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Archive for the ‘Leichte Kost’ Category

Klima

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Klimaforscher sind derzeit sehr populär: Je panischer das Katastrophgenszenario gemalt wird umso mehr Gefolgschaft ist gesichert – Sintflutdiskurse, Sonnen- und Kosmosstrahlungen als die Bedrohung der Menschheit gehen schon in den Mythenraum. Das dies nichts mit Wissenschaft zu tun hat, weiss ja wohl jeder. Eher mit Religion und einfachem Thesenverständnis. Anaximander weiss mehr: Widerlegung der Klimathesen – Wettbewerb

Zettel memoriert auch so einige Hysterie-Schmankerl. Und Al Gore bekommt einen Oscar für einen Dokufilm,der garkeiner ist.Toll.

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February 3, 2007 at 6:17 pm

Konstruktivist oder Existenzialist? Noch ‘ne Umfrage …

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ZEIT-Umfrage: Konstruktivist oder Existenzialist? via anaximander
Welche Theorie liefert die zutreffendste Beschreibung der Geisteswissenschaften?
Für diese Theorie haben Sie sich entschieden
Systemtheorie : 40%
Hermeneutik : 60%

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January 28, 2007 at 6:50 pm

68iger Popkultur – Z.B. Uschi Obermaier

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Der Film zur Autobiographie einer Frau aus Bayern, die versuchte/auszog, um das Fürchten zu verlernen. Die politischen Implikationen (Stadtguerrillia und Antisemitismus) zu Teilen der K1 hat Wolfgang Kraushaar in seinem Buch “Die Bombe im Gemeindehaus” ausführlich beschrieben.

In dem Film geht es mehr um die mediale (Selbst-) Inszenierung eines Frauenbildes. Kontrastiert man die Figur der Frau Obermaier beispielsweise mit den Figuren von Conny Froboes und Beate Klarsfeld, dann ist Raum für Überlegungen zu Differenz, Kritik und Selbstbestimmungskultur von Frauen in den 60igern. Akzeptanz und Brüche in der Wahrnehmungskultur der Frauen geben weitere Aufschlüsse über eine Epoche, die mit dem herkömmlich universitären 68er-Diskurs unzulänglich beschrieben sind.

Sex-Symbol der 70er
Uschi Obermaier erzählt ihr “wildes Leben”

Filmfoto
Uschi Obermeier (Natalie Avelon) bei Rainer Langhans (Matthias Schweighöfer) in der Kommune 1 © 2006 Warner Bros. Ent
Sie gilt als die erotische Galionsfigur der Gegenkultur: Uschi Obermaier war eine Pop-Ikone der späten 60er und 70er, Fotomodell, Sex-Symbol, Groupie und Geliebte. “Für diese Frau würde ich jede Revolution verraten”, behauptete Rainer Langhans einmal, an dessen Seite sie für die Kommune 1 posierte. Den Revoluzzern kehrte Uschi Obermaier bald den Rücken und wandte sich Männern wie Jimi Hendrix, Mick Jagger und Keith Richards zu. In ihrer Autobiographie, die auch verfilmt wurde, erzählt sie ihr “wildes Leben”.

Schauspieler Alexander Scheer besucht Uschi Obermaier in Kalifornien. Im Film spielt er Keith Richards und will wissen, wie “Das wilde Leben” so war mit Keith und Mick und all den anderen. “Das hat sehr viel Spaß gemacht”, erzählt Uschi Obermaier. “Leider kann ich mich nicht mehr an allzu viel erinnern. Ich weiß nur, ich habe mich unheimlich gut gefühlt. Aber wirklich erinnern kann ich mich nicht. Na ja, an die wichtigsten Dinge natürlich schon.” Dazu gehören für Uschi Obermaier immer noch die Rolling Stones – Mick Jagger, Keith Richards, beide wollten sie haben.

