Raumzeit

et Philolog

Archive for the ‘Ethnizität’ Category

kurz notiert

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  1. Warum Rasse keine gesellschaftliche Konstruktion ist,erklärt Walter Benn Michaels, der gegenwärtig als Literaturwissenschaftler an der University of Illinois/Chicago tätig ist, in der aktuellen Inselzeitung – deren Name für linksdeutsche Bauchpolitiker alleine schon den Inbegriff des Reiches des Bösen darstellt.
  2. Zusammenfassung: Tagung Bildungsfreiheit Oltober 2008 in Berlin
  3. Kleiner Geschichtsunterricht für Kapitalismuskritiker von
  4. Leser-Poll: Der witzigste Film seit Menschengedenken kann bei Gideon gewählt werden.
  5. Internetsucht in China: Internet addiction made an official disorder in China
  6. Eine wirklich wirkliche Rolex: Philipp Blom über Richard Rorty
  7. Historikerstreit auf  Zypern,Erzbischof haut auf die Kacke
  8. wordpress october wrap-up

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November 13, 2008 at 9:03 pm

kurz notiert

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  1. In Tschechien schlagen sich die Sudetendeutschen seit Jahrzehnten mit dem Nazivorwurf herum,eine sachkundige Publizistin hat zwölf Antifaschisten unter den sudentendeutschen Landsmännern ausfindig gemacht und ein Buch über diese geschrieben. Von Deutschland lernen heisst auch für die sudetendeutschen Tschechen siegen lernen: In der wiedervereinigten BRD sind ja nach vielen Jahrzehnten der NS-Aufarbeitung auch nur Widerstandskämpfer, Trümmerfrauen und alliierte Bombardierungsopfer übrig geblieben. Gleiches Recht für alle.
  2. Die Börse schlägt sich mit Zick-Zack-Kursen herum,das ganz schnelle Regulierungsprojekt der grossen Koalition scheint uneinheitlich an der Börse aufgenommen zu werden – Bewährungshelfer und Resozialisierungspädagogen kommen in der Banken-Ökonomie grundsätzlich nicht gut an. Die linken Sozialdemokraten fordern zur Reanimation des Keynesianismus turnusgemäss ein staatliches Konjunkturprogramm.
  3. Der Meister schlägt sich seit einiger Zeit mit einer ganz seltenen Sonderform der Gerontophobie herum.
  4. Im Süden Italiens, in  Neapel, schlagen sich nun Geologen mit der  postmodernen Langmütigkeit der Ureinwohner um den Vesuv  herum. Der Vulkan steht vulkanologisch kurz vor einem Megapeng, doof ist nur,die Wissenschaftler können keine genauere Zeitangabe für den Ausbruch machen – Geologen denken ja in Jahrtausenden schon kleinteilig. Eine Evakuierung von drei Millionen Menschen wird mit dem aktuellen Kenntnisstand jedenfalls nicht gerechtfertigt. So sieht man im 21. Jahrundert seinem Pompeiji entgegen,ein Mangel an kleinteiligen Wissen verhindert überlebenswichtige Entscheidungen. By the way: Vor einer pyroklastischen Wolke kann man nicht wegrennen,sie ist einfach schneller als der Mensch oder das  Automobil.

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October 17, 2008 at 9:51 pm

Marokko entsendet Vorbeterinnen

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Neuigkeiten gibt es aus Rabat zu berichten. Al Arabia meldet:

The Moroccan Ministry of Islamic Affairs said it had dispatched nine female preachers to five European countries and Canada as part of a Ramadan campaign to reach out to Moroccan expatriate communities, especially women, in the West. Weiter lesen …

Bevor feministischer oder kulturrelativistischer Enthusiasmus den Vorgang vereinnahmt,möche ich eine kritische Anmerkung dazu machen. Schon in der Headline des Artikels wird der antiwestliche Character der Kampagne aus Rabat unmissverständlich zusammengefasst::

