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Archive for the ‘Dokumentarfilm’ Category

Doku: Hans-Joachim Klein

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Hajo Klein Mountains Ein deutscher Terrorist.Die Geschichte des Hans-Joachim Klein. Tip von Zettel.

Problemlage: Klein ist über die Kronzeugenregelung glimpflich davon gekommen, er hat sich in Frankreich als Bauer niedergelassen. In der Doku geht er an die Frankfurter (und Pariser) Plätze seiner aktiven politischen Vergangenheit zurück, Namedropping, krude Kriterien der legetimen Gewaltausübung und biografische Marken werden zusammen getragen. Interessant ist vor Allem die Ausstiegsmotivation: Ich bin doch kein Killer, der Auftragsmorde begeht. Den Rest hat Zettel in seinen Überlegungen über die Zelle bereits zusammen getragen – Ergaenzungen zu Klein finden sich auch im Forumsthreat. Es bleibt für mich immer noch die Beatwortung der Frage offen, ob der Terror von RAF und 2. Juni wirklich nur als kriminelle Handlung zu fassen ist, oder ob die soziale + politische Motivik der noch zur Verfügung stehenden Protagonisten ein vollständigeres Bild als die spärlichen Fragmente der Alphatiere Baader+ Meinhof erlauben – auf diese Fragestellung habe ich immer noch das Drehschwindel erzeugende Gekeife “Mythologie, alles linke Mythologie” von Bettina R. im Ohr.

Klein führt das Beispiel zur Gründung der Putztruppen in Frankfurt an – ich paraphrasiere aus meiner trüben Erinnerung, ich habe die Doku vor rund 18 Monaten gesehen: Die Bullen schossen über das gewohnte Mass mit ihrer Gewaltausübung gegen die Bewegung sehr hinaus, da haben wir etwas entgegen setzen müssen, sonst werden die zu frech – ein Gleichgewicht der Mittel sollte damit im Ansatz wieder hergestellt werden. Oder die Beschreibung der Ausstiegsmotivation nach dem OPEC-Attentat in Wien: Dass Linke jüdische Flugzeugpassagiere auf Befehl von der PLO oder Ghadaffi abknallen (Entebbe) geht für Klein überhaupt nicht klar. Grundsätzlich besteht natürlich bei Selbstinszenierungen immer die Gefahr der nachträglichen Glättung, die solche Leute wie Mohnhaupt oder Klar aber überhaupt nicht nötig zu haben scheinen. Klein wirkt über weite Strecken glaubwürdig in seinen Distanzierungen von den Mordbrennern der 70iger Jahre. Aber wer möchte sich schon im Nachhinein eingestehen, von der StaSi, dem Hetzer Claus Croissant und den internationalen Terrorfirmen nur instrumentalisiert worden zu sein, um qua Terror z.B. den Ölpreis künstlich nach oben zu pushen, damit die Einnahmen des libyschen Terrorfürsten stimmen. Das war nicht die Revolution von Joachim Klein.

phoenix Sa, 28.07.07, 23.15 Uhr

references:
RAF – Stammheim-Tonbänder wieder entdeckt
von anaximander
Hans Joachim Klein, Ex-Terrorist
So macht Kommunismus Spaß (5): Terrorismus der RAF, Terrorismus der Dschihadisten.

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July 28, 2007 at 8:17 pm

Queer Filmographie und schwule Nazis

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Der Beitrag zur Dokumentation im WDR-TV liegt hier .

Bild zur Sendung

“Schau mir in die Augen, Kleiner” Dokumentation Deutschland 2007

Donnerstag, 05.07.2007 23.20 – 00.50 (90 min.) WDR Köln Stereo 9

Ikone des amerikanischen Trash-Kinos – Regisseur John Waters

“Gay is not enough anymore”, sagt der amerikanische Filmemacher John Waters und grinst unter einer Brücke im New Yorker Meetpacking District: “It’s a good start!”

Früher, erzählt der Regisseur Joseph Lovett in seinem Dokumentarfilm “Gay Sex in the Seventies”, fand genau hier, in den nach Fleisch riechenden LKW der Schlachthöfe, die unbeschwert-anonyme Begegnung schwuler Männer in New York statt. (…)

Regie und Drehbuch: André Schäfer , Kamera: Bernd Meiners, Musik: Ritchie Staringer,Produktionsfirma: Florianfilm (Köln), Produzent: Marianne Schäfer; Ingmar Trost; Heike Lettar, Producer:Sebastian Lemke


Bild zur SendungMänner, Helden, schwule Nazis
Ein Film von Rosa von Praunheim
Heute, 06.07.2007 00.50 – 02.10 (80 min.) WDR Köln Stereo

Schwule Uniform-Fetischisten auf Manöver.

