Raumzeit

et Philolog

Archive for the ‘Orientalismus’ Category

WEF in Davos

with one comment

Mein letzter Besuch in dem wunderschönen Ort ist acht Jahre her. Ich war dort auf Einladung einer schweizer Umweltorganisation,die sich mehr Gehör bei der Hochfinanz und der  etablierten Politik versprach. Ich sollte die ganze Aktion am WEF dann  filmisch einfangen  – es kamen 45 Minuten Rohmaterial, eine kaputte Kamera und meine jaucheverseuchte Wintersportmontur dabei heraus. Die Sicherheitskräfte  identifizierten uns als  feindliche Alliens und der Wasserwerfer mit Kuhpissefüllung verjagte die publicitygeile Meute.

In 2009 geht es hochkarätig zu. Am Donnerstag Abend kam es beim WEF gegen Ende  einer Nahostdebatte mit Shimon Peres  zu einem Eklat, Erdogan verliess wütend das Podium. Der Moderator David Ignatius  habe ihn  in der Redezeit benachteiligt, so der indignierte  Erdogan. Der WEF Gründer Klaus  Schwab konnte die Situation auch nicht mehr retten, Wie es scheint, hat Erdogan mit diesem Auftritt in der Türkei offene Türen eingerannt:  Erdogan “Eroberer von Davos”, der Wortlaut der Streitdebatte zwischen Erdogan und Peres ist hier bei WELT-Obline abgelegt. Offensichtlich benutzen nicht nur durchgeknallte Mullahs aus dem Iran oder ewig gestrige Antiimperialisten den Nahostkonflikt, um sich international in Szene zu setzen. Die Türkei als Beitrittskandidat zur EU inszeniert sich unter Führung der AKP  als eurasischer Vermittlungsstern am Firmament einer islamistischen Front, die von der EU befördert wird, die USA sind da schon realistischer. Und dazu ist der AKP jedes Forum das Richtige. Ob vor gut einem Jahr in der Köln-Arena vor türkischen Migranten oder beim heurigen schweizer WEF. Welche Natter die EU mit der AKP an ihrerm Busen nährt, das darf nicht gedacht werden. Immerhin vertritt die EU als Agenda des Fortschritts in der Türkei die Schwächung des Militärs s , da wird der Islamismus  und  die zunehmende  Zurückdrängung des Säkularismus bereitwillig mit einberechnet. Erdogan mutiert immer mehr zur Figur eines Hugo Chavez in Europa. Öl hat er nicht als Verhandlungsmasse anzubieten, aber Herr über die Energiepipelines für Europa ist er schon.

references:
Erdogan, Ahmadinedschad…und Eko Fresh
Die Frage, Herr Erdogan

Written by admin

January 30, 2009 at 1:04 am

Mumbai,Bombay,Mumbai. Städtenamen.

leave a comment »

Nach den verheerenden Anschlägen in Mumbai, deren antisemitischer Charakter durch die Folterungen und Ermordungen der Bewohner des jüdischen Zentrums unzweifelhaft in das Relief der islamistischen Geschichtsschreibung Asiens gemeisselt wurde, kam durch dieses Massaker auch bei dem letzten Hinterweltler die Umbenennung der Stadt Bombay in Mumbai an – ein zu hoher Preis für Allgemeinbildung,wie mir scheint.

Einige interessante Überlegungen zur “neuen”  Namensgebung der indischen Metropole sind bei Gedankensolo abgelegt. Mumbai ist der vorkoloniale Name dieser Stadt gewesen,wir haben es also mit einer Rückbenennung zu tun, Ich habe zwei Haltungen zur Namensgebung der Stadt aus dem Netz gefischt. Bei Wikipedia.de wird der Sachverhalt so beschrieben:

