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Köln stellt sich quer,versteht aber nur die Hälfte des Problems

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Dieses Wochenende ist breite Staatsantifa am Rhein gefragt, vom Roncalliplatz am Dom bis zum Gürzenich können sich Antifaschisten über die am Heumarkt anberaumte Antiislamisierungs-Konferenz der Rechtsextremisten von pro Köln informieren – wer proKöln noch nicht kannte,kennt sie spätestens heute –  Update: Die proKöln Demo ist von der Polizei abgesagt worden. Das nicht einmal 100 Aktivisten zählende Häufchen der Bürgerbewegung proKöln hat zum grossen Stelldichein der europäischen Rechtsextremen an den Rhein geladen, vorgeblich 1500 Konferenzteilnehmer werden erwartet: FPÖ/BPÖ, Vlaams Belang, Lega Nord, BNP bis hin zu Le Pen (der kommt aber nicht)  sind zu einer Konferenz gegen die Islamisierung Europas eingeladen worden, das rechtsextreme Lager bis zu den Stiefelnazis ist nach Köln aufgebrochen- den Konferenzort werden sie aber nur schwer erreichen, ein breites Bündnis heisst die Rechten eben nicht gerade willkommen in der Domstadt. Ob der kleine rechtspopulistische Kölner Haufen in der Lage ist, die europäischen Rechtsextremisten mit dem Moscheethema in seiner Masse nach Köln zu mobiliseren,ist allerdings fraglich – dafür erscheint proKöln als zu unbedeutende Kraft und in anderen europäischen Ländern ist die xenophobe Moscheekarte politisch auch schon ausgespielt. Die “Köln bleibt bunt” Szene scheuchen sie aber schon auf und die Kölner Innenstadt befindet sich dieses Wochenende im Ausnahmezustand, proKöln (mit 4,3 % im Stadtparlament) kann sich wieder als Opfer des Systems bei seinen Anhängern verkaufen.

Aufhänger für pro Köln war der längst beschlossene Moscheebau in Köln Ehrenfeld – ein Grossbauprojekt der DITIB, die dem türkische Staat seinen Zugriff auf die in Deutschland lebenden Türken auf religiöser Basis sichert. In Deutschland sind ca 150 Moscheebauten abgeschlossen, getragen werden diese über diverse Moscheebauvereine, die zum Teil äusserst bedenkliche politische Hintergründe haben. Z.B. die MHP, die mit den Grauen Wölfen einen rechtsextremen Schlägerhaufen auch in Deutschland betreibt, der dissidente Türken bedroht und auch mit der NPD beste Kontakte pflegt. Gleichzeitig ruft die MHP ihre Mitglieder und Sympathisanten auf,sich mit ihren islamistischen und nationalistischen Positionen in der hiesigen politischen Zivilgesellschaft  einzubringen. Eine ähnliche Strategie verfolgt Tariq Ramadan,der auch gerne in den linken Zusammenhängen als Platzhalter islamischer Integration in Europa abgefeiert wird. Protagonisten dieser schleichenden Islamisierungsstrategie gilt es zu erkennen und zu bekämpfen. Keine relevante gesellschaftliche Gruppe sollte solche Schariah-U-Boote auch noch mit aufbauen.

Den Aspekt der politischen Einflussnahme von zur Zeit Regep Erdogans Islampartei über die DITIB blenden Antirassisten oder Multikultiprotagonisten gerne aus. Sie tun so, als ginge es bei den Protesten gegen die Moscheebauprojekte nur um Ausländerhass und Antiislamismus. Hier verpennt auch die ausländerfreundliche Mitte bewusst einen Konflikt, der den Rechtsextremen immer mehr Köpfe in die Hände spielen wird. Die Kölner CDU-Fraktion hat sich auch vor diesem Hintergrund gegen das Ehrenfelder Moscheebauprojekt ausgesprochen – die Statdverwaltung war aber in ihrem Genehmigungsverfahren schneller als die regionalen Parteigrössen.

Es ist aber auch unverkennbar, dass die nicht vorhandene Integrationspolitk der Parteien und gesellschaftlichen Gruppen seit den 60er Jahren erst den Boden für die heute vordergründig religiös aufgeladenen Debatten bereitet haben – ich bezweifel stark,dass die Religionsausübung das Hauptproblem der Migranten ist. Sie trifft die hohe Arbeitslosigkeit mindestens genauso stark wie die Eingeborenen und strukturelle Benachteiligungen im Zugang zu Bildungseinrichtungen und Jobs lassen sich nicht mit Koranlesungen oder Gebeten lösen. Schäubles Islamkonferenz ist nur die Spitze der Peinlichkeit deutscher Integrationspolitk.

