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Archive for the ‘Methoden’ Category

Scholastik und WiWi °

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Die Katholische Theologie des Mittelaters ist die Mutter der Geisteswissenschaften, das wird nicht gerne gehört,aber es ist so. Stefan Blankertz hat mich in der letzten Zeit  immer wieder mit der Nase auf den Kern dieser Tatsache gestossen. Letztes Jahr im August ist mir die Errettung der Scholastik des Institut für Wertewirtschaft aufgefallen, Gregor Hochleiter kümmerte sich um die Wertlehre der Spätscholastik. Um was geht es bei der Scholastik allgemein methodisch betrachtet?

Scholastik, abgeleitet vom lateinischen Adjektiv scholasticus („schulisch“, „zum Studium gehörig“), ist die wissenschaftliche Denkweise und Methode der Beweisführung, die in der lateinischsprachigen Gelehrtenwelt des Mittelalters entwickelt wurde.

Bei dieser Methode handelt es sich um ein von den logischen Schriften des Aristoteles ausgehendes Verfahren zur Klärung wissenschaftlicher Fragen mittels theoretischer Erwägungen. Dabei wird eine Behauptung untersucht, indem zuerst die für und die gegen sie sprechenden Argumente nacheinander dargelegt werden und dann eine Entscheidung über ihre Richtigkeit getroffen und begründet wird. Behauptungen werden widerlegt, indem sie entweder als unlogisch oder als Ergebnis einer begrifflichen Unklarheit erwiesen werden oder indem gezeigt wird, dass sie mit evidenten oder bereits bewiesenen Tatsachen unvereinbar sind.

Der heute bekannteste Teil der scholastischen Literatur handelt von theologischen Fragen. Die Scholastik war jedoch keineswegs auf theologische Themen und Ziele begrenzt, sondern umfasste die Gesamtheit des Wissenschaftsbetriebs. Die scholastische Methode wurde als die wissenschaftliche Vorgehensweise schlechthin betrachtet.

Als wirtschaftsliberale Urgesteine gelten gemeinhin die Theoretiker Smith,Ricardo, Say etc..  und einer ihrer geharnischten Kritiker war Karl Marx. Die wirtschaftsliberalen Urgesteine oder Klassiker konnten ihrerseits auf ökonomische Vorarbeiten der Spätscholastik zurückgreifen. Thomas E. Woods Jr  eröffnet in seinem ef-Artikel “Kirche und Wirtschaft: Der freie Markt und der katholische Glaube” im Rahmen der Papstdebatte diesen scholastischen Denkraum ökonomischer Überlegungen der Magister des Mittelalters, das forthin nicht mehr so dunkel scheinen möge, wie allgemein angenommen – sein Buch „Sternstunden statt dunkles Mittelalter“ hat nun einen Platz auf meine Leseliste. So wird die retrospektive Kette auch des ökonomischen Denkens immer länger und ich komme dem liberalen Denken wissenschaftsgeschichtlich eine beachtliche Wegstrecke näher.

PS: Wer grundsätzlich Lust zum philosohieren verspürt,kann sich aktuell bei Zettel zum lesen und disputieren einfinden.

° = Wirtschaftswissenschaft

references:

Leben im Mittelalter
Wurzeln des Liberalismus

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Psychiatrie,Antipsychiatrie und die radikale Linke

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marxengelsIn den Hoch-Zeiten linksradikaler Bewegungen wurde fast alles zum kritikablen Gegenstand: Die Familie,die Ehe,überhaupt Institutionen wurden vor allem als Ausprägungen des Kapitalverhältnisses unter Staatsherrschaft beschrieben und in der Regel zum Teufel gewünscht – in Utopia würden sich die ganzen Probleme und Konflikte schon lösen lassen,das Paradies des Kommunismus wurde als erhabene Gesamtlösung herbei phantasiert und einige Kilometer an Schrifttum wurden in diesem Sinne auch produziert.

haldolAnno 2008 kümmern sich einige Protagonisten der neuen Linken wiederum um die Institution der Psychiatrie,sie ist nun – knapp 9 Jahre nach dem Foucault Tribunal 1999 in Berlin – wieder an der Reihe. Ob die heutigen Erzähler etwas vom Fach der Psychiatrie verstehen,kann ich noch nicht beurteilen,denn der vorgenommene Gegenstand wird anhand linker Bewegungsrealitäten aufgedröselt. Solitäres Konkretum ist die Antipsychiatriebewegung der 70iger und 80igerJahre,als Projekte in Deutschland werden das Sozialistische Patientenkollektiv aus Heideberg – ein ekelhafter Antiimp-Haufen – und die IrrenOffensive aus Berlin – ein aus dem Autonomenkonzept entwickelter Betroffenenkreis – theoriegeschichtlich und konzeptionell aufgearbeitet. Waiting gibt mit dem Beitrag: Theorie gegen den Psycho-Knast schon einen ersten Blick auf die Stossrichtung der Kritik frei.