Ein Spielfilm, die Autobiographie und viele Journalisten
U . O.
Uschi Obermaier ist heute 60 Jahre alt. Ihr wirklich wildes Leben liegt ein paar Jahre zurück. Doch das Interesse an ihr war lange nicht mehr so groß wie jetzt: der Spielfilm, die Autobiographie, Journalisten, die fragen und fragen nach den alten mythischen Zeiten. Uschi Obermeier erinnert sich: “Das fand ich so toll. Da wollte der – wie hieß der ? – Alice Cooper mich kennen lernen, aber das war nicht mein Fall. Aber das finde ich so toll: Ich damals im Nachtclub mit Laufmasche. Ich war schon immer so.”

Das gefiel dem Bürgerschreck Rainer Langhans, und auch dass Uschi Obermaier perfekte Joints drehen konnte. Ende der 60er Jahre waren die Mitglieder der Kommune 1 in Berlin, Fritz Teufel, Dieter Kunzelmann und Rainer Langhans, die Popstars der APO. Sie trieben Politik mit dem Privaten, provozierten das Establishment sogar noch im Gerichtssaal.

K1,an der Wand
Uschi Obermaier war nur ein paar Monate dabei. Der Film “Das wilde Leben” versucht, die Stimmung dieser Zeit einzufangen, ohne sich allzu genau an die Fakten zu halten. “Es wurden Begebnisse zusammengezogen”, sagt Uschi Obermeier, “zum Beispiel in der Kommune 1 – als die alle nackt vor der Wand stehen – das war noch vor meiner Zeit, aber so lange das stimmt von der Essenz her, habe ich überhaupt keine Probleme damit.”

In der Kommune 1 zum Star
Die Kommune 1 machte Uschi Obermaier zum Star. Langhans wurde ihr Manager und schlug Rekordgagen für Aktbilder heraus. “Da musste man mir nicht den Arm erst umdrehen”, meint Uschi Obermeier. “Ich war gleich immer total bereit, weil ich halt eben fand, das schaut gut aus, und so lange es gut ausschaut, ist es OK. Das, was ich nicht wollte, das habe ich nicht gemacht. Wenn da ein schöner Tag war, und die sagten, wir gehen an die Isar, da wollte ich lieber an die Isar gehen, als den Job und dadurch, dass ich nicht so geldgierig war und Jobs abgelehnt habe, haben die gedacht, was ist denn mit der, die muss etwas Besonderes sein.”

Eine Kiezgröße legt ihr die Welt zu Füßen
die 80iger
Seit Jahren lebt Uschi Obermaier bereits in den USA. Irgendwann hatte sie genug von Langhans und dem Gruppenzwang in den Wohngemeinschaften. Sie wollte raus und traf jemanden, der ihr dabei half. Ausgerechnet ein Rocker, eine Hamburger Kiezgröße legte ihr die Welt zu Füßen: Dieter Bockhorn. “Ich bin überhaupt nicht angstfrei”, meint Uschi Obermeier. “Ich hab’ Schiss. Es ist nur die Frage, was macht man damit? Es gibt das Märchen ‘Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen’. Ich bin eher ausgezogen, das Fürchten zu verlernen und das war auch gut mit Bockhorn, der hat mir gezeigt, dass man alle Sachen, vor denen man Angst hat, genau anschaut und seziert. Dann verliert man seine Angst und das stimmt. Das war eine ganz große Hilfe.” Zehn Jahre fuhren Uschi Obermaier und Bockhorn im Bus durch die Welt. Die Welt hatte mehr zu bieten als Rainer Langhans Harem. Uschi ließ sich fotografieren als Beduinin, in afghanischer oder pakistanischer Tracht. Den Bus hat sie für den Film über ihr Leben zur Verfügung gestellt.
Bei den Dreharbeiten in Indien lebt am Set der Spirit der 70er wieder auf. David Scheller spielt Bockhorn, der Silvester 1983 bei einem Motorradunfall starb. Damals endete Uschi Obermaiers wildes Leben, das jetzt Stoff für einen Film ist. Das Casting für ihre Rolle zog sich über zwei Jahre. Natalia Avelon wurde aus 500 Schauspielerinnen ausgewählt. Im Duett mit dem finnischen Rocker Ville Valo singt sie den 60er-Jahre-Hit “Summer Wine”. “Im ersten Moment, als ich sie gesehen habe, dachte ich ‘I can see it!'”, meint Uschi Obermaier. “Da haben natürlich meine Freundinnen gelästert und gesagt‚ die hat aber nicht das oder das. Aber dafür ist sie Schauspielerin und sie hat mich anscheinend auch studiert.” Bei dem kleinen Teil des Films, den sie bisher gesehen habe, findet Uschi Obermaier: “Das macht sie sehr gut, auch die body language”.