Der Name der Stadt

Seit Beginn der Kolonialisierung Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Stadt als Bombay bekannt. Der Name Bombay leitet sich von der portugiesischen Bezeichnung „Bom Bahia“ (Gute Bucht) und der späteren Abwandlung „Bombaim“ her.[3] Der Name Mumbai wird angeblich von der örtlichen Bevölkerung schon genauso lange verwendet und der regionalen Hindu-Göttin Mumbadevi zugeschrieben. Am 4. Mai 1995 beschloss die Regierung Maharashtras, dessen Hauptstadt Bombay seit der Gründung des Bundesstaates am 1. Mai 1960 ist, die Umbenennung der Stadt in Mumbai. Die Namensänderung wurde vom indischen Parlament 1997 bestätigt. Inder verschiedener Muttersprachen in Mumbai, die oft ohnehin auf Englisch kommunizieren, verwenden Mumbai und Bombay nebeneinander. Auch öffentliche Einrichtungen wie etwa die Börse, der Gerichtshof und die technische Eliteuniversität IIT tragen weiterhin Bombay in ihrem Namen.[4]

Auf der offiziellen Homepage der Stadt ist heute folgendes Selbstverständnis zur Namensgeschichte Mumbais abgelegt:

The Municipal Corporation of Greater Mumbai

Mumbai has lived up to the reputation for which it was established. It is a city built by the residents of the city. Mumbai is more than a cosmopolitan made of concrete buildings.
Mumbai was given by Portuguese as dowry to Charles II of England when he married Catherine. The group of seven islands was leased to the East India Company who offered freedom of business and religion to persons who came and settled here. Initially a few Parsis and Gujarati came but soon a sizeable population began to thrive here.
This was way back in the 17th century. Today also Mumbai is a city of migrants. People from all over the country have come and settled here. This gives the society of Mumbai a multi-lingual and multi-cultural colour.
In the 18th century Mumbai grew rapidly and it also became one of the leading centers for the activists in the freedom struggle. Britishers played their role by shifting the presidency from Surat to Bombay, the former name of Mumbai. Also, the first railway line on which train moved was laid between Bombay and Thane.
Bombay played a formative role in shaping the freedom struggle. It hosted the first Indian National Congress and was also a venue for the declaration of ‘Quit India’ by Gandhiji. Today Mumbai is the capital of Maharashtra. Bombay was re-named as Mumbai in 1996.
Skyline It is a city which never sleeps, its streets are never empty. The factories and mills of operate day and night to meet the growing demands, their efforts has made Mumbai the commercial capital of India.
The marvelous natural port of Mumbai is fit for handling an ever expanding world trade. The city situated on the edge of Arabian sea has some thing or other to offer to everybody but one has to struggle to achieve that and one who is left behind parishes in the race of life in Mumbai with no one to care for.
For decades the city has attracted migrants who come here to earn bread, many fail and those who survive are absorbed in the pace of Mumbai.

Mir scheint,die Offiziellen in Mumbai haben kein grosses Problem damit,die Kolonialgeschichte ihrer Stadt als historische Faktensammlung hinzunehmen und das Beste daraus zu machen.

Berlin ist ja dankenswerter Weise nicht in Germania umbenannt worden.  Props an die Alliierten der Anti-Hiltler Koalition!!!

Auch die realsozialistischen Seitenhiebe der DDR-SED – sie nannte Berlin ja ganz offiziell “Hauptstsadt der DDR” – ein Namens- und Ortsrecht, das den Westdeutschen von 1947 bis 1990 verwehrt blieb – mit ihrer Hauptstadtnamensgebung führten nicht zu einer Namensdebatte: Berlin blieb Berlin. Ganz anders war die Situation für Strassen- und Plätzenamen im Ostteil der Frontstadt, hier wurde in extremer Weise umbenannt. Die Erinnerungskultur der SED sollte sichtbar aus den Stadtplänen der Nachwendezeit verbannt werden. Berliner  Stadtpläne aus der Zeit der DDR haben seitdem historischen Wert, vergleichbar mit Seekarten aus dem 16. Jahrhundert. Wie es um die Strassennamensgebungen in anderen ex-DDR-Metropolen bestellt ist,weiss ich leider nicht.