Im Dritten Reich wurde ihre Homosexualität dem SA-Führer Ernst Röhm und anderen schwulen Größen des Nationalsozialismus zum Verhängnis.

Auch gänzlich unbescholtene Männer und Frauen wurden aufgrund ihrer sexuellen Orientierung eingekerkert, gequält, getötet. Dennoch sind für viele Rechtsradikale deutsche Gesinnung und Schwulsein kein Widerspruch. Neonazi Michael Kühnen meint sogar, dass schwule Männer die besseren Kämpfer seien. Ex-Neonazi Bernd Ewald Althans saß wegen Leugnung des Holocausts im Knast und organisiert heute Schwulen-Partys in Berlin.

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July 5, 2007 at 11:40 am

Verschleierter Kulturalismus: Kritik der Gender Studies

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Vortrag und Diskussion mit Fathiyeh Naghibzadeh (Filmemacherin “Kopftuch als System- Machen Haare verrückt?” via afbl) und Andreas Ben . Via subwave
Donnerstag 7. Juni 2007, 18.00
Uni Hamburg, Phil-Turm (Von-Melle-Park 8), Hörsaal E
Eine Veranstaltung der HSB in Zusammenarbeit mit der Antifaschistischen Hochschulgruppe. 

Dass der Islam ein Lieblingskind der deutschen Kulturwissenschaft ist, mag diesem akademischen Genre und seiner ideologischen Geschichte eingeschrieben sein. Schwieriger zu verstehen ist jedoch, warum die Gender Studies, die sich hauptberuflich mit der Dekonstruktion von Geschlechteridentitäten beschäftigen, sich dem anschließen. Unter vermeintlich antirassistischen Vorzeichen bringen sie ähnlich viel Verständnis für religiös fundierte heterosexistische Gemeinschaftsideologien auf, wenn diese nur keine westlichen sind. Diese paradoxe Faszination der Akademie für ‘den Anderen’ entspringt jedoch als allerletztes der Sorge um das Schicksal von Einwanderern in Deutschland und Europa. Wenn diese sich religiösen Zuschreibungen entziehen und für Schleier und Scharia kein Verständnis zeigen, kann der akademische Paternalismus nämlich durchaus aggressiv gegenüber dem unwissenschaftlichen Treiben ‘verwestlichter’ Migranten werden.
„Das Kopftuch erscheint heute als der einzige ‘leere Signifikant’, der sich mit dem Geld messen kann“, schreiben Christina von Braun und Bettina Mathes in ihrem Buch „Verschleierte Wirklichkeit. Die Frau, der Islam und der Westen“, welches die zur Zeit ausführlichste ‘geschlechtergerechte’ Formulierung des Ressentiments gegen Aufklärung und Emanzipation darstellt. Dem Islam wird eine feministische Mission zugeschrieben. In immer neuen Varianten kehrt dasselbe Muster wieder: Der Westen steht für die Entschleierung und Entblößung und damit für die Pornographisierung des weiblichen Körpers. Das Kopftuch dagegen symbolisiert den Schutz vor männlichem Voyeurismus und männlicher Gewalt – so als hätte es nie eine feministische Kritik an der gesellschaftlichen Suggestion gegeben, nonkonform gekleidete Frauen trügen bei sexuellen Übergriffen eine Mitschuld, da sie es versäumt hätten, sich durch ‘anständige’ Kleidung zu schützen.
Trotz aller Rede über die vermeintliche Vielfalt der Bedeutung des Kopftuchs kommen letztendlich alle Islamismus-Apologien an der Islamischen Republik Iran als Modell eines Gottesstaates nicht vorbei, der bereits Foucault faszinierte und den Braun und Mathes als alternativen Weg in die Moderne gegen die „pauschale Beschuldigung des Islam“ in Schutz nehmen. Das iranische Regime ist schließlich nicht nur Finanzier und Stichwortgeber des globalen antisemitischen Terrors, sondern auch der Modellstaat, an dem das Frauen zugedachte Schicksal im islamistischen System von Geschlechtersegregation und Zwangsheterosexualität studiert werden kann. via subwave

references:

Einleitungsreferat des AFBLs”Kopftuch als System” 2006 (pdf)

Wilfried Huismann “Rendezvous mit dem Tod”

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Zettels Medien-Tip:

Empfehlung: “Rendezvous mit dem Tod” (heute im SWR)

Heute um 23.40 wiederholt der SWR die Sendung von Wilfried Huismann “Rendezvous mit dem Tod”. Sie befaßt sich mit den Hintergründen des Mords an John F. Kennedy.

