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Archive for the ‘Bücher’ Category

Literatur – macht Wissen(schaft) auch krank?

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Ich bin ein Freund des Buches,elektronische Literatur halte ich ab einer Seitenzahl von mehr als 20 für schwer lesbar,arbeiten kann ich mit solchen Quellen nur schwer. Bei den Bloggies wurde unter der Rubrik “Was gerade gelesen wird” ein interessanter Literaturhinweis von Rayson abgelegt: Institutionenökonomik von Stefan Voigt – in dieser hässlichen aber presiwerten roten Uni-Taschenbücher S Reihe.

In diesem Zusammenhang bin ich auf eine amazon Lieblingsliste von “k.  g” (der Name wurde auf Wunsch des Autors abgekuerzt) gestossen:

“Grundstudium Volkswirtschaft in Konstanz”,

besonders die Position # 12

Krisenintervention bei Persönlichkeitsstörungen. Therapeutische Hilfe bei Suizidalität, Selbstschädigung, Impulsivität, Angst und Dissoziation (Leben Lernen 137) von Thomas Bronisch”

hat mich auch humoresque berührt:. Dieser K. G. (der Name wurde auf Wunsch des Autors abgekuerzt)  kommentiert seinen Literaturvorschlag mit:

“Damit man auch wirklich (ohne größere Störungen) das Grundstudium besteht empfehle ich jedem dieses Buch :-)”

Ein tragisch-komisches Versatzstück auf die höheren Bildungseinrichtungen im 21. Jahrhundert?

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August 26, 2008 at 10:12 pm

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Mit der FAZ an der neurechten Pissrinne Europas

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Jäger,Glucksmann,der Dolchstoss und die Swastika schaut auch schon wieder um die Ecke …

Auch die FAZ hat ihren Matussek,dort heisst der Kulturchef aber Herr Jäger und der ist ein ganz schlimmer Finger. Er glaubt, die französischen Intellektuellen Glucksmann und Levy mit einem propagandistischen Blattschuss über Kimme und Korn in seinem Kulturteil nach Waidmanns Art erlegt zu haben. Was soll die Verfehlung der beiden Intellektuellen denn genau gewesen sein, fragen sie?

Nun, die Beiden haben sich erfrecht, von Europa ein Mindestmass an Solidarität für Georgien (dt. Text) einzufordern, ohne die verschiedenen Interessenlagen von Deutschland, Russland und der EU genau austariert zu haben. Das ist für den Hakenkreuzforscher Jäger nicht nur unwissenschaftlich sondern auch gleichbedeutend mit Russophobie – die pathologisierenden Herabwürdigungen von gegensätzlichen Meinungen haben ja seit Jahren Hochkonjunktur, wie man jüngst an der hochnotpeinlichen Debatte über die sogenannte Islamophobie verfolgen konnte.

Und es kommt noch dicker: Glucksmann und Levy versündigen sich an der gestandenen, alt europäischen Charactermaske der äquidistanten Abwägung von Interessen, wenn Russland seinen Zwergennachbarn (Georgien, Tschetschenien, etc…) mit Panzern, Raketen und Bomben zeigt, wo der Souveränitätshammer für ex-SU-Staaten genau hängt. Dass sich old-europe Anhänger nicht nur im linken Spektrum tummeln,ist keine wirkliche Neuigkeit. Aber die Verve, mit der Jäger den Antitransatlantiker zu Gunsten eines Schulterschluss mit Russland heraushängen lässt, ist beunruhigend.

Zur Abrundung kommt Jäger noch auf den Trichter, dass Glucksmann und Levy auch Agenten der USA und Israels sind – da lugt der Dolchstoss gegen old-europe schon förmlich um die Ecke. Die publizistische Platzierung einer Reinwaschung des Hakenkreuzsymbols in 2006 – von Jäger im Sinne Ernst Noltes nur als reine Abwehrreaktion auf den Sowjet-Kommunismus verstanden – verwundert dann auch nicht wirklich. In der amazon-Rezension von “Ronald Funck” zu Jägers Elaborat heisst es mahnend:

… Der Untertitel “Eine Kulturgeschichte” ist eine infame Suggestion. Denn außer dem Kapitel “Schliemann und die Folgen” befasst sich das Buch kaum mit der vorgeschichtlichen und antiken kulturell-weltweiten Bedeutung der altindischen Swastika. Beginnend bei Blavatskys Okkultismus und den “Kosmikern” mit ihrem Mystagogen Alfred Schuler über den sexualpsychotisch geprägten Rassismus eines Lanz von Liebenfels zeichnet Lorenz vielmehr die Geschichte einer Sub- oder Unkultur. Bei einem völkisches Stelldichein präsentiert er das schlechte “Gedankengut” weiterer Antisemiten, Antijudaisten, Rassisten und gefährlicher Phantasten. Schließlich folgt eine Beschreibung der ideologischen und auch praktischen (!) Umstände, die das Hakenkreuz zum Emblem der Nazipartei werden ließen und wie es nach dem 30. Januar 1933 in sämtliche Lebensbereiche der Bevölkerung Einzug nahm….

Dieser FAZ-Kulturredakteur will nun Stimmung für die lupenreine Demokratie Russlands im neurechten Fahrwasser machen. Putin hat nicht nur den SPD-Gasmann als Verbündeten, auch in der konservativen Ecke lauern schon seine Kostgänger, wenn die USA sich von Europa abwenden sollten. Bis dahin wird von Linken wie Rechten alles getan, um das Band zu Amerika , der NATO und Israel möglichst dünn zu halten. Was old-europe noch beinhaltet, sollte diese Taktik erfolgreich sein, ist die Achse Moskau-Teheran-Peking. Ein ideologisches Fahrwasser, das für Demokratie, Menschenrechte und spezielle Friedensvorstellungen in aller Welt bekannt ist. Vor allem, wenn das iranische Mullahregime demnächst über die A-Bombe verfügen sollte.

Bush, Obama oder Mc Cain:

Lasst uns mit diesem antimodernen Gesindel nicht alleine !

references:

  1. Die Hintergedanken der anderen
  2. Fassungslos
  3. SOS Georgien!SOS Europa!
  4. Sensation: Lorenz Jäger gibt Israel die Schuld
  5. Ein Nationalbolschewist im amerikanischen Sektor

when gender-studies join islamism

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Die Verhinderung eines Buches: Wie es um die westlichen Geisteswissenschaftler bestellt ist,weiss ich nicht genau,aber die “Historikerin” Denise Spellberg von der Uni-Texas schiesst wirklich den Vogel ab: Zettels Meckerecke: Ein Fall Rushdie, der nicht stattfand. Wie Islamisten die Publikation eines Buchs verhinderten. Kann ‘mal jemand diese obermoralischen Genderschnepfen dahin versetzen,wo sie auch hingehören: Auf’s Arbeitsamt.

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August 10, 2008 at 9:22 pm

Alexander Issajewitsch Solschenizyn 1918-2008

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Es ist verdammt lange her,die Lektüre der Archipel Gulag Bände – es war im Rahmen eines Lektürekurses in der Oberstufe,ich musste den umfangreichen Stoff zum Glück nur lesen und nicht referieren.mein Thema waren die DDR Literaten Plenzdorf, Loest und Robert Havemann.

Heute am frühen Morgen,bevor ich zum Dienst unterwegs war,habe ich noch bei Zettel vorbei geschaut,er hatte die Todesmeldung bereits auf seinem Blog, sein Focus ist Solschenizyns Diagnose der Mutlosigkeit des Westens, das war 1978, inmitten des Kalten Krieges und der beginnenden Aufregung in Europa über den NATO-Doppelbeschluss (Pershing II Atomraketen versus SS-20 Atomraketen), Helmut Schmidt stürzte anfang der achtziger Jahre über sein Festhalten an dieser Bündnisentscheidung,die Ära Kohl begann.