Eine Rolle mit Körpereinsatz

Natalia Avelon meint: “Das war keine politische Rolle oder kein tragischer Charakter in dem Sinne. Die Rolle ist wirklich eine leichte Rolle, die sehr, sehr körperlich ist, sehr viel mit körperlicher Ausstrahlung, mit Sexualität zu tun hat.” Ist das wilde Leben am Ende bloß das Leichte, das Mühelose? Uschi Obermaier scheint sich nie verändert zu haben. Sie ist eine Ikone, weil sie dazu gemacht wurde, Objekt sexueller Träume. Sie ist immer bloß natürlich gewesen, sie selbst. Spaß wollte sie haben, frei von allen Zwängen sein, damals wie heute. Ob das als Spannungsbogen für einen Spielfilm reicht, muss sich zeigen.
12.01.2007 / Ralf Rättig (Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr) / hs

references:

Olaf Kraemer, Uschi Obermaier:
High Times. Mein wildes Leben
Heyne 2007, 14 €
ISBN-13: 978-3453130104

Das wilde Leben
Deutschland 2007
Regie: Achim Bornhak
Darsteller: Natalia Avelon, Matthias Schweighöfer, David Scheller, Alexander Scheer, u.a.
Kinostarts:D: 01.02.2007

Rote Sonne
Deutschland 1970
Regie: Rudolf Thomé
Darsteller: Uschi Obermeier, Marquard Bohm, u.a.
Als DVD erschienen bei Galileo Medien AG 2005

Am Tag als Bobby Ewing starb“: Ein melancholisch-schmunzelnder Blick auf das Deutschland der 80er Jahre
Container-Kommune: Rainer Langhans zwischen Mao und Zlatko

12.01.2007 / Ralf Rättig (Kulturzeit) / hs

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January 13, 2007 at 9:55 am

Jahreswechsel

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December 31, 2006 at 4:52 pm

Posted in Egoshice, Leichte Kost

Weihnachtskrimi

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Die Bestseller-Autorin Ingrid Noll schreibt für WELT.de eine Weihnachtserzählung. Eine Putzfrau beschenkt sich selbst – allerdings in der Luxussuite eines Schlosshotels, das sie eigentlich nur sauber halten soll.

Der Tod kommt an Heiligabend

Von Ingrid Noll

Viele Hotels haben über die Weihnachtsfeiertage geschlossen, meines nicht – im Gegenteil, wir sind stets bis zur letzten Mansarde ausgebucht. Die überdurchschnittliche Belegung liegt wohl an unserem speziellen Programm, das besonders kinderlose Paare anspricht. Schon an den Adventssonntagen wird eine Kutsch- oder Schlittenfahrt angeboten. Jeden Nachmittag gibt es Spekulatius und Glühwein am Kaminfeuer, und das Schlemmermenu am Heiligen Abend zieht sich über Stunden hin. An den folgenden Feiertagen sind kulturelle Veranstaltungen wie Kirchenkonzerte oder Ballettaufführungen angesagt. Unsere Gäste trinken relativ viel und sind dankbar, dass sie dem Trubel oder auch der Besinnlichkeit am Heimatort entfliehen konnten und weder einen Baum schmücken, noch eine Gans braten oder gar ihre eigenen Besucher bewirten müssen.

Ich spreche zwar immer von meinem Hotel, aber natürlich gehört das Schlosshotel nicht mir persönlich; immerhin bin ich in der zweiten Etage für Ordnung und Sauberkeit verantwortlich. Im allgemeinen steigen keine Hungerleider in unserem Fünf-Sterne-Palast ab, und deswegen ärgert es mich, wenn sich gerade die Reichen als ausgesprochene Geizkrägen, ja Diebe erweisen.

