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Archive for the ‘jour fixe’ Category

Mathias Kuentzel

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Als ich in 2002 die Broschüre “Djihad und Judenhaß – Über den neuen antisemitischen Krieg” aus dem ca-ira-Verlag das erste Mal las, war ich beschämt über meine politischen Fehlschlüsse, die mich jahrelang die Welt in Unterdrücker und Unterdrückte aufteilen liessen. Kurzum, ein antiimperiales Weltbild leitete meine Einschätzungen über globale Konflikte. Erste grobe Zweifel an diesen Einschätzungen überkamen mich im Herbst 2001 nach den Attentaten auf das WTC, etc. .. und die Reaktionen der “avantgardistischen”, linken Publizistik, die den antiimperialistischen modus vivendi an 9/11 in aller Konsequenz bis hin zur Verschwörungstheorie durchexerziert und die diesen Ungeist bis heute beibehalten hat. Ein Blick in irgendeine Ausgabe der jungen-welt illustriert diese Tendenz tagtäglich aufs Neue. Die Adepten der “Kritischen Theorie”, die sog. Adorniten, grenzten sich von dieser ideologischen Linie der revolutionären-radikalen Linken eindeutig ab.

küntzel djihad dt.Geradezu wohltuend ist der Text des Politologen und Publizisten Mathias Küntzel, der anhand historischer Linien des 20. Jahrhunderts den Djihadismus und den Judenhass aufrollt, ein Blick in das Inhaltsverzeichnis verdeutlicht die thematische Argumentationlinie des Autors:

  • I. Die Muslimbrüder und der Palästinakonflikt
    • Islamistische Avantgarde
    • Von der “Kunst des Todes”
    • Antideutscher Boykott
    • Antijüdischer Djihad
    • Die Muslimbrüder, der Mufti und der NS
    • Nashashibis gegen Husseinis
    • Die Heimstätte des NS
    • Krieg gegen Israel
  • II. Ägyptischer Islamismus von Nasser bis zur Gegenwart
    • Die Demütigung
    • Genosse Bruder Nasser
    • Islamismus unter Sadat
    • Einheit und Unterwerfung
    • Sayyid Qutb
    • Djihad gegen die Muslime
    • Islamisierung unter Mubarak
  • III. Der Djihad der Hamas
    • Islamistischer Terror im Gaza-Streifen
    • Die Charta der Hamas
    • El-Husseini und Arafat
    • Massenmord als Strategie
  • IV. Der 11. September und Israel
    • Bin Laden und die Muslimbrüder
    • Haß auf Amerika
    • Das antisemitische Fanal
  • Epilog: Der Mufti und die Deutschen

Insbesondere die Schnittmengen des islamischen Nationalismus (Muslimbrotherhood Egypt, Nasser), des palästinensischen Nationalismus unter Arafat und der Hamas mit der NS-Ideologie werden herausgearbeitet und so wird die ambivalente Haltung heutiger Nationalsozialisten zum Islamismus und Djihad als antiamerikanische und antisemitische Identifikationsfigur gegen die USA und Israel deutlicher. Aber auch die ideologische Querfrontstrategie von links nach rechts, die im Antiimperialismus zusammen findet, erhellt sich über diese historische Verbrüderungslinie in ihrem völkischen, militant antisemitschen Denken.

kuentzel jihad englishNun hat der US-Amerikanische TELOS-Verlag den in die englische Sprache übertragenen Text von Küntzel in sein Programm mit aufgenommen und die publizistische Aufmerksamkeit der Verleger wurde auf den Londoner Buchtagen in diesem Jahr belohnt, der Titel “Jihad and Jew-Hatred: Islamism, Nazism and the Roots of 9/11 (hardcover)” wurde mit einem Preis ausgezeichnet:

2007 LONDON BOOK FESTIVAL WINNERS The 2007 London Book Festival has named Matthias Kuntzel’s “Jihad and Jew-Hatred: Islamism, Nazism and the Roots of 9/11” as the grand prize winner of its annual competition honoring books worthy of greater attention from the international publishing community. Kuntzel’s work, released through New York-based Telos Press Publishing, traces the alleged impact of European fascism on the Arab and Islamic world, drawing parallels between ancient prejudice and modern radicalism. Now translated to English and updated from its German publication in 2002, Kuntzel’s examination of the roots of the current strife between cultures and religions and its impact on world affairs has earned him the festival’s grand prize of $1500 and a flight to London or Los Angeles.

Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis der englischen Edition ergibt eine weitestgehende thematische Identität mit der dt. Ausgabe:

Table of Contents
Foreword, by Prof. Jeffrey Herf
Preface
Introduction

1. The Muslim Brotherhood and Palestine

The Islamist Vanguard
On the “Art of Death”
Anti-German Boycott
Anti-Jewish Jihad
The Muslim Brothers, the Mufti and the Nazis
The Mufti’s Antisemitism
Nashashibis versus Husseinis
The Sanctuary of National Socialism
War against Israel

2. Egyptian Islamism from Nasser to the present day

The Humiliation
Comrade Brother Nasser
Islamism under Sadat
Unity and Submission
Sayyid Qutb
Jihad against the Muslims
Islamization under Mubarak

3. The Jihad of Hamas

Islamist terror in Gaza
The Hamas Charter
El-Husseini and Arafat
Mass Murder as Strategy

4. September 11 and Israel

Bin Laden and the Muslim Brothers
Hatred of America
The Antisemitic Signal
New Alliances

Epilogue: “…the Beginning of Complicity.”

Mathias Küntzel, herzliche Glückwunsche nun auch zur internationalen Anerkennung 😉

references:
Herzlichen Glückwunsch, Matthias Küntzel!

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Elias Canetti Symposion Wien 2007

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Durch einen Hinweis von anaximander habe ich mich etwas auf die virtuelle Recherchereise über den status-quo der Elias-Canetti-Forschung begeben.

Das 20. kulturanthropologisch-philosophisches Canetti-Symposion fand vom 15. bis 18. November 2007 in der Wiener Arena statt. Es wurde veranstaltet von der Wiener Urania und der Gesellschaft für “Masse & Macht“-Forschung (GMMF)  und trägt den Titel: DIE JUDEN – Eine unbekannte Nation?. Für das Konzept und die wissenschaftliche Leitung zeichnen John D. Patillo-Hess und Mario R. Smole verantwortlich. —> to be continued ….

Meine Liebliingstexte von Canetti sind “Reise nach Marrakesch” und “Masse & Macht”. In meinem persönlichen Umfeld kann ich kaum noch über seine Ansichten parlieren, der Autor wird entweder nicht verstanden oder als zu düster eingeschätzt. In Zeiten völkischer Massenbewegungen (Balkan,aktuell Belgien) auch in Europa und zunehmenden Antisemitismus sind Canettis Ideen aber moderner denn je.

Anhang:
Biographie Tabelle, freier Text , Canetti-Wiki

Was war denn nun die DDR?

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In Diskussionen kommt diese Frage immer wieder auf. Während linksradikale Diskutanten die DDR-Geschichte lieber aus der Persektive der Auseinandersetzungen der Weimarer Zeit oder gar dem Ost-West-Konflikt ansetzen, ist die Erlebnisgeneration mehr mit den tatsächlichen Erscheinungsformen realsozialistischer Vergesellschaftung in der Diktatur befasst. Hier bietet z.B. die SWA einen Informationspool für interessierte Leser an: Publikationen
Bücher und Broschüren
CDs, CD-ROMs, DVDs
Videos und eine
Liste der Publikationen (Stand August 2007), die von der Stiftung gefördert und herausgegeben wurden (154 kb).

Aber auch die Bundeszentrale für politische Bldung vertreibt interessante und günstige Literatur zum Thema z.B. in ihrer Schriftenreihe , oft lohnt sich auch der Gang zu den Landeszentralen der politischen Bildung und der Kontakt mit den örtlichen Geschichtswerkstätten sowie der Verbände der Betroffenen. Abgerundet wird das Geschichtsbild natürlich durch die Berichte der Zeitzeugen aus der DDR-Zeit – ohne Biermann, Bahro, Jürgen Fuchs oder Erich Löst hätte ich im Westen kaum etwas von der DDR erfahren, noch sind diese Zeitzeugen auch im persönlichen Nahbereich ansprechbar, quetschen wir sie jenseits der Ideologie aus, bekommen wir auch wichtige Infos über die Vergangenheit ohne die eine Zukunft schwerlich zu gestalten sein dürfte.