Government hopes to protect them from ‘delinquent’ West

Könnte es sein,dass die marokkanischen Ministeriailen bei Recep Erdogan gelernt haben,wie islamischer Kulturimperialismus in Europa 2008 funktioniert? Der türkische Präsident hat das kürzlich in Köln am Beispiel eines mutmasslich von Xenophoben brandgestifteten Wohnhauses vorgemacht,
Rabat ist vorsichtiger und schickt nicht den König sondern die Botschafterinnen der Religion des Friedens seinen Staatsbürgerinnen auf den Hals. Westlich orientierte Frauen und Familien marokkanischer Herkunft müssen nun mit einigem Gegenwind ihrer Religionsvertreter auf dem Boden der EU und in Canada rechnen.
Ich bin gespannt,wie diese antiemanzipatorische Kampagne von den Politikern im Westen verkauft wird.

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September 14, 2008 at 10:29 am

Tschetschenien am Brandenburger Tor

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Die Länder Kaukasiens bringen sich mehr in die Öffentlichkeit Berlins ein. Vor ein paar Wochen marschierte die georgische Gemeinde demonstrierend gegen die russische Besetzung und den Krieg durch das Brandenburger Tor zu Angies Amtssitz.
Nun stellt sich das von der russischen Armee in die Steinzeit zurück gebombte Tschetschenien vor.

zuppi 2008

zuppi 2008

Kultur Veranstaltung der
Deutsch-Kaukasische Gesellschaft e. V. (Berlin)
via  epu –> direkter LINK

Meeting zum Tag der Unabhängigkeit Tschetscheniens 1991
Am
6. September 2008
Ort:
Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor
Zeit: 14 bis 16 Uhr

references:
La Russophobe
Westanbindung – kein Anschluss unter dieser Nummer

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September 6, 2008 at 11:30 am

Stop Deportation !

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Seit dem ich Musik höre, befinden sich auch Rap und HipHop in meiner Plattensammlung, Jams und Battles gehörten zum festen monatlichen Ausgehmodus. Die Arbeit von Deniz Bax von der Berliner HipHop-Fraktion in Kreuzberg habe ich bis Anfang des Milleniums auch aktiv unterstützt – die Abende in der Naunynritze gehörten zu meinen monatlichen Musikhighlights incl. Breakdance und Electric Boogie.
( Aktuell höre ich übrigens NMZS, Koljah&Co ganz gerne )  Nun habe ich mir den “Ground-Zero”-Battle-Track von Afrohesse angehört, und schon in den ersten 60 Sekunden geht es  homo- und frauenfeindlich zur Sache, also abschalten und im günstigsten Fall sind die Texte vergessen, sie sind so scheisse wie sie zu 90% in diesem Genre eben  leider sind – Testosteron, Gangmacker   meets Dumpfbackentum.

Nun habe ich bei BadBlog gelesen, dass dieser Afrohesse, der seit rund 20 Jahren im hessischen Teil Deutschlands lebt, seit 4 jahren im Untergrund illegal leben muss und seit ein paar Tagen in Abschiebehaft in Damstadt zubringt, täglich bedroht von der Ausschaffung in ein Land ist, das ihm fremd sein muss. Er ist hier aufgewachsen und hat wahrscheinlich die gleiche Grütze im Kopp, wie grosse Teile seiner Generation.

Ich mache keinen Hehl daraus, dass mir die Ausschaffungspraxis schon seit je her gegen jeden politischen Strich geht, sie ist in der Regel zumindest unmenschlich. Unmenschlich ist auch die Eingrabung von Millionen Illegaler Menschen als “sans-papiers”, die den Bodensatz eines Lumpenproletariats bilden müssen, ohne Bürgerrechte und soziale Absicherung.

Ich kann mit den meisten Texten des Afrohesse nix anfangen – bis auf das  AFRO HESSE “SANS PAPIER” – Video, was ganz o.k. ist . Seine Ausschafffung finde ich total falsch und ich rufe auch zum Solikonzert im SO36 auf. Ich kenne von diesem Line-Up übrigens nur Tarek&Massimo. Anyway, stop deportation !