In diesem Beitrag habe ich einige allgemeinere Infos zum Themenkreis Psychiatrie schlaglichtartig aus meinen Blogs zusammen geführt. Praktische Hilfen für irre Menschen in Krisen bieten im Rahmen der Antipsychiatrie die “Villa Stöckle” (das Weglaufhaus) in Berlin und in Saarbrücken ein antipsychiatrisches Tageszentrum, das vor zwei Jahren seine Pforten geöffnet hat. Ohne Staatsknete funktionieren übrigens beide Projekte nicht,sie sind eine sehr schmale Ergänzung des eher standardisierten psychosozialen Angebots der als wissenschaftliche Disziplin bereits abgewickelten Sozialpsychiatrie,resp. zur heutigen Gemeindepsychiatrie.

Auf der HP der Kinzig 9 wird die Veranstaltung wie folgt vorgestellt:

12.März 20:00 Größenwahn
Einführung in die Antipsychiatrische Theorie

Die ursprünglich aus der Linken und radikalen Linken formulierte Kritik an
der am Rand der Gesellschaft operierenden Institution Psychiatrie ist mit
dem Beginn der Psychiatriereformation in den 70er Jahren zum erliegen
gekommen. Eine Zusammenarbeit mit der radikalen Linken ist seitdem in der
Neuen Antipsychiatrischen Bewegung nicht mehr erfolgt und auch nicht mehr
bewusst angesteuert worden. Die Neue Antipsychiatrische Bewegung besteht
aus Psychiatriebetroffenen und nicht mehr aus ProfessorenInnen oder
PsychiaterInnen. Bei Selbstzufriedenheit, Defensivkämpfen und
einzelnen Erfolgen ist die Antipsychiatrische Bewegung zum Stillstand
gekommen. Wie bei einigen anderen der aus der Außerparlamentarischen
Opposition hervorgegangenen, partikular arbeitenden Gruppen wurde
auch in der Antipsychiatrischen Bewegung vergessen, sich in Bezug zu
Kapitalismusanalyse zu setzen. Scheinbar befreit vom Kontext wird vor sich
hin gewerkelt.
Im Vortrag sollen die Theorien der Antipsychiatrie einführend vorgestellt
werden. Wichtige Theoretiker, wie Cooper, Laing, Basaglia und Szasz werden
mit ihren Theorien besprochen und der der Psychiatrie innewohnende Bezug
zum Kapitalismus aufgedeckt. Aktuelle Antipsychiatrische Institutionen und
Bewegungen werden erwähnt. Ziel soll das Aufzeigen von
Anknüpfungspunkten der Antipsychiatrie zur radikalen Linken sein.
Der Referent David Wichera arbeitet seit 2 1/2 Jahren im Weglaufhaus „Villa
Stöckle“, der einzigen antipsychiatrischen Einrichtung in Deutschland. Er
ist dort im selbstverwalteten Team als studentisch Beschäftigter tätig mit
besonderem Schwerpunkt auf Öffentlichkeitsarbeit.

Ob die aktuellen Streitdiskussionen des Psychiaters Volkmar Aderhold aus Greifswald über die Unsinnigkeit/Schädlichkeit von Psychopharmakotherapie innerhalb der Psychiatrie von den Linken aufgreifbar sein werden? Auf die Idee,dass psychiatrische Einrichtungen auch überlebenswichtige Hilfen anbieten,wird dort wohl niemand kommen. Stattdessen wird ein Opfermythos “Psychiatriepatient” bedient,der in der Forderung auf ein Recht auf irre-Sein mündet. Auf diesen Anspruch hat die Psychiaterin Isabella Heuser aus Berlin mit einem zackigen Statement gekontert: “Ein Recht auf Psychose wäre wie ein Recht auf Krebs!