In einem säkularen,aufgeklärten Staat die Integration von Migranten über die Religion anzupacken, zementiert religiöse Rackets, die nicht in die Zukunft sondern rückwärts gewendet sind, die Opium für’s Volk in einer sonst kalten Welt bereit halten. Anstatt die Migranten an den Segnungen einer modernen Gesellschaft teilhaben zu lassen,werden sie religiösen Ideologen überantwortet. Das ist reaktionär und leider nicht nur die Domäne der Konservativen.

Wer die Migranten erst einmal auf Gottes befohlene Ränge verwiesen hat,wird längerfristig den Eingeborenen dieses Projekt auch nicht verwehren wollen. Ob sich das in Form von Betschwester Glorias Katholizismusphantasien oder im Zwangsdienst zum Sobotnik der Sozialisten ausformt, scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. Freiheit oder Emanzipation haben beide ethische Wellen jedenfalls nicht im Angebot, zu allerletzt natürlich die Kartoffelnasen von proKöln.

PS:

Political Streetlife:In Köln waren heute um die 40 000 Leute unterwegs, in Berlin ist die Friedensbewegung mit 2500 (Link) angetreten (Link) und in Hamburg kamen 100 zur Kundgebung zum Hungerstreik im Iran .

references:

  1. Islamkritik und »antimuslimischer Rassismus«
  2. Köln in Bewegung – Grüne in Bewegung
  3. Islam und deutscher Antifaschismus
  4. Debatte bei Spin.de
  5. Gut, daß wir verglichen haben
  6. Broder, Alter.
  7. „Köln war überschattet von zügelloser Gewalt“
  8. Volksfrontspektakel am Rhein
  9. Nicht die Moschee, der Islam ist das Problem!
  10. … ein Verbrechen?
  11. Von gelb zu braun
  12. Anti-Antis
  13. Daniel Leon Schickora
  14. Liegt Köln in Weimar?
  15. Kölner Verhältnisse
  16. Religion pervetiert den Verstand
  17. Der Rechtsstaat begibt sich in Geiselhaft
  18. “Freiheit die ich meine!”/Anmerkungen zu den Ereignissen in Köln
  19. YouTube-Eindrücke von Islamgegnern und deren Gegnern
  20. Tollerantes Kölle
  21. GEGEN DEN BAU EINES 2. TELL-STÜBCHENS IN KÖLN!
  22. Nach Köln: Was ist der Unterschied zwischen Rechts- und Linksextremen?
  23. Soldatenglück auf linker Friedensdemo in Berlin
  24. Bye bye Demonstrationsfreiheit?
  25. Pro Trottel + “Ein Sieg der Stadt Köln” + Forumsdisko
  26. Antiislamisierungskongress — Demolog- und beurteilung
  27. [Köln] Mehrere Tausend auf Antifa Demo
  28. Rassistischer Kongress in Köln – wer ist alles dabei?
  29. Antinazi-Blog
  30. PHÖNIX: Der Streit um die Kölner Moschee

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September 20, 2008 at 1:42 pm

Aufgeschnappt

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  1. Im Forum der “Augsburger Allegemeinen” wird ein Moscheebau in Oberhausen diskutiert,eine verunglückte Diskussion?
  2. Marokko ist auch in Sarkozys abgespeckter Mittelmeer Union,das emanzipatorische Gepäck der europäischen Aufklärung fliegt dem Königshaus dort jetzt qua Filmfestival um die Ohren,hier der Bericht von Damien.
  3. Die antipsychiatrische Literaturliste ist um einen ausführlichen Text bereichert worden: Kontinuitäten der (Zwangs-)Psychiatrie, von Alice Halmi aus 2008. Die Antipsychiatrie [LinkTipp] ist nun bei der Staatskritik der MG/Gegenstandpunkt angekommen.
  4. BAK-Shalom lädt am Sonntag zur Podiumsdiskussion mit dem Juristen Dr. Mohammed Wattad im Berliner Karl-Liebknecht Haus ein. Thema: A Vision of Peace & ReconcilationUPDATE: Ein Frieden im Nahen Osten – Ein Frieden für alle Menschen in der Region
  5. Am gleichen Tag wird für die beiden von der Hisbollah ermordeten israelischen Soldaten Ehud Goldwasser und Eldad Regev am jüdischen Gemeindehaus Berlin in der Fasanenstrasse um 15.00 eine Gedenkveranstaltung abgehalten: Israels Gesandter in Berlin Ilan Mor wird eine Rede halten,Rabbiner Jitzhak Ehrenberg wird den Kaddish sprechen und die Hatikva wird gesungen. Mehr Infos zur Beisetzung in israel gibt es bei hagalil. UPDATE: Um die 200 Trauergäste fanden sich vor dem jüdischen Gemeindehaus Berlin zu dem traurigen Anlass ein,die Gedenkveranstaltung verlief ohne Zwischenfälle.Reportage von Jörg Fischer-Aharon
  6. Nina “flieg doch auf einem Kajalstift in eine andere Dimension” Hagen hat seit heute bei Helga Lokalverbot.

