rollen und sie hat sich von einer Teenie-Moderatorin bei VIVA und BRAVO-TV dank Detlef Buck und Doris Dörrie zu einer guten Darstellerin entwickelt. Mit der Verfilmung “Hilde” des Knef-Buches “Der geschenkte Gaul” kann sie sich aber auch verheben – am schlimmsten wird es ja,wenn Wessies Berliner Dialekt versuchen.

Wer Walter Benjamin und T.W. Adorno aufmerksam liest, kann ein Unbehagen der beiden Autoren an der Massenkultur herausarbeiten. Es geht dabei nicht um ein mit schnöseligen Wertungen besetztes Gegensatzpaar von Massenkultur versus Elite- oder Hochkultur, sondern um die Frage der Technik und Wirkung massenkultureller Phänomene und Produkte. Adorno und Benjamin haben diese Fragen in ihren Schriften ausführlich niedergelegt.

Ich gehe mit gemischten Gefühlen in die Premiere. Es tut mir leid, aber die Knef als kopftuchtragende Trümmerfrau geht nach “Der Brand” für mich überhaupt nicht mehr.

wilcoxthefuneralofmarlenedi

PS: Zur Grabstelle von Marlene Dietrich gibt es eine Fussnote, die in das Wiedervereinigungsszenario wie Arsch auf Eimer passt. Der Stein war kaum aufgerichtet,schon wurde er mit der Parole PELZSCHLAMPE beschmiert.

references:
Taylorbob

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March 6, 2009 at 2:25 pm

Happy B-Day Wes

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wes9Der fabelhafte Jazz Gitarrist John Leslie “Wes” Montgomery wurde am 06. März 1925 in Indianaposlis geboren.

Er starb am 15. Juni 1968 in seiner Geburtsstadt.

Seine Platten leben weiter.

Thank you Wes for the music and rest in peace.

Mein Lieblingstrack: Sun Down, ganz viel von ihm gibt es hier zu hören, das lohnt sich.

references: Jazz/Swing an der Gitarre in den 40ern in den USA: Emmet Ray

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March 6, 2009 at 12:42 pm

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Zitat des Tages:

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“Wenn das so weitergeht,schicken die Castro-Brüder eine Freundschaftsdelegation zum nächsten CDU-Bundesparteitag.” Brüderle via FDP-Fraktion

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March 4, 2009 at 10:13 pm

Sehnen nach Ausnahmezuständen

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adorno

Strandkörbe statt Standortdebatten

Seit der Begebenheit des Rauschmiss der rotlackierten Faschisten – oder weniger polemisch betrachtet handelte es sich um progressives Gesindel –  aus dem Frankfurter Institut für Sozialforschung in den Wirren der 68er APO ( Adorno liess das Institut von der Polizei räumen )  bis hin zu den unheimlichen antisemitischen Aufmärschen linker und islamistischer Bewegungen sind mehr als vierzig Jahre in’s Land gegangen.

Wer sich in 2009 ein Update der Kritischen Theorie abholen möchte, ist zunächst einmal arm dran, denn es gibt ausserhalb der Studierstube wenig Gelegenheiten zum Austausch mit ihren Adepten. In Berlin trafen sich am Sonnabend auf Einladung der BAHAMAS-Redaktion (noch) aktive Autoren und eine beachtliche Zuhörerschaft zur Analyse aktueller wie historischer Verkommenheiten einer Linken, die sich auf ihre Bewegungsgeschichten nichts einzubilden braucht – wer aber ihre zeitgenössischen Kritiker studiert, stösst immer wieder auch auf bewegungspraktische und ideologische Parallelen zu heute. So können linke Mythen (und Lügen) auch abgebaut werden. Ein Mythosbegriff geistert seit Jahren durch das linke Selbstverständnis, es handelt sich um die zur Worthülse verkommene Begrifflichkeit der Emanzipation – wer sich von was und warum emanzipieren soll, steht in den Flugis schon lange nicht mehr drinne. Think Big: Globalisierung, Finanzkapital und USA müssen zur Projektion hinreichen. Mehr kommt auch nicht nach.

