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Mumbai,Bombay,Mumbai. Städtenamen.

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Nach den verheerenden Anschlägen in Mumbai, deren antisemitischer Charakter durch die Folterungen und Ermordungen der Bewohner des jüdischen Zentrums unzweifelhaft in das Relief der islamistischen Geschichtsschreibung Asiens gemeisselt wurde, kam durch dieses Massaker auch bei dem letzten Hinterweltler die Umbenennung der Stadt Bombay in Mumbai an – ein zu hoher Preis für Allgemeinbildung,wie mir scheint.

Einige interessante Überlegungen zur “neuen”  Namensgebung der indischen Metropole sind bei Gedankensolo abgelegt. Mumbai ist der vorkoloniale Name dieser Stadt gewesen,wir haben es also mit einer Rückbenennung zu tun, Ich habe zwei Haltungen zur Namensgebung der Stadt aus dem Netz gefischt. Bei Wikipedia.de wird der Sachverhalt so beschrieben:

Der Name der Stadt

Seit Beginn der Kolonialisierung Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Stadt als Bombay bekannt. Der Name Bombay leitet sich von der portugiesischen Bezeichnung „Bom Bahia“ (Gute Bucht) und der späteren Abwandlung „Bombaim“ her.[3] Der Name Mumbai wird angeblich von der örtlichen Bevölkerung schon genauso lange verwendet und der regionalen Hindu-Göttin Mumbadevi zugeschrieben. Am 4. Mai 1995 beschloss die Regierung Maharashtras, dessen Hauptstadt Bombay seit der Gründung des Bundesstaates am 1. Mai 1960 ist, die Umbenennung der Stadt in Mumbai. Die Namensänderung wurde vom indischen Parlament 1997 bestätigt. Inder verschiedener Muttersprachen in Mumbai, die oft ohnehin auf Englisch kommunizieren, verwenden Mumbai und Bombay nebeneinander. Auch öffentliche Einrichtungen wie etwa die Börse, der Gerichtshof und die technische Eliteuniversität IIT tragen weiterhin Bombay in ihrem Namen.[4]

Auf der offiziellen Homepage der Stadt ist heute folgendes Selbstverständnis zur Namensgeschichte Mumbais abgelegt:

The Municipal Corporation of Greater Mumbai

Mumbai has lived up to the reputation for which it was established. It is a city built by the residents of the city. Mumbai is more than a cosmopolitan made of concrete buildings.
Mumbai was given by Portuguese as dowry to Charles II of England when he married Catherine. The group of seven islands was leased to the East India Company who offered freedom of business and religion to persons who came and settled here. Initially a few Parsis and Gujarati came but soon a sizeable population began to thrive here.
This was way back in the 17th century. Today also Mumbai is a city of migrants. People from all over the country have come and settled here. This gives the society of Mumbai a multi-lingual and multi-cultural colour.
In the 18th century Mumbai grew rapidly and it also became one of the leading centers for the activists in the freedom struggle. Britishers played their role by shifting the presidency from Surat to Bombay, the former name of Mumbai. Also, the first railway line on which train moved was laid between Bombay and Thane.
Bombay played a formative role in shaping the freedom struggle. It hosted the first Indian National Congress and was also a venue for the declaration of ‘Quit India’ by Gandhiji. Today Mumbai is the capital of Maharashtra. Bombay was re-named as Mumbai in 1996.
Skyline It is a city which never sleeps, its streets are never empty. The factories and mills of operate day and night to meet the growing demands, their efforts has made Mumbai the commercial capital of India.
The marvelous natural port of Mumbai is fit for handling an ever expanding world trade. The city situated on the edge of Arabian sea has some thing or other to offer to everybody but one has to struggle to achieve that and one who is left behind parishes in the race of life in Mumbai with no one to care for.
For decades the city has attracted migrants who come here to earn bread, many fail and those who survive are absorbed in the pace of Mumbai.

Mir scheint,die Offiziellen in Mumbai haben kein grosses Problem damit,die Kolonialgeschichte ihrer Stadt als historische Faktensammlung hinzunehmen und das Beste daraus zu machen.

Berlin ist ja dankenswerter Weise nicht in Germania umbenannt worden.  Props an die Alliierten der Anti-Hiltler Koalition!!!

Auch die realsozialistischen Seitenhiebe der DDR-SED – sie nannte Berlin ja ganz offiziell “Hauptstsadt der DDR” – ein Namens- und Ortsrecht, das den Westdeutschen von 1947 bis 1990 verwehrt blieb – mit ihrer Hauptstadtnamensgebung führten nicht zu einer Namensdebatte: Berlin blieb Berlin. Ganz anders war die Situation für Strassen- und Plätzenamen im Ostteil der Frontstadt, hier wurde in extremer Weise umbenannt. Die Erinnerungskultur der SED sollte sichtbar aus den Stadtplänen der Nachwendezeit verbannt werden. Berliner  Stadtpläne aus der Zeit der DDR haben seitdem historischen Wert, vergleichbar mit Seekarten aus dem 16. Jahrhundert. Wie es um die Strassennamensgebungen in anderen ex-DDR-Metropolen bestellt ist,weiss ich leider nicht.

