Raumzeit

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Kunstkritik

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Im Guggenheim in New York hing eine gerahmte weisse Leinwand und in einem anderen Raum stand eine Tonne Fett herum, das war der Olymp der Gegegenwartskunst in 1994. Der Kunstbetrieb hat etwas von der Realität enthobenes, gleichzeitig reüssiert aber auch Alltagskunst am Markt, Graffiti und Street-Art sind bekannte Beispiele. Anno 2008 regt sich Jörg Sundermeier in der taz über dumme Künstler mit Aussage auf, er will dem bizarren Treiben einen Endpunkt setzen. Er weiss, das geht nicht, aber ein blosses HALT! reicht heute nicht mehr aus, Jörg macht Vorschläge:

Es geht noch absurder

Und stoppen kann man diesen ganzen Mist nur, indem man ihn offensichtlich seinerseits übertrifft. Ich verkünde also hiermit: nachdem ich zunächst den gesamten Eifelturm mit Diamanten besetzen und verpacken lasse (Protest gegen den Konsum), werden auf mein Geheiß hin 2.000 Aktivisten von der Weidendammer Brücke aus in die Spree scheißen (Protest gegen die Umweltverschmutzung), anschließend werde ich 40 nackte Nonnen aus den Türmen des Kölner Doms in den Tod springen lassen (Protest gegen Christenverfolgung im Nahen Osten), daraufhin werde ich zeigen, wie sich 200 Tibeter gegenseitig köpfen (Protest gegen die Globalisierung), um schließlich und letztlich ganz Rom zu bombardieren (Protest gegen den Verlauf der Geschichte).  Vielleicht hätten die blöden Kunstspektakel endlich ein Ende, wenn jemand das alles machen würde. Denn etwas Dümmeres kann wohl niemandem mehr einfallen. Oder?

Ich habe ja Zweifel darüber, ob Dummheit kritisierbar sein kann, ob sich eine Auseinadersetzung wirklich lohnt, denn der Begriff an sich ist ja schon recht flexibel anwendbar. Aus dem Sartre-Verdikt der engagierten Literatur nach WKII  – das Analogon zur Kunst mit Aussage – scheint die Kunstwelt aber nicht viel schlauer geworden zu sein. Ein mit Diamanten besetzter Eiffelturm wäre etwas hübsches, ich wäre wohl einer der ersten Eiffelturm-Spechte.

(HATTIPP: Senor Daffy)

references:
b-arbeiter-Video: Das Subjekt im Kunstmarkt
Zur Überschätzung von Künstlern: Gideon Böss

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Written by admin

September 7, 2008 at 9:17 am

1968 Retrospektiven

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Während der linkssozialistische Mob sich von SED und West-Kommies alten Wein in alten Schläuchen anbieten lässt,tüfteln die Kuratoren diverser Ausstellungsprojekte jeweils an ihren Referenzen zu 1968. Vielschichtig und differenziert soll es zugehen,wenn 40 Jahre altes Gerümpel zusammen gestellt wird.Man muss wohl hingehen,um das bewerten zu können.In loser Folge werden an dieser Stelle die unterschiedlichen Sichtweisen auf den Jahresfetisch bekannt gemacht.

1. Frankfurt am Main

68er FFMDie Ausstellung wird als groß angelegtes Erinnerungspanorama multimedial aufgebaut. Präsentiert werden auf 700 qm ca. 700 Originaldokumente (Flugblätter, Zeitschriften, Transparente, Wandzeitungen etc.), Fotografien, Alltagsobjekte, Ton- und Videoaufnahmen, Musikbeispiele sowie Interviews mit Protagonisten.

Ein Ausstellungsprojekt des Historischen Museums Frankfurt am Main in Kooperation mit dem Ausstellungsbüro Palma3, Bern. Konzeption:
Ausstellungsbüro Palma3 (Andreas Schwab, Beate Schappach) Manuel Gogos.

Inspiriert durch DIE 68ER vom Blog subergwest.

