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Archive for the ‘Lebenswissenschaft’ Category

Idealisierungen der Genforschung – Teil 1

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Vorüberlegungen

“Das Buch des Lebens” , ein Text der Wissenschaftshistorikerin Lily E. Kay (1947-2000), erschien in 2000 bei  Stanford University Press als “Who wrote the Book of Life?“. Ein Jahr darauf gab der Carl Hanser Verlag die deutsche Ausgabe heraus. Seit Herbst 2008 liegt das Buch als Suhrkamp-TB (stw1746, 2005) bei mir auf dem Schreibtisch. Das Thema “genetischer Code” gehört nicht gerade zu meiner Alltagsbeschäftigung – wohl aber die wissenschaftshistorische Darstellung von Idealisierungsvorstellungen und die daraus resultierenden oder abgeleiteten Ideologeme. Hier wird wissenschaftliche Erkenntnis zum Spielball verschiedenster Interessen,die nicht unbedingt der Aufklärung zuträglich sein müssen.

Who Wrote the Book of Life?

A History of the Genetic Code

Lily E. Kay

2000

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Im Leistungskurs Bio machte ich botanisch-genetische Reihenversuche mit Hilfe der Elektrophorese – mit deren Befassung ich fast versucht war, Biologe zu werden,ich änderte aber meine fachlichen Pläne. Die Faszination,der Grundbauplan des Lebens basiere auf nur vier Basen,die lediglich durch ihre paarweise Anordnung Amöben, schwarze Rosen oder den Menschen hervorbringen,lag tief: Könnte man auf diesem Wege “dem Wesen,dass so viele Menschen verehren”, nun endgültig in die Karten schauen? Oder wäre die neue genetische Annahme sogar der Gegenbeweis zum theistischen Weltbild? Als junger Mensch stellt man sich wohl solche holistischen Fragen,auf die es kaum befriedigende Antworten geben kann.

In der Umweltbewegung der Achtziger gab es viele Aktivisten,die der Gentechnik feindselig gegenüber standen – analog zu AKW- und sonstigen Technik-Themen.

In den Neunzigern kam mir das Thema der ökonomischen Nutzung der Genetik – nun als ausgereiftes Konstrukt von der Biotechnologie – als Patentdebatte auf genetische Baupläne (auch die des Menschen) wieder entgegen – Umweltschützer zerstörten angeblich symbolisch Genmaisfelder, weil ein veränderter Genpool einer Spezies unkontrollierbare Folgen für die (genetisch unveränderte) Umwelt in sich berge. Ich liess mich derweil  in einem Biolabor von einer weissen Maus mit einem menschlichen Ohr auf dem Rücken als Ersatzteillager  begeistern. Das Thema ist also keineswegs nur für den Elfenbeinturm interessant, eine Befassung damit erleichtert auch politische Entscheidungen von höchstem Rang.

Lily E. Kay interessiert sich für die wissenschaftshistorischen Entwicklungen des genetischen Codes in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, genauer von 1953-67. In dieser Zeitspanne wurden  grosse Erkenntnissprünge in der Genetik erzielt, 1953 wurde die Doppelhelix von Watson/Crick entdeckt- später wurde den Genforschern auch Nobelpreise  für ihre Entdeckungen zugesprochen.

Mit der industriellen Anwendung genetischer Erkenntnisse in weiten Bereichen der Verfahrenstechnologien konnte und kann viel Geld verdient werden: Pharmafirmen, Lebensmittelkonzerne und Medizintechnik profitieren von den Grundlagenforschungen genetisch forschender Unifachbereiche, es werden privatwirtschaftlich orientierte Unternehmen aus den Unis heraus gegründet,um Ideen zur Marktreife weiter zu entwickeln. Der ökonomische Zweck von Grundlagenforschung – inclusive seiner Grenzen – ist am Beispiel der Genetik und Gentechnik auf das Beste zu studieren. Mittlerweile wird der Zweig der Biotechnologien auch von einem illustren Haufen von Fachleuten publizistisch begleitet – für jedes (Gesinnungs-) Tierchen gibt es dort sicher ein zu rezipierendes  Plaisirchen.