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July 19, 2008 at 12:59 pm

RAF Debatte 2008

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Sie kommt zu keinem Ende,die unsägliche Debatte um die Mordbrenner von der RAF. Nachdem das bizarre 30 jährige Jubiläum zum “heissen Herbst” in 2007 unter dem Stern von Christian Klars (abgelehntem) Begnadigungsgesuch an Bundespräsident Köhler stand – Michael Buback weiss übrigens immer noch nicht,wer seinen Vater umgebracht hat – wird nun der Mordfall am Vorstandssprecher der Deutschen Bank Alfred Herrhausen aufgerollt.

Carolin Emcke, promovierte Philosophin, Kriegsberichterstatterin u.A. für den SPIEGEL und ab Herbst 2008 Studienleiterin an der Hamburger Journalistenschule “Hamburg Media School“, hat in ihrem aktuellen Buch “Stumme Gewalt:Nachdenken über die RAF” einen neuen Focus ausgemacht: Der Umgang von Bundesstaatsanwaltschaft und Politik mit den gefassten Terroristen wird seit Jahrzehnten von einem Mantel des Schweigens begleitet – die Deals zwischen Staatsanwaltschaft, Verteidigern und den TäterInnen behindern die öffentliche Fallaufklärung und lassen immer wieder die Hinterbliebenen des Terrors im Regen stehen. Diesen Mangel versucht Frau Emcke mit ihrem Buch und den projektierten Dialogen im “Raum der Aufklärung” zu beheben.

Emcke scheint den neuen Tabubruch “mit Terroristen diskutiert man nicht in der breiten Öffentlichkeit” positiv aufzugreifen. Die äusserst anstrengende Begegnung von Michael Buback mit Karl Heinz Dellwo Peter-Jürgen Boock letztes Jahr im Fernsehen erscheint als eine Art Initialzündung zur Idee des “Raums der Aufklärung”,in dem dialogisch die verantwortlichen Figuren des politischen Terrors mit ihren Verfolgern und den Opferangehörigen an einem Tisch sitzen und reden sollen. An der zeitgeschichtlichen Erscheinung des Terrors soll nach Carolin Emcke in der BRD Streitkultur geübt werden.

Aktive politische Grundsteine zu diesem Stelldichein hat die Theologin und GRÜNE Politikerin Antje Vollmer mit ihren Amnestiekampagnen für die RAF’ler seit den frühen 80igern gelegt. Als Bedingung hat Frau Vollmer eine Abkehr vom Terrorismus von den Terroristen eingefordert,einige haben dieses Angebot auch angenommen und wurden vor Verbüssung ihrer Haftstrafen auf freien Fuss gesetzt. Dieser Teil der nationalen Aufarbeitung des Terrors kann als weitestgehend abgeschlossen betrachtet werden.

Worum es heute und in Zukunft gehen soll,ist die wahrheitsgemässe Aufarbeitung und Aufklärung der Morde,die im Dickicht fragwürfiger Deals – weil die Ermittlungsbehörden schlampig gearbeitet haben oder die Rechtslage zu Gunsten der Täter auszulegen war – zur Nebensache herunter gebrochen wurde.

Carolin Emcke kommt nicht als geltungssüchtige Publizistin mit ihrem Anliegen an die Öffentlichkeit,sie war Alfred Herrhausens Patentochter. Sie erfuhr am Morgen des 30. November 1989 in London von dem Mord an ihrem Patenonkel,das aktuelle Buch begann sie an diesem Tattag in Bad-Homburg zu schreiben. Und nun wird sie bald junge Journalisten in Hamburg ausbilden. Eine publizistische Karriere,die nicht gerade zu Pessimismus Anlass geben sollte. Denn die Frage,wie weit der demokratische Rechtsstaat in der Terroristenfrage verbogen wurde,ist noch zu beantworten und das Schweigen dazu ist in der Tat keine befriedigende Lösung. Aufklärung ist leider nicht schmerzfrei zu erlangen.