Ein deutsches postkoloniales Überbleibsel in der Strassennamensgebung Berlins gibt es allerdings noch. Es reicht thematisch in die Kaiserzeiten Wilhelms zurück. Die Kolonisierungen Deutsch-Südwestafrika (Namibia) und Deutsch-Ostafrika (Tansania) finden sich bis heute in Strassennamen wieder, im “Afrikanischen Viertel” im Wedding ist z.B. eine Strasse nach dem Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz benannt, der die vertraglichen Vorarbeiten (Lüderitzbucht) zur Erschliessung Afrikas (des heutigen Namibias) für die kolonialen Interessen Wilhelms mit leistete – böse Zungen behaupten, er habe dem Häuptling der Nama den Landstrich für ‘nen Appel und ‘nen Ei ( 100 Pfund in Gold und 200 Gewehre ) abgeluchst. Nach ihm ist im Wedding bis heute eine Strasse benannt.

Für den Völkermord an den Hereros hat sich die “Rote Heidi” vor einiger Zeit als Bundesministerin entschuldigt, Knete gibt es aber wegen des Völkerrechts trotzdem keine.

Und morgen kommt der Weihnachtsmann: Alle sollten schön brav die Stiefel herausstellen.

Written by admin

December 5, 2008 at 12:15 pm

Ideologische Grenzgänge

leave a comment »

Damien widmet sich in einer neuen Serie dem linken Dekonstruktivismus: “Freundschaft als Lebensweise”. Wie Schwule, die nicht schwul sein wollen, ihr Heil im Islam suchen (Teil 1). Wer sich für intellektuelle Schleichwege (aus dem Judith Butler Phantasialand) totalitär verwirrter Hochschulabsolventen interessiert,wird Erkenntnisgewinne aus der Lektüre mit nehmen.Möglicherweise ist der Prozess einer Konversion vom Linksradikalismus zum Islamismus virtuell und  in vivo zu begleiten. UPDATE: Teil 2

PS: Der praktische Bezug ist antischwule Gewalt.

Written by admin

October 30, 2008 at 11:39 pm

Iran und der europäische Westen

leave a comment »

Ich weiss, dieser Wahnsinn mit den Mullahs wird schon fast langweilig:

  1. Ende September begeht die weltweite Fangemeinde des iranischen Mullahregimes seit 1979 den Jerusalemtag – in iranfreundlichen Kreisen auch ganz autochthon  als Al-Quds-Tag bekannt. Hauptforderung der Chomeinifreunde ist die Befreiung Jerusalems/des Nahen Osten von Juden und Christen. Auch Berlin bleibt von diesem “Feiertag” nicht verschont, am 27. September marschiert die antisemitische Internationale wieder durch Berlin-Charlottenburg. Das bleibt natürlich nicht ohne Widerspruch, eine Gegenkundgebung ist auf dem Breitscheidtplatz anberaumt.  Ein Bündnis mit  – man höre und staune – der Abgeordneten Evrim Baba von DIE LINKE im Abgeordnetenhaus Berlins.:In dieser Partei scheint es einige Menchen zu geben,die doch noch alle Tassen im Schrank haben.  Aber keine Angst, zu einem massenhaften Ausstand wie in Köln letztes Wochenende wird es in Berlin nicht kommen, der hiesige Antifaschismus hat enge Grenzen. Hier wie im Rest der Republik gedenkt man lieber der schon getöteten 6 Millionen Juden, der nächste Holocaust an Israelis wird dann sicherlich auch irgendwie von den Aufarbeitungsweltmeistern national bearbeitet. Bis dahin kriecht man den Mullahs gerne ganz tief in deren Rektum, wie es der Rest der EU halt auch gerne tut, das gehört zur doppelbödigen Staatsräson wohl dazu: Man ist verantwortlich solidarisch mit Israel und pflegt den kritischen Dialog mit seinen zukünftigen Vernichtern in Teheran. Gaaanz toll!
    27. September 2008 ab 13.00 Uhr auf dem Berliner Breitscheidplatz – AUFRUF