Mir sind die Pressebilder immer noch sehr gegenwärtig: Andrej Sacharow,Jelena Bonner,Kopelev und Solschenizyn waren in den siebziger Jahren im Westen sehr bekannte SU-Dissidenten. Ihre Auseinandersetzungen mit dem Kremlapparat wirkten immer wie der Kampf Davids gegen Goliath und die Solidarität aus dem Westen war überwältigend. Nach der Lektüre des Archipel Gulag habe ich die Spinner von DKP,MSB oder SEW immer ausgelacht,wenn sie mir die gewaltige Überlegenheiten des Realsozialismus schmackhaft machen wollten. Mein Marxismusverständnis war immer ein ganz anderes,es stellte sich später heraus,es war nur ein literarisch umgesetztes Ziel,in kleinen Kritikerzirkeln bedacht und nach allen Regeln der Sophistik und des HistoMat ausgetüfteltes Gedankengebäude – es hatte mit keinerlei Kommunismuspraxis auf dieser Erde die geringste Ähnlichkeit.

In den siebziger und achtziger Jahren war der Gulag kaum ein linkes Thema – in der ehemaligen FDJ-Postille junge-welt macht man sich heute noch lustig über Solschenizyn – es wurde von den SU- und DDR-Freunden am liebsten ganz unten in der Schublade liegen gelassen.Oberste Sozialistenpflicht war die Erkenntnis: Wo gehobelt wird,da fallen Späne = Massenmord an Millionen. Was für ein Zynismus.

Solschenizyns Werdegang wird sehr ausführlich in dem Artikel “Solzhenitsyn, Literary Giant Who Defied Soviets, Dies at 89” von Michael T. Kaufman in der heutigen NYT nachgezeichnet,auch in der WELT hat Jens Hartmann einen trefflichen Nachruf verfasst: “Solschenizyn, der Heilige der russischen Seele” .

So sehr mir der alte Solschenizyn ein vertrauter Literat war,so komisch wendete sich das Blatt nach seiner Rückkehr in das neue Russland. Seine anfänglichen Mahnungen gegen die Oligarchen,die sich das Leichenhemd des SU-Kommunismus unter den Nagel gerissen haben und der Bevölkerung Hunger, Trostlosigkeit und Elend weiter auferlegten – es war schlimmer als unter der Herschaft der KPdSU, gingen noch klar für mich. Seine Wendung zur russisch orthodoxen Kirche,seine antiwestliche Einstellung und sein bäuerischer Gesellschaftsansatz waren schon ein versponnenes Erkenntniskonzentrat,mit dem ich garnichts mehr anfangen konnte. Nur noch ärgerlich ist seine Veröffentlichung über die “Kommunisten und die Juden in Russland”,eine auskömmliche antisemitische Lektüre für Putins nationalbolschewistische Jugend, aber auch für Horst Mahler und seine Kameraden von der nationalsozialistischen Heilsfront und natürlich für die ideologischen Kostgänger des islamische Djihad. Sie alle dürften ihre helle Freude an solcherlei Exegese zeigen. Diese Form des Antikommunismus ist immer noch ein belebendes Schmiermittel an den ideologischen Rändern.

Was lernt man aus solchen Entwicklungen? Macht das Alter einen beschädigten Menschen – der vor seiner Zersetzung Physiker war – irgendwann doch auch blöde? Mit Weisheit kann ich das jedenfalls nicht zusammen fassen. Aber es ist wohl auch keine Überraschung,das sich Lebenswege auch wieder trennen,wenn Gemeinsamkeiten ausbleiben. Als Wegbegleiter des Niedergangs der SU wird Solschenizyn für mich ein sehr präziser, literarischer Beobachter bleiben,im Aufbau des neuen Russlands ist er nur noch ein spät dekorierter Zaungast in den Fussstapfen Dostojewskis gewesen. Live is hard and then you die.

references:

  1. Alexander Solschenizyn (1918 – 2008)/Der Chronist des Stalinismus
  2. Alexander Solschenizyn – Antitotalitarist und Patriot
  3. Scribe of the gulag” von Anne Appelbaum
  4. Meine Solschenizyn – Nachleese
  5. Solschenizyns andere Seite
  6. L’homme qui a changé ma vie de André Glucksmann + Dossier Le Figaro
  7. Zettels Forum
  8. Alexander Solschenizyn in den Feuilletons
  9. Reaktionen zum Tod von Alexander Solschenizyn

UPDATE: DIESEN BEITRAG HABE ICH AUS VERSEHEN GELÖSCHT. DEN BEITRAGSTEXT HATTE ICH NOCH ALS WORDTEXT AUF MEINEM RECHNER,ABER DIE KOMMENTARE VON ZETTEL UND MIR SIND IM NIRVANA DES WWW VERSCHWUNDEN. WIE SCHADE ,(

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August 4, 2008 at 10:20 am

Prager Frühling

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Nein,es ist eben nicht die Rede von der neu herausgebrachten sozialistischen Zeitschrift.