Um nur ein Exempel herauszugreifen: Die gefällig in plissiertem Seidenpapier eingewickelten Miniaturseifen à 15 Gramm, die in jedem Badezimmer zur Verfügung stehen, werden in der Hälfte aller Fälle von den Gästen einfach mitgenommen. Schon mehrfach wurde ich von Freunden gefragt, was denn ein Hotel mit angebrochenen, aber wenig benutzten Seifen anfangen soll, aber da gibt es unendlich viele Möglichkeiten. Cordula, die Frau unseres Direktors, traf zum Beispiel ein Abkommen mit einem katholischen Kindergarten, den sowohl meine als auch ihre eigene Tochter besucht. Die Puppenseifen, wie unsere Kinder sie nennen, sind wie geschaffen für schmutzige kleine Pfoten. Meine Sophie ist ganz stolz, wenn sie wieder einmal einen vollen Beutel bei den Erzieherinnen abgeben darf.

Doch wenn es nur die Seifen wären, die unsere Hotelgäste mitgehen lassen, dann würde ich kein Wort darüber verlieren. Jeden Morgen schiebe ich den schweren Reinigungswagen durch die Flure und ersetze Aschenbecher, Kugelschreiber, Flaschenöffner, Hotelbibeln, Kleiderbügel, ja Frotteemäntel oder Badematten. Es gibt sogar clevere Gäste, die alle Fläschchen der Minibar austrinken und mit Wasser auffüllen. Laut Cordula handelt es sich bei dem- in Fachkreisen Schwund genannten – Verlust im Laufe eines Jahres um 5-stellige Beträge, wobei ein Grandhotel wie meines noch besser davonkommt als eines mit nur vier Sternen. Als irgendwann sogar eine große Tagesdecke aus altrosa gestreiftem Chintz verschwand, beschloss ich zurückzuschlagen.

Schon immer interessierten mich die Kosmetika weiblicher Gäste, und ich prüfe alle Produkte mit sachkundiger Bewunderung. Nur wer bloß einen einzigen Tag bleiben will, belässt seinen Kram bisweilen im Beauty Case. Die meisten Frauen packen ihren Kulturbeutel als erstes aus und stellen ihre Döschen, Tuben und Fläschchen dekorativ auf der Glaskonsole ab. Inzwischen habe ich die Preise für sämtliche Markenartikel im Kopf und kann sofort feststellen, in welcher Parfümerie die Damen einkaufen. Es gibt sündhaft teure Tages- und Nachtcremes, die völlig unerschwinglich für mich sind. Der Mehrheit unserer Ladys sieht man es ohnedies nichtan, was für ein Vermögen sie sich ins Gesicht schmieren. Und wie verbraucht sie ohne Intensivpflege aus ihrer Seidenwäsche gucken würden, will ich lieber gar nicht wissen.
In meiner Kitteltasche stecken ein paar Plastikdöschen und ein Teelöffel, mit dem ich beim Aufräumen der Badezimmer winzige Mengen der Wunderelixiere abzweige. Und damit meine Finger keine Spuren hinterlassen, benütze ich, auch aus hygienischen Gründen, ein Glasstäbchen zum nachträglichen Glattstreichen. Klar ist auch, dass ich mich niemals mit fremdem Parfum einsprühe, wie neulich eine dumme kleine Praktikantin.

Auf diese dezente Weise konnte ich nicht nur jahrelang meinen täglichen Bedarf decken, sondern auch einen kleinen Vorrat für Urlaubstage anlegen. Ich hatte noch nie ein schlechtes Gewissen und Angst vor Erwischtwerden, denn welcher Frau wird es gleich auffallen, wenn eine derart geringe Portion fehlt?

Gegen reiche Frauen, wenn sie für ihr Spitzengehalt hart arbeiten müssen, habe ich nichts. Auch die zahlreichen Geliebten, die sich zur Kongresszeit mit ihrem verheirateten Lover hier einquartieren, verdienen eher mein Mitgefühl. Wenn ich attraktive junge Frauen an der Seite eines alten Fettsacks sehe, denke ich mir, sie bekommen ihren Luxus nicht geschenkt. Meine Aggressionen richten sich gegen die Prinzessinnen, die Erbinnen, denen ohne jegliche Gegenleistung ein Vermögen zugefallen ist. Bei ihnen bediene ich mich häufiger als bei den anderen. Soll mir keiner nachsagen, ich machte keinen Unterschied.