PS: Während ich mich mit diesem unsäglichen Ausschaffungsthema befasse, schlägt sich Tele in Berlin-Neukölln mit den NPD-Nazifrauen herum, was auch nicht besonders erhebend zu sein scheint.

PPS: Zur Abwechslung eine sehr schöne Geschichte aus New York in 1977 von Cem.

references:
stop deportation class !
Türkischer Rap in Deutschland

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September 5, 2008 at 8:07 pm

Afrika und Filmfestivals

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Afrika wird selten hilfreich von Popstars thematisiert,George Clooney hat sich in den letzten Jahren um die unhaltbare Situation in Darfur gekümmert und von Sir Bob Geldoffs globalen Afrikafestivals kann man halten,was man will.Auch Madonna hat mit ihrem neuen Film Afrika wieder in den Focus der Öffentlichkeit gebracht.Es ist ja nicht so,dass dieser Kontinent keine Anlässe zur Befassung böte. Der Völkermord in Darfur,der sozialistische Populist Mugabe in Harare und kürzlich die Bootsentführungen an der Küste Somalias bieten immer wieder Einsprengsel in der aktuellen Tagesberichterstattung. Zwei Filmfestivals gaben dem Thema Afrika einen Raum: Das Sahara Filmfestival in Dejla und das TRIBECA-Filmfestival in New York. Madonna stellt ihre Malawi-DokuI am because we are” dem internationalen Publikum vor und Javier Bardem schlägt auf dem diesjährigen Sahara Filmfestival ebenfalls ein Brücke zum angeblich vergessenen Kontinent. Das Saharafestival 2008 [V Festival Internacional de Cine del Sahara] ist in drei Sektionen untergliedert:

  • FISAHARA (Sahara International Film Festival)
  • Creation of a network of video shops, one in each of the camps
  • Workshops and audiovisual training courses

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April 27, 2008 at 1:51 pm

Beachtung von Sexismus

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Ganz dolle wird der Sexismus von studentischen Stellvertretern an den Unis wahrgenommen, Adrian berichtete unlängst auf seinem Blog über die Erstie-Kampagnen an der Potsdamer Uni.

Weniger Beachtung findet das sexistische Treiben der Istanbuler Staatsanwälte/Polizei gegen die Mitglieder des Homoverbandes LAMBDA in der Türkei. Also,an einem fehlendem Informationsfluss kann diese Wahrnehmungsdifferenz ja nicht wirklich fest gemacht werden. Möglicherweise habe ich auch die studentischen Sexismuskategorien einfach nicht so richtig verstanden und das, was mit LAMBDA momentan wieder geschieht, ist nur schnöde Staatsrepression oder eine folkloristische Besonderheit am Bosporus. Demnach wäre halt ein anderes AStA-Referat zuständig: Das für InterNat oder Kultur?

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April 21, 2008 at 5:38 pm

Völkermord in Ruanda und die Literaten

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sartre rde65 sartre 181Bärfuss 100 Tage

Sartre hat sich zwangsweise kurz nach dem 2. Weltkrieg mit der Frage befasst,was ist Literatur? [Qu’est ce que la littérature? (1947)].In den späten 50igern wurde sein Text in der rde-Reihe [rde#65] von Ernesto Grassi bei Rowohlt herausgebracht,erst seit den 80igern gibt es eine Neuauflage in der Übersetzung von Traugott König,die um die Fussnoten und Anmerkungen ergänzt wurde – erst mit diesen Zufügungen wird der Streitraum genauer deutlich,in dem sich Sartre mit seinen Essays Ende der vierziger Jahre bewegte. Die politische Erbauungsliteratur der 60/70iger Jahre war ein Versuchsmoment der Aufnahme von Sartres Einmischungs-Verdikt. Gonzo fasst in seinem Leserkommentar die damalige Diskurs-Situation trefflich auf amazon so zusammen:

In seiner Zeitschrift “Temps Modernes” trat Sartre in mehreren Artikeln für eine engagierte Literatur ein, was ihm einige polemische Kritik im Stile von “Dann treten Sie doch der Kommunistischen Partei bei” einbrachte. Als Erwiderung darauf verfaßte er 1947 den Essay “Was ist Literatur?” In den Kapiteln “Was ist Schreiben?”, “Warum schreiben?”, “Für wen schreibt man?” und “Situation des Autors 1947” gibt versucht er eine Definition von Literatur, die erklären soll, warum Prosa (aber weder Lyrik noch andere Kunstformen wie Malerei und Musik) engagiert sein muß. Die Forderung nach einer “zeitgenössischen” Literatur von einem der einflußreichsten Denker des 20. Jahrhunderts hatte erheblichen Einfluß auf die Nachwelt, beispielsweise die Literatur der 60er Jahre. Einfach zu lesen ist der Text sicher nicht, aber die Lektüre lohnt sich für alle Literaturinteressierten und ist quasi Pflicht für Studenten. Diese Ausgabe enthält zudem nützliche Literaturhinweise und erklärende Fußnoten.

BärfussSartres Verdikt,Prosa muss engagiert sein,erfährt eine Neuauflage an einem negresquen Stoff,der vor den Augen der gesamten Weltöffentlichkeit in der ersten Hälfte der neunziger Jahre stattfand: Der Genozid der Hutus an den Tutsis in Ruanda – UNO,Medien und Wissenschaft waren nur Zuschauer dieser grausamen Charade. Nun hat sich Lukas Bärfuss dieser Thematik literarisch in seinem Roman “Hundert Tage” angenommen. Das Buch wird vom Wallstein-Verlag in Göttingen wie folgt beworben:

Die Geschichte eines moralischen Irrtums, der in Ruanda eines der größten Verbrechen des Jahrhunderts ermöglichte. Der Roman zweier Menschen, die im Chaos ihrer Zeit um ihre Unschuld kämpfen. Ruanda, April 1994, in Kigali wütet der Mob. David, Mitarbeiter der Schweizer Entwicklungshilfe, hat das Flugzeug, mit dem die letzten Ausländer evakuiert wurden, abfliegen lassen. Er versteckt sich hundert Tage in seinem Haus, vom Gärtner mit Nahrung versorgt und mit Informationen über Agathe, Tochter eines Ministerialbeamten, die der Grund für sein Bleiben ist. Die vergangenen vier Jahre ihrer Liebe ziehen ihm durch den Kopf, die Zeit, die er als Entwicklungshelfer in Kigali verbrachte. Millionen wurden in ein totalitäres Regime gepumpt, das schließlich, als es die Macht an eine Rebellenarmee zu verlieren drohte, einen Genozid organisierte. Auch David wurde zum Komplizen der Schlächter, und als die Aufständischen Kigali einnehmen, flieht er mit den Völkermördern über die Grenze. Dort findet er in einem Flüchtlingslager Agathe wieder, aber es ist nicht die Frau, die er einmal liebte. (via perlentaucher)

David Signer hat in der WELTWOCHE seine erhellende Rezension “Wenn Schweizer Afrika retten wollen” zu Lukas Bärfuss stofflichem Motivierungsprozess veröffentlicht. Er schreibt:

Letzten Herbst meldete sich Theaterautor Lukas Bärfuss unter dem Titel «Warum schweigen die Schweizer Schriftsteller?» im Tages-Anzeiger zu Wort. Er beklagte das Verstummen der Intellektuellen im Land angesichts eines Wahlkampfs, der die britische Zeitung The Independent zur Schlagzeile «Switzerland: Europe’s heart of darkness?» inspiriert hatte. Bärfuss fragte sich, wo die kritische, engagierte Literatur geblieben sei. Es gehe nicht darum, zu den untauglichen, pfeiferauchenden Vorbildern der Vätergeneration zurückzukehren, aber diese Abwendung dürfe auch nicht einfach zum Schweigen verführen. Bärfuss’ ziemlich wirrer Artikel trat eine kleine Debatte los, und dann widmeten sich die heimischen Schriftsteller wieder ihrer kleinen, vertrauten Welt.