Die Kernthese von Lily E. Kay:

… Der genetische Code ist ein “Epochenstück”, ein Anzeichen für das Auftauchen des Informationszeitalters. Meine These besagt, daß Molekularbiologen “Information” als eine Metapher für biologische Spezifität verwendeten. Allerdings ist “Information” die Metapher einer Metapher und somit ein Signifikant ohne Referent, eine Katachrese. Als solche wurde sie zu einer unerschöpflichen Quelle für die wissenschaftlichen Vorstellungswelten vom genetischen Code als Informationssystem und Buch des Lebens. Informationsdiskurs und Schriftrepräsentationen des Lebens wurden unentwirrbar verknüpft. …

Im zweiten Teil werden die Ideen von Frau Kay exemplarisch dargestellt.

UPDATE Jänner 2009: Es wird keinen 2. Teil geben. Der Text gibt einen breiten Überblick über den wissenschaftlichen Erkenntnisraum der fünfziger/sechziger Jahre. Es wird auch deutlich, in wie weit unterschiedliche Erzähltraditionen in den Geistes- und Naturwissenschaften Missverständnsse bedingen. Letztendlich bleibt der Text aber im literaturwissenschaftlichen Narrativ hängen. Dann lese ich ehrlich gesagt lieber Texte der Philosophin Sybille Krämer (-Friedrich), sie lebt wenigstens noch und ich kann sie im Zweifelsfall auch befragen.

Günther

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Rohrmoser ist tot. Zum Glück ist das Leben endlich, sonst würden solch homophobe Mumien ja ewig leben und ihrer geistigen Nachgeburt nie Platz machen. Das Verschwinden des Herr R. vom Erdball ist bis heute nicht einmal P.I. eine Note wert und Adrian zieht sich auch nicht gerade einen Trauerflor an. Möglicherweise weinen aber die Weikersheimer, das Mullahregime im Iran, Putins Russland, Peter Glotz im Himmel oder die NPD dem konservativen Intellektuellen eine Träne nach – bin da jetzt zu eilig, um das zu recherchieren.
Apropos Homophobie:
In Berlin wird am Sonnabend in aller Herrgottsfrühe speziell die psychiatrische- resp. die psychoanalytische  Variante in der Charité (PDF-Flyer) durchgekaut  (INFO) .

references:
Mitscherlich zum 100.Alexander Mitscherlich und die Moral … “Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft” Radiostream 1969

Souverän und verrückt – Die Konsumentensouveränität im Gesundheitswesen

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Das Gesundheitswesen wird stetig reformiert, in wie weit der Konsument von den Reformen profitiert, ist im Einzelfall zu entscheiden. Letzte Woche war ich auf einer Fortbildung über neue Trends in der ambulanten psychiatrischen Versorgung, ein Aspekt war die liberalisierte Beteiligung der Patienten an ihrer Gesundung über das trägerübergreifende “Persönliche Budget” (PB) in der post-stationären Phase.

Das neue Angebot

Das PB ist ein Angebot der Sozialgesetzgebung für Behinderte / Betroffene, sich die Hilfen nicht mehr als Sachleistung im Paket bei einem Träger abzuholen. Budgetnehmer und Leistungsträger – Sozialamt, Krankenkasse, Renten- und Arbeitslosenversicherungsträger – können eine Zielvereinbarung schliessen und das erforderliche Budget dafür festlegen.
Der Budgetnehmer tritt dann als souveräner Kunde auf den Markt und sucht sich die Leistungsanbieter selber aus – das können Hilfeeinrichtungen / Träger der sozialpsychiatrischen Versorgung sein, es können aber auch fachfremde Dienstleistungen eingekauft werden, die nicht auf erkrankte Zielgruppen spezialisiert sein müssen, z.B. Qi Gong, Fitness Studio, etc. .. Hauptkriterium ist: Die eingekaufte Leistung soll glaubhaft der Teilhabe und Wiedereingliederung des Menschen in das gesellschaftliche Leben dienlich sein.

Wer die aktuelle Situation der psychiatrischen Versorgung kennt, kann erahnen: Diese Neuordnung beinhaltet Unwägbarkeiten und Chancen gleichermassen.