Seit Ewigkeiten residierte Mary Schönwald jeweils vier Wochen im Sommer und im Winter im Schlosshotel. Bis zu ihrem sechzigsten Lebensjahr soll sie ihre jeweiligen Verlobten oder Geliebten mitgebracht haben, zu meiner Zeit kam sie ohne Begleitung. Sie gehörte zu jenen Auserwählten, deren Cremetöpfe ich fast täglich plünderte. Mary war so reich, dass sie ihre Perlenkette oft achtlos herumliegen ließ und nicht in den Safe zurücklegte. Für mich wäre es ein Leichtes gewesen, ihre Kette oder einen Ring unter dem Bett hervorzuangeln und einzustecken. Aber ich wollte auf keinen Fall dem Ruf meines Hotels und seiner Besitzer schaden.

Abends schaue ich in den Zimmern nur schnell nach dem Rechten, decke die Betten auf und lege ein Zellophantütchen mit Champagnertrüffeln aufs Kopfkissen. Falls es nötig ist, wechsle ich auch die Handtücher. Eigentlich wollte ich gerade am Heiligen Abend möglichst früh zu Hause sein, weil meine Mutter und meine Tochter mit der Bescherung auf mich warteten. Andererseits war ich mir sicher, dass mich jetzt kein Hotelgast überraschen konnte, denn sie saßen alle beim 6-gängigen Festmahl. Auch meine beiden Kolleginnen vom Spätdienst hatten sich bereits verabschiedet, und ich war ganz allein auf meiner Etage.

Wie so oft herrschte Chaos in Marys Suite, denn sie hatte sich wohl erst in letzter Minute umgezogen. Zu ihren Gunsten muss ich sagen, dass sie zwar nicht zu den Trophäenjägern und Langfingern gehörte, dafür aber legte sie ihre angebissenen Äpfel stets in das Obstkörbchen zurück, was mich ebenso zur Weißglut brachte. Und so war es auch diesmal. Als ich den Granny Smith entsorgt, ihren Pelzmantel und die Klamotten wieder auf die Bügel gehängt und die Schuhe in den Schrank gestellt hatte, beschloss ich, diesmal etwas tiefer in ihre Salbentöpfe zu langen. Was sprach dagegen, mich gleich an Ort und Stelle für das Weihnachtsfest hübsch zu machen?

Ganz professionell begann ich das Abschminken mit Reinigungsmilch und adstringierender Lotion, massierte dann eine orientalische Wundercreme ein und trug ein schimmerndes Fluid mit Marys Naturschwämmchen auf. Ich hatte meine Kittelschürze abgelegt, um sie nicht mit Make-up zu beschmieren, und war noch längst nicht mit Rouge und Wimperntusche fertig, als ich einen feinen, schabenden Ton im angrenzenden Schlafzimmer hörte, der mir das Blut in den Adern gerinnen ließ. Mary konnte es kaum sein, da sie bei festlichen Gelegenheiten die Letzte war, die es ins Bett zog. Lautlos zog ich die angelehnte Badezimmertür einen Spalt weit auf und sah im Toilettenspiegel zwei gelbe Gummihandschuhe, die sich am Safe zu schaffen machten.

Mir wurde speiübel vor Angst, denn ich war mir ziemlich sicher, dass ich die Eingangstür abgeschlossen hatte. Nur ein Profi konnte so geräuschlos eindringen. Würde er mich entdecken und als unwillkommene Zeugin auf der Stelle beseitigen?

Ohne den erbarmungswürdigen Laut von mir zu geben, der mir in der Kehle steckte, kroch ich unter das Waschbecken und stellte mich tot. In diesem Moment wurde mir bewusst, dass meine Schürze an der Außenseite der Türklinke hing und mich verraten würde. Mein armes Kind! dachte ich, gerade am Heiligen Abend wird es zur Waise werden!

