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Berliner Al Quds Tag

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Ayatollah Chomeinis “Jerusalem-Tag” wurde heute in Berlin von mehreren Hundert Islamisten begangen.

Foto by Goy's World

Aufgerufen hat ein Bündnis der islamischen Gemeinden der Schiiten in Deutschland. Vom Adenauerplatz zum Wittenbergplatz marschierte ein hauptsächlich männlich durchwirkter Aufzug über Kurfürstendamm und Tauentzienstrasse. Der Aufzug ging vorbei an einer pro Israel Gegenkundgebung am Breitscheidtplatz / Gedächtniskirche, die demnächst  frühzeitiger mehr Mobilisierungsarbeit investieren sollte. Der perfide Versuch der Demonstranten, den Antizionismus vom Antisemitismus zu trennen und dafür auch noch ein Bündnis der christlichen, jüdischen und islamischen Religionsgemeinschaften einzufordern, ist in Berlin an die Stelle grenzüberschreitender Hetzparolen getreten – was da aber ausser “Allah ist mächtig” noch so gerufen wurde, konnte ich nicht genau verstehen.

Foto by Goy's World

Wie bei islamistischen Organisationen üblich, liefen am Ende der Demo die Frauen und kleine Kinder in einem eigenen Block mit. Das Al Quds Bündnis in Berlin hat in den letzten Jahren einige Spielregeln des Versammlungsgesetzes gelernt, denn es wurden auf Transparenten oder Schildern keine kriminellen Parolen oder Terrororganisationen beworben – die grossformatigen Fotos von Chomeini, Chatami, Nasrallah und eine Palästinensertuchdichte wie bei einer Demo der Hamas in Gaza  machten aber deutlich, wessen Geistes Kind diese Al Quds Demonstranten sind.

Eine seltsame iranische Interpretation des Wortes Frieden scheint den Demo-Organisatoren ebenfalls eigen zu sein. Jassir Arafat scheint beim Berliner Al Quds Bündnis völlig out zu sein, kein einziges Konterfei wurde auf der Demo mitgegeführt, was aber nicht wirklich wunderlich ist, da die Demo ohnehin von den Mullahs aus Teheran gesteuert ist, die haben nämlich ihre eigenen Terrorläden Hamas und Hizbollah.

Daniel hat die zentralen Parolen des unheimlichen Aufzugs in einem kurzen Video zusammengefasst und auch der Organisatorin der Gegenkundgebung seine kritische Aufmerksamkeit geschenkt.

Es ist schon sonderbar, was für Freaks so alle unter dem Schirm der Meinungsfreiheit – Jahr aus,Jahr ein –  durch Berlin latschen. Warum die Islamisten seit Jahren immer wieder durch Charlottenburg laufen, ist mir auch ein Rätsel.

references:

  1. Nachtrag von Taylorbob:Der Lügenbär
  2. “Friedensplan” der Berliner Quds-AG: Part I , II
  3. Al-Quds Tag: Nachlese
  4. Al-Quds-Tag mit Kind und Kegel
  5. “Gemeinsam gegen Zionismus und Antisemitismus”
  6. La demostración del «Al-Quds-Tag» en Berlin y la taquía
  7. Der Ayatollah meint es nicht so. Er will nur feiern.
  8. Judenhassertag ist nächste woche
  9. Iran und der europäische Westen

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September 27, 2008 at 10:33 pm

Kredit für Islamisten …

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gibt es in der Linken mit der Giesskanne.Besonders hervor tun sich Protagonisten der SED-Nachfolgeorgansiation – nicht alle,aber ein beträchtlicher Anteil sieht und vertritt die Gemeinsamkeiten von sozialistischer Ideologie und Scharia.Die Unterstützungskampagnen für Achmadinedjad und Nasrallah folgen einer in sich schlüssigen Ideologie.

Die Nazis sind da schon unschärfer in ihrer ideologischen Praxis,ihnen reicht die Juden- und Amerikafeindlichkeit der Islamisten für ein gewisses Mass an Bewunderung völlig aus,auf deutschem Boden haben Iraner,Libanesen – überhaupt Ausländer – einen schwierigeren Stand,sie werden im Zweifel von ihren Strassenschlägern halb oder ganz totgeschlagen.Alah Hu Akbar hat nur einen Wert im Freund-Feind-Denken der Nazis,der völkische Vorbehalt ist stärker,jeder in seiner Zone auf seiner Scholle.