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October 6, 2007 at 11:27 am

Rekapitulation einer abgelegten Lektüre

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karwan-baschi ist durch justus noch einmal auf der fährte von hardt/negris “empire”. ziel ist die spezifizierung des kompakten begriffs der multitude u.a. als gesindel.

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September 28, 2007 at 1:30 pm

Dissertation von Max Bense Online

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Anaximander beweist immer wieder die Spürnase eines Trüffelschweins im Netz: Weil sie in den Bibliotheken kaum zu finden ist, ist die Dissertation von Max Bense “Quantenmechanik und Daseinsrelativität” von 1938 jetzt online als .pdf herunterzuladen. via Johannes Auer

Ludwig Quidde, Biographie eines Pazifisten

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Ludwig Quidde (* 23. März 1858 in Bremen; † 4. März 1941 in Genf), war ein deutscher Historiker, Publizist, Pazifist und linksliberaler Politiker in der Zeit des Deutschen Kaiserreichs und der Weimarer Republik. Er war ein prominenter Kritiker von Kaiser Wilhelm II. und erhielt 1927 den Friedensnobelpreis für seine Leistungen als treibende Kraft und Organisator verschiedener internationaler Friedenskonferenzen.

Literaturangaben: HOLL, KARL: Ludwig Quidde (1858-1941). Eine Biographie. Droste Verlag. Düsseldorf 2007. 648 (?) S., 49 €. Droste Verlag : Holl, Karl - Ludwig Quidde (1858-1941) - Eine Biographie - Band 67, 472 (?) Seiten Leinen, gebunden mit Schutzumschlag

Ein fast vergessener Friedensnobelpreisträger
Seine Auszeichnung mit dem Nobelpreis für Frieden hat Ludwig Quidde nicht vor dem Vergessenwerden bewahrt. Doch sein Wirken verdient Interesse. Im Leben des Großbürgersohns und Historikers spiegeln sich Glanz und Elend des deutschen Bürgertums zwischen Kaiserreich und „Drittem Reich“ wider. Er verband seine demokratischen mit pazifistischen Überzeugungen und war lange Zeit unbestrittener Führer der deutschen Friedensbewegung. Die NS-Herrschaft zwang Quidde zum Exil in die Schweiz nach Genf.

Holl Quidde
Karl Holls Sachbuch „Ludwig Quidde“ . Ein ambivalenter Friedensbote
© Die Berliner Literaturkritik, 26.06.07

FRANKFURT AM MAIN (BLK) – Einen Friedensnobelpreisträger hat der Historiker Karl Holl in seinem Buch „Ludwig Quidde“ porträtiert, meldet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“).

Eine umfängliche Biografie sei Karl Holl gelungen. Das liege daran, dass er sich als „renommierter Historiker“ gut dafür eigne und zudem jahrelange Forschung betrieben habe. Die Darstellung sei sehr ausholend und beginne bereits bei Ludwig Quiddes Wurzeln in Bremen. Holl erzähle von Quiddes Funktion für den „deutschen und internationalen Pazifismus“. Aber auch dessen Privatleben werde durchleuchtet. Zum Beispiel wie der Friedensnobelpreisträger zwischen zwei Frauen gestanden oder die eigene Tochter jahrelang verleugnet habe. Holl beschreibe sehr ausführlich die „innerpazifistischen Auseinandersetzungen“ in Deutschland und auch die „,Exszesse egomanischen Schmierentheaters von Star-Pazifisten’“.

Es sei Holl gelungen, die „Ambivalenzen“ Ludwig Quiddes aufzuzeigen. Er habe seine Figur nicht auf ein Podest gestellt. Das zeichnet Holl in seiner Funktion als Historiker aus, lobt der Rezensent.(bet/ben)

references:
Rezensionen bei Perlentaucher

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July 6, 2007 at 11:46 am

Sloterdijk zum 60. Geburtstag

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Rüdiger Safranski beglückwünscht seinen Kollegen: Peter Sloterdijk wird sechzig.

references:
Sloterdijk bei Suhrkamp
Safranski bei amazon

Beide im ZDF: Philosphisches Quartett

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June 27, 2007 at 7:36 pm