Ich empfehle diese Sendung sehr.

Als ich sie zum ersten Mal sah, hatte ich nicht viel erwartet – halt wieder eine der vielen Verschwörungstheorien, dachte ich. So plausibel oder unplausibel wie alle; denn alle picken sie ja einzelne Fakten heraus und hängen daran ihre Spekulationen auf. Wie immer bei Verschwörungstheorien fehlt, so erwartete ich es, die empirische Bodenhaftung.

Aber das ist bei dieser Sendung nicht so. Wilfried Huismann, ein renommierter Dokumentarfilmer, hat drei Jahre an diesem Film gearbeitet. Was er behauptet, erscheint mir ausnehmend gut durch Interviews und Dokumente belegt. Einen Hintergrund- Artikel brachte damals, als der Film erstmals vom WDR ausgestrahlt wurde, die “London Times”.

Wenn ich die Sendung heute aufgezeichnet und noch einmal genau angesehen habe, gibt es voraussichtlich noch einen ausführlicheren Beitrag dazu; auch zu der Kritik, die ausgerechnet aus dem WDR auf Huismann niederging.

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May 24, 2007 at 8:35 pm

Gottesstaat im Mittelalter

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Sphinx: Savonarola – Der schwarze Prophet
Videotext
9
Film von Jan Peter und Yuri Winterberg
(Erstsendung 14.1.2007)

Savonarola (1452 – 1498) war ein wortgewaltiger Prediger. Zehntausende lauschten im Dom von Florenz seinen Predigten, in denen er die Unmoral der Reichen, der weltlichen und kirchlichen Fürsten geißelte und für die Armen und Schwachen Partei ergriff.

Auf dem Höhepunkt seiner Macht riss Savonarola die Herrschaft über Florenz an sich und errichtete einen Gottesstaat. Mehrere Mordanschläge auf ihn scheiterten. Schließlich sollte ein Gottesurteil, die so genannte “Feuerprobe”, darüber entscheiden, ob er ein Prophet Gottes oder ein teuflischer Verführer sei. Der Film geht dem Leben Savonarolas an Originalschauplätzen und in Archiven von Florenz und Rom nach.

references:
Theokratie , Dominikaner , Borgia , Fundamentalismus
Martin Luther , Thomas Müntzer , Tetzel

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May 20, 2007 at 3:00 pm

Opis Wehrmacht. Heute: Fahnenflucht

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Nach dem ganzen Erinnerungsgequatsche über den Marinerichter Filbinger und seinen postmortalen, schwäbischen Bauchredner MP Herr O. hier ein paar Fakten zum Thema Desertion (Fahnenflucht) in Adolf Hitlers Wehrmacht, entnommen aus der sehenswerten Dokumentation von Hauke Wendler:

Deserteure unterm Hakenkreuz

Leben mit der Fahnenflucht

Knapp 18 Millionen Männer haben in der deutschen Wehrmacht gedient. 100.000, so schätzen Wissenschaftler, wurden fahnenflüchtig. Die meisten hat man gefangen, gefoltert und verurteilt.

Der Film zeichnet das Leben und Leiden von drei jungen Soldaten nach, die nicht mehr mitmachen wollten – die ihren Eid auf Führer, Volk und Vaterland gebrochen haben. Drei Beispiele, die verdeutlichen, was ein Leben mit der Fahnenflucht bedeutete.Mehr als 60 Jahre ist es her, dass Ludwig Baumann das größte Unrecht seines Lebens widerfahren ist. Doch vergessen kann der 84Jährige nicht. Während des Zweiten Weltkriegs hat Baumann zehn Monate in der Todeszelle gesessen, verurteilt wegen Fahnenflucht. Dass ein Militärgericht ihn längst begnadigt hatte, das verschwieg man Baumann. “Jeden Morgen denkt man, jetzt holen sie Dich raus”, erzählt er, “und jeden Morgen bricht man zusammen, wenn die Wachen an der Zelle vorüber gehen.” Der kleine, drahtige Mann macht eine lange Pause. “Das vergisst man nicht. Niemals.”