Nun hat sich in der Linken ein Streit entzündet. Es geht um die linke Wochenzeitschrift jungle-world,der Phobie vor der Islamophobie vorgeworfen wird,es geht, wie immer in der Linken, um den Vorwurf des Rassismus.Nachdem der Antisemitismus in den linken Strömungen aufgeraucht wurde,ist der sogenannte Antirassismus ein Restbestand an linker Identität,der noch mit Leidenschaft verteidigt wird.Weil Nazis gegen Muslime hetzen,sollen Linke nicht gegen Islamismus argumentieren dürfen oder zumindest das religiöse Feld des Islam soll so weit ausdifferenziert werden,bis die islamistische Gefahr propagandistisch marginalisiert ist – sie sich sozusagen in Luft auflöst.Alle,die dann in der Linken noch von gefährlichem Islamismus sprechen,sind dann entweder staatstragende Bürgerdeppen (für Revolutionäre eine wüste Beschimpfung), Nazis oder haben einen Dachschaden,der Islamophobie – ein Begriff,der von den hier in Rede stehenden Linken dem Frauen unterdrückenden Mullahregime aus dem Iran entliehen wurde,Schleierunwillige wurden einfach für Geisteskrank erklärt – benannt wird.So einfach ist die Welt.

Written by admin

July 11, 2008 at 12:55 am

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Extremismus und Freiheit – Abdelwahab Meddeb

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Europa und Islam Abdelwahab MeddebM. Abdelwahab Meddeb (* 1946 in Tunis) , ist ein französischer Autor, Literaturwissenschaftler (Europe/Islam, Francophonies) und muslimischer Islamkritiker tunesischer Herkunft.

Er lebt und forscht in Paris-Nanterre. Sein 2006 in Frankreich veröffentlichtes Buch “Contre-prêches. Chroniques” eröffnete in Frankreich eine Streitdebatte über den Islam, nun ist es innerhalb kurzer Zeit in 2007 beim deutschen Wunderhorn-Verlag unter demTitel “Zwischen Europa und Islam – 115 Gegenpredigten” erschienen.

Der Verlag bewirbt das Buch wie folgt:

»Wir legen in diesem Buch Wert auf Ausdrucksformen des Islams, die nicht die Norm, sondern die Abweichung darstellen« so beginnt Meddeb sein Buch. Seine Gegenpredigten, die alles andere sein wollen als »Predigten«, entwickelte er aus Rundfunkbeiträgen, die der streitbare Romancier und Philosoph zwischen 2003 und 2006 für Radio Méditerranée in Tanger verfasste. Meddeb sieht das Religiöse im Alltag, er entschleiert Mythen, geht die Tabus an. Fasziniert folgt der Leser diesen ebenso aufschlußreichen wie spannenden Stücken, die Kultur, Lebenskunst und Politik vereinen zu dem Mosaik einer Weltreligion, die ihre befreienden Potenzen noch nicht wirklich entdeckt zu haben scheint. Exzellent übersetzt von dem Paul-Celan-Preisträger Rainer G. Schmidt.

Meddeb wird in den deutschsprachigen Zeitungen als Protagonist eines offenen, humanistischen und selbstkritschen Islam zitiert. Arno Widmann hat das neue Buch kürzlich in der FR rezensiert und er zitiert Meddeb am Beispiel des Exzess, das ist der Begriff – “ghulw” im Arabischen, mit folgenden politischen Erkenntnissen:

(…) – “ghulw” -, mit dem die Saudis den islamistischen Extremismus kritisieren. Es sind drei Seiten, auf denen Meddeb klarmacht, dass es falsch ist, den Extremisten ihren Extremismus zum Vorwurf zu machen. “Der Krieg findet nicht zwischen Übermaß und Klugheit statt. Er findet zwischen der wortwörtlichen Auslegung auf der einen Seite statt und der Freiheit auf der anderen Seite, welche die Bedeutung schwanken lässt. In der Anstrengung der Interpretation können der Exzess, die Maßlosigkeit, das Wort sogar von dem Sinn befreien, der es einschränkt. Um die Radikalen besiegen zu können, muss man die vorderste Linie der Freiheit neu beleben.” Dazu sind die Saudis nicht nur nicht bereit. Dazu sind sie nicht in der Lage. (…)

Den Islamismus schätzt Meddeb als psychopathologisches Phänomen ein,wenn er schreibt:

… “Bei den Islamisten erleben wir eine obszöne Regression: der Mensch tritt wieder an die Stelle des Tiers. Das Symbolische und das Imaginäre werden im Wirklichen verwirklicht, nicht als solche, sondern indem sie selbst im Wirklichen aufgehen. Dieses Vorgehen entspricht der Definition des Wahnsinns im klinischen Sinne.” …

Es handelt sich also um einen jener Muslime, der westliche Denkweisen mit einer muslimischen Verbinden will und kann. Und solche Autoren gibt es wahrlich zu wenige. An M. Abdelwahab Meddebs Literatur sollten interessierte Zeitgenossen nicht achtlos vorbeigehen, er ist ein Mensch des Dialogs.

references:
Extremismus und Freiheit

Maître de Conférences habilité en Littérature comparée (Europe/Islam, Francophonies)
Département de lettres modernes,
Université Paris X Nanterre.