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“Über 20 Jahre Mauer,wir werden langsam sauer”

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So,oder so ähnlich ging in den goldenen Achtzigern ein kecker Spruch, der kurzfristig in Sichtweite der S-Bahn im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg zu lesen war. Heute wurde dem 47. Jahrestag der Errichtung des “antiimperialistischen Schutzwalls” – an dem 136 Rebublikflüchtige ihr Leben lassen mussten – in der Hauptstadt gedacht. Ich stell dann mal ‘ne Kerze ins Fenster. Ach nee, es müssen zwei sein,die andere ist für die Toten des jüngsten Georgienkriegs von Panzerkreuzer Putin.
Weisheit des Tages: Krieg ist Frieden,Frieden ist Krieg.

references:
“In der DDR ließ sich gut leben”

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August 13, 2008 at 9:59 pm

Prager Frühling

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Nein,es ist eben nicht die Rede von der neu herausgebrachten sozialistischen Zeitschrift.

Heute wird auf die persönlichen Erinnerungen von Heinz Eggert – Pastor,Journalist und Moderator – hingewiesen. Sein Abgesang auf den realen Sozialismus in 1968: Der Prager Frühling oder:

Mein politisches Erwachen: Teil I + Teil II + Teil III + Teil IVGedenken in  Liberec 2008

Neuerscheinung: Klaus Kukuk (Jahrgang 1933): Prag 1968 – Unbekannte Dokumente. Mit einer Einleitung von Horst Schneider (14,90€,TB,Das Neue Berlin August 2008). amazon

references:
Bedrohung aus dem Osten

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August 1, 2008 at 4:30 pm

Ein ganz normaler Arbeitstag von Angie

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Die Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel hat viel zu tun.

Gestern musste sie als Gastgeberin dem Middle East Quartett in Berlin eine konstruktive Verhandlungsathmosphäre erzeugen,um bei der Bildung des Palästinenserstaates hilfreich zu sein – seit 1948 war der ja möglich,aber den arabischen Staaten ging das Schicksal der dort lebenden Araber schlicht am Allerwertesten vorbei,sie überzogen lieber den neu gegründeten Judenstaat Israel mit Krieg und sorgten für Flüchtlinge und nicht für selbstestimmte Bürger.Die aktuellen Ereignisse sind aber auch wenig hoffnungsvoller,denn die Araber/Palästinenser sind Geiseln des Mullahregimes in Iran und der Muslimbruderschaft,die ebenfalls kein Interesse an einer dauerhaften Zweistaatenlösung haben.

Eine bedauerliche, chronifizierte Situation,die allzu gerne alleine den Israelis in die Schuhe geschoben wird.

angela merkel comic Heute hat Angie auch ein interessantes Programm zu absolvieren,

ich zitiere einmal aus ihrem Terminkalender

vom 25. Juni 2008,

der die Überschrift Gedenkveranstaltung “Prager Frühling” trägt:

Am Morgen leitet Angela Merkel, wie üblich, die Sitzung des Bundeskabinetts. Gegen Mittag empfängt die Bundeskanzlerin den Präsidenten Georgiens, Micheil Saakaschwili, zu einem Gespräch im Bundeskanzleramt. Nachmittags empfängt sie den Premierminister der Tschechischen Republik, Mirek Topolánek, und den Premierminister der Slowakischen Republik, Róbert Fico. Anschließend hält die Bundeskanzlerin im Berliner Konzerthaus die Festrede bei der Gedenkveranstaltung “40 Jahre Prager Frühling”.Abends besucht Angela Merkel in Basel das EM-Halbfinalspiel Deutschland-Türkei.

Gestern noch ganz live der Nahostkonflikt,heute das Gedenken an den “Prager Frühling” von vor 40 Jahren.Die Frau erlebt ja die Zeitgeschichte in dichtester Ballung.Langweilig scheint der Job wirklich nicht zu sein und wie Angie vor vier Jahrzehnten über den “Prager Frühling” so dachte,wäre ja auch ‘mal spannend zu wissen.Immerhin gab der SED-Schabowski kürzlich seine damaligen Motive zum Einmarsch der SU in die Tschechoslowakei als 19 jähriger Kommunist recht offen vor der Kamera bekannt.

praha 1968 Wie sie heute über diese Ereignisse spricht,

und wohl auch denkt,

kann der wissbegierige Leser über ihren Podcast erfahren:

Die Ereignisse des “Prager Frühlings” 1968 dürfen nicht in Vergessenheit geraten, … “Damals wurden nicht nur ökonomische Reformen eingeleitet, sondern es gab auch ein Stück mehr Freiheit für die Menschen. Und das hatte eine hohe Attraktivität für alle Nachbarstaaten – so auch für die DDR.” Leider wurde der Versuch der Freiheit mit dem Einmarsch sowjetischer Truppen am 21. August in die Tschechoslowakei “von der Sowjetunion brutal unterbunden.”

Die vorangeschickten Statements wirken doch sehr allgemein gehalten,in ihrem drei minütigen Videobeitrag (Text als pdf) erwähnt Angie aber alle wichtigen historischen Ereignisse.