Martin Halter fasst das Anliegen von Bärfuss in folgende Begriffe: Die Schweiz schwimmt in den Blutbädern, die andere anrichten. Kehrt der politische Roman zurück, und gar in die Schweiz? Dafür spricht der aufwühlende Roman von Lukas Bärfuss über den Völkermord in Ruanda.

Grundsätzlich verfolgt der Roman zoomartig die Ethik von schweizer Entwicklungshelfern mit all ihrem tugendhaften Ballast in Zentralafrika. Die Ethik entpuppt sich als funktionales Rädchen im Räderwerk des Völkermordplanes in Ruanda . Alle Organe – denen der wohlmeinende Beobachter diese Funktion nie zugetraut hätte – haben prospektiv wie auch in der Rückschau völlig versagt. Dieses Versagen wurde aber nicht in eine Änderung der Praxis umgesetzt – Irren ist menschlich- stattdessen wurde lieber das Mäntelchen des Schweigens/der Ahnungslosigkeit über die Causa gelegt. Eine PR-taugliche Änderung der Sprache sollte ausreichen,um Entwicklungshilfe so weiter zu machen wie bisher.

Nun sind 800 000 tote Tutsis kein Pappenstiel und die Entwicklungshelfer nur ein verantwortlicher Teilbereich,das Abgeben von Verantwortung an grössere Institutionen – z.B. die UNO – liegt nahe. Aber die Infrastruktur für das Gemetzel wurde von Entwicklungshelfern aufgebaut, es wurden Wäldchen gepflanzt, Brunnen gesetzt,Telefonleitungen gelegt und Strassen gebaut. Strassen,auf denen die Lastwagen der Mörderbanden von Ort zu Ort fuhren,um mit Macheten (wer hat die eigentlich bezahlt?) den geplanten Genozid umzusetzen.Bei kritischer Selbstreflexion müsste den Entwicklungshelfern ihr Gutmenschentum förmlich im Halse stecken geblieben sein.Tat es aber nicht. Bärfuss klagt diese Heuchelei in seinem Buch an. Wenn aber die Dabeigewesenen sich so unwissend und unschuldig wähnen,wie soll die schreibende Zunft mit der Seismik ausgestattet sein,solche Misstände anzuprangern? Das wäre ganz einfach: Anspruch und Wirklichkeit sollten einem kritischen Vergleich unterzogen werden,alles ander wäre Fatalismus,Schicksalsglaube.Dann schweigt auch die schreibende Zunft lieber.

Zugegeben,der Vorwurf von Bärfuss kommt mit einer unverschämten Verallgemeinerung daher,die schwer verdaulich ist. Er wird auf dem Literaturblog von Emil Zopfi wie folgt beantwortet:

«Warum schweigen die Schweizer Schriftsteller?» Die Antwort ist einfach: Gebt uns Raum in der Zeitung und wir schreiben. Oder lest unsere Bücher.

Hier beisst sich die Katze in den Schwanz,am unsicheren Broterwerb lag es wohl nicht – eher fehlte doch die Idee vom eigentlichen skandalon – da nehme ich mich selbst garnicht aus. Und Lukas Bärfuss zeigt,dass es anders gehen kann,wenn auch erst 14 Jahre nach dem Skandal.”Besser spät als nie”,pflegte meine verblichene Grossmama immer zu sagen.