references:
zdf-aspekte vom 23.05.2008
Black Box BRD, Film von Andres Veiel

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May 24, 2008 at 9:13 pm

Afrika und Filmfestivals

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Afrika wird selten hilfreich von Popstars thematisiert,George Clooney hat sich in den letzten Jahren um die unhaltbare Situation in Darfur gekümmert und von Sir Bob Geldoffs globalen Afrikafestivals kann man halten,was man will.Auch Madonna hat mit ihrem neuen Film Afrika wieder in den Focus der Öffentlichkeit gebracht.Es ist ja nicht so,dass dieser Kontinent keine Anlässe zur Befassung böte. Der Völkermord in Darfur,der sozialistische Populist Mugabe in Harare und kürzlich die Bootsentführungen an der Küste Somalias bieten immer wieder Einsprengsel in der aktuellen Tagesberichterstattung. Zwei Filmfestivals gaben dem Thema Afrika einen Raum: Das Sahara Filmfestival in Dejla und das TRIBECA-Filmfestival in New York. Madonna stellt ihre Malawi-DokuI am because we are” dem internationalen Publikum vor und Javier Bardem schlägt auf dem diesjährigen Sahara Filmfestival ebenfalls ein Brücke zum angeblich vergessenen Kontinent. Das Saharafestival 2008 [V Festival Internacional de Cine del Sahara] ist in drei Sektionen untergliedert:

  • FISAHARA (Sahara International Film Festival)
  • Creation of a network of video shops, one in each of the camps
  • Workshops and audiovisual training courses

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April 27, 2008 at 1:51 pm

Die Hacienda in Manchester

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war Tony Wilsons letzter Coup, den ich mitgekriegt habe, das war Ende der 80iger meine “HouseZeit” – ich war aber in dieser Zeit eher mit der Londoner Szenerie hekannt. subwave schreibt: “er hat factory records gegründet und somit der welt die musik solch großartiger bands wie joy division, new order oder happy mondays beschert. auch der hacienda club in manchester , einer der britischen clubs der 80er, wurde von ihm gegründet. gestern ist tony wilson im alter von 57 jahren viel zu früh infolge eines krebsleidens gestorben. (via.)” Michael Winterbottoms Film von 2002 24 Hour Party People erzählt die Geschichte des Clubs.

R.I.P. Tony

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August 12, 2007 at 7:48 am

Doku von Malte Ludin in der ARD

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2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß. Raumzeit berichtete bereits im Februar 2007 über diese Doku, sie wurde auf arte-tv ausgestrahlt.

ARD, Di 07.08.2007, 22.45 , 2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß

Deutschland 2004 – Regie: Malte Ludin – Prädikat: besonders wertvoll – FSK: ab 12 – Länge: 85 min. – Start: 7.4.2005
2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß Hanns Elard Ludin

Beschreibung

Die Familie eines Nazitäters, 60 Jahre nach Kriegsende. Längst ist die Wahrheit über die Vergangenheit des Vaters aktenkundig, aber unter seinen Verwandten wird sie beschönigt, geleugnet und verdrängt – mit all der Leidenschaft, zu der nur Familienbande fähig sind.

Hanns Ludin wird bereits in der Weimarer Republik berühmt, weil er in der Reichswehr für Hitler konspiriert. Nach 1933 steigt er schnell zum SA-Obergruppenführer auf. Ihm werden der Blutorden und andere hohe Weihen des Nazistaates zuteil. 1941 schickt ihn Hitler als Gesandten in den “Schutzstaat” Slowakei. Als “Bevollmächtigter Minister des Großdeutschen Reiches” soll er dort die Interessen Berlins durchsetzen: vor allem die “Endlösung”. Nach dem Krieg wird Hanns Ludin von den Amerikanern an die Tschechoslowakei ausgeliefert, 1947 zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Diese Tatsachen nimmt sein jüngster Sohn, der Filmemacher Malte Ludin, zum Ausgangspunkt einer schmerzlichen filmischen Auseinandersetzung mit den Legenden, die in der Familie über den Vater kursieren. War er ein Held und Märtyrer oder ein Verbrecher? Auf einmal sind alle bereit zu reden: Die Schwestern, Schwager, Nichten und Neffen …

Es entsteht ein intimes und doch beispielhaftes Filmdokument – ein hochemotionaler Bericht aus dem Inneren einer deutschen Familie. 60 Jahre nach Kriegsende spielt die Hitlerkatastrophe in deren Leben noch immer eine brennend kontroverse Rolle.
Text & Foto: Plan 7