  • Die Leistungsanbieter werden einer unkalkulierbaren Konkurrenzsituation ausgesetzt – deren Angebote werden sachlich und personell nach einer Bedarfseinschätzung geplant und sie müssen bei Neueinrichtung vorfinanziert werden.
  • Die Patienten/Konsumenten müssen wissen, was ihnen auf dem Markt hilfreich ist und dies beim Leistungsträger auch formulieren und erfolgreich in eine Zielvereinbarung giessen, um die erforderlichen Geldmittel auch zu erhalten.
  • Die Leistungsträger müssen neue Verwaltungswege finden, um den neuen Gesetzen genüge zu tun.

In jedem Fall werden neue Erfahrungen für alle Beteiligten erzeugt und die Evaluierung der Ergebnisse wird hoffentlich deren Erfolg beschreiben. Die Beratung Betroffener zum PB soll kostenlos erfolgen.

Der liberale Grundgedanke des Gesetzgebers, die Selbständigkeit Behinderter oder von Behinderung bedrohter Menschen (unter diese Kategorie fallen i.d.R. hilfesuchende, psychisch Kranke) endlich einzurichten, ist längst überfällig – die Gesetzesnovellierung des SGB gibt es seit 2004, sie ist aber noch keine flächendeckende, bundesrepublikanische Praxis und die Modellversuche / Pilotprojekte gehen demnächst ihrem Ende zu.

Konsumentensouveränität

Der Begriff Konsumentensouveränität bezeichnet die Freiheit des Individuums zu entscheiden, wie seine Bedürfnisse gestillt werden. Daher ist die Konsumentensouveränität auch als das „Fundamentalprinzip der individuellen Bedürfnisbefriedigung“ bekannt.

Ein Eingriff in die Konsumentensouveränität findet z. B. bei staatlichen Krankenversicherungen, der Kfz-Haftpflichtversicherung, oder der Schulpflicht statt. Hierbei handelt es sich um meritorische bzw. demeritorische Güter. Zurückführen lässt sich das Leitbild der “Konsumentensouveränität” auf den klassischen Liberalismus des Adam Smith. Smith vertrat die Auffassung, dass der Verbraucher durch sein Nachfrageverhalten die Güterproduktion steuert. Dadurch wird erreicht, dass die Bedürfnisse des Verbrauchers optimal befriedigt werden.

Es geht auch um einen Paradigmenwechsel in der Leistungsverwaltung, der dem Betroffenen seine Eigenständigkeit und Souveränität zurück gibt. Psychisch erkrkankten Menschen wurde bisher i.d.R. die Fähigkeit abgesprochen oder zumindest bezweifelt, ihre Bedürfnisse richtig einschätzen zu können, zu wissen, was im Rahmen der Erkrankung förderlich oder hinderlich ist. Das PB hebt dieses Stigma einer psychischen Erkrankung nicht auf,es erlaubt aber mehr Entscheidungsfreiheit bei der Auswahl von hilfreichen Dienstleistungen. Verkrustete Kartelle im psychiatrischen Hilfesystem können so auch umgangen werden. Ein Beitrag zur Normalisierung der Lebensverhältnisse von Betroffenen ist über die neue Praxis möglich.

Die ambulante, psychiatrische Versorgung

Die sozialpsychiatrischen Hilfsangebote können i.d.R. als meritorische Güter aufgefasst werden, dort ist die Konsumentensouveräntität eingeschränkt – auf dem flachen Land kommen lange Wege als bedeutende Einschränkung hinzu. Es gibt zaghafte Ansatzpunkte, die Konsumentensouveränität durch Nutzerbeteiligung zu erhöhen, ein Ansatz wird in der 2005 in Berlin erschienen Broschüre “Beteiligung von Betroffenen in der psychosozialen Arbeit” dargestellt. Grundgedanke der Nutzerbeteiligung ist die Erkenntnis, der Betroffene ist bester Fachmann seiner Erkrankung und das Hilfesystem sollte seine Autonomie befördern (und keine Ersatzabhängigkeiten aufbauen), in Krisen aber auch zuverlässig und zeitnah zur Stelle sein. Bei Ersterkrankten würde ich diese Fachmann-These aber für fraglich halten – diese Menschen bauen ihren Erfahrungsschatz erst noch auf und sie sind auf grundlegende, professionelle Unterstützungen und die Selbsthilfe angewiesen. Den Zeitpunkt der Ablösung vom Hilfesystem bestimmt grundsätzlich immer der Betroffene – im Idealfall gemeinsam mit den Helfern.