Wer den linken Diskurs über die Psychiatrie/Antipsychiatrie live verfolgen möchte,kann sich am Mi 12. März in Berlin in der K9 ein Bild machen. Weitere Termine: 5. märz bei MAD in köln, 6. märz in freiburg, kts, 7.märz in frankfurt am main, theoriepraxislokal im IVI, 19.30uhr.

references:

  1. Kontinuitäten der (Zwangs-)Psychiatrie, von Alice Halmi 2008
  2. Zwangsregime:Psychiatrie,geschlossene Anstalt,Forensik
  3. Neue Antipsychiatrie vs. Alte Antipsychiatrie.
  4. schokolade sieht die ganze sache nicht so pessimistisch
  5. Dissi war in der K9: einführung in die antipsychiatrie psychose neuer LINK
  6. Scheckkartenpunk
  7. Weglaufhaus Saar – Praktikumsbericht Villa Stöckle

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March 6, 2008 at 9:07 pm

Deutsche Wissenschaftsgeschichte

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December 4, 2007 at 11:35 pm

Horst-Eberhard Richter, …

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einer der massgeblichen Stichwortgeber der modernen, psychoanalytischen Familientherapie seit den 60iger Jahren in D-Land,meldet sich auch aus dem Ruhestand immer wieder zu Wort. Ich habe Horst-Eberhard Richter zuletzt vor ein paar Jahren auf einem ATTAC-Kongress in Berlin wieder getroffen, er wollte wohl diese neue soziale Bewegung in seinem Sinn unterstützen. Für mich war es eine Reminiszenz an die 80iger. Als einen gestandenen Individualisten in der linken Friedensbewegung habe ich ihn eigentlich immer wahrgenommen, seine Kriegsberichte hatten aber immer etwas von “nicht anders können- Mechanik” und unterschieden sich kaum von den Betrachtungen aus der Masse der NS-Tätergeneration. Nun hat sich nichtidentisches ein taz-Interview mit dem Psychoanalytiker vorgenommen,es geht um die Reinszenierung eines um die 20 Jahre alten Soldaten in der NS-Wehrmacht und seine heutigen rhetorischen Mittel, den Soldatenstatus garnicht mehr individualistisch sondern friedensbewegt-antiwestlich zu stilisieren: Horst-Eberhard Richter zwischen Mord und Krieg… Flakhelfer des Islamofaschismus.

PS: Und Wolfgang Benz von der TU-B kommt auch immer beschissener drauf. Na ja, die Emeritierung lässt ja auch nicht mehr lange auf sich warten – “Wolfgang Benz und die deutsche Wissenschaft”

references:
“Das geht ziemlich tief rein”

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November 9, 2007 at 3:45 pm

Politische Nautik

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kompassDie Beschreibung von politischen Identitäten ist ein kompliziertes Unterfangen, objektive Zuschreibungen sind kaum möglich, Versuche der Verständigung gibt es aber immer wieder.

Paul von nbfs greift die Diskussion über die Begriffsbestimmungen von links/rechts-Positionen auf und entwickelt verständliche Daten zur aktuellen Zuordnung:

Ausgehend von wikipedia arbeitet er sich zu folgenden Typologien vor:

Zukunft – Vergangenheit
Fortschritt – Tradition
Atheismus – Religion

Kollektiv – Individuum
Solidarität – Konkurrenz
Kooperation – Konflikt
Pazifismus – Militarismus

Sehr ausführlich hat sich auch Ex-Blond auf die typologische Reise begeben, und Ergebnis ist eine tabellarische Aufstellung, was Ex-Blond mit links oder rechts frei assoziiert: Links und Rechts.

Zum “Adorno-Hype” der letzten Jahre

aukso4Ingo Way hat sich noch einmal die Kritische Theorie vorgenommen. Im Juli 2006 veranstaltete er zusammen mit Sylke Tempel und Michael Holmes im Berliner Haus der Demokratie eine Podiumsdiskussion “Zur Kritik der Kritischen Theorie”. Das Vortragsmanuskript von Michael Holmes ist nun herausgegeben von der Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg im Druck erschienen und Ingo hat es auf seinem Blog dokumentiert: Zur Kritik der Kritischen Theorie

Vor ein paar Jahren sass ich in der FU-Berlin in einer gut besuchten Veranstaltung vom Sozialreferat. Dort hat der promovierte Philosoph Peter Decker von der MG Adornos Ansätze aus der Dialektik der Aufklärung als “moderne Fortsetzung der Religion” völlig in die Tonne getreten – Horkheimers Anteile wurden bei der Analyse aber nicht extra herausgearbeitet, es ging ja um die Analyse des Standardwerkes der Kritischen-Theorie. Aufklärung könnte der Zitatezettel zur Veranstaltung liefern, an diesem hat Peter Decker seine Argumentation akribisch abgewicklet. Die Veranstaltung mit vielen Diskussionsbeiträgen kann hier abgehört werden. Kurzformel: Hegel sticht Kritische Theorie.