Ein deutsches postkoloniales Überbleibsel in der Strassennamensgebung Berlins gibt es allerdings noch. Es reicht thematisch in die Kaiserzeiten Wilhelms zurück. Die Kolonisierungen Deutsch-Südwestafrika (Namibia) und Deutsch-Ostafrika (Tansania) finden sich bis heute in Strassennamen wieder, im “Afrikanischen Viertel” im Wedding ist z.B. eine Strasse nach dem Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz benannt, der die vertraglichen Vorarbeiten (Lüderitzbucht) zur Erschliessung Afrikas (des heutigen Namibias) für die kolonialen Interessen Wilhelms mit leistete – böse Zungen behaupten, er habe dem Häuptling der Nama den Landstrich für ‘nen Appel und ‘nen Ei ( 100 Pfund in Gold und 200 Gewehre ) abgeluchst. Nach ihm ist im Wedding bis heute eine Strasse benannt.

Für den Völkermord an den Hereros hat sich die “Rote Heidi” vor einiger Zeit als Bundesministerin entschuldigt, Knete gibt es aber wegen des Völkerrechts trotzdem keine.

Und morgen kommt der Weihnachtsmann: Alle sollten schön brav die Stiefel herausstellen.

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Written by admin

December 5, 2008 at 12:15 pm

Intellektuelle Seilschaften: E. Said

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Edward Said (1935-2003) , zuletzt Prof. für Literaturwissenschaft an der Columbia Uni NYC, hat mit seinem Buch “Orientalism” dem antiimperialistischen Kampf der Palästinenser bereits in den 80iger Jahren ein theoretisches Vermächtnis hinterlassen: Die postkolonialen Studien (postcolonial studies) versuchten, den kulturellen und gesellschaftlichen Anteil der kolonialen Hinterlassenschaften zu benennen, dann dessen Herauspreparierung aus dem Wertekanon der ehemals kolonialisierten Gesellschaften vorzubereiten um dann eine eigene, vom Westen befreite Werte- und Kulturskalierung vornehmen zu können um diese dem westlichen Diskurs entgegen zu halten. Diese Denkschule macht nun heuer den Islamismus stark, und zwar nicht nur im Orient – dort wird sie mehr als Alibi benötigt – sondern vornehmlich an westlichen Unis.

Joseph Massad

Einen personalen Ausfluss dieser Said-Tradition haben sich Gay-West in ihrem Beitrag “Der böse schwule Westen” vorgenommen. Im Jahr 2002 veröffentlichte Joseph Massad seinen kontrovers diskutiertes Text mit dem Titel “Re-Orienting Desire: The Gay International and the Arab World” – der später in seinem Buch “Desiring Arabs” ausgearbeitet wurde. Adrian nimmt sich der Geisteswelt des Herrn Massad im Detail an. Ob in Massads Gedankengebäuden der aktuelle Weltgeist bezüglich Homosexualität klingelt oder nur eine überkommene Ideologie in neuem Textkleid daherkommt, wird weiter zu untersuchen bleiben.

By the way: Die These, Sexualitäten seien doch nur Konstruktionen, führen in die irrige Gedankenwelt der dekonstruierenden Judith Butler Gemeinde, die mit ihren “gender-studies” auch kein anderes intellektuelles Geschäft als Prof. Said und seine Epigonen betreiben kann. Langsam aber sicher beginne ich meine seinerzeitgen Befassungen mit Foucault und den Postmodernisten/-strukturalisten an den Unis zu hassen, wenn ich heute mitbekomme, was für eine ideologische Gülle damit unterfüttert wird.

PS: Die Columbia-University gibt sich 2007 weltoffen, der iranische Präsident kann dort die kruden Sichtweisen des djihadistischen Mullahregimes gegen die USA, Israel und die westliche Welt am 24.September unter die Elite streuen, nachdem er der UN-Vollversammlung ein halbstündiges “briefing” seiner Pläne unterbreitet hat und fast alle Staatsvertreter werden dem Schurken behende lauschen: ” SIPA Announcement and President Bollinger’s Statement on Forum with President of Iran” More …

references:
Cartoon by Patrick O’Connor, the Los Angeles Daily News

iran no homs
Evangelikale, Poststrukturalisten und Islam von Damien
Wird Homosexualität von “Kolonialisten” und Zionisten produziert?
Gigi erklärt Massad und seine Kritiker
Bollinger versus Ahmadinedschad
Ahmadinedschad an der New Yorker Uni von anaximander
Neues aus dem Gottesstaat
+ passend: Fight back von cliff cosmos
mahmud superstar von dissidenz
Nachruf auf E. Said