In den USA haben Militärgerichte im Zweiten Weltkrieg 146 Soldaten hinrichten lassen, in Großbritannien 40. In Deutschland hat die NS-Militärjustiz 30.000 Todesurteile gefällt. 20.000 wurden vollstreckt, so schätzt man, denn genaue Zahlen gibt es nicht.

Auch nach Kriegsende galten Männer wie Ludwig Baumann in Deutschland als vorbestraft. “57 Jahre hat man uns als Vaterlandsverräter beschimpft”, so Baumann, “als Dreckschweine und Feiglinge”. Dass die Urteile gegen Deserteure vor wenigen Jahren aufgehoben wurden, war für ihn und die anderen Überlebenden eine späte Genugtuung. Ein Triumph, den die meisten der ehemaligen Deserteure nicht mehr erleben durften.

Dokumentation von Hauke Wendler (2006)

Phönix Sendetermine: Sa, 21.04.07, 20.15 Uhr, Fr, 27.04.07, 18.30 Uhr, Sa, 28.04.07, 14.00 Uhr

Die Doku hat inhaltliche Schwachpunkte. Der bis heute oft von der Mehrheit der Nazimitläufer erhobene Vorwurf “Deserteur= Feigling=Veräter” mag als ehrenrührig eingeschätzt sein und den Deserteuren einiges Ungemach in der Nachkriegszeit von der Seite der nazitreuen Landser samt ihrer Mischpoke eingebracht haben. Aber warum besteht nach der Selbstdiagnose der hier vorgestellten Deserteure “ich mache bei diesem Vernichtungskrieg nicht mehr mit!” noch das Bedürfnis nach Relativierungen und nachgeholten Tapferkeitsbekundungen?

references:
Hauke Wendler , lebt in Hamburg, ist Journalist und Politologe, hat für das Satiremagazin extra 3 gearbeitet und für ARD und NDR zahlreiche Reportagen und Dokumentationen erstellt.

“Kriegsverräter” ist,wer sich vom Nazi-Regime abwendet,… von Eichis Weblog via planet.schokokeks

Horst Schluckner:

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April 27, 2007 at 6:46 pm

Woche der Brüderlichkeit

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Sie ist wieder ausgebrochen, die Woche der Brüderlichkeit der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Dieses Jahr wird sie in Mannheim begangen, jener Stadt in der Rhein-Neckar Region, die über mehr als 300 000 Einwohner zählt und die ihre Strassen mit Zahlen benennt. Die Reden, die Preisverleihung des Abraham-Wanderpokals an Schulen für gute Taten und die Verleihung der Buber – Rosenzweig – Medaille an die Journalisten Esther Shapira und Georg M. Hafner – beide arbeiten für den HR – werden dieses Jahr in der heutigen Auftaktveranstaltung von der Schüler Jazz Big Band „Off Beat“ des Johann Sebastian Bach Gymnasiums mit flotter Swing-Musik umrahmt..

Das Motto lautet 2007 „Redet Wahrheit !“, das Bibelzitat wird als Auftrag der kirchlichen Ökumene, der Jugend-, Bildungs- und der Medienarbeit ausgegeben. Ernst Elitz (Intendant des Deutschland Radios ) ist der Laudator für die Buber-Rosenzweig-Medaille. Elitz hat einige Klarstellungen parat: Nicht alle Medienarbeiter sind Journalisten, es wird auch viel Energie in die populäre Schnatterei investiert, das geht öfters auf Kosten der Recherche – die in Fachkreisen als Tod einer jeden guten Story kolportiert wird. Die Wahrheitspflicht guten Journalismus verkommt zur rühmlichen Ausnahme. Shapira und Hafner werden für die gut recherchierten Arbeiten zum Nahostkonflikt ausgezeichnet, im Juni wird die Reportage der Preiträger über die Ermordung des niederländischen Filmemachers Theo van Gogh in der ARD ausgestrahlt. Eine interessante und notwendige Schwerpunktsetzung für das Jahr 2007.

Überall in der Bundesrepublik werden in den nächsten Wochen Schwerpunktveranstaltungen der Gesellschaften für christilich-jüdische Zusammenarbeit zu besuchen sein. Geht auch mal dahin!

FERNSEHEN : Als Sonderprogramm zur Woche der Brüderlichkeit 2007

references: Anaximander und Vivat Esther

 

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March 11, 2007 at 11:25 pm