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WEF in Davos

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Mein letzter Besuch in dem wunderschönen Ort ist acht Jahre her. Ich war dort auf Einladung einer schweizer Umweltorganisation,die sich mehr Gehör bei der Hochfinanz und der  etablierten Politik versprach. Ich sollte die ganze Aktion am WEF dann  filmisch einfangen  – es kamen 45 Minuten Rohmaterial, eine kaputte Kamera und meine jaucheverseuchte Wintersportmontur dabei heraus. Die Sicherheitskräfte  identifizierten uns als  feindliche Alliens und der Wasserwerfer mit Kuhpissefüllung verjagte die publicitygeile Meute.

In 2009 geht es hochkarätig zu. Am Donnerstag Abend kam es beim WEF gegen Ende  einer Nahostdebatte mit Shimon Peres  zu einem Eklat, Erdogan verliess wütend das Podium. Der Moderator David Ignatius  habe ihn  in der Redezeit benachteiligt, so der indignierte  Erdogan. Der WEF Gründer Klaus  Schwab konnte die Situation auch nicht mehr retten, Wie es scheint, hat Erdogan mit diesem Auftritt in der Türkei offene Türen eingerannt:  Erdogan “Eroberer von Davos”, der Wortlaut der Streitdebatte zwischen Erdogan und Peres ist hier bei WELT-Obline abgelegt. Offensichtlich benutzen nicht nur durchgeknallte Mullahs aus dem Iran oder ewig gestrige Antiimperialisten den Nahostkonflikt, um sich international in Szene zu setzen. Die Türkei als Beitrittskandidat zur EU inszeniert sich unter Führung der AKP  als eurasischer Vermittlungsstern am Firmament einer islamistischen Front, die von der EU befördert wird, die USA sind da schon realistischer. Und dazu ist der AKP jedes Forum das Richtige. Ob vor gut einem Jahr in der Köln-Arena vor türkischen Migranten oder beim heurigen schweizer WEF. Welche Natter die EU mit der AKP an ihrerm Busen nährt, das darf nicht gedacht werden. Immerhin vertritt die EU als Agenda des Fortschritts in der Türkei die Schwächung des Militärs s , da wird der Islamismus  und  die zunehmende  Zurückdrängung des Säkularismus bereitwillig mit einberechnet. Erdogan mutiert immer mehr zur Figur eines Hugo Chavez in Europa. Öl hat er nicht als Verhandlungsmasse anzubieten, aber Herr über die Energiepipelines für Europa ist er schon.

references:
Erdogan, Ahmadinedschad…und Eko Fresh
Die Frage, Herr Erdogan

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Written by admin

January 30, 2009 at 1:04 am

Zypern: Der lange Weg zur Wiedervereinigung

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Der zweite Besuch auf Zypern war etwas nüchtern und kurz gehalten,der Austausch über die aktuellen Verhandlungsgeschicke offenbarte ein Grundproblem: Was die Bevölkerungen wünschen und was letztendlich auf dem politischen Verhandlungstisch geregelt wird,sind zwei grundverschiedene Angelegenheiten.

Die Hoffnungen,die in das neue dynamische Verhandlungsduo aus Präsident Christofias und den türkisch-zypriotischen Verhandlungsführer Mehmet Ali Talat gesetzt werden, können nicht über die festgefahrenen Positionen des türkischen Staates und auch Griechenlands hinwegtäuschen. Beide  sitzen immer mit am Verhandlungstisch, eine genuin zypriotische Position bewegt sich so immer an einer Kompromisslinie der Interessen der beiden grossen Staaten und den Interessen Zyperns.Eine Mediation der vielen Interessengruppen auf der Insel und im diplomatischen Parkett funktioniert nur kleinteilig bei gegenseitiger Kompromissbereitschaft.

Es scheint fast so zu sein,dass die türkische Seite alle Zeit der Welt hätte,das Armenhaus im Norden aufrecht zu erhalten, bis die EU endlich die Pforten ganz weit aufmacht. Christofias nutzte die Feierlichkeiten zum 48. Jahrestag der Unabhängigkeit Zyperns von der britischen Kolonialmacht, um der türkischen Verhandlungsseite folgendes ins Stammbuch zu schreiben:

“Of course, our aim is not to put anyone in the corner,” … “but to oblige the occupying power to come to its senses and realise that the troops withdrawal is also to its interest, as it is a just and viable solution to the Cyprus problem, if it wants to proceed towards membership of the European Union.” (Philippos Stylianou in Cyprus Weekly vom 03.10.2008)

Nächsten Freitag gehen die Vereinigungsgespräche auf hoher Ebene weiter:

They (Christofias+Talat) resume Cyprus problem negotiations next Friday on power sharing issues in a process diplomats believe is the best chance for peace in years. (Charlie Charalambous in Cyprus Weekly vom 03.10.2008)

Es wird über Machtteilungsfragen, Migrationskontingente zwischen dem türkisch besetzten Nord- und dem freiem zypriotischen Südteil verhandelt, die Freizügigkeit der Inselbewohner, Restitutionsansprüche von Bürgern und Institutionen im Rahmen der Kriegs- und Vertreibungshandlungen in 1974 stehen auf der Agenda – eine dunkle Zeit Europas, denn sowohl in Griechenland als auch in der Türkei herrschten vor 34 Jahren die Obristen, die die Teilung Zyperns in ihren antikommunistischen Wahnvorstellungen zielgerichtet vorangetrieben haben. Der damalige zypriotische Präsident  Erzbischof Makarios III hatte sich erfrecht, ein parlamentarisches Bündnis mit den Sozialisten einzugehen, massgebliche Teile der Junta in Athen witterten  die kommunistische Machtübernahme Zyperns und sie zettelten  gemeinsam mit zypriotischen Ultranationalisten einen grausamen Bürgerkrieg gegen die Zivilbevölkerung und politischen Machteliten auf der Insel an, der den Einmarsch der türkischen Armee quasi militärlogisch absehbar nach sich zog. In Portugal und Spanien sahen faschistische Regierungssysteme ihrem längst überfälligen Ende entgegen.

Schmerzlich sind nun auch die von der zypriotisch orthodoxen Kirche abverlangten Zugeständnisse, Erzbischof  Chrysostomos muss sich mit den Vertretern der muslimischen Minderheit arrangieren, dafür fordert die christliche Seite die Rückgabe und den ungehinderten Betrieb der Kirchen und Klöster im türkischen Nordteil – dort hat das türkische Militär 1974 kirchliches Eigentum requiriert, dem Verfall preisgegeben und auch zerstört –  eine Antwort auf die Vertreibung der Muslime aus dem Südteil während des Bürgerkriegs in den siebziger Jahren.

Als ein Zeichen der Annäherung der beiden Religionsgruppen werden seit einigen Jahren  im Südteil auch wieder Moscheen renoviert und so den Gemeindemitgliedern zugänglich gemacht. Im Nordteil fehlt diese Geste für die wenigen Christen erwartungsgemäss, es wird christlichen Pilgern sogar immer wieder schwer gemacht, Wallfahrtsorte im Norden besuchen zu können. Hier ist auch zukünftig für beide Seiten noch Handlungsbedarf anstellig.

An die Stelle meiner mässigen Euphorie zur Wiedervereinigung nach meinem Besuch im Juni 2008 ist nun eine pragmatisch-abwartende Haltung getreten. Mein Grundproblem zur Ermittlung ausgewogener  Bedürfnislagen war die Unmöglichkeit,im Norden unbefangene Stimmen einzuholen, Die türkische Besatzungsmacht verhält sich gegenüber den türkischen Zyprioten nicht nur paternailistisch sondern im höchten Masse ignorant. Im Südteil findet immerhin eine öffentliche Diskussion statt.

Ob die EU-Anbindung der Türkei ein beförderndes oder eher hinderliches Verhandlungsinstrument der Zyprioten zur Naherwartung der Wiedervereinigung darstellt, scheint für mich erst einmal offen zu bleiben. Die Bewahrheitung der alten Weisheit schwebt aber wie ein Damoklesschwert über dem ganzen Prozess: Zu viele Köche verderben den Brei.

Zur Abwechslung

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Serdar Somuncu – Kopftuch … leider nur audio ,(

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August 18, 2008 at 9:33 pm

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Beachtung von Sexismus

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Ganz dolle wird der Sexismus von studentischen Stellvertretern an den Unis wahrgenommen, Adrian berichtete unlängst auf seinem Blog über die Erstie-Kampagnen an der Potsdamer Uni.

Weniger Beachtung findet das sexistische Treiben der Istanbuler Staatsanwälte/Polizei gegen die Mitglieder des Homoverbandes LAMBDA in der Türkei. Also,an einem fehlendem Informationsfluss kann diese Wahrnehmungsdifferenz ja nicht wirklich fest gemacht werden. Möglicherweise habe ich auch die studentischen Sexismuskategorien einfach nicht so richtig verstanden und das, was mit LAMBDA momentan wieder geschieht, ist nur schnöde Staatsrepression oder eine folkloristische Besonderheit am Bosporus. Demnach wäre halt ein anderes AStA-Referat zuständig: Das für InterNat oder Kultur?

Written by admin

April 21, 2008 at 5:38 pm