Raumzeit

et Philolog

Hans Joachim Klein, Ex-Terrorist

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HaJo Klein Beltz Grab FFM via:media outnow

Zettel schreibt:

TV-Tip für zeitgeschichtlich interessierte Nachteulen: Ein Film über den Terroristen Klein, 28.7.07

Heute um 23.15 wiederholt Phoenix den besten Dokumentarfilm, den ich zum Thema Terrorismus der siebziger Jahre kenne: “Ein deutscher Terrorist. Die Geschichte des Hans-Joachim Klein” von dem niederländischen Dokumentarfilmer Alexander Oey.

Klein entstammt der Frankfurter “Putztruppen”- Szene, zu deren Anführern Joschka Fischer gehörte. Er schildert im ersten Teil des Films die Mentalität, die Methoden dieser Leute, die z.B. im Wald bei Frankfurt regelrecht trainiert haben, wie man Polizisten Verletzungen zufügt.

Er geriet dann in die eigentliche Terroristen- Szene, in die Gruppe um “Carlos”, war am Überfall auf OPEC-Angehörige in Wien beteiligt und sagte sich dann vom Terrorismus los. Er lebte dann lange im Untergrund in Frankreich.

Seine Geschichte ist bekannt. Nicht bekannt waren mir viele Einzelheiten, die Klein in dem Film erzählt, und die einen Einblick in die Denkweise, in die Gefühlskälte, in das paranoide Weltbild dieser Terroristen geben.


Klein wirkte auf mich zunächst, auch durch seine langsame Sprechweise und seinen hessischen Akzent, etwas “schlicht gestrickt”. Je länger ich den Film gesehen habe, umso mehr wuchs meine Achtung für diesen Mann, der sich gegen den immensen Druck seiner Gruppe behauptet hat, der sich geweigert hat, ganz zum Verbrecher zu werden, der dafür sein Leben aufs Spiel gesetzt hat.Der Film ist bester Dokumentarfilm. Der Regisseur drängt uns keine Meinung auf. Er manipuliert nicht durch Schnitte, durch Tricks à la Michael Moore. Sein Ziel ist es offensichtlich, Klein so authentisch zu Wort kommen zu lassen, wie das nur geht.
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PHÖNIX-INFO:

Ein deutscher Terrorist. Die Geschichte des Hans-Joachim Klein

Hans-Joachim Klein spricht erstmals in diesem Film offen über seinen Werdegang zum Terroristen. Der niederländische Regisseur Alexander Oey hat ihn in der Normandie aufgesucht und ist mit ihm an die Orte seiner Vergangenheit zurückgekehrt. Eine sehr persönliche Zeitreise in die Geschichte einer ganzen Generation.

 

Es waren nur zehn Minuten, aber sie haben sein ganzes Leben verändert. Was an diesem 21. Dezember 1975 passierte, verfolgt ihn bis heute, denn in diesen zehn Minuten fielen die Schüsse, die drei Menschen das Leben kosteten.

Hans-Joachim Klein hat nicht selbst geschossen, aber er fühlt sich verantwortlich, denn er war einer der sechs Terroristen, die drei Tage vor Heiligabend unter Führung des Topterroristen Carlos gewaltsam den Konferenzraum des OPEC-Gebäudes in Wien stürmten und 70 Menschen, darunter elf arabische Minister, als Geiseln nahmen.

 

Sendetermin

Sa, 28.07.07, 23.15 Uhr

Klein selbst wurde schwer verletzt gemeinsam mit den anderen nach Algerien ausgeflogen. 23 Jahre später stellt sich der bis dahin untergetauchte Hans-Joachim Klein der deutschen Justiz. In einem spektakulären Prozess, in dem alte Weggefährten der damaligen Frankfurter Hausbesetzerszene wie Joschka Fischer, Daniel Cohn-Bendit und Matthias Beltz aussagen, wird er zu neun Jahren Haft verurteilt, von denen er fünf hinter Gittern verbüßt. Seit 2003 lebt Klein wieder in jenem kleinen Dorf in der Normandie, in dem er – unterstützt von der linken französischen Elite und alten Freunden – bis zu seiner Verhaftung unter falschem Namen gelebt hatte.

In diesem Film kehrt er noch einmal an die Orte seiner Vergangenheit zurück: nach Frankfurt, wo er nach dem frühen Selbstmord seiner Mutter erst bei Pflegeeltern, dann beim lieblosen Vater aufwuchs und schließlich unter dem Spitznamen “Klein-Klein” in der aufkommenden Studentenbewegung seine Ersatzfamilie fand. In die italienischen Berge, in denen sich Klein 1977 – nach seinem Ausstieg aus den Revolutionären Zellen – in einer Hütte versteckt hielt und sich in einem Brief an den “Spiegel” vom bewaffneten Kampf distanzierte. Ins ehemalige Konzentrationslager Ravensbrück, in dem seine Mutter einst interniert war. Im heutigen Frankfurt begegnet er Daniel Cohn-Bendit und Tillmann Schulz – ein Treffen alter Weggefährten, die gemeinsam den Zeitpunkt nachzeichnen, an dem sich ihre Wege so schicksalhaft trennen sollten: die einen, die nach Straßenkampf und “Putztruppe” ihren Weg in die Politik suchten und später Europaabgeordnete, SPD-Mitglied und sogar Außenminister werden sollten, während andere wie Klein in den internationalen Terrorismus abglitten. Und er trifft noch einmal auf den Richter, der ihm mit seinem fairen Prozess die Chance auf ein neues Leben gegeben hat.

Film von Alexander Oey (2006)

Written by admin

July 29, 2007 at 5:57 am

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