Eine besondere Freude ist ihr die heutige Verbindung der Erinnerung an das wiederkehrende Aufkeimen der Freiheitsbewegungen innerhalb des Ostblocks gemeinsam mit den derzeitigen Staatschefs aus Tschechien und der Slowakei in Berlin.

Unterstützt wird das parlamentarische Gedenken durch die Fotoausstellung “Freiheit ist unteilbar – Gesichter des Prager Frühling“”. Vom 26. Juni bis 30. August 2008 im Deutschen Bundestag – Westfoyer des Paul-Löbe-Hauses.

PS:
Veranstaltungshinweis in Berlin
: Florian Havemann liest Lawrence Sterne

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June 25, 2008 at 7:36 pm

Republikanische Wurzeln

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Schwarz-Rot-Gold erfährt ja seit einiger Zeit eine Renaissance,nicht zuletzt aus sportiven Anlässen.Es wird in diesem Zusammenhang sogar vom freundlichen Nationalismus der Deutschen unter der Bundesfahne gesprochen.
Wenn in der deutschen Geschichte Revolutionsrufe ausgemacht werden,ist der Antisemitismus nicht weit.Diese goldene Regel vermiest nun auch die Erinnerungskultur an die zarten repubikanischen Selbstverständnisse der deutschen Geschichtswahrnehmung und die Feierlichkeiten zum Jubiläum von 1848 – Hambacher Fest,Paulskirchenverfassung.
Während landauf,landab eher unkritisch angenommen wird,wie schade es doch sei,dass der Versuch zur bürgerlichen Revolutuion leider misslang,wird in der aktuellen kritischen Theorie eine unübersehbare Analogie frei gelegt. Die Neonazis wollen ja heute die Städte vom Lande aus erobern (Lit-Tip) und was den Antisemitismus anbetrifft,können sie auf historische Wurzeln vertrauen,die im Rahmen von 1848 gelegt worden sind.Das arbeitet Phillipp Graf – er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Akademieprojekt am Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur in Leipzig – in seinem Aufsatz “Antijüdische Ausschreitungen und die deutsche Revolution von 1848/49” in der aktuellen PHASE2 jedenfalls heraus. Die vorurteilsbeladene Haltung vor allem auch linker Historiker, die in jedem sozialen Protest etwas positives sehen wollen,wird auf ihr emanzipatorisches Potential abgeklopft und auf ihre antisemitischen Betsandteile hin überprüft.
Für 1848 kommt eine bizarre Schieflage zwischen Stadt- und Landrevolution heraus.In den Städten wurden eher die Symbole der Monarchie bekämpft und liberale Bürgerfreiheiten eingefordert,auf dem flachen Lande in Südwestdeutschland wurden gleichzeitig vermehrt Synagogen und Judenhäuser geplündert.Eine Beobachtung,die bisher weder von linken noch bürgerlichen Köpfen der Theorie der historischen,sozialen Bewegungen gewürdigt wurde.Das geschieht nun immerhin in Leipzig.Es wird genauer hingeschaut

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June 20, 2008 at 10:34 pm

1968 in der DDR

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wolle traumDER TRAUM VON DER REVOLTE – Die DDR 1968 – Eine Zeit zwischen Aufbruch und Repression von Stefan Wolle wird besprochen bei New Dirk on the Blog.
Eine Lesung findet am Donnerstag, 27. März 2008, 19.30 Uhr, in der Volkshochschule der Hansestadt Rostock, Alter Markt 19, statt. Nähere Informationen unter Telefon 4977025.

Nach meinen doch eher gequälten Versuchen,bei Flori Haves “Havemännern” schlauer zu werden, ist der Text möglicherweise ein neuer Lichtblick zur Erhellung dieser Zeit – dem Verleger Christoph Links sei es gedankt – und wird dem heutigen Diskurs über 1968 Anno 2008 eine sinnvolle Ergänzung sein. Die Sicht der DDR-Jugend auf die Umbrüche in 1968 kommt einfach viel zu kurz. Ein 68-iger hat mir vor einiger Zeit berichtet,er habe in West-Berlin zu dieser Zeit sowohl für ein rotes Vietnam als auch für den Prager Frühling politisch geworben,das sei vor der Inbesitznahme der 68iger durch die K-Gruppen eine nicht unseltene Forderung gewesen.