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August 5, 2007 at 5:03 pm

Mauertote stören, hüben wie drüben

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Die Erinnerung an die Realitäten der beiden dt. Staaten verblasst zunehmend, dem Schrecken oder der Freude ist die Ignoranz gefolgt – wie vor dem Mauerfall auch. Die Büttel des ehemaligen SED-Regimes sind hüben wie drüben z.B. durch die historischen Arbeiten von Hubertus Knabe benannt, Gauck/Birthler tun ihr mögliches dazu. Der ethische Preis, den die Realpolitik der BRD dafür bereit war zu zahlen – die Mauertoten 1961 bis 1989 – ist noch nicht benannt, geschweige denn gesühnt worden. Dieser Problematik ist auch nicht über den politologischen Vergleich der ehemaligen Demagogien der CDU- oder SPD-Ostpolitik und DDR-Politik beizukommen, sie haben sich bis in die 80iger verwechselbar angeglichen. Es sind über hundert Menschen an der dt.-dt.-Grenze ermordet worden, viele Tausend wegen Republikflucht in den Knast gewandert. Die juristische Bearbeitung via Mauerschützen-Prozesse war kläglich, weil die Systematik “DDR-Staat+Vereingungsvertrag” so gut wie keine Verantwortlichen hinterliess – die restlichen Zweifelsfälle konnte RA Diestel für seine Jungs von der NVA vor den Gerichten durchklagen. Im selben Masse sind aber die politischen, bundesrepublikanischen Verhandler der Misere zwischen 1961-89 noch garnicht in einen Verantwortungsdiskurs gezwungen worden. Diese Doku kann dem Mangel mit abhelfen, bevor diese Politikerkaste klammheimlich wegstirbt oder in demenzieller Verblödung ihr Restaltenteil in gepflegter Athmosphäre absitzt.

Gueffroy CrossTV-Tip von Zettel , nicht nur für DDR-Ostalgiker: Tote an der Mauer
Die Sendung heißt “Wenn Tote stören” und wird heute von der ARD ab 22.45, also nach den “Tagesthemen” ausgestrahlt.

“Am Nachmittag des 12. Februar 1987 verabschiedet sich der junge Ost-Berliner Lutz Schmidt von seiner Frau, um im Kombinat “Autotrans” seine Nachtschicht anzutreten. Was Karin Schmidt nicht weiß: Heute ist der Tag X, an dem ihr Mann über die Mauer nach Ost-Berlin fliehen will. Zusammen mit einem Kollegen überwindet er die tiefgestaffelten Sperranlagen bei Treptow mit einer simplen Leiter. Sein Freund schafft den Sprung in den Westen, Lutz Schmidt wird an der letzten Grenzmauer von der Leiter geschossen – Tod durch Herzschuss. Seine Familie wird anschließend jahrelang von der Stasi observiert und drangsaliert. Er ist einer der letzten Mauertoten.
Mehr als 120 Mauer-Tote
Mehr als 120 Menschen sind bis dahin an der Berliner Mauer gestorben. Frauen, Männer, Kinder, deren Verbrechen darin bestand, der Mauer zu nahe zu kommen. Seit dem Mauerbau 1961 war die deutsch-deutsche Grenze in Berlin die bestbewachte und meistgehasste der Welt. Die Mauer sollte Ostdeutsche von Westdeutschen trennen, für immer, ohne Ausnahme und ohne Gnade. Auf beiden Seiten arrangierten sich die Politiker – billigend oder missbilligend – mit dem mörderischen Grenzregime. 28 Jahre lang.
Tragische Beispiele
Der Film zeigt drei tragische Beispiele von Mauertoten, deren Fälle vollständig auf Grundlage offizieller Dokumente rekonstruiert wurden. Dazu berichten Politiker beider Seiten, warum bis zur Wende 1989 kein Mittel zur Beendigung des Sterbens gefunden wurde.”

references:
Das vermutlich letzte Maueropfer:Ulrich Mühe
  von Euckens Erbe
Maueropfer wiki

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August 1, 2007 at 7:08 pm

Doku: Hans-Joachim Klein

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Hajo Klein Mountains Ein deutscher Terrorist.Die Geschichte des Hans-Joachim Klein. Tip von Zettel.

Problemlage: Klein ist über die Kronzeugenregelung glimpflich davon gekommen, er hat sich in Frankreich als Bauer niedergelassen. In der Doku geht er an die Frankfurter (und Pariser) Plätze seiner aktiven politischen Vergangenheit zurück, Namedropping, krude Kriterien der legetimen Gewaltausübung und biografische Marken werden zusammen getragen. Interessant ist vor Allem die Ausstiegsmotivation: Ich bin doch kein Killer, der Auftragsmorde begeht. Den Rest hat Zettel in seinen Überlegungen über die Zelle bereits zusammen getragen – Ergaenzungen zu Klein finden sich auch im Forumsthreat. Es bleibt für mich immer noch die Beatwortung der Frage offen, ob der Terror von RAF und 2. Juni wirklich nur als kriminelle Handlung zu fassen ist, oder ob die soziale + politische Motivik der noch zur Verfügung stehenden Protagonisten ein vollständigeres Bild als die spärlichen Fragmente der Alphatiere Baader+ Meinhof erlauben – auf diese Fragestellung habe ich immer noch das Drehschwindel erzeugende Gekeife “Mythologie, alles linke Mythologie” von Bettina R. im Ohr.

