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Neues Buch:Friedrich Merz verteidigt den Kapitalismus

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Bloss: Es hört ihm keiner mehr zu

Das neue Buch sollte ein Plädoyer für die Marktwirtschaft werden,den Deutschen sollte das marktwirtschaftliche Prinzip näher gebracht werden. In Zeiten steigender Anhängerzahlen für sozialistische Politikansätze ein geradezu heroisches Ziel. Dann kam die Schuldenkrise an den internationalen Finanzmärkten und sogar die Hauspostille der marktwirtschaftlichen Szenenbeschreibungen kommt trotz wirtschaftswissenschaftlichen Know-How ins straucheln und übt sich über den scheidenden CDU-Politiker in allgemein gefälliger Häme.

Anstatt Aufklärung zu leisten,bemüht sich die FTD,mit den Wölfen zu heulen, auf antikapschen Vorurteilen herumzureiten und die Leser über die eigentlichen Ursachen der geplatzten Finanzierungsblase im unklaren zu belassen: Staatlicher Interventionismus, d.h. die künstliche Beatmung eines Investitionsprogramms an Immobilieneigentümer ohne genügend Eigenkapital ist finanzwirtschaftlicher Unsinn. Jeder BWL-Student im Grundstudium lernt,dass ein solcher Finanzierungsplan bei keinem Kreditinstitut auf der Welt eine Bonität eingeräumt bekommen würde – rein marktwirtschaftlich war das US-Immobilienprogramm zumindest unvernünftig. Gemessen an den Folgen war es ein staatlich gelenkter Verschuldungsskandal erster Kajüte. Nicht der Markt hat versagt,sondern der Staat,indem er Mieter zu Eigentümern machte,die sich ein Landlord-Dasein  eigentlich nicht leisten konnten.

Aber nun zum va banque Stück der FTD,das an Populismus kaum von der “jungen welt” zu überbieten ist:

Friedrich Merz will mehr Kapitalismus
von Timm Krägenow
Die Kapitalmärkte kapitulieren, Banken suchen Schutz beim Staat. Friedrich Merz lässt das alles kalt. In seinem neuen Werk fordert er: “Mehr Kapitalismus wagen”.

Der Mann hat offenbar ein untrügliches Gespür für den richtigen Zeitpunkt.

Schon vor zwei Jahren hat Friedrich Merz sein neues wirtschaftspolitisches Grundsatzbuch konzipiert. Und dann legt er die Präsentation zielsicher auf den Montag.

“Es hätte keinen besseren Tag geben können”, sagt der CDU-Finanzexperte vor Dutzenden von Journalisten und neun Fernsehkameras, als er sein Buch vorstellt. Ausgerechnet “Mehr Kapitalismus wagen” heißt sein Werk.

Nun ja, der zeitliche Ablauf der Präsentation gerät ein bisschen durcheinander. Weil um 15 Uhr die Kanzlerin das 500 Mrd. Euro schwere Rettungspaket des deutschen Staates für die Banken und Finanzmärkte präsentiert, muss Merz seinen Auftritt eine Stunde nach hinten verschieben.

Friedrich Merz hat offenbar ein untrügliches Gespür für den richtigen Zeitpunkt

merz

An den Prinzipien des Autors ändert das rein gar nichts. “Ich bleibe bei meiner Überzeugung: Es gibt keinen besseren Mechanismus zur Marktkoordinierung als den Markt”, stellt Merz in schlichter Schönheit am Mikrofon klar. Die Anhänger des Kapitalismus machten den Fehler, dass sie zu wenig offensiv für ihre Überzeugung kämpften. “Da folgt Friedrich Merz ganz Ludwig Erhard: Marktwirtschaft ist aus sich selbst heraus sozial”, heißt es im Klappentext.

Wie schön wäre es gewesen, wenn das Buch einige Wochen früher erschienen wäre. Es solle dazu beitragen, “die marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung besser zu verstehen, ihr zu vertrauen und schließlich darauf zu setzen”, schreibt Merz in der Einleitung. Wohl auch wegen fehlender Lektüremöglichkeit des Merz-Buches ist gerade in den letzten Tagen viel Vertrauen verloren gegangen. Deshalb muss sich jetzt der Staat mit vielen Milliarden an den angeschlagenen Banken beteiligen und für sie bürgen.

Das Rettungspaket sei richtig, sagt Merz, und es stehe keinesfalls im Widerspruch zu seinen Grundüberzeugungen. “Ich würde das Wort Teilverstaatlichung und Verstaatlichung nicht verwenden”, betont der alerte Jurist. Schließlich seien die Beteiligungen zeitlich beschränkt. Und auch sozialpolitisch lasse sich aus den Beschlüssen rein gar nichts ableiten, betont er: “Dies ist keine Umverteilung von unten nach oben.” Stattdessen handele es sich um eine Rettungsmaßnahme auf der Passivseite der Bankbilanzen. Zwar sei es gut möglich, dass der Staat wegen der Finanzkrise künftig weniger Geld für Bildung ausgeben könne. Dieses Problem könnten aber gerade die Kapitalmärkte gut lösen.

Ein ganz klein wenig leidet das brillante Manifest darunter, dass es offenbar schon vor einigen Wochen Redaktionsschluss hatte. Die privatwirtschaftlichen Banken hätten ihre Verluste relativ schnell verarbeiten können, fasst Merz die Finanzkrise zusammen, Probleme gebe es vor allem bei den Banken in Staatsbesitz. Aber mit einer konsequenten Privatisierung seien die Probleme gut zu lösen. “Es bestätigt sich schlicht die Erfahrung, dass der Staat keine Bank führen kann”, schreibt Merz.

Dass jetzt die Banken nach dem Staat rufen, ist nicht gut. Die Kapitalisten haben Friedrich Merz einfach noch nicht verstanden.

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Aus der FTD vom 14.10.2008

http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Neues-Buch-Friedrich-Merz-will-mehr-Kapitalismus/425798.html

© 2008 Financial Times Deutschland, © Illustration: Getty Images

Written by admin

November 10, 2008 at 10:17 pm

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