Ein runder Tisch

Eine konstruktive Debatte zwischen Profis und Erkrankten gibt es aus Berlin zu berichten. Dort wird monatlich vom paritätischen Wohlfahrtsverband (DPW) eine Fortbildung mit Betroffenen und Profis der psychosozialen Arbeit durchgeführt, federführend ist dort das Referat Psychiatrie, Queere Lebensweisen.

Dort werden Rechtsgrundlagen und die Verwaltungsabläufe vorgestellt, zwei Betroffene berichten ausführlich aus ihren eigenen Erfahrungen, wie das persönliche Budget bei ihnen funktioniert, resp. wo es substanziell auch hakt. Es gibt dort die Möglichkeit, eine Diskussion auf gleicher Augenhöhe zu führen und die antipsychiatrische Praxis fliesst auch mit ein, denn eine der dort anwesenden Betroffenen ist ehemalige Mitarbeiterin des Weglaufhauses “Villa Stöckle”, sie hat ihre Gedanken zum PB in einem mehrseitigen, lesenswerten Papier niedergelegt: Das Persönliche Budget – der Wettbewerb um die Klienten hat begonnen.

Ausblick

In welcher Form das alt hergebrachte Dreieck “LEISTUNGSERBRINGER – BÜRGER – LEISTUNGSTRÄGER” bei der Beantragung von Leistungen für psychisch Kranke aufgehoben oder verändert  wird, ist noch unklar – die Betroffenen mit der Leistungsverwaltung alleine zu lassen, ist auch eine Form der Ausgrenzung von Menschen, die so eine Leistungsbeantragung eben nicht oder noch nicht vollbringen können.
Immerhin wird Verrückten die Entscheidungsfreiheit immer wieder beschnitten oder zeitweilig ganz über gesetzliche Betreuungen abgenommen – auch wenn die Kriterien der Amtsgerichte immer mehr die Interessen der zu Betreuenden sehen können. Weit ausgeprägter dürfte allerdings die Stigmatisierung, Vereinsamung, Isolierung und der drohende soziale Abstieg psychisch Kranker sein. Hier kann das Persönliche Budget ein wichtiger Baustein zur Rückkehr oder zu einem Neuanfang werden, wenn die Bedürfnisse der Betroffenen im aufbauenden Prozess der Neuordnung auch vorkommen. Das kann mühsam sein, denn Verwaltungsmühlen mahlen langsam und nach eigenen Gesetzmässigkeiten. Das allein kann auch schon wieder verrückt machen.

references:
Das persönbliche Budget

Psychiatrie,Antipsychiatrie und die radikale Linke

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marxengelsIn den Hoch-Zeiten linksradikaler Bewegungen wurde fast alles zum kritikablen Gegenstand: Die Familie,die Ehe,überhaupt Institutionen wurden vor allem als Ausprägungen des Kapitalverhältnisses unter Staatsherrschaft beschrieben und in der Regel zum Teufel gewünscht – in Utopia würden sich die ganzen Probleme und Konflikte schon lösen lassen,das Paradies des Kommunismus wurde als erhabene Gesamtlösung herbei phantasiert und einige Kilometer an Schrifttum wurden in diesem Sinne auch produziert.

haldolAnno 2008 kümmern sich einige Protagonisten der neuen Linken wiederum um die Institution der Psychiatrie,sie ist nun – knapp 9 Jahre nach dem Foucault Tribunal 1999 in Berlin – wieder an der Reihe. Ob die heutigen Erzähler etwas vom Fach der Psychiatrie verstehen,kann ich noch nicht beurteilen,denn der vorgenommene Gegenstand wird anhand linker Bewegungsrealitäten aufgedröselt. Solitäres Konkretum ist die Antipsychiatriebewegung der 70iger und 80igerJahre,als Projekte in Deutschland werden das Sozialistische Patientenkollektiv aus Heideberg – ein ekelhafter Antiimp-Haufen – und die IrrenOffensive aus Berlin – ein aus dem Autonomenkonzept entwickelter Betroffenenkreis – theoriegeschichtlich und konzeptionell aufgearbeitet. Waiting gibt mit dem Beitrag: Theorie gegen den Psycho-Knast schon einen ersten Blick auf die Stossrichtung der Kritik frei.