    Am gleichen Tag findet in Greiz eine Nazikundgebung statt. Unter dem Motto “
    Mehr Förderung für unsere Deutschen Kinder“ wird eine Mahnwache der NPD gegenüber der Greizer Asylbewerber -unterkunft  am Fußgängertunnel abgehalten.  Ein Schelm,der etwas böses dabei denkt. Die AFA-Greiz ruft zu Gegenaktivitäten auf.
  2. Bei seiner Rede an der New Yorker Columbia Uni hat der iranische Ministerpräsident kürzlich das Vorhandensein von Homosexuellen im Iran kategorisch abgestritten – und die dekonstruktivistische Gender- und Cultural Studies-Fraktion pflichtet ihm schon seit Jahren in dieser Leugnung bei,weil Homosexualität angeblich ein rein westlicher Export in den angeblich homofreien Rest der Welt darstellt. Ein Quäntchen Wahrheit steckt schon in Achmadinedschads Behauptung: Homos, die sich im Iran als solche outen oder geoutet werden, leben tatsächlich nicht lange, denn sie müssen mit der Todesstrafe am Galgen rechnen. Da muten die Emanzipationsforderungen der westlichen Homos schon fast luxuriös an. Nun hat sich Farhang –  ein homosexueller Blogger aus dem vorgeblich homofreien Teheran gemeldet. Er beschreibt die aktuelle Lage in der islamischen Republik: “We don’t exist!” – An Interview with Farhang, Gay Blogger and Activist from Tehran. (LINKTIPP)
    Warum erinnern mich diese Darstellungen nur immer an die 50/60ger Jahre im piefigen Westen des vorigen Jahrhunderts – kurz nach Rosa Winkel,Totschuften und Gaskammer?  Bis auf Auspeitschen und Hängen von Staatswegen –  in Familien war man damals auch im Westen  nicht so zimperlich mit den abtrünnig orientierten Familienteilen – waren das damals ähnliche gesellschaftliche Wellen der Ignoranz und Feindseligkeit.
    Den ganzen aktuellen Rest könnt ihr dann bei den Kollegen von GayWest nachlesen. Sie haben immer wieder Einwände gegen allzu optimistische Abwiegler, die den Westen – bei zugegegeben Fortschritten –  heute schon als von Homophobie und Diskriminierung freien Raum mit Absolution belegen wollen.
    Darauf ein beherztes “Stößchen” 😉

references:
1973:Als Chomeini den heiligen Krieg gegen Israel ausrief
Matthias Küntzel: Adolf Ahmadinejad vor den UN
Denounce Iran UN Speech
Neue Übersetzungsprobleme ?
Achmadinedschad vor der UNO-Vollversammlung

Written by admin

September 25, 2008 at 12:08 am

kurz notiert

leave a comment »

  1. Fast vergessen: Meine Reisen durch Nordafrika sind ohne diese Künstlerin nicht denkbar. Die Musik von Sapho, damals noch durch den Walkman. Mehr Infos auf ihrer Homepage.
  2. Aufklärung: Was geschah wirklich in Georgien?  Teil  I, II ,
  3. Letztes konservatives Aufgebot: Krawallschachtel Gloria “früher machte ich in Haarspray” und Kardinal “ich war nicht immer Mönch”  Meissner

Written by admin

September 15, 2008 at 8:52 pm

Marokko entsendet Vorbeterinnen

leave a comment »

Neuigkeiten gibt es aus Rabat zu berichten. Al Arabia meldet:

The Moroccan Ministry of Islamic Affairs said it had dispatched nine female preachers to five European countries and Canada as part of a Ramadan campaign to reach out to Moroccan expatriate communities, especially women, in the West. Weiter lesen …

Bevor feministischer oder kulturrelativistischer Enthusiasmus den Vorgang vereinnahmt,möche ich eine kritische Anmerkung dazu machen. Schon in der Headline des Artikels wird der antiwestliche Character der Kampagne aus Rabat unmissverständlich zusammengefasst::