references:
Der große Kompass

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October 20, 2007 at 8:30 am

Dissertation von Max Bense Online

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Anaximander beweist immer wieder die Spürnase eines Trüffelschweins im Netz: Weil sie in den Bibliotheken kaum zu finden ist, ist die Dissertation von Max Bense “Quantenmechanik und Daseinsrelativität” von 1938 jetzt online als .pdf herunterzuladen. via Johannes Auer

Kategorien der Globalisierungskritik – Leggewie

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Was versteht man unter Globalisierung, und welche Auswirkungen hat sie? Wie lässt sich Globalisierung politisch gestalten?
Das vermeintliche Schreckenswort ist seit geraumer Zeit in aller Munde und taucht fast unvermeidlich in jeder öffentlichen Äußerung auf. Wo immer man über Globalisierung debattiert, wird sie im Spannungsfeld von Hoffnung und Angst, Euphorie und Verteufelung, Utopie und Ideologie thematisiert. Die Häufigkeit der Auseinandersetzung mit ihr steht aber in keinem Verhältnis zum Niveau dieser Verständigungsversuche: Viel Lärm um nichts?
Der Sammelband ‘Globalisierungswelten‘, der von Marcus S. Kleiner und Hermann Strasser 2003 herausgegeben wurde, will Positionen klären, durch einige Unwegsamkeiten der Debatte um die kulturelle Globalisierung führen sowie ihre Mehrdimensionalität und Mehrdeutigkeit herausarbeiten. ‘Globalisierungswelten’ unternimmt den Versuch, Antworten auf die zentralen Fragen zu geben, was Globalisierung ist, welche Chancen und Risiken sie birgt, welche Deutungen und Kritik das Phänomen der Globalisierung bisher erfahren hat, und vor allem die kulturellen Folgen der Globalisierung aufzuzeigen. Führt die Vision vom ‘global village’ zu einer Nivellierung kultureller und ethnischer Unterschiede oder zu einem Diktat der Toleranz der Unterschiede in der multikulturellen Weltgesellschaft? ‘Globalisierungswelten’ kann und will dem Leser keinen Ariadnefaden an die Hand geben, der sie aus dem Labyrinth der Debatte um die Globalisierung und ihrer Folgen herausführt. Sie beabsichtigt vielmehr, möglichst vielfältige Einblicke in dieses aktuelle Thema zu eröffnen.
Autoren des Bandes sind: Anthony Giddens, Pierre Bourdieu, George Ritzer, Claus Leggewie, Nico Stehr, Franz Nuscheler, Winfried Fluck, Bernd Wagner, Joana Breidenbach, Ulf Poschardt, Loic Waequant, Gerd Nollmann, Hermann Strasser, Marcus S. Kleiner und Marvin Chlada.

Der Politikwissenschaftler Claus Leggewie unterscheidet fünf Kategorien der Globalisierungskritik bzw. Globalisierungsgegnerschaft. via bpb

Erstens die meist linke Kritik der Straße, die unter dem Motto “Eine neue Welt ist möglich” ein anderes Gesellschaftssystem entwickeln möchte. Hier finden sich neben Umweltschützern, Frauenrechtlern und Pazifisten am Rand auch gewaltbereite Gruppierungen wieder.

Zweitens machen Insider-Kritiker wie der ehemalige Vizepräsident der Weltbank Joseph Stiglitz auf die “Defekte” der Globalisierung aufmerksam und versuchen soziale Reformen in den Globalisierungsprozess einzubinden.

Drittens gibt es die akademische Linke, die vor allem gegen die “kulturelle Hegemonie des Neoliberalismus” kämpft.

Viertens knüpft eine religiöse Bewegung an die sozialreformerische Tradition der Kirchen an.

Und fünftens gibt es eine rechtsextreme und nationalistische Strömung, die vor allem für einen starken Nationalstaat sowie die Wiedereinführung von Grenzen und Zöllen eintritt.

Prof. Dr. Claus Leggewie

Leggewie_SW.jpg

geb. 1950, ist Professor für Politikwissenschaft an der Universität Gießen. Er lehrte auch an der New York University, der Universität Paris- Nanterre und der Universität Wien. Zuletzt erschien von ihm zusammen mit Erik Meyer „Ein Ort, an den man gerne geht“. Das Holocaust-Mahnmal und die deutsche Geschichtspolitik nach 1945. Claus Leggewie bei suhrkamp

Lesetips:
Rieger/Leibfried:
Grundlagen der Globalisierung. Perspektiven des Wohlfahrtsstaates. (suhrkamp 2001)
Zu Pierre Bourdieu eine Polemik in BAHAMAS #50, “Alptraum von einer Sache” von Justus Wertmüller

Written by admin

June 5, 2007 at 8:04 pm