In diesem Beitrag habe ich einige allgemeinere Infos zum Themenkreis Psychiatrie schlaglichtartig aus meinen Blogs zusammen geführt. Praktische Hilfen für irre Menschen in Krisen bieten im Rahmen der Antipsychiatrie die “Villa Stöckle” (das Weglaufhaus) in Berlin und in Saarbrücken ein antipsychiatrisches Tageszentrum, das vor zwei Jahren seine Pforten geöffnet hat. Ohne Staatsknete funktionieren übrigens beide Projekte nicht,sie sind eine sehr schmale Ergänzung des eher standardisierten psychosozialen Angebots der als wissenschaftliche Disziplin bereits abgewickelten Sozialpsychiatrie,resp. zur heutigen Gemeindepsychiatrie.

Auf der HP der Kinzig 9 wird die Veranstaltung wie folgt vorgestellt:

12.März 20:00 Größenwahn
Einführung in die Antipsychiatrische Theorie

Die ursprünglich aus der Linken und radikalen Linken formulierte Kritik an
der am Rand der Gesellschaft operierenden Institution Psychiatrie ist mit
dem Beginn der Psychiatriereformation in den 70er Jahren zum erliegen
gekommen. Eine Zusammenarbeit mit der radikalen Linken ist seitdem in der
Neuen Antipsychiatrischen Bewegung nicht mehr erfolgt und auch nicht mehr
bewusst angesteuert worden. Die Neue Antipsychiatrische Bewegung besteht
aus Psychiatriebetroffenen und nicht mehr aus ProfessorenInnen oder
PsychiaterInnen. Bei Selbstzufriedenheit, Defensivkämpfen und
einzelnen Erfolgen ist die Antipsychiatrische Bewegung zum Stillstand
gekommen. Wie bei einigen anderen der aus der Außerparlamentarischen
Opposition hervorgegangenen, partikular arbeitenden Gruppen wurde
auch in der Antipsychiatrischen Bewegung vergessen, sich in Bezug zu
Kapitalismusanalyse zu setzen. Scheinbar befreit vom Kontext wird vor sich
hin gewerkelt.
Im Vortrag sollen die Theorien der Antipsychiatrie einführend vorgestellt
werden. Wichtige Theoretiker, wie Cooper, Laing, Basaglia und Szasz werden
mit ihren Theorien besprochen und der der Psychiatrie innewohnende Bezug
zum Kapitalismus aufgedeckt. Aktuelle Antipsychiatrische Institutionen und
Bewegungen werden erwähnt. Ziel soll das Aufzeigen von
Anknüpfungspunkten der Antipsychiatrie zur radikalen Linken sein.
Der Referent David Wichera arbeitet seit 2 1/2 Jahren im Weglaufhaus „Villa
Stöckle“, der einzigen antipsychiatrischen Einrichtung in Deutschland. Er
ist dort im selbstverwalteten Team als studentisch Beschäftigter tätig mit
besonderem Schwerpunkt auf Öffentlichkeitsarbeit.

Ob die aktuellen Streitdiskussionen des Psychiaters Volkmar Aderhold aus Greifswald über die Unsinnigkeit/Schädlichkeit von Psychopharmakotherapie innerhalb der Psychiatrie von den Linken aufgreifbar sein werden? Auf die Idee,dass psychiatrische Einrichtungen auch überlebenswichtige Hilfen anbieten,wird dort wohl niemand kommen. Stattdessen wird ein Opfermythos “Psychiatriepatient” bedient,der in der Forderung auf ein Recht auf irre-Sein mündet. Auf diesen Anspruch hat die Psychiaterin Isabella Heuser aus Berlin mit einem zackigen Statement gekontert: “Ein Recht auf Psychose wäre wie ein Recht auf Krebs!