Government hopes to protect them from ‘delinquent’ West

Könnte es sein,dass die marokkanischen Ministeriailen bei Recep Erdogan gelernt haben,wie islamischer Kulturimperialismus in Europa 2008 funktioniert? Der türkische Präsident hat das kürzlich in Köln am Beispiel eines mutmasslich von Xenophoben brandgestifteten Wohnhauses vorgemacht,
Rabat ist vorsichtiger und schickt nicht den König sondern die Botschafterinnen der Religion des Friedens seinen Staatsbürgerinnen auf den Hals. Westlich orientierte Frauen und Familien marokkanischer Herkunft müssen nun mit einigem Gegenwind ihrer Religionsvertreter auf dem Boden der EU und in Canada rechnen.
Ich bin gespannt,wie diese antiemanzipatorische Kampagne von den Politikern im Westen verkauft wird.

Written by admin

September 14, 2008 at 10:29 am

street art tel-aviv 2008

leave a comment »

Daniel ist zur Feier in Israel unterwegs. Mit der Kamera fängt er Motive der Strassenkunst in Tel-Aviv ein und stellt sie auf seinem Blog zur Ansicht. Mein Lieblingsstencil – Golda und Theodor in Feierlaune. Mehr gibt es hier, hier,hier und hier anzuschauen. Senor Daffy hat ebenfalls street-art in Tel Aviv mit der Kamera eingefangen und auf sein Blog gestellt,bitte sehr.

Komisch,die Bewährungshelfer Israels jammern lieber über die Naqba und in Frankfurt am Main wiederholt sich ein radikal linksdeutsches Trauma,berichten nada, verlierer und waity ist ideologiegeschichtlich der “Marburger Schule” von Prof. W. Abendroth auf der Spur. In der parlamentarisch bereits arrivierten Linken brodelt jedoch Gysis israel-Rede weiter,BAK-Shalom zitiert aus der taz vom 13.05.2008: Israel spaltet die Linke – Artikel in der tageszeitung. Die 60 proisraelischen GenossInnen haben keinen einfachen Stand in ihrer Partei,die MdB-Abgeordneten Pau, Gysy und Kipping treten nun offensiv gegen den Antizionismus und Antiimperialismus in das eigene Partei(Minen-)feld. Es bleibt also spannend,wohin diese Debatte genau führen wird,ich bin ja für eine simpel zugespitzte Katharsis: Hizbolllah oder Israel? Keine verlogene Äquidistanz mehr,die eh’ nie stimmte. Die Antiimps in dieser Partei arbeiten schon seit Jahren an ihrem Bündnis mit Hamas,Hizbollah und anderen Djihadisten.

references:
Sag mir, was du rauchst

Written by admin

May 14, 2008 at 2:56 am

Über die Ufer … bloggen für Burma

with one comment

Das philologische Klo ist nun Geschichte,ich werde einstweilen hier meine Beiträge weiter ablegen. Die RAUMZEIT wird demnächst ein neues Gesicht bekommen – ich arbeite daran.

——–

Das Burma-Thema habe ich über die Kollegen von der Swiss-Lupe wieder aufgenommen.

In Burma hat ein verheerender Zyklon rund 1 Mio Menschen zu Odachlosen gemacht, fast 100 000 Tote werden geschätzt und was macht die Militätjunta? Sie belässt die Bevölkerung in ihrem Elend, sie produziert ein paar Propagandafilme für das Fernsehen und blockiert internationale Hilfslieferungen.

Burma Blogger Soli 2008

Die Bilder aus Burma im September des letzten Jahres sind mir noch gut in Erinnerung: Die roten Mönche führten einen Massenaufstand gegen die Junta der Militärdiktatoren in Rangun an, es gab eine breite, internationale Solidarität in der Blogosphäre für die Aufständigen, es wurden aber auch einige Punkte der Kritik an der Aufstandssoli geäussert. Eine wesentliche Einwendung war der Zweifel, ob buddhistische Mönche qua ihrer religiösen Ausrichtung ein verlässlicher Partner für westliche Solidarität sein können, wenn sie ein theokratisches Weltbild propagieren. Diese Problemstellung ist rein theoretischer Natur, denn es gab nur die buddhistischen Mönche und Nonnen,die ihren Widerstand öffentlich auf die Strassen bringen konnten. Andere Oppositionskräfte sind nämlich eingeknastet, exiliert oder bereits von der Militärjunta ermordet worden. Das antiklerikale Argument stützte somit den Status Quo, es war eine Zurücklehnphrase,mehr nicht.