Heute wird auf die persönlichen Erinnerungen von Heinz Eggert – Pastor,Journalist und Moderator – hingewiesen. Sein Abgesang auf den realen Sozialismus in 1968: Der Prager Frühling oder:

Mein politisches Erwachen: Teil I + Teil II + Teil III + Teil IVGedenken in  Liberec 2008

Neuerscheinung: Klaus Kukuk (Jahrgang 1933): Prag 1968 – Unbekannte Dokumente. Mit einer Einleitung von Horst Schneider (14,90€,TB,Das Neue Berlin August 2008). amazon

references:
Bedrohung aus dem Osten

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August 1, 2008 at 4:30 pm

Liberalismus freundlich erklärt

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FdoG veranstaltet regelmässige Treffen in Berlin,es geht dort freundlich,interessant und thematisch sehr divers zu. Ab und an stossen neue Interessenten hinzu,gestern war beispiesweise u.a. ein weit gereister Mensch vom iuf-berlin (BLOG) dabei und die Diskussionen waren bedeutungsschwer und vor allem grundsätzlicher Natur. Zuppi ist darüber wieder nachdenklich geworden. Die liberale Blogosphäre gibt für fast alle Rezeptionsbedürfnisse passende Angebote her,im Grundgedanken der freien Wissenweitergabe können Standpunkte zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen ausgetauscht und zur Debatte gestellt werden.

Was in einer Zeit sich bewegender politischer Formationen völlig fehlt,ist ein Blog,auf dem liberale Essentials freundlich erklärt werden – etwa analog zu dem hervorrangenden Blog “USA erklärt“.

UPDATE: Es gibt nun ein Liberales Lexikon zum befüllen.

PS:
Für Helga liegt hier ein Tip zum Einlesen in aktuelle,linke Gedankenwelten zum Liberalismus

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July 30, 2008 at 6:54 pm

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Entwicklungshilfemythen

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Vor einigen Monaten habe ich schon in meinem Beitrag Völkermord in Ruanda und die Literaten das Thema der wohlmeinenden Entwicklungshelfer angerissen, nun hat es auch den Weg in die jungle-world gefunden:

  1. Daumen im Schnabel In seinem Roman über den Völkermord in Ruanda schildert Lukas Bärfuss, wie Entwicklungshelfer zu Akteuren im Konflikt und schließlich zu Tätern wurden.Von Jan Süselbeck
  2. Die die Capacities developen In Afrika sind Heerscharen von Entwicklungshelfern, Freiwilligen, technischen Beratern und Praktikanten tätig, um dem Kontinent aus der Armut zu helfen. Wer sind diese Leute, die sich auf den langen Weg machen, um Gutes zu tun? Janine Hamann hat sich umgesehen. Von Janine Hamann

UPDATE 13.09.2008, 10:09 Uhr:
Beitrag von D. Harnasch zu “Weltwärts” vom BMZ

references:

  1. Kurzrezensionen bei perlentaucher
  2. Völkermord in Ruanda und die Literaten
  3. Komplizen im Völkermord
  4. Überlegungen zum Film Ruanda Hotel
  5. Sarkoz abgespeckter Traum:Union der Mittelmeerländer
  6. Union pour la Méditerranée: (Union für das Mittelmeer), abgekürzt UPM: 44 Mitgliedsländer auf: alle 27 Staaten der EU sowie elf Anrainerländer am Süd- und Ostufer des Mittelmeers. Hinzu kommen zwei Nichtanrainer im Süden, die aus geopolitischen Gründen einbezogen werden – nämlich Mauretanien und das Königreich Jordanien. Auf dem europäischen Kontinent kommen wiederum Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro als Nichtmitglieder der EU sowie das eng mit Frankreich assoziierte Fürstentum Monaco hinzu.

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July 5, 2008 at 7:12 pm