Veranstaltungshinweis: Hoffnung, Protest, Resignation – Die Auswirkungen des „Prager Frühlings“ auf die DDR, merci an New Dirk on the Blog 😉

Bernd Eisenfeld spricht am Donnerstag, den 10. April 2008, um 19.30 Uhr im Schleswig-Holstein-Haus, Puschkinstraße 12, 19055 Schwerin, ein. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

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March 23, 2008 at 6:11 pm

Diskurs über 1968 Anno 2008

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Sie kommt langsam in Gang,die 68iger-Retrospektive. Einen Vorgeschmack bot letztes Jahr schon der heisse Herbst 1977 – ein Tummelplatz ekelhaftester, krimineller Personen wurde im Mediendjungel aufgetan. Nun hat sich „der Streit-Historiker“ Götz Aly mit seinem neuen Buch “Unser Kampf. 1968 – ein irritierter Blick zurück” in die Öffentlichkeit begeben, die Sache kommt langsam auf ihren Punkt. Ingo Way hat sich das Buch genauer vorgenommen:

Aly 1968“Will da etwa einer den Nationalsozialismus relativieren? Der Buchtitel Unser Kampf, bezogen auf die Studentenbewegung um das Jahr 1968, läßt darauf schließen. Denn immerhin waren es doch die 68er, die mit der bundesdeutschen Verdrängung der NS-Zeit Schluß gemacht und sich die Aufarbeitung der deutschen Verbrechen auf ihre Fahnen geschrieben haben – und nebenbei der Bundesrepublik zur längst fälligen Liberalisierung und Demokratisierung verhalfen. So jedenfalls die gängige Meinung, die durch die in den vergangenen Jahren verschiedentlich geäußerte Kritik an Auswüchsen der 68er-Bewegung kaum ins Wanken gebracht worden ist.
Götz Aly, Historiker und ausgewiesener NS-Experte – 1968 selbst ein radikaler Linker –, bestreitet diese Deutung vehement. Seine These: Die Studentenbewegung war ein „Spätausläufer des Totalitarismus“, die linken Studenten verachteten Pluralismus und Demokratie und waren darin ihren Nazi-Eltern ähnlicher, als es ihnen lieb war; sie waren der Gewalt zugetan, fröhnten einer deutsch-romantischen Gemeinschaftsideologie und interessierten sich kein bißchen für die Aufarbeitung der NS-Zeit. „Faschismus“ war ihnen eine bloße Chiffre für gegenwärtige Zustände, die ihnen nicht behagten, und hatte nichts mit dem spezifisch deutschen Menschheitsverbrechen der Schoa zu tun. Folgerichtig glitten die Protagonisten in Antiamerikanismus und Antizionismus ab. Die Abwendung von Israel und den Juden war laut Aly Ausdruck der Schuldabwehr – der bundesdeutsche Staat hatte nämlich mit den Auschwitz- und weiteren NS-Prozessen seit Anfang der 60er-Jahre der deutschen Gesellschaft ihre Verbrechen vor Augen geführt. Die Scham über das Verhalten ihrer Eltern hätten die linken Studenten nicht ertragen und die deutsche Schuld in abstrakten marxistischen Kategorien aufgelöst und nebenbei – im Falle Israels – die Opfer zu Tätern umgedeutet.”[…]

Die vollständige Rezension von Ingo ist in der Jüdischen Allgemeinen vom 21. Februar erschienen. Eine geharnischte wie ausführliche Gegenrede zur Ehrenrettung des Linksradikalismus gibt es von Clemens Heni (mir bekannt über seine interessante Henning Eichberg Diss): 1968 war nicht 1933 – Eine Antwort auf Götz Aly.

68 hat vielerlei Facetten,neben der hegemonial gedeuteten Chiffre für die Modernisierung der BRD-Nachkriegsgesellschaft (auch wahrgenommen als Bürgerschreckniss mit Verve für Steinzeitkommunismus) steht 1968 für weite Teile der DDR-Dissidenz als der synonyme Inbegriff für den Prager-Frühling 1968 und dessen Niederschlagung durch die SU und das SED-Regime. Dieser Punkt wirkt heute noch in der Debatte über das Buch von Florian Havemann. Dies allerdings ganz anders, als es zu wünschen wäre: Auf den ehemals oppositionellen Code wird heute ein Anstands-Knigge aufgelegt,der jegliche Debatte über die DDR und ihr 1968 von der Wurzel her abwürgt. Ein später Sieg der SED und StaSi im demokratischen Blätter- und Meinungswald anno 2008. Flori Haves Ansatz, mit seiner assoziativen Brechstange an das Thema heranzugehen, ist dafür selbstverständlich auch mitverantwortlich: Familienpsychologische Introspektiven sind eben nicht immer direkt für den gesellschaftspolitischen Umgang benutzbar.

references:
Unser Kämpfchen
  von Damien 
“Unsere Ehre heißt Treue!”

Antonio Negri über 1968 in Italien
1968-Buch von Götz Aly scheint…
Der Krawallschwabe Götz Aly
Götz Aly rechnet weiter mit den 68er ab
Wir 68iger – Zettels Rückblick

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February 22, 2008 at 11:59 pm

Lebensgefühl von Einwandererkindern

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Lebensgefühl von Einwandererkindern
VON DENIZ YÜCEL

Das Trauma von Mölln

Mit dem Brand in Ludwigshafen war die Erinnerung sofort da: 90er-Jahre, Anschläge auf Häuser in Mölln und Solingen. Damals hieß es plötzlich auch für “Abiturtürken”: “die” gegen “uns”.

Deutsche Fachwerkidylle in Mölln. Foto: dpa

Weiterlesen ….

Quelle: © taz 10.02.2008

references:
Ralph Giordano: Offener Brief an den OB in Köln

Erdogan-Rede Köln 2008