Als Ergebnis der riots wurde die Opposition immerhin so weit gestärkt, dass die Militärjunta mit der unter Hausarrest stehenden Oppositionsführerin öffentlich sprechen musste. International hat sich die Isolierung des Regimes weiter fortgesetzt,denn ausser China,Indien und Indonesien pflegen kaum noch andere Staaten mit den Obristen in Rangun intensivere Beziehungen.Aktuell kümmert sich das Regime lieber um sein Referendum für eine neue Verfassung,der Zyklon kam für die Obristen nur etwas sehr ungelegen. Multitasking ist nicht deren Stärke.

Was können Blogger tun?

In jedem Fall kann der virtuelle Focus auf Burma durch themenorientiertes bloggen erhalten bleiben,wenn das Thema aus den Schlagzeilen und TV-Sendungen – das sind ja weiterhin die meinungsführenden Mittel in den Gesellschaften – längst zur Fussnote oder billigen Propaganda verschlissen ist. Es geht um die Ächtung und Beseitigung von Militärdiktaturen, die dann durch demokratische Systeme ersetzt werden müssen,damit die Welt etwas besser gestaltet werden kann. Und für die Bürgerinnen im Westen heisst das konkret, Überlegungen zur Lage in Burma sowie über die Aussenpolitik der Regierung anzustellen, die jeweiligen verantwortlichen Politiker kritisch unter die Lupe zu nehmen und Vorschläge für Neuerungen zu unterbreiten. Die bad-governance der Diktatoren, halte ich für einen ersten Schritt der Kritik und nicht für dessen Endtstufe – weitläufig betrachtet erschöpft sich die mediale Berichterstattung über die Katastrophe in Burma leider nur in dieser Feststellung.

Ausserhalb der Politiksphäre können Unterstützungen durch materielle und ideelle Zuwendungen erfolgen: Spenden für Organisationen -NGO’s oder (supra-)staatlich- und eine fundierte Berichterstattung,die auch in der Blogosphäre immer wieder zu finden ist. Die Zeit für Diktaturen ist abgelaufen. Über ein DANACH muss heute schon wirksam nachgedacht werden, religiös motivierte Nachfolgeregime sind natürlich keine gute Option. Genauso wenig ist eine ethnisierende Spaltung der Gesellschaft zu begünstigen. Die Alternativen zur Diktatur müssen aber schon heute mit den Oppositionskräften streitbar diskutiert werden, denn diese werden zukünftig die Bedingungen für die Bevölkerungen massgeblich vorgeben. In diesen Prozess sind natürlich die roten Mönche mit einzubeziehen, aber nicht als Focus, sondern als ein Teil von vielen sozialen und gesellschaftlichen Kräften. Pluralismus nennt man so etwas.
Konkrete Rück- und Ausblicke für die Blogosphäre bietet der Beitrag von inadaequat: Blog 4 Burma | Call 4 Cooperation
references
Matussek vs. Schwarzer

Written by admin

May 10, 2008 at 9:06 am

Das Nouruz-Fest

leave a comment »

Der Ursprung des Nouruz-Festes geht auf die mythenreiche vorislamische Zeit der indoarischen Bevölkerung zurück. Deshalb wird Nouruz auch als Nouruz-e bastani “das alte Nouruz”, Nouruz-e melli “der traditionelle Nouruz”, oder Nouruz-e djamschidi “Djamschids neuer Tag” bezeichnet. Djamschid gehört zu den legendären iranischen Königen der vorislamischen Zeit und soll der Überlieferung nach zu Nouruz gekrönt worden sein. Den vor- wie auch nachislamischen Quellen zufolge glaubte man früher, daß Gott an diesem Tage wahlweise die Sonne, die Welt, oder den ersten Menschen erschaffen habe. Die zoroastrischen Gläubigen überliefern, daß ihr Prophet Zarathustra am 6. Tag des Nouruz geboren sei. Mehr bei Michael Kreutz.