Klein führt das Beispiel zur Gründung der Putztruppen in Frankfurt an – ich paraphrasiere aus meiner trüben Erinnerung, ich habe die Doku vor rund 18 Monaten gesehen: Die Bullen schossen über das gewohnte Mass mit ihrer Gewaltausübung gegen die Bewegung sehr hinaus, da haben wir etwas entgegen setzen müssen, sonst werden die zu frech – ein Gleichgewicht der Mittel sollte damit im Ansatz wieder hergestellt werden. Oder die Beschreibung der Ausstiegsmotivation nach dem OPEC-Attentat in Wien: Dass Linke jüdische Flugzeugpassagiere auf Befehl von der PLO oder Ghadaffi abknallen (Entebbe) geht für Klein überhaupt nicht klar. Grundsätzlich besteht natürlich bei Selbstinszenierungen immer die Gefahr der nachträglichen Glättung, die solche Leute wie Mohnhaupt oder Klar aber überhaupt nicht nötig zu haben scheinen. Klein wirkt über weite Strecken glaubwürdig in seinen Distanzierungen von den Mordbrennern der 70iger Jahre. Aber wer möchte sich schon im Nachhinein eingestehen, von der StaSi, dem Hetzer Claus Croissant und den internationalen Terrorfirmen nur instrumentalisiert worden zu sein, um qua Terror z.B. den Ölpreis künstlich nach oben zu pushen, damit die Einnahmen des libyschen Terrorfürsten stimmen. Das war nicht die Revolution von Joachim Klein.

phoenix Sa, 28.07.07, 23.15 Uhr

references:
RAF – Stammheim-Tonbänder wieder entdeckt
von anaximander
Hans Joachim Klein, Ex-Terrorist
So macht Kommunismus Spaß (5): Terrorismus der RAF, Terrorismus der Dschihadisten.

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July 28, 2007 at 8:17 pm

Queer Filmographie und schwule Nazis

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Der Beitrag zur Dokumentation im WDR-TV liegt hier .

Bild zur Sendung

“Schau mir in die Augen, Kleiner” Dokumentation Deutschland 2007

Donnerstag, 05.07.2007 23.20 – 00.50 (90 min.) WDR Köln Stereo 9

Ikone des amerikanischen Trash-Kinos – Regisseur John Waters

“Gay is not enough anymore”, sagt der amerikanische Filmemacher John Waters und grinst unter einer Brücke im New Yorker Meetpacking District: “It’s a good start!”

Früher, erzählt der Regisseur Joseph Lovett in seinem Dokumentarfilm “Gay Sex in the Seventies”, fand genau hier, in den nach Fleisch riechenden LKW der Schlachthöfe, die unbeschwert-anonyme Begegnung schwuler Männer in New York statt. (…)

Regie und Drehbuch: André Schäfer , Kamera: Bernd Meiners, Musik: Ritchie Staringer,Produktionsfirma: Florianfilm (Köln), Produzent: Marianne Schäfer; Ingmar Trost; Heike Lettar, Producer:Sebastian Lemke


Bild zur SendungMänner, Helden, schwule Nazis
Ein Film von Rosa von Praunheim
Heute, 06.07.2007 00.50 – 02.10 (80 min.) WDR Köln Stereo

Schwule Uniform-Fetischisten auf Manöver.

Im Dritten Reich wurde ihre Homosexualität dem SA-Führer Ernst Röhm und anderen schwulen Größen des Nationalsozialismus zum Verhängnis.

Auch gänzlich unbescholtene Männer und Frauen wurden aufgrund ihrer sexuellen Orientierung eingekerkert, gequält, getötet. Dennoch sind für viele Rechtsradikale deutsche Gesinnung und Schwulsein kein Widerspruch. Neonazi Michael Kühnen meint sogar, dass schwule Männer die besseren Kämpfer seien. Ex-Neonazi Bernd Ewald Althans saß wegen Leugnung des Holocausts im Knast und organisiert heute Schwulen-Partys in Berlin.

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July 5, 2007 at 11:40 am

Verschleierter Kulturalismus: Kritik der Gender Studies

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Vortrag und Diskussion mit Fathiyeh Naghibzadeh (Filmemacherin “Kopftuch als System- Machen Haare verrückt?” via afbl) und Andreas Ben . Via subwave
Donnerstag 7. Juni 2007, 18.00
Uni Hamburg, Phil-Turm (Von-Melle-Park 8), Hörsaal E
Eine Veranstaltung der HSB in Zusammenarbeit mit der Antifaschistischen Hochschulgruppe. 