Ob die Linke in Lenin, Stalin, Mao, Chavez, Nasrallah oder Achmadinedschad ihren aktuellen Tribun verortet, ist eine Erscheinung des Zeitgeistes. Die Gemeinsamkeit dieses Gruselkabinetts findet sich im Hang zum jakobinischen Schafott, in der Abwesenheit von individuellen Glücksideen, in der kollektiven Gleichschaltung und dem völligen Abschalten des Denkvermögens auch einmal von der Bewegung ernannter Intellektueller – wer selbst in den dreissiger Jahren glaubte, zwischen den Idealen von Stalin und Hitler wählen zu müssen, dokumentiert seine Beschränktheit mehr als deutlich. Wer in der Linken in dieser Zeit einigermassen bei Trost war, ist in die USA anstatt in’s Hotel Lux exiliert.

In Zeiten der verschärften Wirtschaftskrise nimmt aber auch die bürgerliche Mitte Anleihen bei linken Konzepten. Die Anleihe erfolgt sowohl in der Politpraxis als auch in der ideologischen Begleitmusik, die der kapitalistischen Krise folgt. Wie die Fliegen auf dem grössten  Scheissehaufen ihr Auskommen sichern, entwickelt auch die Linke ihren Labsal an der Krise: “Das haben wir schon immer gesagt, Verstaatlichung, Kollektivierung und “die Verantwortlichen” als Sau durch’s Dorf treiben und überhaupt fliegt denmächst die sozialrevolutionäre Kuh hoch durch die Luft” – hier wird dann das linke ABER nachgeschoben, weil die bürgerlichen Volksvertreter dies natürlich nur halbherzig umsetzen. Denn es fehlt der deutsche Tribun, ein von der Mehrheit anerkannter Führer zur Umsetzung der herbei gesehnten Ausnahmezustände; tabula rasa in praktischer Reinform als Krisenmeister.

Dass die Linke diesen Job nicht mehr bekommt – in der SED und der KPdSU hat sich deren unzulängliche und kurzfristige Lösungsmächtigkeit verdeutlicht – hindert sie nicht am Hetzen auf die gierigen Manager und den Individualismus, die dem deutschen Michel das Blut aussaugen möchten. Man dient sich im Spiel der Parlamente seit der Wende immer wieder als Vollstrecker der groben Arbeiten eines Staates an – in der Rechten versuchen das die Nazis mit weniger Erfolg  auch.

Nun sind die Begleiter der BAHAMAS-Strömung aber idealer Weise auch Kommunisten, die beim Spiel der Linken um die Machtverteilung im Staate nicht mitspielen wollen. Sie bieten ihre Kritik an den aktuellen Verhältnissen in Zeiten des Niedergangs jeglicher Glücksutopistik (diese Diagnose trifft die Linke genauso wie die bürgerliche Mitte) als letzte Möglichkeit an, eben nicht zu verzweifeln. Ein langes Winterbivak mit gelegentlichen Aufstiegen auf die Höhen gedanklicher Vergewisserung: Irgendwo in weiter Ferne liegt die Gesellschaft der Gleichen und Freien und wenn ihr es wollt, bleibt es kein Traum.

Bis dahin bleiben die Niederungen eines ideologischen Zeitalters zu bestellen, die Dokumentation einer öffentlichen Gegnerschaft zu den grössten Feinden der Zivilisation – die dem starken Staat und der Guillotine vernünftigerweise vorgezogen wird. Mehr scheint im Rahmen der Kritischen Theorie auch 2009 nicht leistbar. It’s a very, very mad world.

references
Konferenztexte in Bahamas #57 (April 2009)
Konferenzbericht von Mark
Vor- und Nachbereitung bei ADF

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March 1, 2009 at 12:46 pm