Written by admin

March 22, 2008 at 10:46 pm

Was treibt die türkische Armee im Nordirak?

with 3 comments

öcalan trappedDie jüngsten Gebirgsoffensive im Nordirak gegen die PKK ist kein taktischer Schritt zur Lösung des “Kurdenproblems” der Türkei, Thomas v. d. Osten-Sacken dröselt die komplizierte Gemengelage im Nordirak genauer auf: Rote Linie im Schnee

Written by admin

March 7, 2008 at 10:38 pm

Kunst,Islam und Selbstzensur

leave a comment »

Der Eklat und die Debatte über die abgesetzte Idomeneo-Inszenierung aufgrund eines Gefahrengerüchts an der Berliner Oper ist noch nicht so lange her – das war im September 2006.

dum sten

Auch die Sparschweine verschwinden zunehmend aus den PR-Toepfen der europäischen Banken und nun ist im Kunstverein Tiergarten die Ausstellung ZOG – Surrend . Subversive Praxis im öffentlichen Raum” oder genauer gesagt das Karikatur-Poster “DUM STEN” (dummer Stein) an der Reihe. Mittlerweile reicht es aus,wenn sich der islamistische Provinzmob der chronisch Beleidigten regt,um die Kunstfreiheit ganz praktisch zu beschädigen,so etwas berichtet jedenfals Christian Hannover. Auch angedrohte Steine in Schaufensterscheiben sind keine Argumente! Aber sie werfen ein klares Schlaglicht auf die Geisteshaltung der vorgeblich religiös Drohenden. Lila hat dazu folgenden Gedanken: “Das wirklich Spaßige daran ist, daß auch ein Bild von einem Juden mit Hut dort unter dem Titel “dummer Hut” hängt. (Hab ich nur gelesen, nicht gesehen). Ich warte jetzt mit Spannung auf die Unruhen des weltweiten Judentums, Massendemos, gewalttätige Ausschreitungen, Mordaufrufe und so weiter…” .
Wenn selbst die Sesselfurzer aus dem zuständigen Bezirksamt vor solcher Verbalaggression einknicken,wie soll da noch Zivilcourage erwartet werden?
references:
Fotostrecke von DF
Surrend! Or we bore you to death!
Der dumme Stein ist wieder da
surrend
Moslems sind Objekte, keine Subjekte

Written by admin

March 1, 2008 at 5:31 pm

Iran 1978

with 4 comments

chomeiniTrotzkysten,Jihadisten und Revolutionsromantiker verkaufen die Revolte in Iran 1978/79 allzu gerne als Revolution.

Das einigende Ziel der sehr heterogen zusammengewürfelten Aufständigen war die Beendigung des Schahregimes. Michel Foucault hat 1978 während seiner Reise in den Iran einen erhellenden Text zum Mythos “Iran 1979″verfasst:

The Mythical Leader of the Iranian Revolt

by Michel Foucault

Published in Corriere della Sera, November 26, 1978

Tehran – Iran’s year-long period of unrest is coming to a head. On the watchface of politics, the hand has hardly moved. The semi-liberal September government was replaced in November by a half-military one. In fact, the whole country is engulfed by revolt: the cities, the countryside, the religious centres, the oil regions, the bazaars, the universities, the civil servants, and the intellectuals. The privileged rats are jumping ship. An entire century in Iran – one of economic development, foreign domination, modernization, and the dynasty, as well as its daily life and its moral system– is being put into question.
I cannot write the history of the future, and I am also rather clumsy at forecasting the past. However, I would like to try to grasp what is happening right now, because these days nothing is finished, and the dice is still being rolled. It is perhaps this that is the work of a journalist, but it is true that I am nothing but a neophyte.