Aktuelle Veranstaltungen zu diesem Buch:
Buchpräsentation mit Lukas Bärfuss Anschließend Gespräch mit dem Ethnologe Jürg Helbing
Termin: 17.4.2008 um 20:00 Uhr
Veranstaltungsort: Literaturhaus, Zürich
SPRACHform präsentiert: Lukas Bärfuss stellt «Hundert Tage» vor Der Dramatiker liest aus seinem ersten Roman. Moderation und Gespräch: Werner Morlang.
Termin: 19.04.2008 um 20:00 Uhr
Veranstaltungsort: Schlachthaus Theater, Bern
Lesung
Termin: 2.5.2008 bis 4.5.2008
Veranstaltungsort: Solothurner Literaturtage, Solothurn
Lesung
Termin: 4.7.2008 bis 6.7.2008
Veranstaltungsort: 13. Literaturfestival Leukerbad, Leukerbad

references:
Das ungebrochene Interesse am Buch
Entwicklungshilfemythen

Das Nouruz-Fest

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Der Ursprung des Nouruz-Festes geht auf die mythenreiche vorislamische Zeit der indoarischen Bevölkerung zurück. Deshalb wird Nouruz auch als Nouruz-e bastani “das alte Nouruz”, Nouruz-e melli “der traditionelle Nouruz”, oder Nouruz-e djamschidi “Djamschids neuer Tag” bezeichnet. Djamschid gehört zu den legendären iranischen Königen der vorislamischen Zeit und soll der Überlieferung nach zu Nouruz gekrönt worden sein. Den vor- wie auch nachislamischen Quellen zufolge glaubte man früher, daß Gott an diesem Tage wahlweise die Sonne, die Welt, oder den ersten Menschen erschaffen habe. Die zoroastrischen Gläubigen überliefern, daß ihr Prophet Zarathustra am 6. Tag des Nouruz geboren sei. Mehr bei Michael Kreutz.

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March 22, 2008 at 10:46 pm

Was treibt die türkische Armee im Nordirak?

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öcalan trappedDie jüngsten Gebirgsoffensive im Nordirak gegen die PKK ist kein taktischer Schritt zur Lösung des “Kurdenproblems” der Türkei, Thomas v. d. Osten-Sacken dröselt die komplizierte Gemengelage im Nordirak genauer auf: Rote Linie im Schnee

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March 7, 2008 at 10:38 pm

Kanak Attack

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Mite der 90iger Jahre fiel mir Feridun Zaimoglu das erste mal mit seiner kurzweiligen Prosa auf,er ist ein Mensch aus meiner Generation.Ich wollte,wohl genau wie er,dass die Arbeitsmigranten hier endlich ankommen können,ihre Plätze finden können – gegen vielerlei xenophobe Widerstände aus der dt. Gesellschaft.Er gab der zweiten und dritten Generation der türkischen Arbeitsmigranten ein neues literarisches Gesicht und ich war voller Hoffnung auf eine neue Autorengeneration in Literatur,Musik und Publizistik.Dann gegen Ende der 90iger Jahre die erste Ernüchterung,Zaimoglu auf einem Diskussionpanel der trotzkistischen Linksfaschistensekte LINKSRUCK und seit der Islamkonferenz von Innenminister Schäuble vertritt Zaimoglu auch noch die reaktionärsten Strömungen des Islam mit antikapitalistischer Verve.Das ist sehr Schade,Feridun.

references:
Krieg der Kritik – Politische Lyrik aus Kanakstan

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February 16, 2008 at 5:34 pm

Lebensgefühl von Einwandererkindern

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Lebensgefühl von Einwandererkindern
VON DENIZ YÜCEL

Das Trauma von Mölln

Mit dem Brand in Ludwigshafen war die Erinnerung sofort da: 90er-Jahre, Anschläge auf Häuser in Mölln und Solingen. Damals hieß es plötzlich auch für “Abiturtürken”: “die” gegen “uns”.

Deutsche Fachwerkidylle in Mölln. Foto: dpa

Weiterlesen ….