Dass der Islam ein Lieblingskind der deutschen Kulturwissenschaft ist, mag diesem akademischen Genre und seiner ideologischen Geschichte eingeschrieben sein. Schwieriger zu verstehen ist jedoch, warum die Gender Studies, die sich hauptberuflich mit der Dekonstruktion von Geschlechteridentitäten beschäftigen, sich dem anschließen. Unter vermeintlich antirassistischen Vorzeichen bringen sie ähnlich viel Verständnis für religiös fundierte heterosexistische Gemeinschaftsideologien auf, wenn diese nur keine westlichen sind. Diese paradoxe Faszination der Akademie für ‘den Anderen’ entspringt jedoch als allerletztes der Sorge um das Schicksal von Einwanderern in Deutschland und Europa. Wenn diese sich religiösen Zuschreibungen entziehen und für Schleier und Scharia kein Verständnis zeigen, kann der akademische Paternalismus nämlich durchaus aggressiv gegenüber dem unwissenschaftlichen Treiben ‘verwestlichter’ Migranten werden.
„Das Kopftuch erscheint heute als der einzige ‘leere Signifikant’, der sich mit dem Geld messen kann“, schreiben Christina von Braun und Bettina Mathes in ihrem Buch „Verschleierte Wirklichkeit. Die Frau, der Islam und der Westen“, welches die zur Zeit ausführlichste ‘geschlechtergerechte’ Formulierung des Ressentiments gegen Aufklärung und Emanzipation darstellt. Dem Islam wird eine feministische Mission zugeschrieben. In immer neuen Varianten kehrt dasselbe Muster wieder: Der Westen steht für die Entschleierung und Entblößung und damit für die Pornographisierung des weiblichen Körpers. Das Kopftuch dagegen symbolisiert den Schutz vor männlichem Voyeurismus und männlicher Gewalt – so als hätte es nie eine feministische Kritik an der gesellschaftlichen Suggestion gegeben, nonkonform gekleidete Frauen trügen bei sexuellen Übergriffen eine Mitschuld, da sie es versäumt hätten, sich durch ‘anständige’ Kleidung zu schützen.
Trotz aller Rede über die vermeintliche Vielfalt der Bedeutung des Kopftuchs kommen letztendlich alle Islamismus-Apologien an der Islamischen Republik Iran als Modell eines Gottesstaates nicht vorbei, der bereits Foucault faszinierte und den Braun und Mathes als alternativen Weg in die Moderne gegen die „pauschale Beschuldigung des Islam“ in Schutz nehmen. Das iranische Regime ist schließlich nicht nur Finanzier und Stichwortgeber des globalen antisemitischen Terrors, sondern auch der Modellstaat, an dem das Frauen zugedachte Schicksal im islamistischen System von Geschlechtersegregation und Zwangsheterosexualität studiert werden kann. via subwave

references:

Einleitungsreferat des AFBLs”Kopftuch als System” 2006 (pdf)

Wilfried Huismann “Rendezvous mit dem Tod”

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Zettels Medien-Tip:

Empfehlung: “Rendezvous mit dem Tod” (heute im SWR)

Heute um 23.40 wiederholt der SWR die Sendung von Wilfried Huismann “Rendezvous mit dem Tod”. Sie befaßt sich mit den Hintergründen des Mords an John F. Kennedy.

Ich empfehle diese Sendung sehr.

Als ich sie zum ersten Mal sah, hatte ich nicht viel erwartet – halt wieder eine der vielen Verschwörungstheorien, dachte ich. So plausibel oder unplausibel wie alle; denn alle picken sie ja einzelne Fakten heraus und hängen daran ihre Spekulationen auf. Wie immer bei Verschwörungstheorien fehlt, so erwartete ich es, die empirische Bodenhaftung.

Aber das ist bei dieser Sendung nicht so. Wilfried Huismann, ein renommierter Dokumentarfilmer, hat drei Jahre an diesem Film gearbeitet. Was er behauptet, erscheint mir ausnehmend gut durch Interviews und Dokumente belegt. Einen Hintergrund- Artikel brachte damals, als der Film erstmals vom WDR ausgestrahlt wurde, die “London Times”.

Wenn ich die Sendung heute aufgezeichnet und noch einmal genau angesehen habe, gibt es voraussichtlich noch einen ausführlicheren Beitrag dazu; auch zu der Kritik, die ausgerechnet aus dem WDR auf Huismann niederging.

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May 24, 2007 at 8:35 pm

Gottesstaat im Mittelalter

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Sphinx: Savonarola – Der schwarze Prophet
Videotext
9
Film von Jan Peter und Yuri Winterberg
(Erstsendung 14.1.2007)

Savonarola (1452 – 1498) war ein wortgewaltiger Prediger. Zehntausende lauschten im Dom von Florenz seinen Predigten, in denen er die Unmoral der Reichen, der weltlichen und kirchlichen Fürsten geißelte und für die Armen und Schwachen Partei ergriff.

