Raumzeit

et Philolog

Robert Havemann

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Ein persönlicher Einstieg

Ich konnte Robert Havemann leider nicht selbst kennen lernen, was ich über und von ihm weiss, schöpfte sich im analogen Zeitalter aus seiner Literatur und den Erzählungen von Zeitzeugen, insbesondere aus meinem dissidenten Bekanntenkreis aus der ex-DDR. Zwei zentrale Texte Havemanns möchte ich voranstellen. In der Bildergallerie sind die Buchcovers und Inhaltsverzeichnisse abgelegt.Havemann 2 Covers -click pic to zoom
Havemann 2 Covers Backsides- click pic to zoomRobert Havemann Fragen Inhalt - click pic to zoomRobert Havemann Kommunist Inhalt - click pic to zoom

1. Ein dt. Kommunist.Rückblicke und Perspektiven aus der Isolation, erschienen 1978 bei Rowohlt und

2. Robert Havemann.Fragen,Antworten,Fragen ,Aufbau Verlag Berlin/Weimar 1990, Ersterscheinung beim Piper-Verlag 1970.

Beide Bändchen sind heute antiquarisch noch leicht und günstig zu erwerben. Diese beschränkte Auswahlliteratur hat meine Einschätzungen zur Rolle Robert Havemanns innerhalb der Dissidentenbewegung in der DDR massgeblich in den 70iger und 80iger Jahren geprägt. Dies hatte einen einfachen Grund: Die Erzählungen Robert Havemanns deckten sich auf weiten Strecken mit den Erzählungen westdeutscher Kommunisten/Sozialisten, die wie Havemann Zeitzeugen der Weimarer Republik und der Nazizeit waren und die eine ganz andere Sichtweise auf die dt. Geschichte vermittelten, als ich das aus meiner eher antikommunistisch geprägten Familie und der meist liberalkonservativen Schule gewohnt war. Aus diesen inhaltlichen Reibungen entwickelte ich seit Ende der 70iger Jahre mein politisches Weltbild, eine Mischung aus Marxologie, Internationalismus, sozialer Bewegungspraxis und die ganze politische Melange wurde angereichert durch Kontakte mit diversen linksradikalen Sekten, Hochschulgrüppchen und eben den realsozialistischen Erfahrungen der DDR-Dissidenten, die im Westen greifbar waren – dazu gehörten Biermann,Bahro und Kempowski. Ich landete bei den Grünen in deren Gründungszeit, weil sich dort ein linker Flügel jenseits der Stalino-Mao-Hodja-Fraktion der westdeutschen radikalen Linken sammelte, den ich für noch unterstützbar gehalten habe. Heute würde man sagen: Zuppi war bei den Fundis, was aber auch erklärungsbedürftig ist. Fundi konnte auch heissen, man steht positiv zur apokalyptischen Verzichtslogik der Fortschrittsfeinde, den Müslifressern und Birkenstockidealisten – wozu ich mich definitiv nie gezählt habe. Mehr Gemeinsamkeiten hatte ich eher mit den ex-KB’lern im Bundesvorstand – Trampert und Ebermann – ansatzweise auch mit Jutta Ditfurth, die damals in Frankfurt sehr aktiv war und dort für ein lebendiges Diskussionsklima gesorgt hat. Allein die Feminismusdebatten mit ihr ersparten mir auf produktive Weise 30 Jahre Emma-Lektüre. Aber zurück zu Robert Havemann, der eine der wichtigsten Schnittstellen zu den DDR-Dissidenten unterschiedlicher politischer Grundfärbung darstellte: Er wollte sich nicht aus der DDR wegekeln lassen, er hielt an seinen positiven Vorstellungen eines Sozialismus mit menschlichen Antlitz fest, bis zum bitteren Ende. Dieses Dableiben wollen trotz aller staatlicher Repression, der vehemente Wunsch auf Veränderungen des real existierenden Sozialismus ist für mich ein zutiefst unverständliches Motiv, das bei auswegloser Verhandlungsbasis mit dem Staat an religiöse Märtyrerlegenden erinnert. Ich nehme es aber als Faktum entgegen.

Hier soll es anlässlich der jüngsten Buchveröffentlichung von Florian Havemann um den “Prager Frühling” – die Konnotation für 1968 im Osten – gehen. Welche politischen Einschätzungen zur Freiheitsbewegung in der Tschechoslowakei waren in der DDR der 60-80iger Jahre schon als dissident gebrandmarkt und führten zu Verfolgung, Unterdrückung und Haft? Wo lagen die unüberbrückbaren inhaltlichen Differenzen von Florian und seinem Vater in der Einschätzung über den “Prager Frühling” und seine jähe Niederschlagung durch die Warschauer Pakt Staaten? Welche Rückschlüsse können anhand dieses Beispiels über die Geschichte der DDR-Dissidenz gezogen werden?

Fortsetzung folgt ….

Written by admin

December 21, 2007 at 1:18 pm

2 Responses

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  1. […] dahin werde ich mich mit Robert Havemann selbst befassen, insbesondere seine Texte zum Prager Frühling werden hier demnächst etwas genauer […]

  2. […] Väter und Söhne – Nachtrag zu Havemann Beitrag auf SecondLitart Fazit von Holger Keller Robert Havemann Autobiografie von Florian Havemann wikio zu wolf biermann/flori have Wolf Biermann: Ein Kuss in […]


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