Quelle: © taz 10.02.2008

references:
Ralph Giordano: Offener Brief an den OB in Köln

Erdogan-Rede Köln 2008

Extremismus und Freiheit – Abdelwahab Meddeb

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Europa und Islam Abdelwahab MeddebM. Abdelwahab Meddeb (* 1946 in Tunis) , ist ein französischer Autor, Literaturwissenschaftler (Europe/Islam, Francophonies) und muslimischer Islamkritiker tunesischer Herkunft.

Er lebt und forscht in Paris-Nanterre. Sein 2006 in Frankreich veröffentlichtes Buch “Contre-prêches. Chroniques” eröffnete in Frankreich eine Streitdebatte über den Islam, nun ist es innerhalb kurzer Zeit in 2007 beim deutschen Wunderhorn-Verlag unter demTitel “Zwischen Europa und Islam – 115 Gegenpredigten” erschienen.

Der Verlag bewirbt das Buch wie folgt:

»Wir legen in diesem Buch Wert auf Ausdrucksformen des Islams, die nicht die Norm, sondern die Abweichung darstellen« so beginnt Meddeb sein Buch. Seine Gegenpredigten, die alles andere sein wollen als »Predigten«, entwickelte er aus Rundfunkbeiträgen, die der streitbare Romancier und Philosoph zwischen 2003 und 2006 für Radio Méditerranée in Tanger verfasste. Meddeb sieht das Religiöse im Alltag, er entschleiert Mythen, geht die Tabus an. Fasziniert folgt der Leser diesen ebenso aufschlußreichen wie spannenden Stücken, die Kultur, Lebenskunst und Politik vereinen zu dem Mosaik einer Weltreligion, die ihre befreienden Potenzen noch nicht wirklich entdeckt zu haben scheint. Exzellent übersetzt von dem Paul-Celan-Preisträger Rainer G. Schmidt.

Meddeb wird in den deutschsprachigen Zeitungen als Protagonist eines offenen, humanistischen und selbstkritschen Islam zitiert. Arno Widmann hat das neue Buch kürzlich in der FR rezensiert und er zitiert Meddeb am Beispiel des Exzess, das ist der Begriff – “ghulw” im Arabischen, mit folgenden politischen Erkenntnissen:

(…) – “ghulw” -, mit dem die Saudis den islamistischen Extremismus kritisieren. Es sind drei Seiten, auf denen Meddeb klarmacht, dass es falsch ist, den Extremisten ihren Extremismus zum Vorwurf zu machen. “Der Krieg findet nicht zwischen Übermaß und Klugheit statt. Er findet zwischen der wortwörtlichen Auslegung auf der einen Seite statt und der Freiheit auf der anderen Seite, welche die Bedeutung schwanken lässt. In der Anstrengung der Interpretation können der Exzess, die Maßlosigkeit, das Wort sogar von dem Sinn befreien, der es einschränkt. Um die Radikalen besiegen zu können, muss man die vorderste Linie der Freiheit neu beleben.” Dazu sind die Saudis nicht nur nicht bereit. Dazu sind sie nicht in der Lage. (…)

Den Islamismus schätzt Meddeb als psychopathologisches Phänomen ein,wenn er schreibt:

… “Bei den Islamisten erleben wir eine obszöne Regression: der Mensch tritt wieder an die Stelle des Tiers. Das Symbolische und das Imaginäre werden im Wirklichen verwirklicht, nicht als solche, sondern indem sie selbst im Wirklichen aufgehen. Dieses Vorgehen entspricht der Definition des Wahnsinns im klinischen Sinne.” …

Es handelt sich also um einen jener Muslime, der westliche Denkweisen mit einer muslimischen Verbinden will und kann. Und solche Autoren gibt es wahrlich zu wenige. An M. Abdelwahab Meddebs Literatur sollten interessierte Zeitgenossen nicht achtlos vorbeigehen, er ist ein Mensch des Dialogs.

references:
Extremismus und Freiheit

Maître de Conférences habilité en Littérature comparée (Europe/Islam, Francophonies)
Département de lettres modernes,
Université Paris X Nanterre.