Raumzeit

et Philolog

Schrippe,mein Zwischenstand

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Vom Datum her betrachtet ist das nun ein halbes Jahr her.Am Abend des 3. Januar erhielt ich von Schrippes Mutter die Todesnachricht,Schrippe wurde erhängt in seinem Badezimmer in Berlin-Spandau aufgefunden.

Eine meiner engeren Freundschaften fand so ein abruptes Ende,die Umstände von Schrippes Tod sind weiterhin unklar,die Polizei ermittelte einen Suizid ohne Abschiedsbrief – dieses Vorurteil wurde am Tag des Leichenfundes bereits von der Polizei gefällt. Damit soll die Nachwelt nun klarkommen,es ist weiterhin nicht zu ertragen.

Die Fischerei im Trüben nach Gründen,Ursachen,Beteiligten ist von meiner melancholischen Gewissheit abgelöst worden,dass man eben nicht alles erklären, ergründen oder begreifen kann. Vor allem die subjektiven Motive, inneren Kämpfe und daraus folgenden Handlungen meiner Mitmenschen im Nahbereich gestalten sich ausserhalb der alltäglichen Routine immer wieder als schwierig und undurchschaubar,ich will sie auch meistens garnicht mehr wissen. Ich weiss nur,Schrippe kommt nicht mehr zurück und das macht mich traurig.Ob ich die Person hätte sein können,die ihm aus der Not hätte heraus helfen können,weiss ich nicht.Ich war an diesem 3. Januar – oder genauer gesagt diesem 1. Januar,das ist das angenommene genaue Todesdatum – jedenfalls nicht für ihn da.Ich witterte keine Not bei ihm.Ich dachte,wir würden uns am 1. oder 2. Wochenende im Jänner treffen,wenn er denn Zeit hätte.Diese Zeit gab es dann leider nicht mehr.

Es ist nicht normal,wenn ein Mensch mit 26 einfach so,ohne ersichtliche Gründe, von der Bühne verschwindet.Dieser abrupte Kontaktabbruch macht mich mittlerweile auch etwas wütend. Ich weiss nur nicht genau, auf wen ich dieses Gefühl abladen kann?Die Polizei ist sicherlich der falsche Adressat,egal, wie nachlässig sie an der Aufklärung der Tragödie gearbeitet hat.

Na ja,bevor ich hier meine früher so gut gehütete existentialistische Phase reinszeniere,verbleibe ich lieber in melancholischer Selbstverharrung. Aus meiner inneren Überschattung durch diese traurigen Ereignisse im Jänner kann ich mich nur selbst herausziehen.Es gelingt mir leidlich.Es bleibt die Ratlosigkeit.Das Kopfkino schaltet sich wieder ein,es ist wieder so, wie es am Abend des 3. Januar war – ein gedanklicher Teufelskreis,dem besser mit Verdrängung zu begegnen ist.

Mir kommt eine etwa 3 Jahre alte Tekkie-Situation ins Gedächtnis. Schrippe wollte einen neuen Namen für seine Serveradresse finden,nach vielem Hin und Her,mit vielen Nu’s – Sachsen verstehen das – kam die Lösung in den Sprachraum: “schnapp-mer-seine-nu”! Ein Brüller,über den wir noch Monate später immer wieder herzlich lachen konnten.
Ich vermisse ihn so sehr,den Schrippe.

references:
Schrippes Tod in der Berliner Zeitung: Ungeklärte Todesfälle

Written by admin

June 3, 2008 at 8:45 pm

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