Iran was never colonized. In the nineteenth century, the British and the Russians divided it into zones of influence, according to a pre-colonial model. The came oil, the two World Wars,and the Middle East conflict,and the great confrontation in Asia. At one stroke, Iran moved to a pre-colonial position within the orbit of the United States. In a long period of dependency without direct colonization, the country’s social structures were not radically destroyed. These social structures were not completely overturned, even by the surge of oil revenue, which certainly enriched the privileged, favoured speculation, and permitted an over-provisioning of the army. The changes did not create social forces, however. The bourgeois of the Bazaar was weakened, and the village communities were shaken by the agrarian reform. However, both of the survived enough to suffer from the dependency and the changes that it brought, but also enough to resist the regime that was responsible for these changes as well. Read more ……

Eine feministisch durchgenderte Antwort auf Foucaults Einlassungen aus 1978 wurde in 2004 von Janet Afary und Kevin B. Anderson veröffentlicht, ein viertel Jahrhundert war ins Land gegangen und der Poststrukturalismus ist an den Unis als ein meist nerviges analytisches Instrumentarium unter vielen anderen in den Proseminaren der nun kulturwissenschaftlich gelabelten Fachbereiche etabliert worden. In schlimmeren Fällen sind Leerstühle für Gender-Studien eingerichtet worden. Hier nun die einleitende Textpassage zu einer Rückkehr an Foucaults ursprüngliche Thesen zur Revolte im Iran der späten 70iger : The Seductions of Islamism – Revisiting Foucault and the Iranian Revolution .

FEBRUARY 2004 MARKED THE TWENTY-FIFTH ANNIVERSARY of the Iranian Revolution. From September 1978 to February 1979, in the course of a massive urban revolution with millions of participants, the Iranian people toppled the regime of Muhammad Reza Shah Pahlavi (1941-1979), which had pursued a highly authoritarian program of economic and cultural modernization. By late 1978, the Islamist faction led by Ayatollah Ruhollah Khomeini had come to dominate the antiregime uprising, in which secular nationalists, democrats, and leftists also participated. The Islamists controlled the slogans and the organization of the protests, which meant that many secular women protesters were pressured into donning the veil (chador) as an expression of solidarity with the more traditional Iranian Muslims. By February 1979, the shah had left the country and Khomeini returned from exile to take power. The next month, he sponsored a national referendum that declared Iran an Islamic republic by an overwhelming majority. Soon after, as Khomeini began to assume nearly absolute power, a reign of terror ensued.

Progressive and leftist intellectuals around the world were initially very divided in their assessments of the Iranian Revolution. While they supported the overthrow of the shah, they were usually less enthusiastic about the notion of an Islamic republic. Foucault visited and wrote on Iran during this period, a period when he was at the height of his intellectual powers. He had recently published Discipline and Punish (1975) and Vol. I of History of Sexuality (1976) and was working on material for Vol. II and III of the latter. Since their publication, the reputation of these writings has grown rather than diminished and they have helped us to conceptualize gender, sexuality, knowledge, power, and culture in new and important ways. Paradoxically, however, his extensive writings and interviews on the Iranian Revolution have experienced a different fate, ignored or dismissed even by thinkers closely identified with Foucault’s perspectives.(…)

Written by admin

February 26, 2008 at 6:15 pm

George Harrison zum 65.

leave a comment »

Ob mit den Beatles,Solo,als Komponist der Filmmusik zu “Das Leben des Brian” oder mit den Travelling Willburys,die Musik von George Harrison hat mir immer gefallen und ich möchte heute an seinen Geburtstag vom 25.02.1943 erinnern. Am gleichen Tag hat auch der Kopfrocker aus Leer seinen Jahrestag.

Zur Feier des Tages gibt es DingDongDingDong aus den 70igern:

In diesem Video erklärt Georges Sohn Dhani Harrison die Produktion seines letzten Albums “Brainwashed”,dessen Fertigstellung er nicht mehr erleben konnte.

Written by admin

February 24, 2008 at 5:00 pm