Plötzlich hörte ich eine mir bekannte Stimme Schlamperei sagen. Die gelbe Gummihand grabschte nach meiner Schürze und fegte sie vom Griff herunter. Fast gleichzeitig wurde die Tür aufgerissen, meine Chefin stand auf der Schwelle und sah mich auf dem Boden kauern.

„Was machst du denn da?“ fragte sie. Geistesgegenwärtig behauptete ich, nach einer Haarnadel zu suchen, die mir gerade heruntergefallen sei.

Cordula und ich kennen uns noch von der Hotelfachschule her. Damals wurden wir fast gleichzeitig schwanger und mussten unsere Ausbildung abbrechen; sie hatte allerdings bessere Karten als ich, weil sie sich den Juniorchef unseres Hotels angelacht und zum Vater ihrer Tochter gemacht hatte. Mein damaliger Freund war ein Japaner, der sich leider jeglicher Verantwortung entzog und auf Nimmerwiedersehen in seine Heimat entschwand. Unsere zeitgleiche Schwanger- und Mutterschaft ließ uns schnell zu Freundinnen werden; ich verdanke Cordula den Job im Hotel und die Aussicht auf eine besser bezahlte Stelle als Leiterin des Etagenservices.

Noch nie hat sich die schlaue Cordula täuschen lassen. Ihre flinken Augen wanderten zu den offen stehenden Cremetöpfen, der Puderdose und dem feinen Haarpinsel, der eine dunkle Spur Mascara auf der marmornen Ablage hinterlassen hatte. Dann sah sie mir voll ins Gesicht und erkannte sofort, wie gekonnt ich meine Kreativität dort eingesetzt hatte.

Wortlos reichte sie mir meine Schürze, in der es peinlicherweise klapperte.

„Was haben wir denn da?“ fragte sie, griff in die Tasche und zog die gut gefüllten Döschen und den Teelöffel heraus. Ich antwortete ihr nicht, sondern setzte ein dümmliches Grinsen auf. Meine Beförderung konnte ich ein für allemal vergessen, wahrscheinlich endete mein Vergehen sogar mit einem Rausschmiss.

Ein paar Sekunden lang musterte Cordula mich nachdenklich.

„Woher konntest du so schnell wissen, dass sie erst vor wenigen Minuten gestorben ist?“ fragte sie.

Tot? Wer? Ich verstand gar nichts. Dann erfuhr ich, dass Mary Schönwald bereits bei der Gänseleberpastete kreidebleich zusammengesackt war. Man half ihr unauffällig wieder auf die Beine, bettete sie im Büro auf ein Sofa und ließ sofort den Notarzt kommen, der ihr aber nicht mehr helfen konnte.

„Mein Gott, sie hat noch die Rechnung vom Sommer offen!“ klagte Cordula, „wer weiß schon, wann die Erben ermittelt sind und sich zum Bezahlen bequemen! Wahrscheinlich hast auch du bis jetzt kein Trinkgeld erhalten.“
Das stimmte. Gemeinsam räumten wir nun das Sicherheitsfach aus, denn die geistesgegenwärtige Cordula hatte Marys Handtasche mit Zimmer- und Safeschlüssel sofort an sich genommen. Die Beute legten wir auf die Bettdecke und freuten uns wie kleine Mädchen am Funkeln und Glitzern.

„Die gesamten Kronjuwelen kann man nicht gut einsacken“, meinte Cordula, „die Steine sind leider allzu exklusiv. Am besten nimmt man reines Gold, das lässt sich überall an den Mann bringen.“

Ich war unendlich erleichtert und begann flink, die Schönheitsmittel aufzuräumen.

„Lass mal sehen“, sagte Cordula, „womit hat sich die Alte denn ihre Furchen zugekleistert? Myrrhe-Lotion? Weihrauch-Creme? Das ist ja wie bei den Heiligen Drei Königen, nur das Gold hat noch gefehlt.“

Jetzt nicht mehr. Schwer beladen ging ich am späten Abend nach Hause und leuchtete dort mit dem Tannenbaum um die Wette.

Artikel erschienen am 22.12.2006

WELT.de 1995 – 2006

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December 24, 2006 at 10:49 pm

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