Wer den linken Diskurs über die Psychiatrie/Antipsychiatrie live verfolgen möchte,kann sich am Mi 12. März in Berlin in der K9 ein Bild machen. Weitere Termine: 5. märz bei MAD in köln, 6. märz in freiburg, kts, 7.märz in frankfurt am main, theoriepraxislokal im IVI, 19.30uhr.

references:

  1. Kontinuitäten der (Zwangs-)Psychiatrie, von Alice Halmi 2008
  2. Zwangsregime:Psychiatrie,geschlossene Anstalt,Forensik
  3. Neue Antipsychiatrie vs. Alte Antipsychiatrie.
  4. schokolade sieht die ganze sache nicht so pessimistisch
  5. Dissi war in der K9: einführung in die antipsychiatrie psychose neuer LINK
  6. Scheckkartenpunk
  7. Weglaufhaus Saar – Praktikumsbericht Villa Stöckle

Written by admin

March 6, 2008 at 9:07 pm

Dissertation von Max Bense Online

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Anaximander beweist immer wieder die Spürnase eines Trüffelschweins im Netz: Weil sie in den Bibliotheken kaum zu finden ist, ist die Dissertation von Max Bense “Quantenmechanik und Daseinsrelativität” von 1938 jetzt online als .pdf herunterzuladen. via Johannes Auer

Der freie Wille …

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ist bedroht, wie das Edelweiss in den Alpen, die Seekühe in der Beringsee oder die Hufeisennase in Dresden. In den Lebenswissenschaften sind Vertreter unterwegs, die den Erkenntnissen der Neurobiologie nun auch gesellschaftliche Taten folgen lassen wollen. Das Strafrecht mit seinem Schuld- und Sühnekonzept soll abgeschafft werden, das Konzept des freien Willens soll abgeschafft werden, das Paradigma des Humanismus soll fallen.

Stattdessen wachen Psychiater, Neurowissenschaftler, Labormediziner und Radiologen über die Abweichung und die Widerherstellung der “Norm” und das am liebsten schon im Vorschulalter. Schuldabwägungen und Strafen sollen der kurativen Intervention oder der Umerziehung weichen und selbstverantwortliches Handeln soll keine Rolle mehr spielen – Jugendstrafrecht für alle Straftäter wäre demnach eine probate Übergangslösung. Exemplarisch konnte dieser Kampf um die wissenschaftlichen Hegemoniebestrebungen einer jungen, noch in der Entwicklung befindlichen Wissenschaftssparte im vorletzten spiegel verfolgt werden: Determinsimus versus freier Wille mit Prof. Reemtsma (Literaturwissenschaftler, pro freier Wille) aus Hamburg und Prof. Markowitsch (Gedächtnisforscher, pro Determinismus) aus Bielefeld. “Neuronen sind nicht böse”- der Text ist leider kostenpflichtig.

Aber die Rettung naht: Thomas Metzinger, lehrt Philosophie an der Uni Mainz und er ist der Meinung, dass angesichts der Möglichkeiten der Neurowissenschaften, Geist und Bewusstsein zu beeinflussen, die Entwicklung einer “Neuroethik” nötig sei. Mehr von anaximander

references:
Es lebe der freie Wille!
von anaximander

Written by admin

August 11, 2007 at 9:24 am

Technik und Mensch

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nachgedacht. Geisteswissenschaften in HamburgDer Kulturwissenschaftlter Prof. Dr. Thomas Hengartner vom Institut für Volkskunde spricht im Rahmen der Reihe nachgedacht über ein nichtalltägliches Beziehungsverhältnis: Von Schreib-, Sprech- und Denkmaschinen – Zum Verhältnis von Mensch, Kultur und Technik am Montag, 27. August 2007 in der SPIEGEL-Kantine Hamburg. Einlass 18.30, Beginn 19.00 Uhr.

Written by admin

August 11, 2007 at 7:47 am