2. Berlin

Ausstellung der Bundeszentrale f. polit. Bildung “68 – Brennpunkt Berlin
Ort: Amerika Haus, Hardenbergstraße 22-24, 10623 Berlin (Bahnhof Zoo)
Öffnungszeiten täglich 10:00 bis 20:00, der Eintritt ist frei
Dauer der Ausstellung: 1. Februar 2008 bis 31. Mai 2008

amrikahaus 1968

Zahlreiche Gäste aus Politik, Gesellschaft und Kultur besuchten die Eröffnungsveranstaltung zur Ausstellung “’68 – Brennpunkt Berlin” der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb im Amerika Haus Berlin. Bis zum 31. Mai 2008 sind hier eine Werkschau des Fotografen und Zeitzeugen Günter Zint, historische Exponate sowie viele Ton- und Bilddokumente zu sehen. Die Ausstellung regt zur Diskussion an: “Die Ereignisse der Zeit sind umstritten”, so der Präsident der bpb, Thomas Krüger, auf der gestrigen Eröffnungsfeier. “40 Jahre nach der Studentenrevolte fragen wir deshalb nach ihren Folgen.” Eine umfangreiche Veranstaltungsreihe, u.a. mit Podien und Zeitzeugengesprächen, begleitet die Ausstellung ’68 – Brennpunkt Berlin. Zentralen Diskussionsstoff bietet die Frage nach den Langzeitfolgen der 68er-Revolte.

3. Berlin

In der Akademie der Künste werden seit dem 16.04.2008 Fotgrafien von Michael Ruetz unter dem Titel “ Kunst und Revolte. Das künstlerische Erbe von ’68” ausgestellt.

Mit einer einzigartigen Präsentation der fotografischen Ikonen von Michael Ruetz aus der Zeit von 1968, mit einer künstlerisch-gesellschaftspolitischen Materialsammlung aus der Sammlung Staeck, mit einem Gastspiel des Living Theatre, zwei Akademie-Gesprächen und einer Filmreihe startet die Akademie den Schwerpunkt “Kunst und Revolte”. Umfangreiche Programme zum Prager Frühling, zur Literatur, zur zeitgenössischen Musik und zum Tanztheater folgen in den Monaten Mai und Juni. Ausgangspunkt für die Projektreihen ist die Frage nach der Kunstproduktion. Wie haben die Künste an den gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen partizipiert, und wie hat die Wirklichkeit auf der Straße die Künste verändert? Viele der künstlerischen Protagonisten der 60er und beginnenden 70er Jahre sind Mitglieder der Akademie der Künste oder mit ihrem Werk in deren Archiven vertreten. Sie stehen für einen Aufbruch in den Künsten, für die Emanzipation aus autoritären Strukturen, sie stehen für eine gesellschaftliche und kulturelle Aufklärung und für eine politische Verantwortung in der Kunst. Die Programmreihe “Kunst und Revolte” fragt nach der Gegenwart dieser Auf- und Umbrüche und nach ihrer Bedeutung heute.
Klaus Staeck, Präsident, Johannes Odenthal, Programmbeauftragter

Ausstellungen
Pariser Platz
dienstags bis sonntags 11-20 Uhr

17.4. – 27.7., Säle 2-4
1968. Die unbequeme Zeit
Fotografien von Michael Ruetz
Eintritt € 5/3
am 1. Sonntag im Monat Eintritt frei

17.4. – 27.7., Max-Liebermann-Saal
Dokumente zur Zeit
17.4. – 21.5. Aus der Sammlung Staeck
27.5. – 22.6. Aus den Archiven der Akademie
27.6.– 27.7. Zum Festival “intermedia ’69”
Eintritt mit Ausstellungsticket zu Ruetz

17.4. – 27.7., Saal 1
Filme zur Zeit
Eintritt mit Ausstellungsticket zu Ruetz …. weitere Veranstaltungen ….

references:
1968 als Erinnerungsort – Tagung im DVPW Mai 2006
68er Sprüche aus Paris gemoppst bei Zettel

Written by admin

March 25, 2008 at 5:46 pm