Auf dem Höhepunkt seiner Macht riss Savonarola die Herrschaft über Florenz an sich und errichtete einen Gottesstaat. Mehrere Mordanschläge auf ihn scheiterten. Schließlich sollte ein Gottesurteil, die so genannte “Feuerprobe”, darüber entscheiden, ob er ein Prophet Gottes oder ein teuflischer Verführer sei. Der Film geht dem Leben Savonarolas an Originalschauplätzen und in Archiven von Florenz und Rom nach.

references:
Theokratie , Dominikaner , Borgia , Fundamentalismus
Martin Luther , Thomas Müntzer , Tetzel

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May 20, 2007 at 3:00 pm

Opis Wehrmacht. Heute: Fahnenflucht

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Nach dem ganzen Erinnerungsgequatsche über den Marinerichter Filbinger und seinen postmortalen, schwäbischen Bauchredner MP Herr O. hier ein paar Fakten zum Thema Desertion (Fahnenflucht) in Adolf Hitlers Wehrmacht, entnommen aus der sehenswerten Dokumentation von Hauke Wendler:

Deserteure unterm Hakenkreuz

Leben mit der Fahnenflucht

Knapp 18 Millionen Männer haben in der deutschen Wehrmacht gedient. 100.000, so schätzen Wissenschaftler, wurden fahnenflüchtig. Die meisten hat man gefangen, gefoltert und verurteilt.

Der Film zeichnet das Leben und Leiden von drei jungen Soldaten nach, die nicht mehr mitmachen wollten – die ihren Eid auf Führer, Volk und Vaterland gebrochen haben. Drei Beispiele, die verdeutlichen, was ein Leben mit der Fahnenflucht bedeutete.Mehr als 60 Jahre ist es her, dass Ludwig Baumann das größte Unrecht seines Lebens widerfahren ist. Doch vergessen kann der 84Jährige nicht. Während des Zweiten Weltkriegs hat Baumann zehn Monate in der Todeszelle gesessen, verurteilt wegen Fahnenflucht. Dass ein Militärgericht ihn längst begnadigt hatte, das verschwieg man Baumann. “Jeden Morgen denkt man, jetzt holen sie Dich raus”, erzählt er, “und jeden Morgen bricht man zusammen, wenn die Wachen an der Zelle vorüber gehen.” Der kleine, drahtige Mann macht eine lange Pause. “Das vergisst man nicht. Niemals.”

In den USA haben Militärgerichte im Zweiten Weltkrieg 146 Soldaten hinrichten lassen, in Großbritannien 40. In Deutschland hat die NS-Militärjustiz 30.000 Todesurteile gefällt. 20.000 wurden vollstreckt, so schätzt man, denn genaue Zahlen gibt es nicht.

Auch nach Kriegsende galten Männer wie Ludwig Baumann in Deutschland als vorbestraft. “57 Jahre hat man uns als Vaterlandsverräter beschimpft”, so Baumann, “als Dreckschweine und Feiglinge”. Dass die Urteile gegen Deserteure vor wenigen Jahren aufgehoben wurden, war für ihn und die anderen Überlebenden eine späte Genugtuung. Ein Triumph, den die meisten der ehemaligen Deserteure nicht mehr erleben durften.

Dokumentation von Hauke Wendler (2006)

Phönix Sendetermine: Sa, 21.04.07, 20.15 Uhr, Fr, 27.04.07, 18.30 Uhr, Sa, 28.04.07, 14.00 Uhr

Die Doku hat inhaltliche Schwachpunkte. Der bis heute oft von der Mehrheit der Nazimitläufer erhobene Vorwurf “Deserteur= Feigling=Veräter” mag als ehrenrührig eingeschätzt sein und den Deserteuren einiges Ungemach in der Nachkriegszeit von der Seite der nazitreuen Landser samt ihrer Mischpoke eingebracht haben. Aber warum besteht nach der Selbstdiagnose der hier vorgestellten Deserteure “ich mache bei diesem Vernichtungskrieg nicht mehr mit!” noch das Bedürfnis nach Relativierungen und nachgeholten Tapferkeitsbekundungen?

references:
Hauke Wendler , lebt in Hamburg, ist Journalist und Politologe, hat für das Satiremagazin extra 3 gearbeitet und für ARD und NDR zahlreiche Reportagen und Dokumentationen erstellt.

“Kriegsverräter” ist,wer sich vom Nazi-Regime abwendet,… von Eichis Weblog via planet.schokokeks

Horst Schluckner:

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April 27, 2007 at 6:46 pm